{"id":26507,"date":"2026-07-15T21:03:36","date_gmt":"2026-07-15T19:03:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26507"},"modified":"2026-07-15T21:04:24","modified_gmt":"2026-07-15T19:04:24","slug":"hebraeer-131-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-131-3\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 13,1\u20133"},"content":{"rendered":"<h3>\u00abWir m\u00fcssen zusammenhalten\u00bb | 7. So. n. Trinitatis | 19. Juli 2026 | Hebr\u00e4er 13, 1\u20133 | Berthold W. Haerter\/ Julian Bendiner |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00abWir m\u00fcssen zusammenhalten\u00bb<\/strong><br \/>\n<em>Ruben Vargas (Spieler der Nationalmannschaft der Schweiz an der WM 2026)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berthold Haerter: Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>Die heutige Predigt haben Julian und ich zusammen vorbereitet. Julian, kannst Du Dich kurz vorstellen?<\/p>\n<p>Julian Bendiner: Gr\u00fcezi mitenand. Mein Name ist Julian, ich wohne in Oberrieden und gehe in die Kantonsschule Wiedikon. In der 4. Klasse (10.) m\u00fcssen wir einen Sozialeinsatz leisten. Ich habe mich entschlossen, diesen in der Kirchgemeinde Oberrieden zu machen. So habe ich unter anderem beim Mittagstisch der Kirchgemeinde, bei den Freitags-Sommer-Ap\u00e9ros sowie beim Sommergottesdienst geholfen. Einen Tag war ich auch im B\u00e4renmoos, einem Wohnhaus f\u00fcr junge Menschen mit einer Behinderung. Ansonsten spiele und schaue ich sehr gerne Fussball.<\/p>\n<p>B: Dann kannst Du uns bestimmt etwas zum letzten WM-Spiel der Schweizer gegen Argentinien vom letzten Sonntag sagen.<\/p>\n<p>J: Wir haben uns gut geschlagen, auch als wir nur noch zu zehnt auf dem Feld standen. Aber Argentinien hat nach dem lange gehaltenen 1:1 dann in der Nachspielzeit zwei eindr\u00fcckliche Tore geschossen, schade f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>B: Es ist auffallend, dass der christliche Glaube ein Thema an dieser WM ist. Der Blick titelte: \u00abMissionieren an Schulen, Jesus-Jubel an WM: Das evangelikale Netzwerk hinter Nati-Spieler Vargas\u00bb (4.7.26) Besonders aufgefallen ist der Gebetskreis nach dem Spiel Deutschland gegen Cura\u00e7ao.<\/p>\n<p>J: Ich habe den Artikel auch gelesen. Ich verstehe aber nicht ganz, wo das Problem liegt. Es sind Fussballer, die ihren Glauben offen ausleben.<\/p>\n<p>B: Wir haben uns in dieser Woche nat\u00fcrlich nicht nur mit der WM und dem Fussball besch\u00e4ftigt, sondern auch mit einem Bibeltext.<\/p>\n<p>Er steht am Schluss des Hebr\u00e4erbriefes, im 13. Kapitel: \u00abDie Liebe zu den Br\u00fcdern und Schwestern soll bestehen bleiben. <sub>2<\/sub>Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel\u00a0als G\u00e4ste aufgenommen. <sub>3<\/sub>Denkt an die Gefangenen, als ob ihr mit ihnen im Gef\u00e4ngnis w\u00e4rt. Denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt in einem verletzlichen K\u00f6rper.\u00bb Hebr\u00e4er 13, 1-3 (Basisbibel)<\/p>\n<p>J: Als ich den Text zum ersten Mal h\u00f6rte, hatte ich sofort eine Frage: Soll man nur gastfreundlich sein zu seinem eigenen Vorteil?<\/p>\n<p>B: Da stellst Du eine Frage, die schon Friedrich Nietzsche gestellt hat. Er erkl\u00e4rte dann: \u00abchristliche Liebe: sie will zuletzt gut bezahlt werden\u00bb<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Genau das will sie ja eigentlich nicht. Christliche Liebe sollte selbstverst\u00e4ndlich und nicht berechnend sein. Im Hebr\u00e4erbrief wird an dieser Stelle aber Bezug auf den Besuch der Engel bei Abraham und Lot genommen. Wir haben den Bibeltext soeben geh\u00f6rt (Genesis 18,1\u20135 und 19,1\u20133 als Lesung). Abraham und Lot waren gastfreundlich gegen\u00fcber Fremden, die sie nicht kannten. Man merkt dem Hebr\u00e4erbrief an, hier schreibt ein Christ, der sich im Alten Testament gut auskennt.<\/p>\n<p>J: Wir haben aber auch noch mehr herausgefunden. Der Brief ging nie an eine Gemeinde, die sich \u201edie Hebr\u00e4er\u201c nannte. Er ging an eine glaubensm\u00fcde christliche Gemeinde in Rom. Wahrscheinlich nach der ersten grossen Christenverfolgung durch Kaiser Nero.<\/p>\n<p>B: Ich habe ein gutes Zitat gefunden: \u00abDie Christen, die der Brief vor Augen hat, sind eine ersch\u00f6pfte Minderheit \u2013 schon zu ern\u00fcchtert, um Christsein als Gewinn zu erleben, noch zu entschlusslos, es fallen zu lassen.\u00bb<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Das entspricht doch so ziemlich unserer Situation, heute, hier in der Schweiz. Aber, Julian, Du redest immer von einem Brief, er heisst ja auch Hebr\u00e4erbrief. Aber eigentlich ist es ja eine Predigt mit Briefschluss.<\/p>\n<p>J: Genau, es ist eine Predigt, die die Gemeinde motivieren soll, ihrem Glauben treu zu bleiben. Sie sollen sich gegenseitig im Glauben st\u00e4rken. Und das Wichtigste: Sie sollen als Christen zusammenhalten und sich nicht sch\u00e4men, ihren Glauben offen zu zeigen.<\/p>\n<p>B: Genau das machen einige Fussballspieler an der WM. Sie zeigen ihren Glauben. Z.B. der Schweizer Spieler Ruben Vargas. Nach seinem Tor im Spiel gegen Kanada f\u00e4llt er auf die Kniee und zeigt mit den H\u00e4nden in den Himmel. Besonders eindr\u00fccklich ist aber das, was Sie auf dem Bild des Flyers sehen. (Die Gemeinde hat ein Bild des Gebetskreises auf dem Gottesdienstablauf) Kannst Du uns das Bild erkl\u00e4ren, Julian?<\/p>\n<p>J: Deutschland hat in diesem Spiel 7 zu 1 gegen Curacao gewonnen. Ein deutliches Ergebnis. Aber anstatt dass die einen Spieler traurig vom Platz gehen und die anderen feiern, stehen Spieler von Curacao und Deutschland zusammen und beten. Nach dieser Aktion meinte der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha ungef\u00e4hr: \u201eIm Spiel waren wir Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Br\u00fcder.\u201c<\/p>\n<p>B: Das beeindruckt mich als manchmal glaubensm\u00fcden Christen schon. Wir sind oft zur\u00fcckhaltend, \u00fcber unseren christlichen Glauben ausserhalb der Kirche zu reden. Wir haben Angst, dass wir abgelehnt werden. Genau so muss es der Gemeinde da in Rom, die den Hebr\u00e4erbrief als Predigt lasen, auch ergangen sein. Aber hier an der WM machen uns Christen Mut, zum Glauben zu stehen, wie es Messi und Ronaldo selbstverst\u00e4ndlich tun. Und das l\u00f6st unterschiedliche Reaktionen aus.<\/p>\n<p>J: In der Schweizer Nati sind mir v.a. zwei Spieler aufgefallen. Auf der einen Seite Johan Manzambi, von dem man weiss, dass er vor jedem Spiel Gospel h\u00f6rt. Sonst aber lebt er seinen Glauben eher zur\u00fcckhaltend. Aufgefallen ist das Kreuz, das er zusammen mit Vargas nach dem Spiel gegen Kanada mit den Fingern formte. Der zweite Spieler ist der eben erw\u00e4hnte Ruben Vargas. Er zeigt seinen Glauben viel sichtbarer. Mich beeindruckt sehr, wie er seinen Glauben lebt. Er gilt als bescheiden, bodenst\u00e4ndig und seine Mannschaft ist ihm sehr wichtig (siehe Interviews in verschiedenen Zeitungen). Nach dem nicht ganz gegl\u00fcckten Auftaktspiel gegen Qatar, betonte er im Interview drei Mal: \u201eWir m\u00fcssen zusammenhalten\u201c und \u201eWir d\u00fcrfen uns jetzt nicht gegenseitig auffressen!\u201c<\/p>\n<p>B: Und jetzt sind wir wieder bei uns und dem Bibeltext. Der Hebr\u00e4erbrief will uns unterst\u00fctzen zu glauben, also Gott zu vertrauen. Er ermutigt, Jesus als denjenigen zu verstehen, der uns zeigt, wie Gott zu uns ist. Wir sollen zusammenhalten und \u00abzusammenspielen\u00bb wie eine Nationalmannschaft und so unseren Glauben zeigen. Unser Handeln soll unseren Glauben widerspiegeln. Dabei k\u00f6nnen wir Glauben unterschiedlich interpretieren und leben, sollten aber gemeinsam stark sein.<\/p>\n<p>J: Schauen wir uns den Text doch nochmals an: \u201eDie Liebe zu den Br\u00fcdern und Schwestern soll bestehen bleiben.\u201c Was genau heisst das jetzt?<\/p>\n<p>B: Ich h\u00f6re in diesem Satz: Wir sollen eine Mannschaft sein. Jede und jeder hat seine starken und schwachen Seiten. Ich gebe zu, es ist nicht immer einfach jeden\/jede zu akzeptieren, wie er\/sie ist, auch in einer Gemeinde nicht. Aber Jesus hat die Gabe, immer die starken Seiten eines Menschen zu sehen und diese zu f\u00f6rdern und die schwache Seite zu sch\u00fctzen. Tun wir das, sind wir eine ausstrahlende und anziehende Gemeinde. Wir zeigen St\u00e4rke, sind aber auch f\u00fcr die da, die uns brauchen. Menschen f\u00fchlen sich dann bei uns wohl. Wir halten zusammen und sind doch offen f\u00fcr Neue und Neues. Und uns verbindet das eine: Der Glaube an Gott.<\/p>\n<p>J: Im zweiten Satz heisst es: \u201eVergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel als G\u00e4ste aufgenommen.\u201c Man soll also nicht nur diejenigen aufnehmen, die man kennt, sondern auch, wie Abraham und Lot, alle Fremden.<\/p>\n<p>B: Schauen wir uns einmal um, wer von uns alles ausl\u00e4ndische Vorfahren hatte. H\u00e4tte man sie damals nicht aufgenommen, w\u00e4rest Du, Julian jetzt nicht hier und ich auch nicht. Manch anderem von uns geht es wohl \u00e4hnlich. Und dann schauen wir uns doch einmal die Familiengeschichten von unseren Schweizer Fussballern an. H\u00e4tte man ihre Eltern nicht aufgenommen, h\u00e4tten Sie jetzt kein Tor f\u00fcr die Schweiz geschossen.<\/p>\n<p>J: Der Hebr\u00e4erbrief erinnert uns auch noch daran: \u201eDenkt an die Gefangenen, als ob ihr mit ihnen im Gef\u00e4ngnis w\u00e4rt. Denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt in einem verletzlichen K\u00f6rper.\u201c<\/p>\n<p>B: Als erstes f\u00e4llt mir da sofort Dietrich Bonhoeffer ein, den wir ja im Konflager in Berlin genauer kennengelernt haben. Er hat sich als Gefangener f\u00fcr seine Mitgefangenen eingesetzt. Aber es geht ja darum, dass <strong>wir<\/strong> an Gefangene und Misshandelte denken sollen, da auch <strong>wir <\/strong>schnell zu Gefangenen und verletzt werden k\u00f6nnten. F\u00fcr uns besteht kaum die Gefahr \u2013 Gott sei Dank \u2013 Gefangene zu werden, aber wir sollen sie nicht vergessen. Wie verletzlich wir sind, das hat jede\/jeder wohl schon selbst erlebt. Christinnen und Christen haben also seit Jesus die Aufgabe, sich um Menschen am Rande zu k\u00fcmmern. Gefangene und misshandelte Christinnen und Christen gibt es weltweit sehr viele. Aber wir sollen uns auch f\u00fcr Mitmenschen engagieren, die nicht christlich sind, aber in den Gef\u00e4ngnissen sind oder misshandelt werden. Der Text ist hier eine Erinnerung an das, was wir eigentlich alle wissen. Er ist keine moralisierende Aufforderung, eher ein sich erneutes bewusst machen.<\/p>\n<p>Zum Schluss Julian, was hast Du aus dem Besch\u00e4ftigen mit dem Bibeltext jetzt gelernt?<\/p>\n<p>J: Das erste, das mir geblieben ist: Man kann einen Text fast nicht verstehen, wenn man nur diesen einen Abschnitt anschaut. Man muss ihn immer im Zusammenhang und in seiner Zeit sehen. Ich staune wie viel man aus so einem Text mitnimmt, wenn man sich aktiv mit dem Text besch\u00e4ftigt und wie viele Botschaften in so einem kleinen Abschnitt versteckt sind.<\/p>\n<p>B: Und was nimmst Du aus diesen vier S\u00e4tzen des Hebr\u00e4erbriefs mit in die n\u00e4chste Zeit?<\/p>\n<p>J: Man soll sich nicht sch\u00e4men f\u00fcr seinen Glauben ein- und dazu stehen. Und: Mein Glaube soll sich in meinen Handlungen widerspiegeln.<\/p>\n<p>B: Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Predigtlied:<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde<\/p>\n<hr \/>\n<p>Berthold W. Haerter<\/p>\n<p>Seit 1993 Pfarrer der Evangelisch-reformierten Landeskirche Z\u00fcrich<br \/>\nseit 2005 in Oberrieden am Z\u00fcrichsee<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Christiane Tietz: Nietzsche, M\u00fcnchen 2025, S. 143<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Knut Backhaus: <a href=\"https:\/\/www.bibelstudium.gwi.uni-muenchen.de\/grundlagen\/briefliteratur-und-apokalypse\/der-hebraeerbrief-brif\/\">https:\/\/www.bibelstudium.gwi.uni-muenchen.de\/grundlagen\/briefliteratur-und-apokalypse\/der-hebraeerbrief-brif\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abWir m\u00fcssen zusammenhalten\u00bb | 7. So. n. Trinitatis | 19. Juli 2026 | Hebr\u00e4er 13, 1\u20133 | Berthold W. 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