{"id":26747,"date":"2026-10-07T09:38:52","date_gmt":"2026-10-07T07:38:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26747"},"modified":"2026-10-07T09:38:52","modified_gmt":"2026-10-07T07:38:52","slug":"epheser-422-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-422-32\/","title":{"rendered":"Epheser 4,22\u201332"},"content":{"rendered":"<h3>Die Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott hat lebendige Folgen | 19. So. n. Trinitatis | 11. Oktober 2026 | Epheser 4,22\u201332 | Klaus Wollenweber |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Predigttext Epheser 4,22\u201332<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>22 Dann wurdet ihr aber auch gelehrt, nicht mehr so weiterzuleben, wie ihr bis dahin gelebt habt, sondern den alten Menschen abzulegen, der seinen tr\u00fcgerischen Begierden nachgibt und sich damit selbst ins Verderben st\u00fcrzt. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>23 Und ihr wurdet gelehrt, euch in eurem Geist und in eurem Denken erneuern zu lassen <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>24 und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gr\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>25 Darum legt alle Falschheit ab und haltet euch an die Wahrheit, wenn ihr miteinander redet. Wir sind doch Glieder ein und desselben Leibes.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>26 Wenn ihr zornig seid, dann vers\u00fcndigt euch nicht. Legt euren Zorn ab, bevor die Sonne untergeht. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>28 Wer bisher ein Dieb gewesen ist, soll aufh\u00f6ren zu stehlen und soll stattdessen einer n\u00fctzlichen Besch\u00e4ftigung nachgehen, bei der er seinen Lebensunterhalt mit Flei\u00df und Anstrengung durch eigene Arbeit verdient; dann kann er sogar noch denen etwas abgeben, die in Not sind. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>29 Kein b\u00f6ses Wort darf \u00fcber eure Lippen kommen. Vielmehr soll das, was ihr sagt, gut, angemessen und hilfreich sein; dann werden eure Worte denen, an die sie gerichtet sind, wohl tun.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>30 Und tut nichts, was Gottes heiligen Geist traurig macht! Denn der Heilige Geist ist das Siegel, das Gott euch im Hinblick auf den Tag der Erl\u00f6sung aufgedr\u00fcckt hat, \u00b4um damit zu best\u00e4tigen, dass ihr sein Eigentum geworden seid`. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>31 Bitterkeit, Aufbrausen, Zorn, w\u00fctendes Geschrei und verleumderisches Reden haben bei euch nichts verloren, genauso wenig wie irgendeine andere Form von Bosheit. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>32 Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitf\u00fchlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat. (NG\u00dc)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott hat lebendige Folgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Mitchristen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">so viele Mahnungen aus einem biblischen Text am Sonntagmorgen, \u2013 f\u00e4llt es Ihnen nicht auch schwer, diese lange Liste von Ermahnungen zu h\u00f6ren und zu behalten? Mir jedenfalls f\u00e4llt es schwer, da ich gleich ein schlechtes Gewissen bekomme. Denn so verhalte ich mich nicht in meinem christlichen Leben zu Hause oder am Arbeitsplatz oder \u00fcberhaupt in dieser, meiner Welt. So habe ich nicht gelebt! Ist die christliche Kirche mit den biblischen Texten immer noch da, uns Moral zu predigen, uns ein schlechtes Gewissen einzureden? Muss ich dies auch noch am Sonntag im Gottesdienst best\u00e4tigt bekommen? Die Ermahnungen sind keine Ermutigung f\u00fcr mich f\u00fcr die neue Woche. Ich mag diesen biblischen Mahntext gar nicht mehr weiter h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass sich christlicher Glaube in dieser Einheit von Gottvertrauen und meinem entsprechenden Lebenswandel bew\u00e4hrt. Glauben und Leben geh\u00f6ren untrennbar zusammen. Aber genau dies ist doch im allt\u00e4glichen Miteinander so schwierig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der biblische Brieftext st\u00f6rt somit in seiner Klarheit und Eindeutigkeit. Er l\u00e4sst keine Ausnahme zu: L\u00fcgt nicht, redet die Wahrheit! Z\u00fcrnt nicht, vers\u00f6hnt euch! Redet nichts Schlechtes; bringt das Gute zur Sprache! Lasst nicht Hass und Zorn euer Leben bestimmen; lebt mit G\u00fcte und Vergebung! \u2013 \u00a0Wer von uns k\u00f6nnte behaupten: Gelogen habe ich noch nie! Mich in den Schmollwinkel zur\u00fcckgezogen oder mir etwas Fremdes angeeignet, \u2013 das habe ich noch niemals! Oder noch nie habe ich b\u00f6se Worte einem andern ins Gesicht gesagt oder \u00fcber ihn verbreitet. Ich kenne auch keinen Zorn oder H\u00e4sslichkeit in meinem Leben! Wer von uns k\u00f6nnte bei ehrlicher Selbstpr\u00fcfung sagen: Noch nie! Noch nie in meinem langen Leben! Ich jedenfalls nicht. Ich denke, dass in uns allen ein St\u00fcck von diesen Verhaltensweisen drinsteckt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von dem Schriftsteller Kurt Tucholsky stammt der Ausspruch: \u201eIch sagte: zweiundsiebzig Jahre auf der Erde. Das bedeutet: Neunundsechzig Jahre lang gelogen; Empfindungen versteckt; geheuchelt; gegrinst statt zu bei\u00dfen; geschimpft, wo man geliebt hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen Tucholsky nicht in allem zustimmen, aber \u00e4rgerlich bleibt doch in unserem Zusammenleben, dass wir von den Bildern schlecht wegkommen, die wir im Laufe der Jahre voneinander entwickelt haben. Wir blenden gerne andere und neue Erfahrungen mit anderen Menschen aus und schieben sie beiseite. Denn sie st\u00f6ren unser bisher gewonnenes Bild voneinander. Und das ist \u00e4rgerlich und kann uns \u00e4ngstlich und misstrauisch machen! Wir werden uns bewusst, wie eingeengt unser menschliches Verhalten im Miteinander ist. Ich habe den Eindruck: Entsprechend ist in seiner Klarheit und Unmissverst\u00e4ndlichkeit der biblische Briefabschnitt f\u00fcr uns bis heute sehr aktuell.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Mitchristen, \u00fcber all den \u00e4rgerlichen Ermahnungen k\u00f6nnen wir leicht eine wesentliche Aussage am Anfang des biblischen Textes \u00fcberh\u00f6ren oder gar \u00fcberlesen. Da hei\u00dft es: \u201eLegt den alten Menschen ab und zieht den neuen Menschen an!\u201c Das macht mich stutzig! Wie geht das? Kann ich das eigentlich? Ich kann mich doch nicht neu erfinden! Kann ich ein neuer Mensch werden? Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass dies in Wirklichkeit nicht geht. Denn eine neue Umgebung macht noch keinen neuen Menschen; wir nehmen alle eigenen Probleme an den neuen Ort mit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es handelt sich um ein biblisches Bildwort; es kann nicht wort-w\u00f6rtlich gemeint sein!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb \u00fcbertrage ich mal: Wage einen neuen Umgang mit dir selbst und mit deinem Nachbarn, deiner Nachbarin; mach einen Anfang! Tapetenwechsel von meinen festgefahrenen Vorstellungen vom Leben mit anderen Menschen! Dabei stelle ich mich der Frage: Kann ich mich in meinen Lebensansichten und Gewohnheiten noch \u00e4ndern? Das ist unwahrscheinlich schwer: aus meiner eigenen Haut zu schl\u00fcpfen, mit meinen eigenen Schw\u00e4chen fertig zu werden. Ich kann es alleine nicht! Ich kann mich nicht mit eigenen Klimmz\u00fcgen aus meiner schicksalhaften, lebenslangen Verstrickung retten. Wer hilft mir?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Antwort auf diese existenzielle Frage gibt der biblische Text: \u201eDer Heilige Geist ist das Siegel, das Gott euch aufgedr\u00fcckt hat, um damit zu best\u00e4tigen, dass ihr sein Eigentum geworden seid\u201c! Verstehen wir dies richtig? Wir geh\u00f6ren schon zu Gott. Wir m\u00fcssen nicht erst mit vereinten Kr\u00e4ften darum k\u00e4mpfen, den alten Menschen abzulegen, zu Gott zu geh\u00f6ren und christlich zu leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sind schon neue Menschen seit unserer Taufe. So ist ja der Ritus wirklich gemeint: die Gottzugeh\u00f6rigkeit wird mir jetzt bewusst; sie existiert schon ohne mein Zutun! Deshalb kann ich mir immer Neues zutrauen, weil Gott mir schon l\u00e4ngst alles zugetraut hat. Also kann ich es z.B. wagen, das Gute im anderen Menschen hervorzuheben statt dauernd auf seine schlechten Seiten zu schielen und diese zum Ma\u00dfstab meines Verhaltens zu machen. Gott hat in Jesus Christus das Neue, das Gute, in mir selbst schon begonnen; mit dieser guten Gabe bin ich seit der Taufe erwachsen geworden. Diese Einsicht meines Glaubens kann ich nun frei und offen weitergeben. Und damit erf\u00fcllt sich die Gewissheit: Gott selbst erneuert mich immer neu durch seinen Heiligen Geist; er zieht mir ein neues Kleid an.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von dieser Gewissheit unseres christlichen Glaubens her schlie\u00dft sich der Bogen \u00fcber all den vielen Ermahnungen zu dem Gipfel dieses Briefabschnittes mit den Worten: \u201eVergebt einer dem anderen, gleich wie Gott euch vergeben hat durch Christus.\u201c Wir Christen sind moralisch keine besseren Menschen als anders Glaubende oder \u00fcberhaupt nicht mehr Glaubende, aber uns Christen sind durch den Heiligen Geist geistliche Gaben anvertraut. Gottes Vergebung setzt uns auf die neue Spur: Wir k\u00f6nnen Vergebung und Gnade einander zusprechen, weil Christus uns vergeben hat. Und wir k\u00f6nnen allen Menschen diese Einladung Gottes zur Vergebung weitersagen. Wir k\u00f6nnen aus niedergedr\u00fcckten Mitmenschen fr\u00f6hliche Mitb\u00fcrger machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen uns und andere Menschen erneuern; denn wir selbst sind schon erneuert, und unsere eigene menschliche Unzul\u00e4nglichkeit und Schuld hat nicht das letzte Wort. Darin liegt die gro\u00dfartige Zusage f\u00fcr uns, f\u00fcr uns neue Menschen, die aus der F\u00fclle der Vergebung Christi ganz getrost in die neue Woche blicken und gehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bleiben wir also bei diesem uns geschenkten christlichen Glauben!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lied EG 320, 1+2+5+8\u00a0 Nun lasst uns Gott dem Herren<br \/>\nLied EG 293\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Lobt Gott, den Herrn<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Bischof em. Klaus Wollweber<br \/>\n<\/strong>53129 Bonn<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:Klaus.Wollenweber@posteo.de\">Klaus.Wollenweber@posteo.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Viele Jahre Gemeindepfarrer in der Ev. Keuzkirchengemeinde Bonn; ab 1988 theologischer Oberkirchenrat in der Ev. Kirche der Union (EKU) Berlin ( heute: Union Ev. Kirchen (UEK) in Hannover ); ab 1995 Bischof der \u201eEv. Kirche der schlesischen Oberlausitz\u201c mit dem Amtssitz in G\u00f6rlitz \/ Nei\u00dfe\u00a0 (heute: \u201eEv. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz\u201c (EKBO) ); seit 2005 im Ruhestand wohnhaft in Bonn. H\u00e4ufig aktiv in der Vertretung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott hat lebendige Folgen | 19. So. n. Trinitatis | 11. Oktober 2026 | Epheser 4,22\u201332 | Klaus Wollenweber | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. 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