{"id":26518,"date":"2026-07-23T08:47:02","date_gmt":"2026-07-23T06:47:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26518"},"modified":"2026-07-23T08:47:02","modified_gmt":"2026-07-23T06:47:02","slug":"johannes-9-1-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-9-1-7\/","title":{"rendered":"Johannes 9, 1-7"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Deja Vu: Unbeugsam ver- und beharrlich aufgeschlossen | 8. S. n. T. | 26.07.26 | Joh. 9, 1-7 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1 Und Jesus ging vor\u00fcber und sah einen Menschen, der blind geboren war.\u20022 Und seine J\u00fcnger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat ges\u00fcndigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?\u20023 Jesus antwortete: Es hat weder dieser ges\u00fcndigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.\u20024 Wir m\u00fcssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist;[1] es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.\u20025 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.\u20026 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden\u20027 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah \u2013 das hei\u00dft \u00fcbersetzt: gesandt \u2013 und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leute mit Augenlicht erweisen sich als wahrhaft Blinde und Leute ohne Blickkraft werden sehend. Das Leben im Glauben zeigt viele Serpentinen. Ein Azubi von mir, ein Elektroinstallateur, hat in der Klasse einmal von einem Ereignis berichtet. An irgendeinem Werktag war er f\u00fcr den Austausch von Neonr\u00f6hren vorgesehen. Und das Besondere daran war, dass die neuen Teile auch f\u00fcr seinen Betrieb neu waren. Neuer Hersteller, neue Technologie darin verbaut, neues Design &#8211; samt anderer Art, die Stifte in die Aufnahme einzuh\u00e4ngen und so weiter. Die Dinger sind gerade sch\u00f6n verpackt angeliefert geworden, als er in den Betrieb gekommen war, und er war an diesem Morgen der allererste, der sich damit zu befassen hatte. Und als er so beim Kunden auf der Leiter stand und die neuen Teile einklickte, da kam es ihm so vor, als ob er die R\u00f6hren doch schon gekannt h\u00e4tte! Obwohl das unm\u00f6glich sein konnte! Er ist doch der allererste im Betrieb und am Morgen sind sie zum allerersten Mal geliefert worden. Er war baff. Wie kann das denn sein?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ein Deja Vu besteht darin: Der Azubi hatte die R\u00f6hren doch schon mal gesehen, nur hat er es damals \u00fcberhaupt nicht gecheckt. Die Frage ist nur: wo? Haben Sie eine Idee? Vielleicht als der Chef die neuen R\u00f6hren auf dem Monitor hatte, sie sich anschaute und \u00fcberlegte, ob die was taugen. Oder als der Chef beim Bestellen war? Da ist der Azubi vielleicht dran vorbeigelaufen. Und sein Gehirn hatte ein Foto vom Bildschirm gemacht. Unbewusst. K\u00f6nnte ja sein, dass das mal wichtig wird. Gerade wenn der Azubi mit anderem Wichtigem besch\u00e4ftigt ist. Dass wir manche Sachen nur unbewusst abspeichern, das dient einem guten Zweck. So was verhindert, dass ein Speichersee \u00fcberflie\u00dft, wenn die Menge Wasser, die zus\u00e4tzlich reinschiesst, viel zu gro\u00df ist. Will sagen, wenn unser Bewusstsein \u00fcberlastet ist, zu viel zu tun kriegt, dann w\u00fcrde es runterfahren, die Arbeit verweigern, seinen Zweck verfehlen &#8211; gef\u00e4hrlich, sehr gef\u00e4hrlich das. Besser also, wenn nur das im Blick bleibt, was in der Lage grad im Vordergrund steht. Das andere weniger wichtige kommt in einen Puffer und ruht erst mal dort, bis auf weiteres.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und noch etwas zeigt sich an diesem Deja Vu. Wenn einem Menschen so ein Sinnriss klar wird, dann sucht er eine Erkl\u00e4rung. Er will die L\u00fccke zu \u00fcberbr\u00fcckt wissen. Mein Azubi fragte sich: Wie kann ich die R\u00f6hren kennen, wenn ich die nicht kennen kann? Das hat ihn so umgetrieben, dass er sogar im Unterricht davon erz\u00e4hlte, von mir einen L\u00fcckenf\u00fcller erhoffte. Wie kann sein, was nicht sein kann? So etwas zu erleben ist beunruhigend. Manche solcher Risse lassen sich mit den Standards erkl\u00e4ren, die man im Leben gelernt hat. Und solche L\u00fcckenf\u00fcller wirken oft sogar unbewusst statt nur bewusst, das spart auch wieder Energie. Sich was bewusst machen und erkl\u00e4ren, das kostet schlie\u00dflich Zeit und Kraft. Aber wenn es denn sein und muss und hilft, dann machen wir das schon auch bewusst; eine Erkl\u00e4rung suchen und finden. Wenn das Unbewusste aber zu schwach wirkt oder gute Erkl\u00e4rungen zum Riss f\u00fcllen ausbleiben, dann passiert folgendes. Viele neigen dann dazu, einfach zu glauben, was sie wollen, sie phantasieren also mit aller Gewalt eine Erkl\u00e4rung herbei, Hauptsache a Ruah is! So schlimm wirkt es, wenn uns etwas unverbunden und voll klaffender Abgr\u00fcnde vorkommt. Wenn mir die Realit\u00e4t nicht passt, mach ich sie mir, wie ich sie will. Kann gut gehen, geht oft vielleicht auch gut. Aber manchmal klappt das weniger gut. In Technik und Physik erh\u00e4lt Mensch relativ schnell eine Meldung, ob eine Erkl\u00e4rung zutrifft und so Unwissen in Erkenntnis verwandelt. Au\u00dferhalb davon, im Sozialen oder im eigenen Leben zum Beispiel, da wird es schwieriger: auf ein falsches Moltofill aufmerksam zu werden und dann davon abzusehen. Da kann eine falsche \u00dcberbr\u00fcckung leider lange und gut funktionieren, so gut, dass Mensch v\u00f6llig aus dem Sinn kriegt, dass sie \u00fcberhaupt falsch sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann geht es Mensch wie jenem Eigent\u00fcmer, der aus Geldnot unbedingt sein Ferienhaus im S\u00fcden verkaufen muss. Einerseits m\u00f6chte er seine Geldnot vor den Interessenten verbergen &#8211; das w\u00fcrde ja den Preis dr\u00fccken, wenn die das schnallen. Dazu kommt, dass der Glanz der frisch heraus geputzten Bude schon etwas angestaubt ist f\u00fcr die Kaufsumme, die er erzielen m\u00f6chte. Hat also ganz sch\u00f6n Druck, der Gute. Bei einer F\u00fchrung geht es zun\u00e4chst von der Haust\u00fcr aus zuerst durch das Erdgescho\u00df, dann \u00fcber die Glast\u00fcr der Terrasse in den sch\u00f6n gro\u00dfen Garten mit Pool, darauf zur\u00fcck ins Haus \u00fcber die Terrassent\u00fcr ins Obergescho\u00df, das wars. Die Interessenten laufen oben umher und schauen sich lange und besonders intensiv um. Vielleicht wollen sie etwas unter sich besprechen und ohne ihn sein? Der Eigent\u00fcmer beschlie\u00dft, sich kurz in den Garten zu verabschieden und l\u00e4uft die Stufen zur Terrassent\u00fcr hinunter und mit den Gedanken noch oben bewegt er seinen K\u00f6rper \u00fcber die T\u00fcrschwelle hinaus ins Freie. Dabei zieht er sich eine ordentliche Platzwunde an der Stirn zu, denn er rammt mit dem Kopf gegen die T\u00fcrverglasung. Er hatte die Glast\u00fcr f\u00fcr ge\u00f6ffnet gehalten, obwohl sie geschlossen gewesen war. Und er fragt sich nat\u00fcrlich unbeugsam, welcher Idiot denn die T\u00fcr geschlossen habe. Statt auf die Idee zu kommen, dass er das vielleicht selbst gewesen war. Lieber sucht er bei jemand anderem die Schuld.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mensch h\u00e4lt etwas f\u00fcr offen, was in Wahrheit geschlossen ist. Das kann ihm zum Problem werden. Insbesondere dann, wenn einer sich selbst f\u00fcr offen und beweglich erachtet, in Wahrheit aber unbeugsam verschlossen ist und stur. So wie unser Eigent\u00fcmer, der komplett ignoriert, dass er selbst der T\u00fcrschlie\u00dfer h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Oder umgekehrt. Mensch sieht etwas als beharrlich und kaum zu ersch\u00fcttern an, was in Wahrheit jedoch offen ist und Spielraum hat. In komischen Filmen aus der Fr\u00fchzeit des Kinos wurde so was gerne mittels folgender Szene angespielt: Um zum Beispiel nach einer Verfolgung zu verschnaufen, lehnt sich einer an eine gemauerte Hauswand &#8211; und die f\u00e4llt dann pl\u00f6tzlich um.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beharrlich aufgeschlossen, diese Dopplung zeigt sich auch im Text des Johannes: Die J\u00fcnger w\u00e4hnen sich unbeugsam als nah bei Gott und so der gottlosen Welt entzogen und unzug\u00e4nglich &#8211; schlie\u00dflich sind sie doch mit Jesus unterwegs! Zum anderen sehen sie sich als unbedingt offen f\u00fcr Gott und sein Tun: Fangen sie doch anhand eines von Geburt an Blinden mit Jesus das Fachsimpeln \u00fcber Gott und die Welt an. Stellen eifrig vermeintlich kluge Fragen und freuen sich schon auf Jesu Zustimmung und Lob. Dessen Antwort und Reaktion holt sie auf den Boden von Gottes Tatsachen. Ein Sinnriss tut sich auf \u00a0\u00a0&#8211; und Jesus verbindet ihn gleich wieder wirksam mit viel Spucke und Trostpflaster. Jesu Zeugnis stellt und weist ihnen lauter L\u00fccken aus: Ohne Sinn f\u00fcr Gottes Wirken in der Welt. Stur auf uralten Mustern der Erkl\u00e4rung beharrend. Nur indirekt kriegen die J\u00fcnger das so hart gesagt, denn Jesus w\u00e4hlt seine Worte sanft, lenkt sie von ihrem bl\u00f6den Ansinnen ab. Nur um sie auf Gottes Ansinnen hin zu f\u00fchren &#8211; das einzig wahre und wichtige hier und f\u00fcr immer. Die Geschichte endet mit einem ein Herz f\u00fcr jeden Nullchecker ohne Durchblick, sei er nun mit Augenlicht versehen oder nicht. Das ist das Trostpflaster f\u00fcr uns Erdenwesen. Dank Jesus birgt sich das tief in unseren Herzen und Gem\u00fctern. So tief, dass es unserem Sinnen und Denken oft verborgen bleibt. Und doch so beharrlich, dass es mindestens als Deja Vu \u00f6fter in unserem Sinnen und Denken auftaucht und anhebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beharrlich aufgeschlossen, das zeigt sich auch bei dem von Geburt an Blinden. Beharrlich fern von Gott erscheint er. Und so unbeugsam dem argen Treiben der gottlosen Welt und ihrer Menschen ausgesetzt: ohne jede Hoffnung, ohne rechte Chance auf Gl\u00fcck und Freude im Leben. Er werden ja immer weniger \u2013 aber es gibt immer noch vor Kraft und Gesundheit strotzende Leute, die sagen: Ich w\u00fcrde mich umbringen, wenn ich so oder anders eingeschr\u00e4nkt und trist mein Leben fristen m\u00fcsste, sei es von Geburt an oder durch einen Unfall. Und in Folge dabei von sich auf andere kurzschlie\u00dfen: Jeder mit so einer Einschr\u00e4nkung m\u00fcsse wenn m\u00f6glich von Anfang an verhindert werden. Und wenn er denn schon in der Welt sei, habe er sich am besten selbst zu entleiben &#8211; ok, das traut sich kaum jemand laut zu \u00e4u\u00dfern &#8211; oder gef\u00e4lligst nur minimale Anspr\u00fcche ans Leben zu stellen. Wer eingeschr\u00e4nkt ist, der verliert das Recht auf Spielraum, der muss halt Baden gehen. Gut, dass Jesus zeigt: Wer mit Gott baden geht, der kriegt auch wieder seinen Frei- und Fahrtenschwimmer f\u00fcrs Leben. Schluss ist dann mit Babybecken und Planschen und Sitzen und Umfallen in dessen tr\u00fcbem Wasser vor lauter Erdendreck und Sonnenmilch. Gott schwemmt den Dreck weg, der einen einschr\u00e4nkt und Augen und Raum und Bewegung verschlie\u00dft. Welcher Mensch ist denn nur einmal v\u00f6llig frei von jeglicher Einschr\u00e4nkung gewesen? Und welcher Mensch ist seines m\u00fcden Leibes nicht schon einmal ledig geworden? Durch eine Di\u00e4t, oder durch Training, oder durch ein Medikament? Oder indem er in einer Notlage Beistand von Mitmenschen erhielt, den Eltern, den Enkeln, von Fremden gar? Wer seine Schranken an Leib und Seele kennt, der kann sie \u00fcberwinden, ohne sein Gesicht zu verlieren und dabei auf die Schnauze zu fallen. Manchmal aus eigener Kraft, manchmal mit Beistand. Die verschlossen unbeugsame Welt wird samt den Menschen beharrlich aufgeschlossen. Gott sei Dank in Jesus. Amen mit vielen Deja Vu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Markus Kreis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hirschkopfstrasse 9<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">D-69469 Weinheim<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">eMail: markus_kreis@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deja Vu: Unbeugsam ver- und beharrlich aufgeschlossen | 8. S. n. 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