{"id":26720,"date":"2026-09-23T18:37:24","date_gmt":"2026-09-23T16:37:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26720"},"modified":"2026-09-23T18:37:24","modified_gmt":"2026-09-23T16:37:24","slug":"matthaeus-1521-28-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1521-28-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 15,21\u201328"},"content":{"rendered":"<h3>17. So. n. Trinitatis | 27. September 2026 | Mt 15,21\u201328 | Stephan Lorenz |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen<\/em><\/p>\n<p><em>\u201aJedem, der den Namen Gottes anruft, wird das Heil geschenkt.\u2018 <\/em>\u2013 so haben wir es geh\u00f6rt. Wir haben bestimmte Bilder und Vorstellungen im Kopf, wer und wie Gott ist, wen wir da anrufen. Solche Bilder pr\u00e4gen unsere Wahrnehmung, unser F\u00fchlen und Verhalten. Weit verbreitet ist ein Bild, das wir in dem Kirchenlied finden: \u201eWas Gott tut, das ist wohlgetan, es ist gerecht sein Wille, wie er f\u00e4ngt seine Sachen an, will ich ihm halten stille&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Alle sechs Verse gleich redundant: \u201eWas Gott tut, das ist wohl getan&#8230;\u201c Das Lied wird oft bei Beerdigungen gesungen. Vielleicht soll es beruhigend wirken. Man muss es sich nur oft genug sagen, dann wird\u2019s schon stimmen. Viele Menschen lassen im Vater-Unser eigentlich nur eine Bitte gelten: \u201eHerr, dein Wille geschehe\u201c. Ein Theologe hat diese Haltung einmal so beschrieben: \u201eHier ist nichts zu studieren und einzusehen, hier gibt es nur das eine, seinen (eigenen) Willen jeden Augenblick dem g\u00f6ttlichen Willen unterordnen, zu jedem Augenblick Ja sagen.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Bild von Gott und die daraus folgende Haltung ist gewiss nicht verwerflich oder unbiblisch. Aber es beunruhigt, wenn es das einzige Bild, das einzige F\u00fchl- und Verhaltensmuster bleibt. Man fragt sich: Wo bleibt der Protest, die Verzweiflung, die Not und der Schmerz. Unser heutiges Evangelium macht dazu Mut.<\/p>\n<p><em>Jesus \u2026 zieht sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zur\u00fcck. Kommt eine kanaan\u00e4ische Frau daher und ruft ihn laut an: \u201eErbarme dich meiner, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem b\u00f6sen Geist schlimm geplagt!\u201c Er antwortet ihr kein Wort. Treten seine J\u00fcnger zu ihm und bitten ihn: \u201eFertige sie doch ab! Sie schreit schon hinter uns her!\u201c Er antwortet: \u201eIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel\u00a0gesandt.\u201c Sie aber kommt, wirft sich vor ihm nieder und fleht: \u201eHerr, hilf mir!\u201c Doch er: \u201eEs ist nicht recht, den Kindern das Brot zu nehmen und es den H\u00fcndlein hinzuwerfen.\u201c Darauf sie: \u201eO doch, Herr! Die H\u00fcndlein bekommen ja auch von den Brocken zu essen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.\u201c Da antwortet ihr Jesus: \u201eDein Glaube ist gro\u00df; dir geschehe, wie du es w\u00fcnschest!\u201c Und ihre Tochter wird von dieser Stunde an gesund.<\/em><\/p>\n<p>H\u00e4tte diese Frau \u201eWas Gott tut, das ist wohlgetan\u201c verinnerlicht, w\u00e4re ihre Tochter nicht geheilt worden. Diese kanaan\u00e4ische Frau, &#8211; Inbegriff eines Falschglaubenden -, l\u00e4sst sich nicht abweisen. Findet das Schicksal ihrer Tochter ungerecht, will es \u00e4ndern. L\u00e4sst sich nicht fortschicken, nicht als Jesus sie wortlos links liegen lassen will, nicht als er ihr seine \u201aNichtzust\u00e4ndigkeit\u2018 erkl\u00e4rt und auch nicht als er sie dem\u00fctigt und als Hund beschimpft. Nein, sie legt sich ihm in den Weg und schreit ihn an: <em>\u201eHerr Gott noch mal, hilf mir endlich!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich denke, wir alle kennen solche Situationen. Wir w\u00fcrden uns vielleicht \u00e4hnlich verhalten. Ein Verhalten aus purer Not. Besonders in solchen F\u00e4llen, wo wir als Angeh\u00f6rige das unabwendbare Elend von Menschen miterleiden, miterdulden und mitansehen m\u00fcssen. Und scheinbar nichts tun k\u00f6nnen. F\u00e4lle, in denen eine Mutter innerlich zerrissen wird, wenn sie erf\u00e4hrt, dass ihr Junge im Alter von sechs Jahren \u2013 seit zwei Wochen eingeschult &#8211; von einem Raser auf dem Schulweg zusammengefahren wird. Schwerste Kopfverletzungen tr\u00e4gt er davon, nie wird er wie andere Jungen seines Alters aufwachsen. F\u00e4lle, in denen ein Vater um seinen 12-j\u00e4hrigen zweiten Sohn leidet \u2013 seinen ersten hat er vor zwei Jahren schon im Alter von 14 Jahren durch einen Herzfehler verloren \u2013, dieser zweite Sohn, der letzte, drohte nun auch am gleichen Herzfehler zu sterben. Der Vater erf\u00e4hrt von den \u00c4rzten, dass alle eine genetisch bedingte Krankheit haben, die sich in der m\u00e4nnlichen Linie fortsetzt. Der zweite Sohn ist im Krankenhaus. Gerade konnte er noch einmal gerettet werden. Der Vater wartet auf ein Spenderherz, weil sein eigenes Herz von Tag zu Tag schw\u00e4cher wird. F\u00e4lle, an denen Eltern, Erzieher und Lehrer, Freunde, und Geschwister leiden, wenn die ihnen anvertrauten Kinder, Br\u00fcder, Freundinnen ein Schicksal erleiden, das ihr Leben zerst\u00f6rt und zur H\u00f6lle macht.<\/p>\n<p>In solchen Situationen kann einem das Leben \u201ed\u00e4monisch\u201c vorkommen. V\u00f6llig jenseits der Grenzen, die wir f\u00fcr normal halten. Wir sind wie \u201ebesessen\u201c von einem Leiden, das wir nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen. Jeden Tag zieht es seine Daumenschrauben h\u00e4rter an. Wenn wir solche Verzweiflung erleben oder an anderen Mitmenschen miterleben, k\u00f6nnte uns das Lied \u201eWas Gott tut, das ist wohlgetan\u201c im Halse stecken bleiben.<\/p>\n<p>Dann tut es gut, sich an unsere heutige Geschichte zu erinnern. An die heidnische Frau, die sich nicht von Gott abweisen l\u00e4sst. Jesus in ihrer Verzweiflung und Not heraus anschreit: <em>\u201eHerr Gott, hilf mir doch endlich!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Ende zeigt: Gott l\u00e4sst sich erweichen. Und noch mehr: Jesus stellt diese Frau vor alle Welt, vor alle frommen und gl\u00e4ubigen Menschen als Vorbild hin und sagt: <em>\u201eDein Glaube ist gro\u00df!\u201c<\/em> Ja: <em>\u201cDein Wille geschehe!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was die Frau zeigt, ist Glaube, sogar \u201egro\u00dfer Glaube\u201c. Mehr noch, das gibt es auch bei Gott \u201edein Wille geschehe\u201c. Nun k\u00f6nnen sie sagen: \u201eNa gut, das kommt einmal hier in dieser Geschichte vor, aber sonst nie in der Bibel.\u201c Doch wer so redet, der irrt sich. In der Epistel haben wir das Gleiche geh\u00f6rt: <em>\u201a<\/em><em>Wer an ihn glaubt, wird nicht straucheln\u2018 <\/em><em>(Jes 28,18).<\/em> Und <em>Jedem, der den Namen Gottes anruft, wird das Heil geschenkt.<\/em><\/p>\n<p>In Lebensnot ist bei Gott jedes Mittel recht! Da ist nicht wichtig, ob einer einen richtigen oder festen Glauben hat, oder ob einer die richtigen korrekten religi\u00f6sen Formeln und Worte benutzt. Es gen\u00fcgt, seine Not herauszuschreien: <em>\u201eHerr Gott hilf mir doch endlich!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Man kann offenbar alles, was Religion vorschreibt und ausmacht, getrost bei Seite lassen. Es mag sein, dass wir uns damit Gott wie einen Zauberer vorstellen, andere Menschen uns f\u00fcr abergl\u00e4ubisch oder total naiv halten, die Geschichte macht uns Mut so zu verfahren: Gott unser Schicksal in den Weg zu legen und zu rufen: <em>\u201eHerr Hilf mir doch endlich!\u201c. <\/em>Darauf zu vertrauen: Gott wird sich zu uns umdrehen, uns anschauen, unseren festen Glauben vor allen Menschen r\u00fchmen und uns wissen lassen: <em>\u201eDu geh\u00f6rst zu mir, dir geschehe, wie du willst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns Gott als einen vorstellen, dem wir in den Weg treten d\u00fcrfen, dem wir unser Leiden, unsere Schmerzen entgegenschreien, mit Worten wie sie eben kommen, wenn das Leben d\u00e4monisch und nur noch notvoll ist.<\/p>\n<p>Wenn die Geschichte diese Haltung \u201eGlaube\u201c nennt, hei\u00dft das auch: es gibt viel mehr Menschen, die \u201eglauben\u201c, viel mehr Menschen, die sogar einen \u201egro\u00dfen Glauben\u201c haben, ja viel mehr Menschen, deren Leben ein nicht endendes Gespr\u00e4ch mit Gott ist.<\/p>\n<p>Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch im Alltag erfahrt, euer Vertrauen zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Confiteor: <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eNach Dir, Gott verlange ich. Ich hoffe auf dich\u201c<\/em>, lesen wir in Psalm 25. Stimmt das f\u00fcr uns? Unser Verlangen richtet sich doch auf ganz andere Dinge wie Besitz, Karriere, Gl\u00fcck, Gesundheit. Wir wissen aber auch, wo Menschen allein ihrem Verlangen folgen, wird ihr eigenes Leben und das anderer nicht unbedingt besser. Wir kommen zusammen, um uns an Gott zu erinnern, von dem alles kommt, was wir zum Leben brauchen. Wir bitten: <em>Gott, erbarm dich, schau \u00fcber unsere Kurzsichtigkeit hinweg und leite uns mit deinem Wort in unseren Versuchungen. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen feiern durch Christum, unseren Herrn. Amen. <\/em>Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort: Gott erbarmt sich, er vergibt uns und alle, die darauf vertrauen, geh\u00f6ren zu Gott und erfahren seinen Heiligen Geist. Wer Gott vertraut, wird selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Kollektengebet <\/strong><\/p>\n<p>Gott, der Du uns tr\u00f6stest in unserer Angst, sei uns gn\u00e4dig und erh\u00f6re unser Gebet. Wir bitten Dich: Gib uns Deinen Geist, dass wir Dein Wort nicht nur h\u00f6ren, sondern es uns zu Herzen nehmen und uns entsprechend verhalten. Das bitten wir durch Jesus den Christus, der uns durch des Heiligen Geistes Kraft und Mut schenkt, heute und f\u00fcr immer. Amen<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrbitte<\/strong><\/p>\n<p><em>P:<\/em> Gott, Du bist wie eine Frage in uns: Worauf vertrauen wir im Innersten? Hilf, dass wir Dir vertrauen, damit wir leben im Land der Lebendigen!<\/p>\n<p>A: Wir bitten dich Gott: Gib uns Kraft, damit wir denen entgegengehen, die von der Welt gefangen genommen werden, sich binden lassen von Gier und Macht, von der Logik der St\u00e4rke oder der Angst, zu kurz zu kommen. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p>B: Wir bitten dich Gott: Lass uns bei denen bleiben, die ihr Vertrauen verloren haben, denen Verletzungen und Abschiede, Krieg, Todesangst und Ohnmacht das Urvertrauen in die Welt, in Dich genommen haben. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p><em>C: Wir bitten dich Gott: Lass uns mit denen sprechen, <\/em>die nicht vertrauen k\u00f6nnen, weil sie DICH mit sich selbst verwechseln, weil du ihnen verstellt bist von gepr\u00e4gten Bildern, Anspr\u00fcchen und Denkmustern, die keine Offenheit mehr kennen. Wir rufen: Kyrie eleison<\/p>\n<p>P: Wir bitten dich Gott: Lass uns dich h\u00f6ren, die ihr Vertrauen verloren haben, weil sie sich allein gelassen f\u00fchlen in ihren Fragen. Hilf uns, dass wir mit ihnen unser Vertrauen in DICH wiederfinden, damit wir am Ende sprechen k\u00f6nnen: <em>Unser <\/em><em>Vertrauen schenkt uns den <\/em><em>Sieg, der die <\/em><em>\u00c4ngste in der <\/em><em>Welt \u00fcberw<\/em><em>inden kann<\/em><em>.<\/em><em> Amen. Laudate omnes gentes<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Lieder:<br \/>\n<\/strong>166, Tut mir auf die sch\u00f6ne Pforte<br \/>\n243 Lobt Gott getrost mit Singen<br \/>\n346 Such wer da will ein ander Ziel<br \/>\n351 Ist Gott f\u00fcr mich, so trete<br \/>\n506 Wenn ich o Sch\u00f6pfer deine Macht<br \/>\n292 Jesu, der Du bist alleine<\/p>\n<hr \/>\n<p>Verfasst von:<br \/>\n<strong>Stephan Lorenz<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. So. n. Trinitatis | 27. September 2026 | Mt 15,21\u201328 | Stephan Lorenz | &nbsp; Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen \u201aJedem, der den Namen Gottes anruft, wird das Heil geschenkt.\u2018 \u2013 so haben wir es geh\u00f6rt. 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