{"id":26460,"date":"2026-07-02T13:22:00","date_gmt":"2026-07-02T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26460"},"modified":"2026-07-02T13:22:00","modified_gmt":"2026-07-02T11:22:00","slug":"lukas-51-11-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-51-11-9\/","title":{"rendered":"Lukas 5,1\u201311"},"content":{"rendered":"<h3>Im Sehfernrohr: Fischfangpulk auf Gegenkurs | 5. So. n. Trinitatis | 05.07.2026 | Lukas 5,1\u201311 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm dr\u00e4ngte, zu h\u00f6ren das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.\u20022 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.\u20023 Da stieg er in eines der Boote, das Simon geh\u00f6rte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.\u20024 Und als er aufgeh\u00f6rt hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!\u20025 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.\u20026 Und als sie das taten, fingen sie eine gro\u00dfe Menge Fische und ihre Netze begannen zu rei\u00dfen.\u20027 Und sie winkten ihren Gef\u00e4hrten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und f\u00fcllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.\u20028 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu F\u00fc\u00dfen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein s\u00fcndiger Mensch.\u20029 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, \u00fcber diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,\u200210 ebenso auch Jakobus und Johannes, die S\u00f6hne des Zebed\u00e4us, Simons Gef\u00e4hrten. Und Jesus sprach zu Simon: F\u00fcrchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.\u200211 Und sie brachten die Boote ans Land und verlie\u00dfen alles und folgten ihm nach.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p><strong>Im Sehfernrohr: Fischfangpulk auf Gegenkurs<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was haben die Stadt Bregenz und der Bibeltext gemeinsam? Eine Seeb\u00fchne. In Bregenz sind das sch\u00f6n stabile Bretter, die die Welt bedeuten. In Galil\u00e4a \u2013 von wegen Wasser hat keine Balken \u2013 am See Genezareth in Galil\u00e4a sind das krumme Planken, die bedrohlich auf- und abschwingen. Dann n\u00e4mlich, wenn man das Fischerboot betritt oder verl\u00e4sst. Und auch, wenn einer sich zu abrupt und ungelenk auf dem Boot im Wasser bewegt. Ja, so ist Jesu Auftrittsplatz f\u00fcr uns im Leben: Klein, mobil, etwas holzstichig riechend, kommt leicht ins Wanken. Damals gab es ja noch nicht den Petersplatz in Rom. In einer Zeit, in der alle Welt sich haupts\u00e4chlich f\u00fcr einen Marsflug oder eine Designyacht mit Meeresghetto interessiert, da k\u00f6nnen wir uns als Christen mit unserem Auftrittsplatz gut getroffen sehen. Klein, mobil, etwas holzstichig riechend, kommt leicht ins Wanken&#8230; \u2013 \u00fcbrigens passt das auch ziemlich gut zu den Balken des Kreuzes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Sache f\u00e4llt bei dem Ereignis dann doch etwas aus dem Rahmen. Die Leute am See laufen Jesus in Scharen zu. Als ob es darum ginge, an einem lauen Sommertag f\u00fcr die B\u00fchne in Bregenz noch ein Ticket zu erwerben: Um dann auf den Stegen Schampus zu schl\u00fcrfen und dabei \u00fcber die Oper zu schwadronieren wie eine K\u00fcnstliche Intelligenz. Die Leute am See Genezareth laufen Jesus in Scharen zu. Obwohl am Ufer \u2013 in wahrem Sinne uferlos \u2013 f\u00fchlt Jesus sich doch wegen des gro\u00dfen Andrangs gezwungen, ins Wasser zu gehen. Wegen des gewaltigen Zulaufs sieht er seinen Platz am Ufer schwinden, so sehr haben ihn die Leute zum Fressen gern. Da begibt er sich doch lieber weg ins Wasser. Uferlos erscheint uns heute doch eher eine Ablenkung vom Glauben an Jesus oder Desinteresse an ihm. Fast eine Springflut an Ignoranz, Leugnen, Verf\u00e4lschung und \u00f6fter wieder Nachstellung und Bek\u00e4mpfung. Uferlos heute auch die Menge der Menschen, die Mitmenschen aus einem Gebiet verdr\u00e4ngen wollen, hinfort zu Not und Tod in allerlei Sog und Strudel: An Staatsgrenzen, in Gruppenchats, in Schulklassen und Sportteams. Aber hier verh\u00e4lt es sich etwas anders. Zulauf ohne Ende an die Grenze, wo Land und Wasser auf ihre Weise enden, und Jesus seine Nachfolge startet. Und sonderbar: Die Leute, uferlos im Guten oder im B\u00f6sen, dr\u00e4ngen von sich aus zu einer Grenze, an der sich Jesus befindet und mobil agiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn Jesus kann sehr leicht, was einem Verdr\u00e4ngten sonst schwerf\u00e4llt. Jesus wei\u00df die Grenze mal schnell zu seinen Gunsten zu verschieben. Das trifft zuerst den Simon Petrus. Jesus begeht einen Fauxpas: Er betritt dessen Eigentum, ein Fischerboot, mit dem jener sein Geld verdient. Und zwar ohne vorher zu fragen oder zu bitten. Was leicht zu tun gewesen w\u00e4re, kauerte der Fischer doch nahebei. Dort s\u00e4uberte er mit den Seinen die Fangnetze, pfl\u00fcckte Tang aus dem Flechtwerk, wertlose Meeresfr\u00fcchte, leere Muscheln und Gr\u00e4ten. Diese Ansprechbarkeit k\u00fcmmert Jesus keinen Deut. Aus den Augen, aus dem Sinn, das k\u00f6nnte man noch nachvollziehen und trotzdem wenig gut finden. Aber in den Augen, und doch aus dem Sinn und einfach \u00fcbergangen? Da verliert einer doch leicht die Fassung, oder, das \u00fcbersteigt das Verm\u00f6gen? Jo mei, da l\u00e4sst di nieder, sagt man in Bayern, wenn einer sich so unversch\u00e4mt breit macht. Und sich selbst einl\u00e4dt, ohne eingeladen worden zu sein. Versuchen Sie das mal, falls Sie sich das trauen, steigen Sie einfach mal so auf die Pritsche eines Handwerker-LKW, dessen Besatzung drau\u00dfen beim Nachbar GALA Bau macht, und lassen Sie sich da nieder. Oder in deren LKW-Kabine und spielen Sie da an Radio oder Navi rum. Und machen Sie dann den Kapo auf sich aufmerksam und bitten ihn, Sie spazieren zu fahren oder eine gute Playlist f\u00fcr Sie abzuspielen. Mal sehen, was passiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Lukastext geschieht das n\u00e4chste Wunder, es passiert n\u00e4mlich: nichts. Simon P. folgt einfach dem Ansinnen Jesu. Er l\u00e4sst es sich gefallen, was befremdlich ist. War er etwa ein Typ, der gerne gehorcht und sich unterordnet? Das ist n\u00e4mlich b\u00e4h, das passt uns ganz und gar nicht, wir wollen frei und souver\u00e4n sein. Wir wollen gef\u00e4lligst Einladungen abschlagen k\u00f6nnen. Oder selber ausrichten und aussprechen, damit uns Menschen nachfolgen. So mag uns eine andere Erkl\u00e4rung vielleicht besser gefallen: Wollte Simon P. einfach den Coolen spielen, der souver\u00e4n mit Frechheiten umgeht? Oder war er nur gelangweilt und freute sich auf einen kleinen Schwatz mit dem Unbekannten? Oder war er schlichtweg zu ersch\u00f6pft von der Nachtarbeit, die ohne Fang und Fisch ausging? Oder hei\u00dft es etwas ganz anderes? Hei\u00dft es, dass wenn der Heilige Geist zu uns kommt, er uns einfach bekommt? Und zwar so, dass es unsereins sogar entgeht statt es mitzukriegen. Der Mensch verliert die Fassung und kriegt gleich ohne Umstand eine neue, bessere daf\u00fcr: Es ist also egal, ob wir schwer gefrustet und gebeutelt sind, oder trotzig und rebellisch, oder gelangweilt und sensationsgeil. Jesus und sein Geist, der nimmt uns und unsere Gef\u00fchle, wie sie sind, und macht damit, was gerade zu seinem Kurs passt: rebellisch wie David, gefrustet wie Elia, neugierig wie Zach\u00e4us, folgsam wie die Ehebrecherin. Oder wie eben halt Simon Petrus. Und wie war der da so in der Geschichte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus hie\u00df ihn, dahin zu fahren, wo das Wasser am h\u00f6chsten \u00fcber dem Grund steht \u2013 was umgekehrt bedeutet: zu der Stelle, wo der See am tiefsten ist. Und so viel ist klar, der Fischer hat das als Himmelfahrtskommando verstanden. Aber uns entgeht, in welchem Sinn. Das kann zum einen bedeuten, dass Petrus das als eine H\u00f6llenfahrt verstanden hat, bei der dann mindestens nur eine Leerfahrt rauskommt. Vielleicht aber auch, dass das Boot mit Mann und Maus untergeht und im Schlamm des Grundes versinkt. Oder als echte Ausfahrt ins Himmelreich, dahin, wo Milch und Honig und Kaviar flie\u00dfen, also im Auftrag des Herrn unterwegs. Obwohl Jesus zu der Zeit noch ein gutes St\u00fcck von seiner Himmelfahrt entfernt war und seine Nachfolge hier erst zu starten im Begriff stand. Was hat sich Simon Petrus also dabei gedacht? Himmel oder H\u00f6lle? H\u00f6ren wir noch mal, was er auf das Gehei\u00df Jesu antwortet. <em>Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. <\/em>Er ist also als Fischer gegen den Strom der Schw\u00e4rme getriftet. Auf modern hei\u00dft das so was wie: Er hat sich antizyklisch verhalten. Er hat einen Kopfstand zuerst gedacht und dann gemacht. Und schlie\u00dflich also das Gegenteil von dem, was er sonst getan hat, gegen alle Faustregeln, wider besseres Wissen und Mindset, against all odds und den gelernten Kreislauf der Dinge. Ein Fangrundfahrt nach den neuen Regeln eines Fremden, der kaum wie ein echter Seeb\u00e4r daherkam. Ohne zu wissen, ob Mensch und Natur da mitspielen oder ob das scheitert. Wieder ist nichts eindeutig \u00fcber Gef\u00fchle und Motive von Simon P. zu erschlie\u00dfen. Offensichtlich gilt auch hier wieder: Jesus und sein Geist, der nimmt uns und unsere Gef\u00fchle, wie sie sind, und macht mit ihnen, was gerade zu seinem Kurs passt: rebellisch wie David, gefrustet wie Elia, neugierig wie Zach\u00e4us, folgsam wie die Ehebrecherin. Oder hin und her d\u00fcmpeln wie Simon P. Und dann doch verbindlich die Anker hoch und losgelegt!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn der Simon P. geahnt h\u00e4tte, dass der vom Ufer aufs Wasser verdr\u00e4ngte in ihn dringt. Und ihn vom See aus weg auf den Boden der Nachfolge dr\u00e4ngt&#8230; zu sp\u00e4t, zu sp\u00e4t, h\u00e4tte, h\u00e4tte, Fahrradkette&#8230;, die W\u00fcrfel sind mit den Netzen gefallen in die Tiefe. Das Boot ist voll! Das Boot ist voll! Statt dass der Ruf den Matrosen und blinden Passagieren droht und gilt, verhei\u00dft und frohlockt <em>das Boot ist voll!<\/em> jetzt fette Ausbeute f\u00fcr jeden, der dabei war und mitgefischt hat, im Tr\u00fcben oder offen und klar. Mitgefangen, mitgehangen. Petrus im Netz und Bann von Jesu Anrede, die sich stumm in ihm und seinem Boot- und Brotberuf breit gemacht hatte. Lange bevor er \u00fcberhaupt die Chance hatte es zu bemerken. Jo mei, da legst di nieder! Simon P. f\u00e4llt Jesus zu F\u00fc\u00dfen. Gro\u00dfes Drama auf der B\u00fchne! War das sein letzter Versuch, sich aus dem Staub zu machen, Land zu gewinnen, um dem Netzwerk Jesu zu entfliehen? Oder wollte er um Gnade winseln angesichts seiner Blindheit und Dummheit f\u00fcr Jesu Reden, Schweigen und Tun? Oder erwartete er mitten auf dem Wasser einen Ritterschlag als Fels der Kirche? Woas woas i scho!? Sicher ist nur, dass er sich auf die H\u00f6he Jesu begab. Der sa\u00df n\u00e4mlich bereits und hatte sich in ein kleines Eckchen der Dschunke gekauert, die mit Fischleibern voll verrammelt war. Herz und Herz vereint zusammen. Heiliger Geist und Mindset \u2013 voll eng miteinander. Simon Petrus kam sich ein bisschen wie der Prophet Jona vor, und zwar, nachdem der Wal jenen aus dem Wasser und an Land gespuckt hatte. Nur mit dem Unterschied und mehr noch: Ihm war hier und jetzt all der Fisch zur Beute geworden statt er zur Beute des Fisches. Wie es sich zugetragen h\u00e4tte, w\u00e4re Jesus ausgeblieben? Statt aufzukreuzen und es mit der Natur und dem leeren Fang noch mal zu versuchen und auf zu nehmen! Da w\u00e4re er wie der arme Fischer im M\u00e4rchen nach Hause gekommen mit null und nix. Nach Hause kommt er jetzt auch wieder, aber nur kurz und mit viel Fisch und voller Pl\u00e4ne und Ideen. Und dann reiste er ganz sch\u00f6n rum in der weiten Welt und kriegte da so einiges zu erleben und eine sehr gro\u00dfe eigene B\u00fchne in Rom. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Markus Kreis OStR<br \/>\nHirschkopfstrasse 9<br \/>\nD-69469 Weinheim<br \/>\nmarkus_kreis@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sehfernrohr: Fischfangpulk auf Gegenkurs | 5. So. n. 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