{"id":26516,"date":"2026-07-23T08:43:45","date_gmt":"2026-07-23T06:43:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26516"},"modified":"2026-07-23T08:43:45","modified_gmt":"2026-07-23T06:43:45","slug":"matthaeus-722-29-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-722-29-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,22-29"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis | 26.07.2026 | Matth\u00e4us 7,22-29 | Elof Westergaard<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Wider die Traumlosigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die alttestamentliche Stimme des Propheten Micha wirkt so gegenw\u00e4rtig, so pr\u00e4sent. Wenn ich seine Worte heute in der alttestamentlichen Lesung zum 8. Sonntag nach Trinitatis h\u00f6re, ist es, als w\u00fcrde eine Br\u00fccke geschlagen und eine Verbindung geschaffen zu einer Zeit vor weit mehr als zweitausend Jahren. Michas Prophetien werden auf das 8. Jahrhundert vor Christi Geburt datiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Micha ist ein Prophet, der seine Zeitgenossen mit kritischer Stimme gei\u00dfelt. H\u00f6ren Sie, wie er das tut! Micha sagt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSo spricht der HERR wider die Propheten, die mein Volk verf\u00fchren, die da predigen, es werde gut gehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem erkl\u00e4ren sie den Krieg. Darum kommt Nacht \u00fcber euch statt Gesicht und Finsternis statt Wahrsagung. Die Sonne soll \u00fcber den Propheten untergehen und der Tag \u00fcber ihnen finster werden. Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden; sie m\u00fcssen alle ihren Bart verh\u00fcllen, weil Gott nicht antworten wird.\u201c (Micha 3,5-7)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit bleibender Aktualit\u00e4t kritisiert der Prophet Micha hier nicht nur andere Propheten, sondern das menschliche Mitl\u00e4ufertum, wenn der Mensch seine Ansichten und Haltungen vor allem von seiner Umgebung bestimmen l\u00e4sst und seine Sympathien und Antipathien von pers\u00f6nlichem Vorteil und eigener Zufriedenheit leiten l\u00e4sst. Wenn wir nur etwas zu fressen bekommen &#8211; also bekommen, was wir wollen-, schweigen wir und lassen die Dinge treiben. Wir schwimmen mit dem Strom und stehen selbst f\u00fcr nichts ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Prophet Micha weist aber nicht nur auf diese menschliche Torheit hin \u2013 er zeigt auch, welche Folgen dieses Mitl\u00e4ufertum hat: Es macht Menschen traumlos und schafft nur Finsternis. Wenn alles um Anpassung und pers\u00f6nliche Absicherung kreist und wir um keinen Preis f\u00fcr das einstehen, was wichtig und wahr ist, was bleibt dann noch zu tr\u00e4umen und zu hoffen? Z\u00e4unen wir die Welt ein, um innere Ruhe zu finden und ein ruhiges Leben in unserem eigenen Garten zu schaffen, und setzen wir all unsere Kraft daran, diese Z\u00e4une um uns selbst zu errichten, was bleibt dann noch \u00fcbrig von Tr\u00e4umen und Visionen? Dann blicken wir nur noch auf unsere eigenen W\u00e4nde und finden Ruhe und Erl\u00f6sung allein in unserem eigenen geschlossenen, sicheren Universum.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Geist des Mitl\u00e4ufertums ist eine starke Kraft im Menschen. Uns ist jedoch ein anderer Geist gegeben, verk\u00fcndet der Apostel Johannes in der zweiten der drei biblischen Lesungen dieses Sonntags. Lasst den Geist des Mitl\u00e4ufertums los, glaubt nicht einem jeden Geist, sagt der Apostel. Der Geist, dem wir stattdessen folgen sollen, ist, so Johannes, der Geist, der bekennt, dass Jesus der Christus ist. Es ist ein Geist, der Widerspruch Raum gibt, ja ihn geradezu einfordert, und der uns den Mut gibt, zu reden und zu handeln. Er hat den herben Biss des Propheten und will, dass wir gegen Unrecht aufstehen; er will, dass wir Gott lieben und ein Auge f\u00fcr unseren N\u00e4chsten haben. Es ist ein Geist, in dem der Mensch best\u00e4ndig im Glauben an Gottes Liebe und in der Verantwortung f\u00fcr den N\u00e4chsten gest\u00e4rkt wird. Es ist ein Geist, in dem du nicht zuerst fragst: \u201eWhat&#8217;s in it for me?\u201c, denn es ist ein Geist jener Liebe, die nicht das Ihre sucht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf den ersten Blick mag Mitl\u00e4ufertum vielleicht von Vorteil scheinen, doch wie Jesus es bildlich im heutigen Evangelium ausdr\u00fcckt, hei\u00dft Mitl\u00e4ufertum, sein Haus und sein Leben auf Sand zu bauen. Anders ist es, sein Leben, Haus und Zuhause auf den Fels zu bauen, der Gottes Liebe ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Schluss: kurz zur\u00fcck zu Michas Urteil \u00fcber die Propheten seiner Zeit. Er sagt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDarum kommt Nacht \u00fcber euch statt Gesicht und Finsternis statt Wahrsagung\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim d\u00e4nischen Philosophen S\u00f8ren Gosvig Olesen [geb. 1956; Anm. d. \u00dcbers.] finden wir in seinem Buch \u201eNoter til filosofien&#8220; in einer Anmerkung aus dem Jahr 1997 folgende Aufforderung: \u201eWie w\u00e4re es mit ein wenig Distanz zur ironischen Distanz?\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ironie ist im Vergleich zu 1997 wohl von einem gr\u00f6\u00dferen Ernst abgel\u00f6st worden. Die Zeit ist jetzt, im Jahr 2026, eine andere, und die Welt erscheint unruhiger und instabiler. Doch der Ironie ist eine Distanz eingebaut, die vergleichbar ist mit dem traumlosen Ruhen des Selbstbezogenen in sich selbst und mit der zynischen Betrachtungsweise, die mir heute so vorherrschend erscheint.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ironie enth\u00e4lt einen Selbstschutz, schafft aber zugleich Distanz zu der eigenen Umwelt und zu dem und denen, \u00fcber die man sich lustig macht. Der Zynismus sichert dagegen einen realistischen Blick auf die Lage; er ist in diesem Sinne distanzlos \u2013 und ist es doch wieder nicht, weil der Zynismus in seiner Versessenheit, die H\u00e4rte zu schildern, traumlos wird und es schwer hat, Visionen zu wecken, getragen von jenem Geist, der die Worte des Propheten Micha tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine gewisse ironische Distanz (selbst zur Ironie) und Zynismus haben ihren Platz, um bestehen zu k\u00f6nnen, doch sie reichen nicht aus. Hier braucht es einen anderen Geist, Gottes Geist, den Geist der Liebe, der verbindet, sammelt und uns zusammenkn\u00fcpft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Elof Westergaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof ivon Ribe<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">eve@km.dk<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">A.d.\u00dc.: Diese Fassung kann Spuren von k\u00fcnstlicher Intelligenz enthalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis | 26.07.2026 | Matth\u00e4us 7,22-29 | Elof Westergaard Wider die Traumlosigkeit Die alttestamentliche Stimme des Propheten Micha wirkt so gegenw\u00e4rtig, so pr\u00e4sent. Wenn ich seine Worte heute in der alttestamentlichen Lesung zum 8. Sonntag nach Trinitatis h\u00f6re, ist es, als w\u00fcrde eine Br\u00fccke geschlagen und eine Verbindung geschaffen zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":26511,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,462,1,185,157,853,114,175,153,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-26516","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-8-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-elof-westergaard","category-kapitel-7-chapter-7","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26516","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26516"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26516\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26517,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26516\/revisions\/26517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26516"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=26516"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=26516"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=26516"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=26516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}