{"id":26696,"date":"2026-09-15T09:43:12","date_gmt":"2026-09-15T07:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26696"},"modified":"2026-09-15T09:43:24","modified_gmt":"2026-09-15T07:43:24","slug":"matthaeus-1352-2819","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1352-2819\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 13,52 (28,19)"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Gro\u00dfstadtroman trifft Gro\u00dfstadtevangelium | Predigt \u00fcber Matth. 13,52 (28,19) | Gedenktag des Apostels und \u00a0Evangelisten Matth\u00e4us |\u00a0\u00a0 21. 9. 2026<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0\u201aDarum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein J\u00fcnger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt\u2018.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0I<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was h\u00e4lt die Welt zusammen? Welche Sprache verstehen die vielen V\u00f6lker? Und vor allem: Was bedeutet die Geschichte des Jesus von Nazareth, jenes j\u00fcdischen Mannes aus dem \u00f6stlichen Winkel des r\u00f6mischen Reiches \u201aurbi et orbi\u2018, f\u00fcr die \u201a<em>Stadt<\/em> und den <em>Erdkreis\u2018<\/em>?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u201a<em>Gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker<\/em>\u2018, so sagt es Jesus, der Christus, am Ende des Buches, dessen Verfasser wir Matth\u00e4us nennen. Heute gedenken wir dieses Mannes als Evangelisten und als Schriftsteller. Urbane J\u00fcngerschaft, Kirche im Stadt-, im Welthorizont &#8211; wie wird daraus ein Buch?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0II<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gestattet den Umweg: Berlin sucht ihn wohl noch, den zeitgen\u00f6ssischen Berlin-Roman. Ein Werk, dem es gelingt, die Stimmen einer lebenshungrigen, oft chaotischen, un\u00fcbersichtlichen Gro\u00dfstadt einzufangen. So wie einst D\u00f6blins \u201aAlexanderplatz\u2018. Manche werden sich erinnern: Franz Biberkopf, der mit guten Vors\u00e4tzen aus dem Gef\u00e4ngnis kommt, der vom Leben \u201amehr als das Butterbrot\u2018 fordert und sich im Meer der Stadt behaupten mu\u00df. Lebenskampf. Eigensinn und Liebe, Dummheit und Gewalt, Kriminalit\u00e4t, Mord, alles geh\u00f6rt zu dieser Geschichte, die am Ende in der Begegnung mit \u201adem Tod\u2018 vor die Frage stellt: Wer bin ich in dieser \u201aHerde\u2018 von Menschen? Wo geh\u00f6re ich hin? Was steht mir zu?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vom Lande kommend, von dort, wo man auch einen Fremden gr\u00fc\u00dft, mu\u00dfte ich lernen, ein Gro\u00dfst\u00e4dter zu werden. Mit euch allen genie\u00dfe ich die Vielfalt der Kultur, die \u00e4rztliche Versorgung, die Anonymit\u00e4t: \u201a\u2026 ja, ich kann mich gut verstecken \/ in den tausendfachen Ecken \/ meiner Stadt\u2018, hei\u00dft es in einem Song. Aber ich kenne auch die Erfahrung einer seltsamen Verlorenheit:\u00a0 \u201aI\u2019m Nobody ! \/ Who are you? \/ Are you nobody, too?\u2018 (E. Dickenson). Nicht wahr, in einer Menge kann man sich, je \u00e4lter man wird, sehr klein f\u00fchlen, ja, belanglos, unsichtbar, und ich eile, schnell wieder in mein vertrautes Quartier zu kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0III<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zeitsprung: Matth\u00e4us war vermutlich solch ein Gro\u00dfst\u00e4dter, oder zumindest: Er lebte im Gebiet der syrischen Weltstadt Antiochia am Orontes, der damals drittgr\u00f6\u00dften Stadt im r\u00f6mischen Reich, ein \u201aTreff-Punkt\u2018 von Orient und Okzident, eine Stadt mit einer grandiosen Architektur und pr\u00e4chtigen Villenvierteln, und zugleich eine Stadt von Enge, Not und Armut, von Rivalit\u00e4t und Verd\u00e4chtigung, \u00a0von Erwartungen und Entt\u00e4uschungen. Soziologen w\u00fcrden vielleicht sagen: Eine \u201alow-trust-Gesellschaft\u2018 (F. Fukuyama), eine Gesellschaft mit geringen Vertrauenspotentialen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nehmen wir einmal an: Matth\u00e4us, unser Autor, der \u201a<em>J\u00fcnger des Himmelreichs<\/em>\u2018, stand einer Gemeinde vor, in der Frauen und M\u00e4nner \u00a0verschiedener Herkunft zusammenkamen, Menschen die soz. einen \u201afesten Ort\u2018(P. Wick) \u00a0verloren hatten. Kriegstraumatisierte, um den zerst\u00f6rten Tempel trauernde Juden, judenchristliche Fl\u00fcchtlinge, zugezogene Heiden, Angeh\u00f6rige der r\u00f6mischen Besatzungsmacht, kleinasiatische oder syrische H\u00e4ndler. Jede Versammlung, jeder Konflikt warf die Frage auf: Was kann diese so Verschiedenen \u00a0\u00a0zusammenhalten? Was suchen sie, wenn sie an der Gemeinde des Messias Jesus teilhaben wollen? \u201a\u2026 mehr als das Butterbrot\u2018: \u00a0Schutz und Zugeh\u00f6rigkeit. Anerkennung im Meer der Belanglosigkeit. Und was brachten sie mit? Welches Gewicht sollten die eigenen Traditionen und \u00dcberzeugungen, gewi\u00df auch die Dominanzanspr\u00fcche mancher Gruppen, \u00a0unter dem Vorzeichen des gekreuzigten Messias haben? Matth\u00e4us selbst war j\u00fcdischer Herkunft\u00a0 und die Schriften Israels als Zeugnisse der Treue Gottes waren ihm besonders teuer. Gerade im Neuen der Jesus-Geschichte erkannte er die Bedeutung des Alten, aus dem diese Geschichte ja generationentief erwachsen war: \u201aDas Neue als Konzentrat des Alten\u2018(F. Cr\u00fcsemann).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0IV<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nat\u00fcrlich ist uns die Person des Evangelisten so gut wie unbekannt, aber: \u201awer schreibt, der bleibt\u2018. Sein Buch l\u00e4\u00dft die Frage aufsteigen: Was kann Jesus, der Christus, f\u00fcr diese gemischte Welt bedeuten, f\u00fcr seine Gemeinde, die vermutlich eher klein war, eine angefeindete, \u00a0auch streitbare (23, 13ff) Minderheit, die aber in sich die \u201aweite Welt\u2018 trug &#8211; so wie es heute in vielen Gemeinden besonders in migrantisch gepr\u00e4gten Quartieren ja auch der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Historiker meinen, da\u00df Matth\u00e4us einmal eine Art schriftstellerisches \u201aSelbstportr\u00e4t\u2018 (Th. S\u00f6ding) zeichnet: \u201a<em>Darum gleicht jeder<\/em> <em>Schriftgelehrte \u2026 einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt<\/em>\u2018(13,52). In diesem \u201aSelbstportr\u00e4t\u2018 ahnen wir die \u00a0Aufgabe: Die j\u00fcdischen Traditionen bewahren und sie zugleich \u201aim Welthorizont\u2018 \u00a0\u00f6ffnen. Altes und Neues sollen \u201akoexistieren\u2018. \u00a0Ja, es ist eine Gratwanderung,\u00a0 ein riskanter Versuch zwischen Bindung und Freiheit, zwischen den \u00dcberlieferungen der V\u00e4ter (und der V\u00f6lker: 2,1-12; 7,12) und dem Glauben an den Sohn, in dem Gott in un\u00fcberbietbarer Weise \u201a<em>mit uns<\/em>\u2018 (1,23) sein will. Abheben, sich unterscheiden, und doch nicht den gemeinsamen Boden verlassen\u2026 geht das \u00fcberhaupt? Sind nicht \u00a0mitunter schmerzliche Schnitte unumg\u00e4nglich: \u201a<em>Ich aber sage<\/em><em>euch<\/em>\u2026\u2018 (5,22)? In der Kirchengeschichte finden wir ja genug Beispiele f\u00fcr radikale Entzweiung und Exklusion&#8230; aber kann ein \u201a<em>Hausvater<\/em>\u2018, der um die ihm \u201a<em>anvertrauten<\/em>\u2018 (25,14) Pfunde wei\u00df und sie wachsam anlegt, in seinem Gro\u00dfstadt-Jesus-Buch so vorgehen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 V<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mir hilft noch einmal der Umweg \u00fcber den \u201aAlexanderplatz\u2018. Man sucht ihn noch &#8211; einen Nachfolger f\u00fcr Alfred D\u00f6blins Werk, <em>dem<\/em> Klassiker der Buchwerdung des Gro\u00dfstadtlebens. Man hebt, was dessen literarischen Stil betrifft, die kunstvolle \u00a0Montagetechnik \u00a0hervor, eine \u00fcberraschende, verst\u00f6rende, Schocks ausl\u00f6sende Komposition von Texten, die den machtvollen \u00a0\u201aSound einer Gro\u00dfstadt\u2018 erfassen sollen: \u201aSchlagzeilen aus Zeitungen, Ank\u00fcndigungen an Litfa\u00dfs\u00e4ulen, Anzeigen, Bekanntmachungen, Plakate, Lichtreklamen, Warenhaus-, Verkehrs- und Unternehmensschilder, Fahrpl\u00e4ne, Telefonb\u00fccher, Lieder, Gedichte, Titel von Revuen, Operetten und Filmen\u2018 (S. Becker), Bibelzitate nicht zu vergessen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das alles und noch viel mehr belegt eine bet\u00f6rende, Unterwerfung erheischende Sprachmacht, und hier soll einer wie Franz Biberkopf sein eigenes Sprechen finden? Lernen, ein \u201asomebody\u2018 mit \u201aeigenem Sinn\u2018 zu werden, lernen, \u00a0in diesem Meer zu schwimmen? Was wir heute manchmal \u201aonline\u2018, in der \u201adigitalisierten globalen Menschenherde\u2018 (M. Andrick), erleben k\u00f6nnen: Faszination und Information, Selbstdarstellung und Renommiersucht, wie ein Pinball hin-und her geschossen zwischen Meinen und W\u00e4hnen, zwischen Raunen und Framen, zwischen shitstorm und candystorm , erinnert mich in manchem an das \u00a0Geschick des \u201aHelden\u2018 vom Alexanderplatz in der Begegnung mit der Stadt. Franz Biberkopf und sein Milieu sprechen nicht \u00fcber sie, sondern diese spricht durch sie, aus ihnen: sie \u201aberlinern\u2018.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als ich D\u00f6blins Roman als junger Mensch in die Hand nahm, habe ich schnell aufgegeben. Mir fehlte \u201adie scharfe Kontur einer Lebenslinie\u2018 (Bayerd\u00f6rfer). Ich f\u00fchlte mich wie in einem Textlabyrinth. So wie Biberkopf an der Gro\u00dfstadt scheiterte, scheiterte ich an seinem Roman. Erst sp\u00e4ter habe ich ihn wieder hervorgeholt, geduldiger gelesen und war \u00fcberrascht, wie gleichsam im Sprung \u00fcber den Zeitgraben einander fremde B\u00fccher sich treffen oder vorsichtiger: sich ber\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VI<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gro\u00dfstadtroman trifft Gro\u00dfstadtevangelium: Mit dem Text des Matth\u00e4us kann es uns ja \u00e4hnlich ergehen. Der Leser braucht Zeit f\u00fcr das breit aufgestellte, von gro\u00dfen Redekompositionen, allen voran der Bergpredigt, gegliederte Evangelium \u2013 auch die Stadt Antiochia \u00a0hatte ihren \u201aeigen-m\u00e4chtigen\u2018, vielf\u00e4ltigen \u201aSound\u2018. Ein kreativer Schriftsteller mu\u00dfte in diesem urbanen \u201aSprachkosmos\u2018 die verschiedenen \u201aVor-Gaben\u2018 zusammen sehen und \u00a0<em>\u201amiteinander erhalten<\/em>\u2018(9, 17). Der \u201a<em>Schatz<\/em>\u2018: Die Bibel Israels, das Markusevangelium, m\u00fcndlich \u00fcberlieferte Worte Jesu, Sprichw\u00f6rter, hellenistische Weisheit und Mythen des Ostens. Diese gewichtigen Stimmen, die in einer Stadt wirken und pr\u00e4gen, sind ja in den Menschen, den Gemeindegliedern, pr\u00e4sent.\u00a0 Wenn Jesus sagt: <em>\u201aIch bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen; \u2026 sondern zu erf\u00fcllen\u2018<\/em> (5, 17), so mu\u00df sein Evangelist eben dies als Kriterium annehmen und gleichsam \u201a\u00f6kumenisch\u2018 (U. Luz) ausweiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein kluger, aber \u00fcberforderter \u201a<em>Hausvater<\/em>\u2018 und Schriftsteller, dieser Matth\u00e4us? Seine Leser sto\u00dfen jedenfalls auf die Sch\u00e4tze der Alten und der Neuen als einem sorgf\u00e4ltig verarbeiteten \u201aGewebe\u2018, das manchmal schwierig zu \u00fcbersehen ist, aber im \u201a<em>obersten Gebot<\/em>\u2018 seine klare Mitte hat. Es stellt die Gro\u00dfstadt-Taumelnden, die mitunter den \u201a<em>falschen Propheten<\/em>\u2018 (24, 24) allzu bereitwillig folgen, dann doch auf die F\u00fc\u00dfe: Im Doppelgebot der Liebe zu Gott, zum N\u00e4chsten und zu sich selbst. \u201a<em>In diesen beiden Geboten h\u00e4ngt das ganze Gesetz und die Propheten<\/em>\u2018 (22, 40).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gute Botschaft f\u00fcr Antiochia: In der Menge der urbanen Weltanschauungen und Erwartungen, in der Angst, letztlich ein \u00fcberfl\u00fcssiger Mensch zu sein, gibt es einen \u201a<em>Hirten<\/em>\u2018 (9,36), der sich der \u201a<em>schmachtenden<\/em>\u2018, \u201a<em>zerstreuten<\/em>\u2018, nicht\u00a0 selten einander feindseligen Schafe erbarmt. \u201a<em>Erf\u00fcllen<\/em>\u2018: Dieser Hirte ruft in die Nachfolge. Offenheit und Bindung, Freiheit und Respekt gegen\u00fcber dem Existenzrecht des anderen geh\u00f6ren darin zusammen. Die Mahnung des Lehrers Jesus, \u201a<em>mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gem\u00fct<\/em>\u2018 (Dtn 6,5) wachsam an seinem \u201a<em>inneren Menschen<\/em>\u2018 (Eph 3,16) zu bauen und sich \u00a0\u201a<em>seelen<\/em>&#8211;<em>ruhig<\/em>\u2018(11,29) \u00a0in die Praxis der Liebe einzu\u00fcben, ist eine interkulturelle Zumutung. Denn als liebesf\u00e4hig, als \u201a<em>friedfertig<\/em>\u2018 (5,9), erweise ich mich dann, wenn ich dem anderen und er zu mir sagt: \u201aIch will, da\u00df du bist\u2018. \u201aIch will, da\u00df du zu deinem Recht kommst\u2018. Ko-existenz unter der \u201a<em>Sonne<\/em>\u2018, die Gott \u00fcber uns \u201a<em>aufgehen l\u00e4\u00dft<\/em>\u2018 (7,45).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ausleger betonen, Matth\u00e4us stelle den lehrenden Jesus in den Vordergrund. Glaube braucht \u201aSubstanz\u2018, \u00a0ein \u201a<em>Verstehen<\/em>\u2018 (13,52) der eigenen Herkunft und ein Verstehen der Geschichte Jesu. Im Vergleich zu Markus ist er darum weniger an den \u201aAktionen\u2018, den Taten Jesu, interessiert als an einbettenden Worten der Deutung und der Lebensweisheit. Worte, die es den Gemeindegliedern erm\u00f6glichen, von Zweifel, Verzagtheit und \u201a<em>Kleinglauben<\/em>\u2018 (8,26) zur\u00a0 Nachfolge \u00a0im immer \u201anerv\u00f6sen\u2018, gewaltgef\u00e4hrdeten \u201aGro\u00dfstadtdschungel\u2018\u00a0 heranzuwachsen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gewi\u00df ist dies ein wichtiger Fingerzeig \u201a<em>bis auf den heutigen Tag<\/em>\u2018 (28,15). F\u00fcr unsere Zeit, die ja wie jede andere ihren Haltepunkt sucht. \u201a<em>Gehet hin und lehret<\/em> <em>alle V\u00f6lker\u2026 was ich euch befohlen habe<\/em>\u2018. Sch\u00fclerschaft im Geiste Jesu aber ist anderes als ein p\u00e4dagogischer \u00a0oder politischer Drill. Es ist ein H\u00f6ren auf Gottes Stimme(25, 31ff) \u201ain, mit und unter\u2018 den Gro\u00dfstadtstimmen, ein Aufbauen von Vertrauenspotentialen, ein Verzicht auf \u201aprovokative\u2018 fromme Handlungen (6,6.16);\u00a0ein Lernen, das aus der oft naiven Rede von Vielfalt und Weltoffenheit zu einer allt\u00e4glichen, \u201asichtbaren\u2018, \u201a<em>leuchtenden<\/em>\u2018 (5, 14) Praxis der gemeinsamen \u201aRegel-Befolgung\u2018 f\u00fchrt. Dieser \u00a0soz. b\u00fcrgerliche Anspruch gilt nicht nur in unseren Bibelgespr\u00e4chen: Du hast das Wort und ich h\u00f6re dir zu. Und ich darf erwarten, da\u00df du auch mir zuh\u00f6rst \u2013 auch wenn es wehtut: <em>\u201aAlles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch<\/em>\u2018(7,12). Gerechtigkeit darf nicht in Selbstgerechtigkeit umschlagen: \u201a<em>Du siehst den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken im eigenen Auge siehst du nicht\u2018 (7,3).<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 VIII<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was h\u00e4lt die Welt zusammen? Und was bedeutet die Geschichte Jesu f\u00fcr \u201a<em>alle V\u00f6lker<\/em>\u2018? \u00a0In einer Menschheit, deren Liebe immer wieder zu \u201a<em>erkalten<\/em>\u2018( 24,12) droht, oder die sich selbst in Sch\u00f6nrednerei und \u00a0falscher Toleranz etwas vormacht? Ein Buch aus Antiochia rief die sog. V\u00f6lkermission, die gewaltfreie \u2013 \u201a<em>Stecke dein Schwert in die Scheide<\/em>\u2018 (26,52)- \u00a0V\u00f6lkermission aus: \u201aKirche auf Stadt-, auf \u00a0Weltniveau\u2018. Der Gemeindevorsteher kannte den Realit\u00e4tstest seines Programmes: Gerade die \u201a\u00d6kumene\u2018 h\u00e4lt uns an, an diesem Ort \u201a<em>den Kleinen<\/em>\u2018(18,10), und seien es \u201a<em>zwei oder drei<\/em>\u2018 (18,20), das Evangelium zu verk\u00fcnden und miteinander das Liebesmahl zu halten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer bin ich in der \u201aMenschenherde\u2018? \u00a0Biberkopfs Hunger nach \u201amehr als dem Butterbrot\u2018 wandelt sich in der \u201aver-r\u00fcckten\u2018 Begegnung mit dem Tod, jener Macht, die auch der Gro\u00dfstadt Grenzen setzt. Er lernt, sich in seiner \u201a<em>Armut<\/em>\u2018 (Ps 40, 18) anzunehmen &#8211; \u00a0in einer Stelle als Hilfspf\u00f6rtner. \u201aHow dreary \u2013 langweilig &#8211; to be somebody!\u2018 dichtet Emily Dickinson. \u00a0War Franz nun bereit, wie manche Leser D\u00f6blins meinen, sich zu unterwerfen und in der Masse zu \u201amarschieren\u2018? \u00a0Matth\u00e4us w\u00fcrde wohl \u00a0diese Begegnung mit dem \u201aJenseits\u2018 anders, sehr pers\u00f6nlich, sagen: als deine und meine \u201a<em>Rechenschaftsgabe<\/em>\u2018 (25,19) vor dem gekreuzigten, auferstandenen, dem lebendigen Christus.*<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Gebet nach der Predigt \ud83d\ude42 <em>Du hast vereint in allen Zonen \/ uns die du liebtest je und je; \/ wir bitten, Herr, la\u00df bei uns wohnen \/ den Geist der Gnade aus der H\u00f6h. \/ Sieh an, es beugen voll Vertrauen \/ all deine Kinder ihre Knie, \/ du wollest ihre Hoffnung schauen, \/ tritt, Vater, heute unter sie.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Liedvorschl\u00e4ge: Du hast vereint in allen Zonen (eg 609 ) \u00a0\/ Auf dem Weg der Gerechtigkeit (Cl. Bittlinger) \/ \u00a0Wandermaler (Band), Meine Stadt \u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dmY6yZllpc4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dmY6yZllpc4<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">_________________________________________________<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*Predigt (-versuch) zum Abschlu\u00df einer Gespr\u00e4chsreihe zum Matth\u00e4usevangelium. \u00a0Lit.: U. Luz, Das Evangelium nach Matth\u00e4us (Mt 1-7) EKKNT I\/1,3. Aufl. 1992, S. 73f \u00a0\/ P. Wick, Migration als <em>nota ecclesiae<\/em> im Neuen Testament; in: G. Etzelm\u00fcller\/ C. Rammelt, Migrationskirchen, 2022, S. 63 \/ F. Cr\u00fcsemann, Kontinuit\u00e4t im Neuanfang, in: L. Schottroff, Der Anfang des Neuen Testaments, 2019, S. 16 \/ A. D\u00f6blin, Berlin Alexanderplatz (1928) 1965 (TB), S.7. S.388 \u00a0\/ S. Becker (Hg.), D\u00f6blin- Handbuch, 2016, S. 336 \u00a0\/ \u00a0H.P. Bayerd\u00f6rfer, Berlin Alexanderplatz. In: Romane des 20. Jahrhunderts Bd. I, 1997, S. 163 \/ E. Dickinson, An irgendeinem Sommermorgen, Poems, 2025, S. 50f \u00a0\/ M. Jonas, The downside of diversity\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.wcfia.harvard.edu\/publications\/downside-diversity\">https:\/\/www.wcfia.harvard.edu\/publications\/downside-diversity<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfstadtroman trifft Gro\u00dfstadtevangelium | Predigt \u00fcber Matth. 13,52 (28,19) | Gedenktag des Apostels und \u00a0Evangelisten Matth\u00e4us |\u00a0\u00a0 21. 9. 2026 \u00a0\u201aDarum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein J\u00fcnger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt\u2018.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0I Was h\u00e4lt die Welt zusammen? 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