{"id":26713,"date":"2026-09-23T18:27:34","date_gmt":"2026-09-23T16:27:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26713"},"modified":"2026-09-23T18:27:34","modified_gmt":"2026-09-23T16:27:34","slug":"markus-214-22-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-214-22-5\/","title":{"rendered":"Markus 2,14-22"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der neue Lappen\u00a0<\/strong>|\u00a017. So. n. Trinitatis | 27. September 27, 2026 | Markus 2,14-22 | Elof Westergaard |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der neue Lappen<\/strong><\/p>\n<p>Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir<br \/>\nund h\u00f6rte mein Schreien.<br \/>\nEr zog mich aus der grausigen Grube,<br \/>\naus lauter Schmutz und Schlamm,<br \/>\nund stellte meine F\u00fc\u00dfe auf einen Fels,<br \/>\ndass ich sicher treten kann;<br \/>\ner hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben,<br \/>\nzu loben unsern Gott.<br \/>\nPsalm 40,2-4<\/p>\n<p>H\u00f6rt die zugleich sch\u00f6ne, erbauliche und hoffnungsvolle Bewegung in diesen Versen aus dem alttestamentlichen Psalm, der zu diesem Sonntag geh\u00f6rt:<\/p>\n<p>Gott neigt sich zum Psalmisten herab, h\u00f6rt sein Gebet und zieht ihn heraus aus Schmutz und Schlamm. Gott gibt ihm festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen, stellt seine F\u00fc\u00dfe auf den Fels, dass er sicher steht. Und nicht genug damit. Gott l\u00e4sst ihn nicht einfach auf dem Fels stehen \u2013 gerettet, nass und schmutzig. Gott legt ihm auch ein neues Lied in den Mund, ein Lied, das der Psalmist als Lobgesang f\u00fcr Gott beschreibt.<\/p>\n<p>Gott ist also nicht nur der Retter, sondern auch der, der dem Menschen Worte gibt, neue Worte, von denen wir leben k\u00f6nnen. Er erneuert unser Leben, indem er uns ein neues Lied in den Mund legt.<\/p>\n<p>Ich habe mich immer schwergetan, die tiefere Bedeutung des Bildes zu verstehen, das Jesus im heutigen Evangelium gebraucht.<\/p>\n<p>Jesus sagt:<\/p>\n<p>\u201eNiemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst rei\u00dft der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird \u00e4rger. Und niemand f\u00fcllt neuen Wein in alte Schl\u00e4uche; sonst zerrei\u00dft der Wein die Schl\u00e4uche, und der Wein ist verloren und die Schl\u00e4uche auch; sondern man f\u00fcllt neuen Wein in neue Schl\u00e4uche.&#8220; (Mk 2,21-22)<\/p>\n<p>Ich verstehe das Leben im Grunde anders. Es macht mir gro\u00dfe Freude, Altes und Neues zu verbinden. Genau das tue ich ja als Pfarrer Woche f\u00fcr Woche: Ich lege die biblischen Worte aus, mache mir das Alte zu eigen und versuche, die Worte jetzt neu und f\u00fcr uns bedeutsam werden zu lassen. So machen wir uns das Alte zu eigen im Raum des Gottesdienstes.<\/p>\n<p>Aber vielleicht ist mein Fehler, dass ich Jesu Worte sofort metaphorisch und fast allegorisch verstehen will, als m\u00fcsste sich jedes Glied des Bildes unmittelbar auf unsere Zeit \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n<p>Vielleicht geht es in Jesu Worten in diesem Zusammenhang gar nicht darum, ob das Alte oder das Neue besser ist. Was aber, wenn wir Jesu Bild stattdessen konkret und erfahrungsnah lesen \u2013 als einen Vergleich, der nur f\u00fcr einen ganz bestimmten Sachverhalt gilt?<\/p>\n<p>Das verlangt vielleicht, dass wir fragen: Wie ist das eigentlich mit neuem, noch nicht eingelaufenem Stoff auf alter, oft gewaschener Kleidung \u2013 und mit neuem Wein in alten Schl\u00e4uchen?<\/p>\n<p>Wenn ich einen neuen Flicken auf ein altes St\u00fcck Stoff setze und das Kleidungsst\u00fcck wasche, kann der neue Stoff einlaufen. Und wenn man das neue St\u00fcck, den neuen Flicken, auf ein altes, gewaschenes und abgetragenes St\u00fcck Stoff n\u00e4ht, kann sich der Flicken zusammenziehen und das Alte zerrei\u00dfen. Ebenso wenig taugt neuer Wein in alten Schl\u00e4uchen.<\/p>\n<p>So kann es sein: Neues und Altes passen nicht unbedingt zusammen, nur weil man sie zusammenn\u00e4ht oder zusammengie\u00dft.<\/p>\n<p>Jesus gebraucht dieses Bild aus der Erfahrung, um zu unterstreichen: Wenn etwas Neues geschieht und hinzukommt, dann ver\u00e4ndert es auch das Alte.<\/p>\n<p>Und genau davon handelt ja das heutige Evangelium. Jesus kommt und rei\u00dft Schranken nieder. Er bricht Risse in die Mauern zwischen abgesonderten und vereinzelten Menschen.<\/p>\n<p>Das geschieht, indem Jesus in fremde H\u00e4user tritt, hinein zu denen, die wir nicht m\u00f6gen. Er isst mit S\u00fcndern und mit denen, die wir verurteilt und ausgeschlossen haben.<\/p>\n<p>So bringt Jesus das Alte, die Gesetzesreligion, zum Rei\u00dfen und schafft neue \u00d6ffnungen, die uns aufs Neue zusammenf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jesu Worte handeln also nicht davon, ob das Alte oder das Neue besser ist. Sie handeln von dem Neuen, das er f\u00fcr uns in die Welt bringt. Dem Neuen, das \u2013 Gott sei Lob und Dank \u2013 noch immer neue Risse schafft. Dem Neuen, das eben erneuert, so wie Gott im alttestamentlichen Psalm uns aus dem Schlamm zieht und uns dort nicht einfach allein stehen l\u00e4sst, sondern uns ein neues Lied in den Mund legt.<\/p>\n<p>Ein neues Lied, das weder unbekannt ist noch unbedingt nie zuvor gesungen wurde, das aber die Sch\u00f6pfung in sich tr\u00e4gt und unser Leben immer wieder erneuern kann.<\/p>\n<p>Gott, hab Dank f\u00fcr dein Lied in uns.<\/p>\n<p>In Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Elof Westergaard<br \/>\nBischof von Ribe<br \/>\neve@km.dk<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Diese Fassung kann Spuren von k\u00fcnstlicher Intelligenz enthalten, A.d.\u00dc.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue Lappen\u00a0|\u00a017. So. n. Trinitatis | 27. 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