{"id":26552,"date":"2026-08-04T18:34:26","date_gmt":"2026-08-04T16:34:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26552"},"modified":"2026-08-04T18:34:42","modified_gmt":"2026-08-04T16:34:42","slug":"26552-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/26552-2\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 11,25-32"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Predigt f\u00fcr den 10.So.n.Tr. | Israelsonntag \u2013 II \u2013 9.8.2026 | Suse G\u00fcnther<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>R\u00f6mer 11,25-32 (\u00dcbersetzung J\u00f6rg Zink)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will Euch, liebe Geschwister, nicht im Unklaren \u00fcber dieses Geheimnis lassen, damit Ihr Euch nicht t\u00e4uscht \u00fcber Eure Stellung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einem Teil Israels ist der Zugang zu Jesus Christus versperrt worden, so lange bis andere V\u00f6lker ihn gefunden haben. Wenn das geschehen ist, wird auch Israel das Heil finden, wie es geschrieben steht (Jer. 31,33): \u201eAus Jerusalem wird der Befreier kommen, der das gottlose Wesen von Israel wegnehmen wird. Es wird sich zeigen, wie treu ich bin, wie fest mein Bund gilt, wenn ich die Schuld von ihnen nehmen werde\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Blick auf das Evangelium seid Ihr zwar Feinde, damit Ihr freien Zugang zum Evangelium habt. Aber sie (die Juden) sind und bleiben von Gott ausgew\u00e4hlt und geliebt, weil sie Kinder ihrer Vorfahren sind, die Gott liebt. Wenn Gott etwas schenkt, dann bereut er es nicht. Wenn er jemanden ruft, dann bleibt sein Ruf g\u00fcltig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fr\u00fcher seid Ihr Gott gegen\u00fcber verschlossen gewesen, und Gott hat Euch aufgenommen, w eil jene nicht h\u00f6ren wollten. Nun sind jene Gott gegen\u00fcber verschlossen, wie sie sahen, dass Gott Euch barmherzig war. Am Ende aber wird Gott auch ihnen barmherzig sein. Denn Gott hat alle in ihrem Unglauben verschlossen, um sich aller zu erbarmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Liebe Gemeinde!<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Laufe meiner jahrzehntelangen T\u00e4tigkeit habe ich unz\u00e4hlige Beerdigungen vorgenommen. Viele Ordner f\u00fcllen daheim mein Regal. Ich k\u00f6nnte sie wegwerfen, ich werde diese Ansprachen nie wieder halten. Dann aber staube ich alles noch einmal ab und hebe es ein weiteres Jahr auf. Denn das alles erinnert an Menschen, die einmal gelebt haben und in den H\u00f6hen und Tiefen ihres Lebens mehr oder weniger bestanden haben. An viele Beerdigungsgespr\u00e4che erinnere ich mich bis heute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">An Familien, bei denen alle in Trauer vereint am Tisch sa\u00dfen. An Familien, die angesichts des Todes noch einmal sich bem\u00fcht haben, diese Beerdigung trotz aller Unstimmigkeiten w\u00fcrdevoll \u00fcber die B\u00fchne gehen zu lassen. Und an Familien, in denen nur ein Teil von allen am Tisch sa\u00df, zu gro\u00df war der Riss, der sich durch diese Familie zog.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, es ist nicht immer einfach unter Geschwistern, das wissen wir alle. Es kommt zu Verletzungen, mit denen viele nur umgehen k\u00f6nnen, indem sie sich aus dem Weg gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Besonders schwierig ist es, wenn es ans Erben geht. Es ist deshalb so schwierig, weil \u00fcber das Erbe auch in der Wahrnehmung der Menschen etwas Weiteres ausgedr\u00fcckt wird: Die Liebe. Wir schauen\u00a0 mit Argusaugen auf das, was ein anderer bekommt, weil wir daraus ableiten, dass dieser andere, falls er vielleicht besser bedacht worden sein sollte, auch mehr geliebt worden ist als wir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind Kinder derselben Eltern, wir haben unsere ganz pers\u00f6nliche Geschichte mit diesen Eltern, unsere ganz pers\u00f6nliche Begabung und unsere ganz pers\u00f6nliche Zukunft. Die Eltern haben jeden und jede von uns auf dem Weg begleitet, das verbindet uns in aller Unterschiedlichkeit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Juden und Christen sind Kinder desselben Vaters. Wir sind seine Erben. Wir sind die, die dieses Erbe in der Welt vermehren sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir wissen alle um die schwere Geschichte, um die unausl\u00f6schlichen Verletzungen, die wir im Laufe dieser Geschichte einander angetan haben, dies vor allem die Christen in ihrer Meinung, sie allein seien die rechtm\u00e4\u00dfigen Erben. Paulus, als er damals seine Worte an die Gemeinde in Rom schrieb, h\u00e4tte sich das nicht im Entferntesten ausmalen k\u00f6nnen. Er versucht, zwischen den Kindern Gottes zu vermitteln. Er ist selbst Grenzg\u00e4nger. Er ist Jude und folgt nun Jesus Christus nach. Das h\u00e4lt ihn aber nicht davon ab, sein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die j\u00fcdischen Glaubensgenossen zu bewahren und vermitteln zu wollen. Im Gegenteil, er kann sich in beide\u00a0\u201eKinder\u201c hineinversetzen und mit ihnen f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Besonders wichtig ist ihm das gegen\u00fcber der Gemeinde in Rom,\u00a0 wo\u00a0 ja die meisten Menschen an die r\u00f6mischen G\u00f6tter glaubten, also aus einer ganz anderen Familie stammen. Paulus nennt sie die \u201eHeiden\u201c Denen muss man die Zust\u00e4ndie im Haus des Gottes Israels erst einmal deutlich machen. Paulus versucht, zu erkl\u00e4ren, wenn er schreibt: \u201c Ich will Euch \u00fcber das Geheimnis nicht im Unklaren lassen, damit Ihr Euch nicht t\u00e4uscht \u00fcber Eure Stellung\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, es ist schwer, dieses Geheimnis zu erkl\u00e4ren, bis heute, auch f\u00fcr uns, die wir zur selben Familie geh\u00f6ren wie die j\u00fcdischen Geschwister: Welche Rolle spielen wir f\u00fcreinander, wir Christen und Juden als Br\u00fcder und Schwestern in Gottes Familie. Bis heute lesen sich die Erkl\u00e4rungsversuche, die Paulus an die Gemeinde in Rom sendet, sehr kompliziert. Ganz sch\u00f6n schwierige Familienverh\u00e4ltnisse bei denen, m\u00f6gen sich die R\u00f6mer gedacht haben. Und vielleicht daraus den Schluss gezogen haben: \u201ewas geht es mich an, ich m\u00f6chte Christ werden, weil ich an Jesus Christus glaube und mit ihm neu beginnen m\u00f6chte. Ich sehe nach vorne, nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn das manchmal so gel\u00e4nge. Nach vorne sehen und nicht zur\u00fcck. Wir wissen, dass es nicht gelungen ist. Wir heute, 2000 Jahre sp\u00e4ter, sind an einem Punkt angelangt, wo wir manchmal zur\u00fcckblicken m\u00fcssen in die gemeinsame Geschichte, um das Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander zu entwickeln und zu bewahren, zu viel Verletzendes ist gerade von Seiten der Christen den Juden angetan worden. Das k\u00f6nnen wir nicht vergessen. Erinnern ist das Geheimnis der Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gleichzeitig d\u00fcrfen wir uns aber auch nicht den Blick nach vorne verstellen. Ich meine, es w\u00fcrde Benjamin Netanjahu und seiner Regierung gut tun wenn er den Blick zur\u00fcck f\u00fcr sich so wagen w\u00fcrde, dass er Mitgef\u00fchl f\u00fcr diejenigen entwickelte, die die Geschichte des Landes Israel teilen. Wenn er also ab und zu zur\u00fcckblickte.\u00a0 Wenn er nicht nur auf das schauen w\u00fcrde, was seinem Volk angetan wurde. Sondern auch sehen k\u00f6nnte, welche Kraft f\u00fcr die Zukunft aus Vers\u00f6hnung und Zusammenarbeit erw\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer nachtragend ist, das steckt bereits im Wort drin, der tr\u00e4gt etwas. Der hat eine schwere Last auf seinen Schultern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, wir Menschen haben immer wieder Angst, zu kurz gekommen zu sein. Und wolllen uns mit oft mit Gewalt holen, wovon wir glauben, dass es uns zusteht. Davon k\u00f6nnen auch wir in unserem Land ein Lied singen, ganz unabh\u00e4ngig von Glaubensfragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich frage micht immer wieder, warum Menschen es so sehr auf einen Streit anlegen, der niemandem nutzt, der nur Misstrauen und Leid in die Welt bringt, Energien bindet und Leben zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Besinnung auf das, was uns verbindet, \u00f6ffnet dagegen ganz neue M\u00f6glichkeiten. Wir w\u00fcrden als -Christen und auch als Kirche nicht existieren ohne unser j\u00fcdisches Fundament, ohne unser Altes Testament, ohne unser gemeinsames Erbe als Kinder Gottes: Sarah und Hagar und Abraham und all ihrer Nachkommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wir Christen k\u00f6nnen, wenn wir unseren Glauben leben, Jesu Erbe, die Botschaft vom Frieden und er Liebe, ganz neu lebendig werden lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Wort \u201eTestament\u201c steckt es ja bereits drin: Gott hat uns allen etwas hinterlassen, sein Testament ist geschrieben, sein Bund steht fest. F\u00fcr uns alle, mit allen. Es ist gerade in Zeiten, wo die Welt so zerissen ist, wihtig, sich darauf zu besinnen, dass wir alle von Gott gewollt und begabt sind. Dass wir also einander nichts streitig machen und missg\u00f6nnen m\u00fcssen.. Dass genug f\u00fcr alle da ist. Wir m\u00fcssen uns vor Gott und den Mitmenschen nicht verschlie\u00dfen., oder wie Martin Luther \u00fcbersetzt \u201everstockt sein\u201c. \u201eVerstockt sein\u201c, das meint den Kontakt und das Gespr\u00e4ch abbrechen, nciht mehr h\u00f6ren wollen auf das, was andere sagen, was Gott sagt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf vielen Ebenen ist das l\u00e4ngst geschehen. Wie gut tut es da, sich zu \u00f6ffnen und aufeinander zuzugehen. Das ist das Mysterium, von dem Paulus im Predigttext spricht: Das Geheimnis, was ich mir selbst nicht entschl\u00fcsseln kann. Sondern das sich\u00a0 mir \u00f6ffnet, wenn ich mich Gott und den Mitmenschen \u00f6ffne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Geheimnis liegt die Hoffnung f\u00fcr die Welt: Einmal werden wir uns an einem Tisch versammeln, als Kinder Gottes und gemeinsame Erben. Daran d\u00fcrfen, k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir mitarbeiten.&lt;Hier und jetzt, damit wir unser Erbe antreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt f\u00fcr den 10.So.n.Tr. | Israelsonntag \u2013 II \u2013 9.8.2026 | Suse G\u00fcnther Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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