{"id":26487,"date":"2026-07-07T21:15:47","date_gmt":"2026-07-07T19:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26487"},"modified":"2026-07-07T21:15:47","modified_gmt":"2026-07-07T19:15:47","slug":"deuteronomium-76-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/deuteronomium-76-12\/","title":{"rendered":"Deuteronomium 7,6\u201312"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Aus Liebe zum Lernen und Leben | 6. Sonntag nach Trinitatis | 12.07.2026 | 5. Mose 7,6\u201312 | Manfred Mielke|<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr eine neue Arbeitsstelle wirst du dich bewerben und abschlie\u00dfend einen Vertrag unterschreiben. Darin stehen deine Aufgaben und was Dir als angemessener monatlicher Lohn zusteht. &#8211; Wenn zwei Menschen vor dem Traualtar sich das \u201eJa-Wort\u201c zusprechen, dann gehen sie den \u201eBund f\u00fcrs Leben\u201c ein. Dem Paar geht es um eine unermessliche Liebe, um das \u201eSich Vertragen\u201c und das \u201eF\u00fcreinander Dasein\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In beiden F\u00e4llen schlie\u00dfen zwei Seiten einen Vertrag, gehen ein B\u00fcndnis ein, binden sich aus freien St\u00fccken. Dar\u00fcber wacht eine Respektsperson, die die entsprechende Vollmacht hat. Der Arbeitgeber reicht dir den Kugelschreiber an, der Pfarrer segnet euch den Bundesschlag eurer H\u00e4nde. Es gibt also sehr unterschiedliche Formen, Vertr\u00e4ge einzugehen, den Lebensfrieden zu erobern oder sich den Lebensunterhalt zu sichern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose hatte damals die Aufgabe, das B\u00fcndnis zwischen seinem Volk Israel und seinem Gott Jahwe in klare Worte zu fassen. Dazu h\u00e4lt er eine gro\u00dfartige Rede, von der wir nun den einleitenden und den abschlie\u00dfenden Gedanken h\u00f6ren, den Mittelteil bedenken wir sp\u00e4ter. Der einleitende Gedanke lautet: \u201eDu bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat Jahwe, dein Gott, erw\u00e4hlt zum Volk des Eigentums aus allen V\u00f6lkern, die auf Erden sind.\u201c Sein abschlie\u00dfender Gedanke lautet: \u201eFalls ihr seine Gebote h\u00f6rt und haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er es unseren V\u00e4tern geschworen hat. (5.Mose 7,6+12)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seiner Rede beschreibt Mose sich nicht als Vertragspartner, er fungiert als Vermittler. Er benennt klare Fakten, wobei alle Beteiligten sp\u00fcren, dass es um etwas Grundlegendes geht. Um etwas, was sie schon \u201ein etwa\u201c k\u00f6nnen, aber beide noch hineinwachsen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Israeliten haben die Flucht durch die W\u00fcste Sinai hinter sich. Sie sind mittellose und heimatlose Migranten und werden sich in so etwas Fremdes wie Eigentumsrechte oder ethnische Erw\u00e4hlung erst eingew\u00f6hnen m\u00fcssen. Und Jahwe, ihr Gott, hat sein Volk aus der Sklaverei \u00c4gyptens gerettet und durch die Todeszone navigiert. Zuk\u00fcnftig muss er auch im Kulturland und im Wohlstand so etwas Fremdes wie Barmherzigkeit und Moral aufrechterhalten, da wird er noch hineinwachsen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich hatte Mose sich seine Rede so schreiben lassen, als w\u00fcrde er mit Glanz und Gloria ins Gelobte Land einmarschieren, als Anf\u00fchrer des \u201eGr\u00f6\u00dften Projekts aller Zeiten\u201c. Doch Gott verurteilte ihn wegen eines bestimmten Vergehens dazu, noch in der W\u00fcste zu sterben; nur einen Blick \u00fcber die H\u00fcgel ins fremde Land Kanaan darf er noch werfen. So wird seine Antrittsrede zu einer Abschiedsrede, seine Utopien werden zu seinem Verm\u00e4chtnis, und seine F\u00fchrungsqualit\u00e4ten erstarren zu einem erhobenen Zeigefinger.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seine Rede ist eingerahmt mit gegenseitiger Erw\u00e4hlung und B\u00fcndnistreue, mit guten Hoffnungen und Zusagen. Sie bekommt aber einen herben und warnenden Einschub. Der lautet so: \u201eGott hat euch nicht angenommen und euch erw\u00e4hlt, weil ihr gr\u00f6\u00dfer w\u00e4ret als alle V\u00f6lker \u2013 denn du bist das kleinste unter allen V\u00f6lkern \u2013, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren V\u00e4tern geschworen hat. Darum hat er euch herausgef\u00fchrt mit m\u00e4chtiger Hand und hat dich erl\u00f6st von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des K\u00f6nigs von \u00c4gypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied h\u00e4lt denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und s\u00e4umt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Moses selbst und jeder Zuh\u00f6rer und jede Zuh\u00f6rerin sind \u00dcberlebende des Marsches durch die W\u00fcste. Jetzt zu h\u00f6ren, dass Gott sowohl seine Treue wie auch seine Vergeltung aus\u00fcben wird in den n\u00e4chsten tausend Generationen, \u00fcberfordert und verwirrt sie. Und dennoch wird das Gottesvolk in den n\u00e4chsten Jahrhunderten zunehmend heidnische Gottheiten verehren und das Milit\u00e4r verg\u00f6ttern. Ihre Abkehr von Gott bewirkte viele und tiefe Krisen. Als diese eintraten, half dann die Autorit\u00e4t des Moses, dass er schon in der W\u00fcste davor gewarnt hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In seiner Rede klingen zudem einige Begriffe auf, die wohltuend bleiben, obwohl sie gef\u00e4hrdet sind. zB Vertragstreue und Eides-Leistung, Barmherzigkeit und Liebe. Gott ist bereit, zu seiner Heiligkeit auch die Barmherzigkeit zu paaren, und stellt sich seinem inneren Konflikt zwischen Vergeltung und Lebensf\u00f6rderung. Und das Volk braucht eine neue Geschicklichkeit und Tatbereitschaft, um die Anforderungen auf seiner Seite zu erf\u00fcllen. Mose fungiert dabei als Vermittler, als Mediator, \u00e4hnlich wie der Pfarrer, der die Handgeste des Ehepaars segnet oder wie der Arbeitgeber, der den Kugelschreiber zur Unterschrift anreicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mich interessiert, einige Erkenntnisse aus dem heutigen Bibeltext in unserer Realit\u00e4t wiederzuentdecken. Mein erstes Beispiel ist eine Trauung, die ich erlebt habe. Die Braut stammte aus Ost-Afrika, der Br\u00e4utigam aus seiner deutschen Heimat. In das Glockengel\u00e4ut mischten sich gellende afrikanische Freudenrufe, die auch bei unserm Bl\u00e4serst\u00fcck anhielten: \u201eBino Batata, bobongola motema &#8211; Yesu akopenga jo!\u201c (\u201eDer Vater, die Mutter, Tante, Onkel &#8211; alle brauchen Jesus!\u201c) Aber beim Trauversprechen wurde es mucksm\u00e4uschen still; die Braut sprach es auf Deutsch und der Br\u00e4utigam auf Kinyarwandisch. Das B\u00fcffet wurde dann er\u00f6ffnet mit einer Vorsuppe aus H\u00fchnerbr\u00fche und lustigen Buchstabennudeln, serviert von den drei Kinder-T\u00f6chtern der Braut. &#8211; Schon eine gew\u00f6hnliche Trauung bewegt uns, aber hier gingen zwei einen Lebensbund ein, die unterschiedlicher nicht h\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Die Braut war in Ruanda als Friedensaktivistin engagiert und konnte als Witwe mit ihren Kindern in letzter Sekunde noch vor dem Genozid fliehen. Der Br\u00e4utigam strebte nach seiner Scheidung eigentlich nur noch seine Pensionierung an. &#8211; Ihr Bund f\u00fcrs Leben kam mit wenigen Worten und Gesten zustande, aber in indem jeder es in der Muttersprache des anderen sagte, blitzte etwas auf von der Sch\u00f6pfungslust Gottes. Die Langsamkeit, mit der sich beide die Hand reichten, spiegelte die Verletztheit ihrer Seelen wider und auch die Irrwege hin zum sicheren Hafen einer vorsichtigen Liebeslust. Die fr\u00f6hlichen Buchstaben in der H\u00fchnersuppe verwiesen auf den Hunger der Kinder auf ein eigenes Kinderzimmer &#8211; in einem \u201eGelobten Land\u201c und lie\u00dfen auch ihre Buchstabierlust aufploppen hin zur Pubert\u00e4t und Autonomie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu dieser besonderen Trauung passte noch mehr wie zu jeder anderen der Gl\u00fcckwunsch des Moses: \u201eSeid gewiss, dass der treue Gott seinen Bund und eure Barmherzigkeit durchhalten wird.\u201c Soweit zum Bund des Lebens. Mein zweites Beispiel folgt einer Episode aus der aktuellen Arbeitswelt. Ein guter Bekannter bewirbt sich auf einen Job in der Gesch\u00e4ftsleitung eines Technik-Unternehmens. Zum Abschluss der Verhandlungen muss er einige Unterschriften leisten, zum Datenschutz und gegen Korruption. Doch ein Dokument ist ungew\u00f6hnlich. Niemals habe er ein Seminar der Scientology-Sekte besucht, allein ein Kontaktversuch w\u00e4re ein sofortiger K\u00fcndigungsgrund. Auch das unterschreibt er klaglos. So wird er Mitarbeiter eines gro\u00dfen Konzerns, der das Eigentum eines legend\u00e4ren Patriarchen ist. Wer bei dem so eine Klausel unterschreibt, kann sich alle weiteren Verbote in dessen Stallordnung ausmalen. Niemand w\u00fcrde es je wagen, gegen dessen Ethik-Grunds\u00e4tze zu versto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mose spricht von den Eigentumsrechten Gottes an seinem Volk. Damit schlie\u00dft Gott jede Fremdsteuerung aus, z.B. f\u00fcr die Gegenseite zu spionieren oder sich der Bestechlichkeit auszuliefern. Mose will die Loyalit\u00e4t f\u00f6rdern, Gott treu zu bleiben, der sie durch die Hungerzeiten der W\u00fcste gef\u00fchrt hat, damit sie den zuk\u00fcnftigen Fleischt\u00f6pfen der Babylonier, Perser, Griechen und R\u00f6mer nicht erliegen. Der Zauber fremder Religionen soll nicht als Ausrede herhalten, die eigenen Standards auszusetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn heute ein Konzern seine Leute freiwillig \u00fcbertariflich bezahlt, ihnen E-Bikes spendiert und sogar die Nachhilfekosten ihrer Kinder \u00fcbernimmt, dann, weil er sich um die Work-Life-Balance seiner Untergebenen und Leibeigenen sorgt. Die Sorge Gottes um unsre Work-Life-Balance klingt in Moses Rede in etwa so an: \u201eBleibt in Gottes Moral, denn er hat euch erw\u00e4hlt, weil er euch ganzheitlich liebt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr das historische Israel folgte nach der Flucht durch die W\u00fcste der Durchmarsch ins Kulturland. Das Paar marschierte durchs Single- und Witwendasein hinein in die Lebensform der Familie. Der Umsch\u00fcler k\u00e4mpfte sich durch einige Fortbildungen, bis er die Gesinnungskontrolle akzeptierte und sich sein Auskommen sicherte. Diese unterschiedlichen Formen, Vertr\u00e4ge einzugehen, den Lebensfrieden zu erobern oder den Lebensunterhalt abzusichern, haben eine gemeinsame Urgeschichte im B\u00fcndnis Gottes mit seinem historischen Israel. Heute haben wir aus der Rede des Moses herausgeh\u00f6rt, dass Gott dabei kein lebensfeindliches Ordnungskonzept verfolgte, sondern ihn die Liebe antrieb zum Leben und zum Lernen. Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschl\u00e4ge<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Singt Gott den neuen Lobgesang (Singt Jubilate 92)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun danket Gott, erhebt und preiset (EG 290)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcrbitten (mit Singspruch von <a href=\"https:\/\/www.evangeliums.net\/lieder\/okko_herlyn.html\">Okko Herlyn<\/a>)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Gott, du hast Israel durch die W\u00fcste gef\u00fchrt. Stehe denen bei, die Fluchtwege finden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Viele haben den Mi\u00dfbrauch ihres Guten Glaubens erlitten. Zeige dich in deiner Unerschrockenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Gott, du lebst deine Balance zwischen Zorn und Segen. Sei uns ein Brunnen der Courage.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Wir bitten dich: Sch\u00fctze alle Liebenden, in Krisen wie im Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Gott, f\u00f6rdere unsre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und befreie unsern Glauben von allen Lohngedanken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine\/r: Gott, lass uns aus der Kraft Deiner Dreieinigkeit mehr Frieden in dieser Welt wagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Alle: Gib uns heute Mut und Geduld f\u00fcr Morgen, und einen langen Atem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manfred Mielke, Pfarrer der EKiR im Ruhestand, geb 1953, verheiratet, 2 S\u00f6hne. Sozialisation im Ruhrgebiet und in Freikirchen. Studium in Wuppertal und Bonn (auch Soziologie). Mitarbeit bei Christival und Kirchentagen. Partnerschaftsprojekte in Ungarn (1988- 2011) und Ruanda (2001-2019). Musiker und Arrangeur.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Liebe zum Lernen und Leben | 6. Sonntag nach Trinitatis | 12.07.2026 | 5. Mose 7,6\u201312 | Manfred Mielke| Liebe Gemeinde, f\u00fcr eine neue Arbeitsstelle wirst du dich bewerben und abschlie\u00dfend einen Vertrag unterschreiben. 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