{"id":26578,"date":"2026-08-12T16:50:44","date_gmt":"2026-08-12T14:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26578"},"modified":"2026-08-12T16:50:44","modified_gmt":"2026-08-12T14:50:44","slug":"lukas-189-14-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-189-14-5\/","title":{"rendered":"Lukas 18,9\u201314"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<\/em> | 11. So. n. Trinitatis | 16. August 2026 | Lukas 18,9\u201314 |\u00a0 Andreas Schwarz |<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: left;\">\n<em>9 Jesus sagte aber zu einigen, die \u00fcberzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:\u200210 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner.\u200211 Der Pharis\u00e4er stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Z\u00f6llner.\u200212 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.\u200213 Der Z\u00f6llner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u200214 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden\u2002(Lk 18,9\u201314).<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<br \/>\n<\/em><\/strong>Das sagt Jesus Christus zu Pharis\u00e4ern.<br \/>\n\u201eGottes Reich mitten unter euch\u201c haben Menschen gesehen und geh\u00f6rt.<br \/>\nSie haben es erlebt.<br \/>\nZehn ehemalige Auss\u00e4tzige k\u00f6nnten davon erz\u00e4hlen.<br \/>\nSeit Jesus ihnen begegnet ist, sind sie nicht mehr auss\u00e4tzig. Sie sind geheilt, sie sind rein, sie sind gesund, sie sind wieder Teil der Gemeinschaft.<br \/>\nImmerhin einer von ihnen dankt Jesus und lobt Gott.<br \/>\nDie Begegnung mit Jesus hat sein Leben ver\u00e4ndert.<br \/>\nEr hat erlebt, dass das Reich Gottes da ist.<br \/>\nEin Reich, das anders ist als das, was er sonst erlebt.<br \/>\nEin Reich, in dem Menschen dazu geh\u00f6ren,<br \/>\negal, wie gesund oder krank sie sind,<br \/>\nob sie Einheimische oder Ausl\u00e4nder sind,<br \/>\negal, welches Geschlecht sie haben,<br \/>\nwie alt oder jung sie sind,<br \/>\negal, wie erfolgreich oder gescheitert,<br \/>\nob sie Pharis\u00e4er oder Z\u00f6llner sind.<br \/>\nUrteile, Bewertungen, Ausgrenzungen \u2013<br \/>\ndas alles, was hier so wichtig ist, was st\u00e4ndig praktiziert wird, gilt da nicht mehr.<br \/>\nIm Reich Gottes.<br \/>\nBei Jesus Christus.<br \/>\nUnd dann bekommt sogar eine Witwe Recht \u2013 im Streit mit dem Richter.<br \/>\nUnvorstellbar.<br \/>\nUnglaublich.<br \/>\nAber das erz\u00e4hlt Jesus.<br \/>\nEr erz\u00e4hlt es nicht nur, er lebt es.<br \/>\nEr l\u00e4sst es Menschen erleben.<br \/>\nUnd bringt Ma\u00dfst\u00e4be durcheinander.<br \/>\nEr bringt Menschen durcheinander mit ihren Kategorien,<br \/>\nmit ihren Sortierungen \u2013 fromm \/unfromm \u2013 gut\/schlecht \u2013 drinnen\/drau\u00dfen.<br \/>\n\u00dcberrascht sind am Ende alle,<br \/>\ndie einen wie die andern.<br \/>\nDie sich vorn f\u00fchlten \u2013 und bei ihm gibt es kein vorne und hinten mehr;<br \/>\ndie sich hinten f\u00fchlten \u2013 und pl\u00f6tzlich sind sie dicht dran.<\/p>\n<p><strong>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<br \/>\n<\/strong>Nichts ist mehr, wie es war.<br \/>\nAlles ist anders, neu, ungewohnt.<br \/>\nWas galt, gilt nicht mehr.<br \/>\nWas sicher war, ist unsicher geworden.<br \/>\nOb das gut f\u00fcr mich ist, muss ich selbst erleben.<br \/>\nDie Personen im Gleichnis sagen es mir nicht.<br \/>\nIch bin kein Pharis\u00e4er und ich bin kein Z\u00f6llner.<br \/>\nAber was sie bewegt, das kenne ich auch.<br \/>\nManchmal bin ich zufrieden mit mir; f\u00fchle mich besser als andere. Manchmal merke ich aber auch, dass ich Erwartungen nicht entspreche, weder anderen, noch eigenen.<br \/>\nDie Beiden gehen in den Tempel, um zu beten.<br \/>\nEs ist Sonntag.<br \/>\nIhr seid heute Morgen hierhergekommen, um Gottesdienst zu feiern.<br \/>\nAlso auch, um zu beten.<br \/>\nGerade hat Jesus mit dem Gleichnis von der Witwe ermuntert, unabl\u00e4ssig zu beten, nicht aufzuh\u00f6ren, voller Vertrauen und Hoffnung.<br \/>\nAlso seid ihr hier.<br \/>\nMitten in den Sommerferien.<br \/>\nAn einem erneut warmen Tag, den ihr auch ganz anders verbringen k\u00f6nntet. Aber Ihr seid hier.<br \/>\nWarum, das wei\u00df jeder nur selbst.<br \/>\nDie Gemeinde, die sich im Namen Jesu versammelt, steht unter seinem Wort:<br \/>\n<strong><em>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Das sollst du erleben,<br \/>\nDu sollst es h\u00f6ren und erfahren, heute auch wieder schmecken, sp\u00fcren. Weil es im Reich Gottes anders zugeht, als du es t\u00e4glich erlebst.<br \/>\nDu sollst \u00fcberrascht und verwirrt werden.<br \/>\nDu sollst nicht blo\u00df best\u00e4tigt werden in dem, was du schon immer wusstest, was du gelernt und angenommen hast.<\/p>\n<p>Was wir erleben, ist:<br \/>\nDie Menschen sehen, wie du lebst und was du tust.<br \/>\nUnd danach bilden sie ihr Urteil.<br \/>\nUnd du wei\u00dft, wie wichtig es ist, was andere \u00fcber dich denken.<br \/>\nWie du wirklich bist, was dich bewegt, worunter du leidest, wovor du Angst hast, wor\u00fcber du dich freust, das interessiert niemanden.<br \/>\nDie Beobachtungen sind scharf, die Urteile klar und fest. Und je nach dem geh\u00f6rst du dazu, wirst du angesehen,<br \/>\nwird man gut \u00fcber dich reden.<\/p>\n<p>Das tut uns dann gut.<br \/>\nGern sind wir gut.<br \/>\nIm Blick auf uns selbst.<br \/>\nIn dem, was man \u00fcber uns denkt und sagt.<br \/>\nWir f\u00fchlen uns wohl dabei.<br \/>\nWir richten uns darin ein.<br \/>\nViele S\u00e4tze beginnen dann mit \u201aich\u2018.<br \/>\nIch danke dir.<br \/>\nIch bin nicht wie andere.<br \/>\nIch faste. Ich nehme ein. Ich gebe davon.<br \/>\nEs muss doch stimmen, dass ich gut bin.<br \/>\nAlle k\u00f6nnen es sehen.<br \/>\nGott auch. Ihm hab ich\u2019s ja zu verdanken.<br \/>\nEr muss ihn freuen, dass ich so bin, wie ich bin.<br \/>\nDass ich regelm\u00e4\u00dfig im Gottesdienst bin.<br \/>\nDass ich Verantwortung \u00fcbernehme, dass ich zahle.<br \/>\nDanke, lieber Gott, dass ich so bin.<br \/>\nGut bin. Besser bin.<\/p>\n<p>Oder eben nicht.<br \/>\nVieles gelingt nicht im Leben.<br \/>\nDu hast es dir selbst anders gew\u00fcnscht.<br \/>\nIn deinen Beziehungen, in der Familie. Im Beruf.<br \/>\nUnd dann bist du froh, wenn dich keiner sieht und keiner anspricht, und keiner fragt.<br \/>\nWas willst du schon sagen?<br \/>\nDu wei\u00dft ja selber, dass es nicht gut ist.<br \/>\nDass es anders besser w\u00e4re, aber du hast es nicht geschafft. Und jetzt sch\u00e4mst du dich.<br \/>\nUnd wei\u00dft: sie haben ihr Urteil gef\u00e4llt.<br \/>\nAuch wenn niemand wei\u00df, warum es so gekommen ist<br \/>\nUnd wie du dich selbst damit herumplagst.<br \/>\nDenn nat\u00fcrlich wei\u00dft du genau, was Gott will.<br \/>\nAber es klappt nicht, so zu leben.<br \/>\nDu kennst die Gebote,<br \/>\naber irgendwie passen sie nicht zu deinem Leben<br \/>\noder dein Leben passt nicht zu ihnen.<br \/>\nGanz offensichtlich kannst du mit den Guten und Frommen nicht mithalten.<br \/>\nDann bleibst du lieber weg.<br \/>\nAber das ist nat\u00fcrlich auch nicht richtig.<br \/>\nAufgeben und resignieren willst du nicht.<br \/>\nAlso wirst du beten.<br \/>\nHeimlich, leise, ehrlich, aufrichtig. Schonungslos.<br \/>\nLieber Gott, mein Leben ist nicht gut.<br \/>\nBeurteile mich nicht nach dem, was misslungen ist.<br \/>\nSchenk mir deine Gnade. Hilf mir, bleib bei mir.<br \/>\nNur dann kann ich leben.<\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Leben im Reich Gottes.<br \/>\nReich beschenkt nachhause gehen, jeder in sein Leben,<br \/>\nWie der eine, der gerecht gesprochen ist,<br \/>\ner wird gerecht gemacht.<br \/>\nSeine Hoffnung ist, dass Gott ihm gn\u00e4dig ist.<br \/>\nDarum allein bittet er, um nichts sonst.<br \/>\nDer andere geht nicht gerechtfertigt nachhause.<br \/>\nEr muss nicht gerecht gesprochen werden.<br \/>\nEr bittet nicht darum, weil er gar nicht meint, es n\u00f6tig zu haben. Er ist es doch, so wie er lebt und handelt.<br \/>\nEr braucht keine Gnade, blo\u00df Best\u00e4tigung.<br \/>\nBest\u00e4tigung daf\u00fcr, dass er relativ gut ist.<br \/>\nGut im Vergleich mit anderen Menschen.<\/p>\n<p>Aber im Reich Gottes geht es nicht um Vergleiche, die doch immer hinken. Es geht nicht um besser, schlechter, fr\u00f6mmer, s\u00fcndiger.<br \/>\nJeder hat seine Geschichte, seine Erziehung, seine Erfahrungen.<br \/>\nDas Reich Gottes ist reich f\u00fcr alle.<br \/>\nEgal wie sauber oder misslungen ihr Leben ist,<br \/>\nwie erfolgreich oder scheiternd sie es f\u00fchren.<br \/>\nDie einen wie die anderen leben davon, dass Gott ihnen gn\u00e4dig ist, sie liebt, sie h\u00f6rt, sie beschenkt.<br \/>\nDas macht gerade denen Mut und Hoffnung, die so genau wissen, dass ihre H\u00e4nde leer sind und sie nichts vorzuweisen haben, die im Vergleich immer nur schlecht abschneiden.<br \/>\nAber im Reich Gottes wird nicht verglichen und nicht belohnt, da wird verschenkt. Was f\u00fcr eine Freude f\u00fcr die, die sich beschenken lassen!<\/p>\n<p><strong><em>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<\/em><\/strong> Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verfasst von:<\/strong><br \/>\nPfarrer in Ruhe Andreas Schwarz<br \/>\nLutherkirche Pforzheim \/ Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSiehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c | 11. So. n. Trinitatis | 16. 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