{"id":26751,"date":"2026-10-07T09:39:07","date_gmt":"2026-10-07T07:39:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=26751"},"modified":"2026-10-07T09:39:07","modified_gmt":"2026-10-07T07:39:07","slug":"epheser-422-32-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-422-32-4\/","title":{"rendered":"Epheser 4,22\u201332"},"content":{"rendered":"<h3>Aus der Haut fahren \u2013 ein neuer Mensch werden | 19. So. n. Trinitatis | 11. Oktober 2026 | Epheser 4,22\u201332 | Dr. Friedrich Schmidt-Roscher |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal w\u00fcrde ich am liebsten aus der Haut fahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier vorne am K\u00f6rper einen Rei\u00dfverschluss aufmachen, mich h\u00e4uten und ein neuer Mensch werden. Ein Mensch, der mehr liebt, der mehr hofft, der mehr glaubt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Raus aus den alten Klamotten! Raus aus den alten Gewohnheiten! So werden, wie Gott mich sieht. Ein Kind Gottes.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDen neuen Menschen anziehen\u201c, so schreibt es der Paulussch\u00fcler im Brief an die Gemeinde in Ephesus. Vermutlich spielt er auf etwas an, was damals am Ende des 1. Jahrhunderts in den christlichen Gemeinden \u00fcblich war:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Menschen, die getauft wurden, legten ihre alten Kleider ab. Sie erhielten ein neues wei\u00dfes Gewand. Wei\u00df ist die Farbe des Lichts. Sie soll das Licht Christi sichtbar machen. Das Licht wirkt durch die Taufe in dem Menschen. Ganz in wei\u00df waren die Getauften auf der Stra\u00dfe f\u00fcr andere Menschen erkennbar. Dieser Mann oder diese Frau war durch die Taufe wirklich ein neuer Mensch geworden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kleider machen Leute. Das neue wei\u00dfe Gewand hat die Frau oder den Mann verwandelt. Von au\u00dfen nach innen, vom Hemd ins Herz. Mit der Kraft Christi hat der Mensch als Christ gelebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Erfahrung ist vergleichbar mit dem Trikot des Lieblingsvereins, das ich \u00fcberziehe. Wer sich ein Schalke-Trikot \u00fcberzieht oder ein FCK-Trikot, der wird Teil einer gro\u00dfen Gemeinschaft. Er zeigt damit zu wem er geh\u00f6rt. Sie bekennt sich \u00f6ffentlich zu seinem Verein und ist Teil der Mannschaft. Mein Trikot macht mich zu einem anderen Menschen. Kleider machen Leute.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer getauft ist und das wei\u00dfe Gewand tr\u00e4gt, der zeigt, dass er nach dem Bilde Gottes erschaffen ist. Im ersten Buch der Bibel wird erkl\u00e4rt, dass alle Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen sind \u2013 Frauen und M\u00e4nner, Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe, Gl\u00e4ubige und Ungl\u00e4ubige. Wir sind bei aller Unterschiedlichkeit seine Gesch\u00f6pfe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch wer getauft ist und auf Christus hofft, der wei\u00df darum. Der sieht sich selbst und die anderen als Ebenbilder Gottes. Der Glaube \u00f6ffnet mir die Augen f\u00fcr etwas, was andere nicht sehen oder noch nicht sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Brief an die Gemeinde in Ephesus denkt der Schreiber dar\u00fcber nach, wie diese unsichtbare Wirklichkeit sichtbarer werden kann. Wie also das, was uns in der Taufe Gott zusagt, auch f\u00fcr andere Menschen sichtbar wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese neue Haut oder dieses neue Kleid, das wird mir geschenkt. Das ist ein Geschenk Gottes. Oder wie es im Epheserbrief hei\u00dft, da wirkt die Kraft Gottes. Und so wie man an bestimmten Zeichen oder Codes \u201eMarkenklamotten\u201c erkennen kann, so gibt es auch f\u00fcr uns als Kinder Gottes Kennzeichen. Diese Kennzeichen markieren, dass ich ein Christ oder eine Christin bin. Diese Kennzeichen sind Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das macht ganz deutlich, dass es beim Christsein nicht um eine Kost\u00fcmierung geht oder um eine andere Rolle. Es geht auch nicht darum, dass wir als Christen so ein bisschen bella figura machen. Ein neuer Mensch werden, das geht schon unter die Haut. Denn wir sollen ja keine \u201eSchein-Heilige\u201c werden, sondern Heilige. Heilig werden wir nicht, weil wir abheben oder uns \u00fcber andere erheben, sondern weil der heilige Gott in uns wirkt. Mein Leben, mein Reden, mein Handeln durchdringt. Menschen, die trotz ihrer Fehler, sich von Gott begeistern lassen. Menschen, die trotz ihrer Schw\u00e4che, sich von Gottes Geist ermutigen lassen verbindlich zu leben<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verbindlich, das meint in Verbindung mit Christus. Dass Christus mit seiner Kraft und seiner Liebe in uns wirkt. Dass er ein Teil meiner eigenen Pers\u00f6nlichkeit, meiner guten und weniger guten Eigenschaften \u00fcberstrahlt. Sein Licht, das Gute in mir mehr strahlen l\u00e4sst und die Schatten meines Lebens heller werden l\u00e4sst. Durch die Verbindung mit Christus komme ich auch in Verbindung mit den anderen Menschen, meinen Schwestern und Br\u00fcdern. In dem Brief nennt der Autor vier Beispiele. Sie machen deutlich, wie dieses neue Kleid mein Leben bestimmt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Keine <strong>Falschheit mehr, sondern die Wahrheit<\/strong> leben. Dass wir gegen\u00fcber anderen Menschen echt sind. Dass ich frei von dem rede, was mich bewegt. Ich muss mich nicht verstellen. Ich soll keine falschen Sachen behaupten, weder von mir noch von anderen. Darin zeigt sich meine Glaubw\u00fcrdigkeit, aber es h\u00e4ngt auch die Glaubw\u00fcrdigkeit der Kirche Jesu Christi daran. Es geht nicht um eine schonungslose Wahrheit, die anderen Menschen weh tut. Es geht um Freimut, Herzlichkeit und Offenheit. Nicht nach vorne freundlich tun und hintenherum dann andere Dinge erz\u00e4hlen. Solche Sachen. Biblische Wahrheit hat etwas mit Treue und Verl\u00e4sslichkeit zu tun. Dass ich zu einem Menschen stehe, auch wenn es gerade schwierig ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute vermitteln manche Menschen und auch manche Parteien den Eindruck, dass sie die Wahrheit f\u00fcr sich gepachtet haben. Nat\u00fcrlich ist Wahrheit auslegbar und je nach Lebenserfahrung und Weltdeutung verschieden. Doch in einer Gesellschaft und in einer Kirche ist es auch wichtig, dass wir uns darum bem\u00fchen ein gemeinsames Bild zu bekommen. Es gibt eine Wahrheit, die frei macht und eine, die Menschen klein machen will.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als zweites wird der <strong>Zorn<\/strong> genannt. Der Zorn ist eine starke Macht und kann Menschen auf falsche Wege f\u00fchren. Er bringt auch besonnene Menschen durcheinander. Deshalb spricht der Schreiber des Epheserbriefes bei den Gef\u00fchlswallungen des Zorns auch vom Teufel, dem Durcheinanderbringer.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manche Menschen sind solche Hitzeblitze, die ihren Zorn nur schlecht unter Kontrolle halten k\u00f6nnen. (Mich \u00fcbermannt er manchmal leider auch.) Deshalb beschreibt der Schreiber einen Weg, um den Zorn zu befrieden. Bevor die Sonne sinkt, sollen wir den Zorn ablegen und einander um Verzeihung bitten. Damit ich ohne Wut im Bauch, ohne Verletzungen zu Bett gehen kann. In der Dreigenerationenfamilie in der Westpfalz, in der ich gro\u00df geworden bin, war dieser Rat eine wichtige Lebenshilfe f\u00fcr ein gutes Miteinander. Wo Zorn und Verletzungen, die durch den Zorn hervorgerufen zu viel Zeit und Raum gewinnen, da kann eine Wunde gro\u00df werden und Menschen so auseinanderbringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch in der Politik f\u00fchrt uns Zorn und Wut in die falsche Richtung. Er richtet sich dann schnell gegen Minderheiten, die zu S\u00fcndenb\u00f6cken gemacht werden. Deshalb ist es wichtig, besonnen zu bleiben und den Parteif\u00fchrern, die hetzen und spalten, unseren christlichen Geist entgegenzusetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der dritte Bereich, der im Epheser genannt wird, ist der <strong>Diebstahl<\/strong>. Wer stiehlt, der lebt auf Kosten anderer Menschen. Denn er oder sie strengt sich nicht an, sondern bem\u00e4chtigt sich durch Betrug oder Gewalt des Besitzes anderer. Diebstahl ist ja nicht nur, wenn ich einem anderen heimlich oder mit Gewalt etwas wegnehme. Diebstahl ist es auch, wenn ich meine Steuern nicht bezahle oder andere Menschen \u00fcber den Tisch ziehe. Das Gegenmodell sind Menschen, die mit ehrlicher Arbeit sich ihren Lebensunterhalt verdienen und auch noch denen helfen, die in Not sind. Sch\u00f6n wird dies in einem Buchtitel zusammengefasst: \u201eAnst\u00e4ndig Geld verdienen.\u201c Daf\u00fcr sollen wir uns als Christen einsetzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Neulich sprach ich mit Konfirmandinnen und Konfirmanden \u00fcber das Gebot, nicht zu stehlen. Wir kamen auch auf die Superreichen zu sprechen. Ein Konfirmand sagte: Die haben hart f\u00fcr Ihren Reichtum gearbeitet. Das zweifle ich nicht an. Arbeiten jedoch nicht auch andere Menschen hart und kommen kaum \u00fcber die Runden? Haben die Superreichen nicht manchmal auch Gl\u00fcck gehabt? Fu\u00dft mancher gigantischer Reichtum nicht auf Unrecht? W\u00fcrde es unsere Welt nicht ein klein wenig besser machen, wenn wir bei den Superreichen so viel Steuern holen, dass damit f\u00fcr alle 18j\u00e4hrige beispielsweise ein F\u00fchrerschein bezahlt werden kann?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein vierter Bereich wird im Epheserbrief genannt. Es geht dabei um unser <strong>Reden<\/strong>. Denn auch Worte k\u00f6nnen verletzten. Worte k\u00f6nnen andere Menschen herabsetzen, besch\u00e4men, beleidigen. Worte haben eine gro\u00dfe Macht. Und manche wissen nicht, welchen Schaden sie mit ihren sp\u00f6ttischen oder b\u00f6sartigen Worten bei anderen Menschen anrichten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Statt b\u00f6se Worte, sollen wir als Christen gute Worte sprechen. Im Lateinischen hei\u00dft \u201eb\u00f6s sagen\u201c, fluchen und \u201egut sagen\u201c segnen. Das zeigt deutlich, wie stark menschliche Worte wirken k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen zum Fluch f\u00fcr andere Menschen werden oder zum Segen. Sie k\u00f6nnen Menschen aufrichten oder hinrichten, aufregen oder tr\u00f6sten. Als Kinder Gottes suchen wir auch nach einer anderen Sprache, um Menschen Mut zu machen und aufzubauen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch das neue Kleid der Getauften ist nur die ersten Tage strahlend wei\u00df. Im Laufe der Zeit wird es grau und verschmutzt. Und auch der neue Stoff bekommt Risse und muss ausgebessert werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So ist es auch mit unserer Bestimmung als Christen. Das ist eine Aufgabe f\u00fcr das ganze Leben. Manchmal muss das Kleid gewaschen und ausgebessert werden. So eine Reinigung kann auch ein Gottesdienst sein, in dem ich mich neu nach Gott ausrichte. Denn auch Getaufte laufen manchmal in die falsche Richtung. Auch bei Christen spielt Gott manchmal eine zu kleine Rolle. So hilft es, wenn ich mich neu besinne, neu ausrichte am Licht Jesu. Dann kann seine Liebe und seine Kraft mich neu f\u00fcllen. Ich kann mich in die Richtung wenden, in der Jesus mich sieht. So geht der Glaube unter die Haut und macht mein Leben hell. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verfasst von:<br \/>\n<strong>Dr. Friedrich Schmidt-Roscher<\/strong>, Jahrgang 1962,<br \/>\nPfarrer in Prot. Kirchengemeinden Ha\u00dfloch und Meckenheim in der Pfalz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verheiratet, 3 erwachsene Kinder<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Haut fahren \u2013 ein neuer Mensch werden | 19. So. n. Trinitatis | 11. Oktober 2026 | Epheser 4,22\u201332 | Dr. Friedrich Schmidt-Roscher | Liebe Schwestern und Br\u00fcder! Manchmal w\u00fcrde ich am liebsten aus der Haut fahren. Hier vorne am K\u00f6rper einen Rei\u00dfverschluss aufmachen, mich h\u00e4uten und ein neuer Mensch werden. 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