{"id":26629,"date":"2026-09-02T09:08:01","date_gmt":"2026-09-02T07:08:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26629"},"modified":"2026-09-02T09:08:01","modified_gmt":"2026-09-02T07:08:01","slug":"lukas-191-10-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-191-10-6\/","title":{"rendered":"Lukas 19,1-10"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Dank statt Missgunst: Verschr\u00e4nkung blockiert, Lichtlauf justiert! | Lukas 19,1-10 | 14. S. n. T. | 06.09.26 | Markus Kreis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sanft hebt sein Weg abw\u00e4rts an. Unter graubraunen Felsriesen wandert der junge Mann in die Ebene des Jordan hinein zur n\u00e4chsten gro\u00dfen Stadt. Viele Kehren bremsen den Ausgriff seiner F\u00fc\u00dfe und Beine, zeichnen den Weg seines Lebens vor.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Betrachten wir Jesu Spurverlauf aus der Perspektive eines Vogels. Also von oben her &#8211; so, als ob er seinen Weg von oben nach unten mit Tinte gezogen auf der Ebene eines Blatt Papiers gegangen w\u00e4re: Das geht so sch\u00f6n hin und her, seine Spur sieht fast aus wie das Torkeln eines Trunkenen, von links nach rechts und von rechts nach links. Und je tiefer nach unten, desto mehr fast wie auf der Stelle tretend, zum Schluss auf dem Papier ein tiefdunkler Klecks. Schlimmer geht immer, tiefer geht nimmer, vom Gebirge hinab an einen der tiefsten Orte der Erdlande, Jericho, 250 m unter dem Spiegel der Meere. Mit Tiefen kennt Jesus sich aus. Zur Welt gekommen in einer Unterkunft f\u00fcr verarmte Reisende, genauer gesagt, weil deren Wohnraum gerammelt voll war, geboren in deren Stall f\u00fcr Tragtiere, zwischen Futter, Mist und Staub. Da bedeutet es kaum was, wenn Jesus das Licht der Welt 1000 m h\u00f6her als jetzt in Bethlehem erblickt hatte. Nun sind eh Jahre vergangen. Schnurstracks geht\u2019s nach Jericho, Gott befohlen. Aus dem verwinkelten Niedergang wird ein Marsch, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, im Gleichschritt mit Gott. Eine Prozession im Auftrag des Herrn. Der Welt wird gezeigt, was in Wahrheit am Laufen ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus ahnt: Da steht mir ein harter Tag bevor. Denn die alte Megacity bedeckt einiges an Boden, das ist von hier sch\u00f6n zu sehen. Das braucht seine Zeit, bis man ihre Viertel und Gassen durchmessen hat. Nicht gerade ein Kinderspiel, aber doch machbar &#8211; wenn man so eine Distanz in seinem Leben schon hinter sich gebracht hat. Der Sprung ins Leben ist h\u00e4rter als jeder Subway oder Boulevard gewesen. Also frisch ans Werk!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.\u20022 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zach\u00e4us, der war ein Oberer der Z\u00f6llner und war reich.\u20023 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er w\u00e4re, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.\u20024 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.\u20025 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zach\u00e4us, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.\u20026 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.\u20027 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem S\u00fcnder ist er eingekehrt.\u20028 Zach\u00e4us aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die H\u00e4lfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zur\u00fcck.\u20029 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus ist in Jericho von Anfang an erfolgreich. Er kommt seinem Auftrag nach und sein Ruf tr\u00e4gt Frucht wie ein Obstbaum im Sommer. Die Rede von ihm verbreitet sich wie der Blitz \u00fcberall in Stadt. Als ob es damals schon Handys und das weltweite Netz gegeben h\u00e4tte. Auch Zach\u00e4us hatte von ihm schon einiges geh\u00f6rt und m\u00f6chte einen Blick erhaschen. Da kann Jesus froh sein, dass Zach\u00e4us lediglich das von ihm will. Sonst fordert der von den Leuten n\u00e4mlich etwas anderes und zwar viel mehr. Denn der macht von Berufs wegen auf r\u00f6misch Inkasso. Er treibt also Steuern, Zoll und Geb\u00fchren ein, die Mensch der Verwaltung zu zahlen hat. Um den Zahlungsfluss am Laufen zu halten, hat die Beh\u00f6rde sich was ganz Schlaues ausgedacht und gemacht: Sie hat die Geldmenge gesch\u00e4tzt, die sie in einer bestimmten Frist bei so und so viel Leuten und deren Handel und Wandel einnehmen m\u00fcsste. Dann hat sie f\u00fcr diese Summe das Recht an einen verkauft, bei den Leuten die Gelder zu kassieren. So hatte das Amt das Geld sicher. Und der Eintreiber das Problem mit denen, die zahlen mussten &#8211; und nur mehr oder weniger wollten oder konnten. Wenn einer schlau und kalt und hart genug war, dann konnte r\u00f6misch Inkasso reich machen \u2013 umso mehr, wenn die Einnahme nach Frist gr\u00f6\u00dfer war als die Summe, die er der Beh\u00f6rde gezahlt hatte. Eine Art Pacht in Sachen Steuern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">So einer n\u00e4mlich ist Zach\u00e4us. In Jericho dreht er am ganz gro\u00dfen Rad, ja, er kann die Schmutzarbeit sogar andere machen lassen. Die Leute von Jericho wissen trotzdem Bescheid \u00fcber ihn. Der da sagt in Wahrheit Stopp! Und h\u00e4lt die Hand auf und die Schranke zu. Und \u00f6ffnet die Schranke erst dann, wenn seine F\u00e4uste und S\u00e4ckel die M\u00fcnzen umschlie\u00dfen. Mindestens missliebig ist er, wird schief angesehen und geschnitten. Mit ihm zu tun haben will Mensch nur, wenn es unbedingt sein muss. Was weiter und umgekehrt hei\u00dft: Die Menschen zahlen es ihm bei Gelegenheit gerne heim, am besten in \u00dcberzahl und hinten rum und heimlich. So auch hier und heute. Zach\u00e4us m\u00f6chte gern in der Hauptstra\u00dfe mitschauen und wie bei einem Rave auch rumt\u00e4nzeln, rufen und feiern. Und die Leute machen ihm auch bereitwillig Platz am Stra\u00dfenrand. Allerdings nur in der hintersten Reihe, da Durchgang verschlossen. Nach vorne bleibt es zu, so eng r\u00fccken die Leute zusammen, wenn er Anlauf nimmt. Das raubt ihm jede Sicht. Und schlie\u00dft ihn auch sonst aus, da er eher klein und schm\u00e4chtig ist. Zack, da hast Du es, elende Schlange! Aber Zach\u00e4us w\u00e4re nicht so gut bei Inkasso, wenn er sich das einfach gefallen lie\u00dfe. Er wei\u00df sich zu helfen, der Schlauberger. Statt zu Drohung und Gewalt zu greifen, macht er was anderes. Er rennt hinter dem R\u00fccken des Walls menschlicher Leiber die Stra\u00dfe in Jesu Gehrichtung vor. Und als er bei gen\u00fcgend Vorsprung einen Maulbeerbaum sieht, klettert er flugs hinauf und l\u00e4sst sich auf einem dicken Ast nieder. Dort kann er die Sache von oben besehen und auf Jesus draufschauen. Sch\u00f6nes oder Schlimmes anglotzen, ohne davon betroffen oder gar besch\u00e4digt zu werden &#8211; diesem Vergn\u00fcgen gehen Menschen immer noch nach. Heute muss dazu ein Mensch sogar nur auf einen L\u00fcmmelplatz klettern und den Bildschirm anknipsen. Wie dem auch sei: Ich, Zach\u00e4us, oben! Und Jesus und die Leute unten, davor die Laubwand als eine Schranke, so gef\u00e4llt das!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sich hinter Laub verbergen, das hat ja schon bei Adam und Eva schlecht geklappt. Und hier wie damals sp\u00fcrt die g\u00f6ttliche Lichtschranke eine Unterbrechung. Also Abriss des Kontakts mit dem Gegenpart, hier und heute bei Zach\u00e4us. Alle Maschinen und Ger\u00e4te auf Null! Und gleich dagegen gesteuert. Jesus r\u00e4uspert sich kurz vor dem Maulbeerbaum, schaut kurz umher und dann zu Zach\u00e4us hinauf, h\u00e4lt vor der Brust die Handfl\u00e4chen nach oben auf und bittet: <em>\u201eSteig eilend herunter, denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.\u201c<\/em> Und zack hat er ihn im Sack, denn der Kleine mit der erhob\u00b4nen Nase steigt hinunter und bringt freudig erregt den Gast in sein Haus, um ihn dort zu bewirten. Jesus hat Zach\u00e4us mit dessen eigenen Waffen geschlagen. Ein Zollp\u00e4chter unterbricht ja Weg und Lauf des Menschen, indem er dessen Leib per Schranke stoppt und die Hand aufh\u00e4lt. Und erst weiter seiner Wege ziehen l\u00e4sst, wenn der seinen Obolus entrichtet hat. \u00c4hnlich Jesus, der unterbricht den Lebenslauf des Zach\u00e4us. Er h\u00e4lt wie durch eine Art Lichtschranke Kontakt mit ihm. Und die erf\u00fcllt ihren Kontrollzweck: Als n\u00e4mlich Lichtweg und Kontakt durch die Laubwand abrei\u00dfen, geht es anders weiter als vom Baumgast ausgedacht und gew\u00fcnscht. Jesus bemerkt n\u00e4mlich den Abbruch, \u00f6ffnet seine H\u00e4nde nach oben und verstellt mit einem Zuruf Zach\u00e4us den Weg. Und sein Text kann sowohl als Bitte wie auch als Befehl geh\u00f6rt und verstanden werden. So oder anders oder beides, der Zuruf verdr\u00e4ngt und stoppt erfolgreich die alten Gedanken und Absichten von Zach\u00e4us und l\u00e4sst ganz andere auftauchen. Der Laufstrahl der Lichtschranke funktioniert wieder. Zu den gro\u00dfen R\u00e4tseln des Glaubens geh\u00f6rt hier der Faktor Zeit. Denn es kann ganz anders laufen als hier. Das war letztes Wochenende in der Schweiz leider zu sehen. Wann wird der Himmel des Abbruchs von Licht und Kontakt seitens eines Menschen gewahr? Wann justiert er den Laufstrahl seiner Lichtschranke neu, um das B\u00f6se zu bremsen und Mensch und Welt wieder auf seinen guten Weg zu bringen? Was bedeutet da rechtzeitig? Da bleibt einem nur der Glaube, dass Jesu Kreuz und Auferstehung das Licht der Welt ist. Und damit das Vertrauen, dass Gott letztlich jede blockierte Verschr\u00e4nkung beendet, so dass der Laufstrahl seiner Lichtschranke sich ins Leben neu justiert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und noch eine Spitzkehre obenauf. Statt diesem Wunder Lob und Dank zu zollen, droht Missgunst und Neid. Den B\u00fcrgern von Jericho hat der Sinneswandel des Zach\u00e4us die Laune verhagelt. Reue, die zurecht so sp\u00e4t kommt, die kam ihnen wohl kaum in den Sinn. Obwohl Gott allein \u00fcber der Zeit steht. Und Gott allein \u00fcberblickt, was tats\u00e4chlich zu sp\u00e4t kommt und vergeblich ist. Und was noch rechtzeitig auftritt und gut Wirkung entfaltet, auch wenn Menschen es f\u00fcr zu sp\u00e4t halten. Die Leute machen sich selbst zu Gott und denken nur an Reue, die zu sp\u00e4t kommt. So gefangen sind sie in dem Thema. Kein Wunder, fast jeder wei\u00df ja, was vergebliche Reue anrichtet! Was die mit einem Leben machen kann. Manch Geschiedener wei\u00df davon zu berichten, manch erklommene Karrierestufe, manches Krankheitsstadium, manch Verh\u00e4ltnis zu den Kindern. Es gibt so viele Kurven, aus denen man fliegen kann, wenn man zu sp\u00e4t bremst. Zu sp\u00e4te Reue ist vergeblich, sp\u00e4te Reue, die Vergebung bringt, ist doch zeitig genug gewesen, mindestens in Gottes Augen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Leute von Jericho, blind f\u00fcr Gottes Tun und Wirken in Jesus? Ob hier etwas sanft beginnt, b\u00f6se zu eskalieren? Aus lauter Wut immer mehr auf der Stelle tretend? Ein Niedergang voller Spitzkehren, also voll verkehrter Wendungen und Gedanken. Moralische Emp\u00f6rung. Wachsendes Schmollen und Gekr\u00e4nkt sein. Und ganz, ganz oben \u00dcberheblichkeit. Die f\u00e4hrt sich so leicht hoch. Und kann darin doch nur verkennen, an welch\u00b4 gro\u00dfem Gewicht sie sich grad \u00fcbernimmt. <em>Dass ihr Schmollen gerecht ist, dessen sind die Leute immer ganz gewiss. Gleiches geh\u00f6rt mit Gleichem vergolten! Wo kommen wir denn da hin?! So falsch stellen sie sich Gott vor und damit \u00fcber ihn. Als w\u00fcssten sie es besser als der. Blind, weil sie von gleich zu gleich Bilanz ziehen, statt den Neuzuwachs mit zu berechnen. Lichtscheu und blind daf\u00fcr, dass der Sinneswandel des Zach\u00e4us echt ist. Blind f\u00fcr Gottes zahllos gute M\u00f6glichkeiten. Die da entspringen seiner Macht und \u00dcbersicht. Immer wieder Ansprache mit Vergebung und tiefe Reue samt echtem Neuzuwachs. Und dessen Benefit wird dann unter die Leute verteilt. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Egal, sollen die Leute murren und denken, was sie wollen. Jesu Zuruf verdr\u00e4ngt und stoppt die Gedanken und Absichten von Zach\u00e4us. Sein Bittbefehl setzt diesen auf einen neuen Weg ins Leben. <em>8 Zach\u00e4us aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die H\u00e4lfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zur\u00fcck.<\/em> Er wird danach immer noch \u00fcber einiges Verm\u00f6gen verf\u00fcgt haben, und das ist auch recht so. Was br\u00e4chte es denn, einen Sozialfall zu produzieren, nur damit gerecht vergolten wird? Was br\u00e4chte denn Vergeltung um jeden Preis? <em>\u00a0<\/em><em>Freuen wir uns lieber dankbar \u00fcber Jesus. Statt Missgunst, freuen wir uns lieber dankbar \u00fcber das gute Werk Gottes in ihm f\u00fcr die Welt. Selbst wenn manche mehr Gutes und weniger Schlechtes abkriegen als wir. Das wird sich schon finden, dem g\u00f6ttlichen Lichtzuwachs sei Dank. Amen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0&#8212;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Markus Kreis OStR<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Hirschkopfstra\u00dfe 9<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>D-69469 Weinheim<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>eMail: markus_kreis@web.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank statt Missgunst: Verschr\u00e4nkung blockiert, Lichtlauf justiert! | Lukas 19,1-10 | 14. S. n. T. | 06.09.26 | Markus Kreis | Sanft hebt sein Weg abw\u00e4rts an. Unter graubraunen Felsriesen wandert der junge Mann in die Ebene des Jordan hinein zur n\u00e4chsten gro\u00dfen Stadt. 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