{"id":26502,"date":"2026-07-15T20:59:48","date_gmt":"2026-07-15T18:59:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26502"},"modified":"2026-07-15T20:59:48","modified_gmt":"2026-07-15T18:59:48","slug":"matthaeus-1024-31-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1024-31-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 10,24\u201331"},"content":{"rendered":"<h3><b><span lang=\"DA\"><strong>Er, der jedes Haar z\u00e4hlt <\/strong> | <\/span><\/b>7. So. n. Trinitatis | <span lang=\"DA\">19. Juli 2026 | <\/span><span lang=\"DA\">Mt 10,24\u201331 | <\/span><span lang=\"DA\">Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/span><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span lang=\"DA\"><strong>Er, der jedes Haar z\u00e4hlt<\/strong><\/span><\/b><\/p>\n<p>Autoferien! Die sch\u00f6nste Version ist die, in der alle fr\u00f6hlich sind \u2013 schauen, reden und lachen, Pausen einlegen und Ziele und Orte erreichen, die nicht immer geplant, aber trotzdem wunderbar sind: Orte, von deren Existenz wir nichts ahnten.<\/p>\n<p>Die schlimmste Version ist die mit endlosen Staus. Es ist viel zu hei\u00df, und das Geplante wird nicht erreicht. Alle sind gereizt und unzufrieden \u2013 selbst die Pausen sind anstrengend.<\/p>\n<p>Nur ein Narr f\u00fcrchtet die Autoferien nicht \u2026 Mehr als einmal habe ich am Stra\u00dfenrand oder am Rastplatz gestanden und einen Vogel im Geb\u00fcsch betrachtet, einen Spatz, der nach verlorenen Kr\u00fcmeln suchte, oder eine Kuh auf der Weide \u2013 und mir gew\u00fcnscht, wie sie zu sein: genau hier, genau jetzt, scheinbar v\u00f6llig unbek\u00fcmmert. Wobei \u2013 wer wei\u00df schon, wor\u00fcber sich ein Spatz oder eine Kuh Sorgen macht?<\/p>\n<p>Vergessen Sie Ihren Sommerkrimi \u2013 hier geht es um viel mehr als G\u00e4nsehaut und Kribbeln im Bauch: Hier ist echte Furcht und Angst im Spiel, und Jesus scheint geradezu bedrohlich in seiner Mahnung an die J\u00fcnger. Wenn Sie ganz au\u00dfen auf der Kirchenbank sitzen und den Kopf einziehen, ist das durchaus verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>F\u00fcrchtet euch nicht! F\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die urteilen, verurteilen und euch mit h\u00e4sslichen Schimpfworten belegen; sie k\u00f6nnen eurer Seele nichts anhaben! Diese Worte m\u00f6gen uns vielleicht Mut einfl\u00f6\u00dfen mitten in aller Unruhe der Welt, mitten in Schimpf und Schande, Kriegsl\u00e4rm und Kriegsdrohungen. Wer f\u00fcrchtet sich nicht davor, die Morgennachrichten zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p>Doch dann folgt der n\u00e4chste Satz: F\u00fcrchtet den, der Leib und Seele verderben kann in der H\u00f6lle!<\/p>\n<p>Diese Worte klingen, als s\u00e4\u00dfe man in einem gl\u00fchend hei\u00dfen Auto in einem endlosen Stau, ohne Aussicht auf ein Reiseziel oder eine wirkliche Pause. Es hilft kaum zu wissen, dass Jesus einen konkreten Ort nahe Jerusalem meint: Gehenna, das Tal Hinnom. Dieser Ort war f\u00fcr sich genommen schon ein Grauen, wie einem Roman von Stephen King entsprungen. In diesem Tal, so berichtet das Alte Testament, wurden Kinder dem G\u00f6tzen Moloch geopfert, wovon sich der biblische Gott mit aller Kraft distanzierte. Zur Zeit Jesu war das Tal eine brennende M\u00fcllhalde, wo alles Unreine verbrannt wurde. Die Feuer brannten Tag und Nacht \u2013 daher die Vorstellung vom ewigen Feuer. Das Inferno des Mittelalters geh\u00f6rt einer viel sp\u00e4teren Zeit und Vorstellungswelt an.<\/p>\n<p>Das hilft ein wenig, doch Jesus spricht weiterhin von Gott als demjenigen, der Leib und Seele verloren gehen lassen kann \u2026 und von Furcht und Gott in demselben Atemzug. Glauben Sie mir: Heute zu predigen ist genauso br\u00fctend hei\u00df wie in einem Stau im Autoferienverkehr \u2026<\/p>\n<p>\u2026 bis Jesus unseren Blick hebt und der Triller der Lerche \u00fcber dem Feld zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p>Sie kennen es selbst: Manche Menschen h\u00f6ren einfach nicht zu. Sie h\u00f6ren nur, was sie selbst schon denken. Sie urteilen nach ihrem eigenen Ma\u00dfstab, und etwas anderes zu sehen als das, was sie sehen wollen, scheint ihnen unm\u00f6glich. Die Trolle des Internets sind ein naheliegendes Beispiel: Sie schimpfen und hassen, egal was und wen. Sie hassen um des Hasses willen.<\/p>\n<p>Jesus ist gerade eben von schriftgelehrten Menschen, von Pharis\u00e4ern, als der Satan selbst bezeichnet worden. Nicht, weil Jesus jemandem etwas B\u00f6ses antut, sondern im Gegenteil, weil er heilt und Gutes tut. Er sei ein Zauberer, ein D\u00e4mon, im Bunde mit dem Teufel selbst, sagen die Pharis\u00e4er \u2013 und w\u00fcrden Jesus am liebsten auf der Stelle steinigen oder ihn in den Abgrund sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Jesus wendet sich an seine J\u00fcnger und sagt, sie m\u00fcssen damit rechnen, dass ihnen dasselbe widerf\u00e4hrt, was jetzt ihm widerf\u00e4hrt: gehasst zu werden, weil sie Gutes tun und das B\u00f6se austreiben. Beschimpft, angeklagt und verurteilt, verfolgt zu werden und auf der Flucht. Das ist es, womit die J\u00fcnger rechnen m\u00fcssen \u2026<\/p>\n<p>\u2026 Sind Sie noch dabei? Dann ist jetzt der Moment, den Blick zu heben und zu den jubelnden Lerchen und den Mauerseglern am Himmel zu schauen. Es kommt an auf die Augen, die sehen; auf die Ohren, die h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es gibt genug zu f\u00fcrchten. Die menschenfeindlichen M\u00e4chte, die Trolle des Internets und die Tyrannen sind da. Es gibt aber auch guten Grund, Gott zu vertrauen, der die Sperlinge in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt; der sich um Lerche, Schwalbe und Meise sorgt. Es gibt \u2013 nach Jesu Worten \u2013 eine Grundzusage, dass Gott uns nicht verloren gehen l\u00e4sst und dass er kein Menschenleben verschwendet, \u00fcberhaupt kein Leben. Gott z\u00e4hlt sowohl unsere Kopfhaare als auch unsere Tr\u00e4nen; ja, er sammelt sie in einem Schlauch und schreibt sie auf in seinem Buch (Psalm 56)<strong>,<\/strong> um das Verlorene, das Verschwendete, das Zerst\u00f6rte zu sammeln. Gott ist beim Sperling, auch wenn er zu Boden f\u00e4llt und stirbt; Gott ist bei allem, was er geschaffen hat, bei seinen Gesch\u00f6pfen in Leben und Tod, in allem, was sie durchleben. Gott ist bei den Menschen, wenn sie von dem Hass und der Machtgier anderer Menschen verflucht, verurteilt und totgeschlagen werden. Gott ist auch bei denen, die w\u00fcten, verurteilen und andere totschlagen. Hier sto\u00dfen unsere Vorstellungen von Gott an ihre Grenze, und hier wird unsere Idee, dass es gerecht zugehen m\u00fcsse, mit allm\u00e4chtigem Finger von der Tafel gewischt. Willst du in Gottes Hand sein wie ein Sperling? Dann musst du damit leben, dass nicht deine Gerechtigkeit, sondern Gottes Reich das Ziel ist. Gott ist ein Gott, der sammelt und heilt. Deshalb wird Jesus zornig, ja w\u00fctend, wenn Menschen L\u00fcgen \u00fcber Gott erz\u00e4hlen, Gott verleumden, Gott als Waffe gegen Menschen missbrauchen, als Mittel zur Macht. Sie bekommen es mit gleicher M\u00fcnze heimgezahlt. Provozierend werden sie herausgefordert und in ihrem eigenen Gottesbild auf die Probe gestellt. Wem wirst du begegnen an den \u00e4u\u00dfersten Grenzen von Leben und Dasein?<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger und auch wir sind ausgesandt, um zu handeln, zu erz\u00e4hlen und zu bezeugen: Gott als liebevoller Vater der Sperlinge und der Menschenkinder, als der gn\u00e4dige, verwandelnde Gott der Vergebung, der von uns erwartet, dass wir heilen, wo wir k\u00f6nnen, und segnen, wo wir sind.<\/p>\n<p>Darum f\u00fcrchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ane-Marie Nybo Mehlsen<br \/>\nPastorin in Maribo<br \/>\namnm@km.dk<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>A.d.\u00dc.: Diese Fassung kann Spuren von k\u00fcnstlicher Intelligenz enthalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er, der jedes Haar z\u00e4hlt | 7. So. n. Trinitatis | 19. Juli 2026 | Mt 10,24\u201331 | Anne-Marie Nybo Mehlsen &nbsp; Er, der jedes Haar z\u00e4hlt Autoferien! 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