{"id":26608,"date":"2026-08-26T08:06:42","date_gmt":"2026-08-26T06:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26608"},"modified":"2026-08-25T12:44:16","modified_gmt":"2026-08-25T10:44:16","slug":"apostelgeschichte-61-7-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-61-7-4\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 6,1\u20137"},"content":{"rendered":"<h3>13. So. n. Trinitatis | 30. August 2026 | Apg 6,1\u20137 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch allen. AMEN<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>In diesen Tagen aber, als die Gemeinde immer gr\u00f6\u00dfer wurde, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebr\u00e4ischen, weil ihre Witwen \u00fcbersehen wurden bei der t\u00e4glichen Versorgung.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Da riefen die Zw\u00f6lf die Gemeinde zusammen und sagten:<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Es ist nicht richtig, dass wir f\u00fcr die Mahlzeiten sorgen und dar\u00fcber die Verk\u00fcndigung vernachl\u00e4ssigen. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Darum, liebe Geschwister, seht Euch um nach sieben Menschen in Eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Diese Rede gefiel der ganzen Menge gut, sie w\u00e4hlten Stephanus, einen Mann voll Glauben und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanos\u00a0 und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Juden\u00a0 aus Antiochia. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Diese M\u00e4nner stellten sie vor die Apostel, die beteten und legten die H\u00e4nde auf sie.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Und das Wort Gottes breitete sich aus, die Gemeinde in Jerusalem\u00a0 wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort. Und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im heutigen Predigttext erfahren wir Grundlegendes dar\u00fcber, wie es in der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem zuging.<\/p>\n<ol>\n<li>Die Gemeinde bestand aus Juden, die zum Christentum gefunden hatten Und die wieder setzten sich zusammen aus denen, die schon immer in Jerusalem oder wenigstens Israel ans\u00e4ssig gewesen waren. Die also hebr\u00e4isch sprachen Und aus denen, die griechisch sprachen. Weil sie im riesigen Reich Alexanders des Gro\u00dfen ans\u00e4ssig gewesen waren. Zu denen geh\u00f6rte \u00fcbrigens Paulus.<\/li>\n<li>Die Gemeinde in Jerusalem war ziemlich gro\u00df. So gro\u00df, dass es darin eine beachtliche Gruppe Menschen gab, die sich nicht selbst versorgen konnten, sondern die von der Gemeinde mitversorgt wurden. In diesem Falle die Witwen, die kein eigenes Einkommen hatten, nachdem ihr Mann gestorben war.<\/li>\n<li>Innerhalb der Gemeinde nahm man die Aufgabe, sich um Leute zu k\u00fcmmern, die darauf angewiesen waren, sehr ernst.<\/li>\n<li>Trotzdem kam es vor, dass Menschen \u00fcbersehen wurden. Und dann kam es, wie in allen menschlichen Gemeinden schnell zu Vorw\u00fcrfen und Konkurrenzgef\u00fchlen: \u201eAn die denkt Ihr. Und an mich?\u201c<\/li>\n<li>Diese Vorw\u00fcrfe nahm die Gemeindeleitung sehr ernst. Denn sie wusste, dass so etwas, ob nun berechtigt oder nicht, sehr schnell zu Zerw\u00fcrfnissen f\u00fchren konnte. Im schlimmsten Fall die Gemeinde zerst\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/li>\n<li>Ein kluger Schachzug ist daher die L\u00f6sung, die f\u00fcr das Problem gefunden wird: Es werden Menschen gew\u00e4hlt, die sich speziell um diese Aufgabe k\u00fcmmern sollen: Dass alle genug zu essen haben.<\/li>\n<li>Es ist also klar, dass \u00fcber diese Tatsache, ob Menschen satt werden oder nicht, gesichert wird, ob die Gemeindeleitung weiterhin Anerkennung findet oder nicht.<\/li>\n<li>Es ist wichtig, dass die Aufgaben verteilt werden. Denn es ist klar, dass nicht einer alles machen kann. Es soll auch weiterhin gesichert sein, dass derjenige, der das Wort Gottes verk\u00fcndet, den R\u00fccken frei hat f\u00fcr diese Aufgabe.<\/li>\n<li>Es finden sich tats\u00e4chlich viele, die sich w\u00e4hlen lassen, um in Zukunft die Essensversorgung sicher zu stellen.<\/li>\n<li>Diese Leute werden jetzt nicht einfach unters Volk geschickt. Sondern sie werden beauftragt. Vor der Gemeinde legt man ihnen die H\u00e4nde auf und segnet sie.<\/li>\n<li>Diese Vorgehensweise hat Erfolg. Denn, so lesen wir in der Bibel, die Gemeinde wuchs weiter, Lukas beschreibt sogar ehemalige Tempelpriester, die nun zur christlichen Gemeinde wechselten.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir das alles f\u00fcr unsere Gemeinde heute h\u00f6ren, dann kommt uns vieles bekannt vor.<\/p>\n<ol>\n<li>Unsere Gemeinde besteht aus verschiedenen Menschengruppen, Einheimischen und Zugereisten aus anderen Gebieten und Konfessionen.<\/li>\n<li>Unsere Kirche bem\u00fcht sich auch die im Blick zu haben, die Hilfe ben\u00f6tigen.<\/li>\n<li>Diese Aufgabe wird \u2013 noch \u2013 sehr ernst genommen, sie ist auch in unseren Tagen nicht von K\u00fcrzungen betroffen.<\/li>\n<li>Trotzdem kommt es vor, dass Menschen \u00fcbersehen werden. Das f\u00fchrt zu \u00c4rger und der Angst, zu kurz zu kommen.<\/li>\n<li>Solche Vorw\u00fcrfe nehmen wir sehr ernst und bem\u00fchen uns um L\u00f6sungen.<\/li>\n<li>Dazu brauchen wir Menschen, die mithelfen. Und dazu w\u00e4hlen wir unser Presbyterium.<\/li>\n<li>Ob wir als Kirche und Kirchengemeinde weiterhin anerkannt werden, h\u00e4ngt davon ab, ob die Leute den Eindruck haben, dass wir unsere Aufgaben ordentlich erledigen.<\/li>\n<li>Das kann nur gelingen, wenn wir diese Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen.<\/li>\n<li>Da gibt es allerdings dann einen Unterschied zu unseren Tagen: Es f\u00e4llt schwer, gen\u00fcgend Menschen zu finden, die die verschiedenen Aufgaben \u00fcbernehmen m\u00f6chten. Umso dankbarer bin ich f\u00fcr die, die mir immer noch und immer wieder treu zur Seite stehen.<\/li>\n<li>Auch heute schicken wir unsere Leute nicht einfach unters Volk. In einem feierlichen Gottesdienst werden sie gesegnet und beauftragt.<\/li>\n<li>Ob unsere Vorgehensweise Erfolg haben wird und sich auch wieder Menschen f\u00fcr den Pfarrerberuf entscheiden, das muss sich noch zeigen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Parallelen. Eine ganz besondere \u00dcbereinstimmung allerdings wird auf den Anhieb nicht sichtbar, sondern erst beim Blick in den griechischen Grundtext. Und das ist dann unser 12ter Punkt: Gleich dreimal taucht dort ein Wort auf, das uns allen gel\u00e4ufig ist, das aber seltsamerweise in der \u00dcbersetzung verloren gegangen ist: das Wort \u201eDiakonie\u201c. Wir kennen den diakonischen Wert und seine Arbeit in Zweibr\u00fccken, in Deutschland und weltweit: die F\u00fcrsorge f\u00fcr andere.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir kennen Diakone, die in der evangelischen und katholischen Kirche in der Verk\u00fcndigung t\u00e4tig sind: Menschen, die aber in ihrer Ausbildung einen gr\u00f6\u00dferen Schwerpunkt auf die praktische Ausbildung legen konnten, als das Pfarrern zugestanden wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unserem Predigttext wird dieses Wort \u00fcbertragen mit \u201eDienst\u201c und \u201edienen\u201c. Wenn man es ganz genau \u00fcbersetzen w\u00fcrde, dann m\u00fcsste an dieser Stelle nicht \u201eDiener\u201c stehen, sondern \u201eKellner\u201c. Denn eigentlich hei\u00dft \u201eDiakon\u201c: Der, der f\u00fcr die Mahlzeiten da ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Damit wird etwas Grundlegendes deutlich: Die Basis f\u00fcr alle Arbeit, die wir den Menschen zugute lassen kommen wollen ist, dass sie satt sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Genau darum geht es im Predigttext. Dass alle zu essen haben. Die aus den verschiedenen Herkunftsl\u00e4ndern, die gut situierten und die Witwen. Erst dann, wenn alle gleicherma\u00dfen satt sind, wenn also die Diakonie ihre Arbeit geleistet hat, erst dann sind die Menschen bereit und in der Lage, auch denen zuzuh\u00f6ren, die von Jesus erz\u00e4hlen und die Bibel auslegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute, wo es immer weniger Pfarrer und Pfarrerinnen gibt, gewinnt diese diakonische Arbeit zunehmend ganz neu an Bedeutung. Jahrhundertelang hatten wir es vergessen. Tonangebend waren die Gemeindeleiter. Und das waren in den Augen der Kirche die, die das Wort Gottes verk\u00fcndigten. Dabei war es schon immer so: Bevor die Leute den Pfarrern zuh\u00f6ren konnten, musste erst einmal ihre Existenz gesichert sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Gro\u00dfvater war Diakon. Er war in den drei\u00dfiger Jahren in der Jugendarbeit der Arbeiterviertel im Ruhrgebiet t\u00e4tig und nach dem Krieg in Heimen, die die Kirche f\u00fcr verwaiste Jugendliche eingerichtet hatte. Noch viel sp\u00e4ter als Berufschullehrer. Meine Gro\u00dfmutter musste, bevor sie meinen Gro\u00dfvater heiraten durfte, eine Pr\u00fcfung in Hauswirtschaft ablegen. Denn sie musste genau das machen: Kochen. Kochen f\u00fcr alle die jungen Leute in den Heimen. Es musste gew\u00e4hrleistet sein, dass alle zu essen hatten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere Landeskirche hat sich jahrelang ausgeruht auf der Tatsache, dass es gen\u00fcgend Pfarrer und Pfarrerinnen gab und hat keine Diakon:innen mehr ausgebildet. Das r\u00e4cht sich nun bitter. Wir haben niemanden mehr, der zupackt. Die Stelle von Hubertus konnte nicht mehr besetzt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wen also k\u00f6nnen wir berufen, wenn das Murren in der Gemeinde lauter wird, weil grundlegende Bed\u00fcrfnisse nicht mehr bedient werden k\u00f6nnen? Wer schaut nach denen, die krank sind, die alleine sind, denen es an Geld f\u00fcr den Alltag fehlt? Wir Pfarrer\/innen k\u00f6nnen uns nicht mehr auf unseren Dienst am Wort allein berufen. Wir k\u00f6nnen aber genauso wenig wie in der urchristlichen Gemeinde alle Aufgaben alleine bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Umso dankbarer bin ich daf\u00fcr, dass wir in der Gemeinde zusammenarbeiten. Als Team. Als Presbyterium. Als Ehrenamtliche. Als Menschen, die sehen, wo es fehlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin auch dankbar, dass ich nicht alleine hier vorne stehe. Dass es Menschen gibt, die auch im Gottesdienst mitwirken. Leute, die aus der Bibel vorlesen und solche die sich zu Lektoren und Pr\u00e4dikanten ausbilden lassen. Solche, die als Musiker Gottes Wort verk\u00fcnden. Lebendige Gemeinde miteinander und f\u00fcreinander. Es wird Zeit, dass sich Kirche und ihre Vertreter\/innen von ihrer elit\u00e4ren Stellung verabschieden und sich hin zu den Menschen wenden, bei denen das Leben stattfindet. Mitten hinein ins Gew\u00fchl mit allen seinen Anfragen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich freue mich \u00fcber jeden und jede von Ihnen, die sich darauf einlassen. Ich freue mich \u00fcber die gro\u00dfartige Arbeit unserer Diakonie. Aber auch unserer kleinen Diakone und Diakoninnen vor Ort, die t\u00e4glich daf\u00fcr sorgen, dass niemand vergessen werden soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sind Sie dabei?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Verfasst von:<\/strong><br \/>\nSuse G\u00fcnther<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. So. n. Trinitatis | 30. August 2026 | Apg 6,1\u20137 | Suse G\u00fcnther | \u00a0 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit Euch allen. 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