{"id":2706,"date":"2020-05-13T15:57:15","date_gmt":"2020-05-13T13:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2706"},"modified":"2020-05-13T16:06:56","modified_gmt":"2020-05-13T14:06:56","slug":"das-gebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/das-gebet\/","title":{"rendered":"Das Gebet&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Das Gebet \u2013 selbstverst\u00e4ndlich und au\u00dferordentlich! | <span lang=\"DE\">Predigt \u00fcber Mt 06, 5-13 | verfasst von\u00a0<span lang=\"EN-US\">Andreas Pawlas |<\/span><\/span><\/h3>\n<p>Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Stra\u00dfenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein K\u00e4mmerlein und schlie\u00df die T\u00fcr zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir&#8217;s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erh\u00f6rt, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater wei\u00df, was ihr bed\u00fcrft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung, sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Eigentlich braucht uns heute niemand etwas \u00fcber das Vaterunser oder auch generell etwas \u00fcber das Gebet zu <strong><em>erz\u00e4hlen<\/em><\/strong>. Denn gerade das <strong><em>Vaterunser <\/em><\/strong>geh\u00f6rt doch einfach <strong><em>zu uns<\/em><\/strong> in jedem Gottesdienst und ist f\u00fcr uns irgendwie eine Art <strong><em>Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/em><\/strong> geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber gerade <strong><em>diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit <\/em><\/strong>bewirkt in unseren Coronazeiten eine nie dagewesene Besonderheit: Denn wer unter uns ist heute nicht <strong><em>froh<\/em><\/strong> und <strong><em>dankbar<\/em><\/strong> dar\u00fcber, dass wir uns endlich wieder unter diesem weltumspannenden Gebet im gemeinsamen Gottesdienst zusammenfinden d\u00fcrfen?! Und vielleicht w\u00fcrde es sogar vor unserem Vater im Himmel reichen, derart angesichts des Gebetes mit Freude und Dankbarkeit erf\u00fcllt zu sein. Sicherlich w\u00fcrde er sich mit uns freuen. Und w\u00e4re das nicht <strong><em>gro\u00dfartig?<\/em><\/strong>!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun bewegen wir uns allerdings nicht jeden Tag auf der Ebene der gro\u00dfen und wunderbaren Gef\u00fchle. Schade! Aber damit m\u00fcssen wir nun einmal rechnen. Und insofern ist es sicherlich klug und geboten, einmal darauf zu schauen, in welcher <strong><em>grunds\u00e4tzlichen<\/em><\/strong> Weise der heutige Sonntag Rogate die Frage nach dem Gebet aufgreift, nicht nur in Coronazeiten, sondern auch so, wie wir es bisher erlebt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wenn wir da unsere Beobachtungen ein wenig sortieren, da m\u00fcssen wir doch feststellen, dass wir in einer ganz <strong><em>widerspr\u00fcchlichen<\/em><\/strong> Zeit leben. Denn auf der einen Seite hat jeder die Bilder aus dem Fernsehen vor Augen, wie prominente Fu\u00dfballer in der Konzentration vor dem Elfmeterschie\u00dfen die H\u00e4nde zum Gebet falten, oder wie sie auch nach einem gelungenen Torschuss zum Dankgebet auf die Knie fallen und sich bekreuzigen (so z.B. doch Miroslaw Klose).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Anderen finden es viele v\u00f6llig peinlich, die H\u00e4nde zum Gebet falten zu m\u00fcssen. Denken wir da allein an den Schulalltag von euch Konfirmanden. Auch ist es da vielen v\u00f6llig unangenehm, vom Gebet zu sprechen. Und deshalb redet man vielfach lieber gar nicht dar\u00fcber. Damit wird gleichzeitig so getan, als g\u00e4be es das Gebet \u00fcberhaupt nicht. Auch dass sich etwa Leute \u00f6ffentlich auf den Marktplatz oder an die Stra\u00dfenecken hinstellen, um zu beten und dabei von allen gesehen zu werden, das scheint doch \u00fcberhaupt nicht mehr in unsere heutige Zeit zu passen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber einen Moment bitte! Denn das muss nicht unbedingt eine Ablehnung des Gebets bedeuten. Nein, es k\u00f6nnte auch eine direkte <strong><em>Folge<\/em><\/strong>, der Weisung Jesu in diesem Bibelwort sein, zum pers\u00f6nlichen Gebet gef\u00e4lligst in sein K\u00e4mmerlein zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: auf jeden Fall scheint es in unserer Zeit abwegig zu sein, durch <strong><em>Fr\u00f6mmigkeit<\/em><\/strong> vor den Menschen Eindruck schinden zu k\u00f6nnen. Und daran \u00e4ndert auch nichts die Fr\u00f6mmigkeit mancher, bei jungen Leuten so popul\u00e4ren buddhistischen M\u00f6nche, welche ihre Fr\u00f6mmigkeit zu Kampfsportarten umgewandelt haben. Denn worum geht es da? Eben gerade <strong><em>nicht<\/em><\/strong> um Fr\u00f6mmigkeit und Gebet! Sondern es fasziniert gerade <strong><em>Kampf <\/em><\/strong>und <strong><em>k\u00f6rperliche Geschicklichkeit<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was muss man dagegen heute und hierzulande anstellen, um von den Leuten <strong><em>gesehen<\/em><\/strong> zu werden, um bei den Leuten <strong><em>Eindruck<\/em><\/strong> zu machen? Da muss man doch <strong><em>l\u00e4ssig<\/em><\/strong> sein, oder \u2013 wie ihr jungen Leute sagt \u2013 <strong><em>cool<\/em><\/strong>. Man wird bewundert und ist Gespr\u00e4chsthema, wenn man mit der richtigen <strong><em>Sonnenbrille <\/em><\/strong>auf dem Markt herumh\u00e4ngt, oder wenn man mit dem richtigen <strong><em>outfit <\/em><\/strong>an der Stra\u00dfenecke steht. Frommtun hat <strong><em>ausgedient<\/em><\/strong>, die richtigen <strong><em>Klamotten<\/em><\/strong> tun es. Und bei den \u00c4lteren und Erfolgreichen ist es dann der <strong><em>Mercedes, <\/em><\/strong>das eigene<strong><em>Segelboot<\/em><\/strong> oder das eigene <strong><em>Haus<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist es dabei v\u00f6llig egal, was man Kluges und Nichtkluges sagt. Darauf kommt es vor heutigen Menschen offenbar gar nicht an. Und wenn Jesus damals vom Plappern sprach, meinte er nat\u00fcrlich etwas Anderes. Aber wie dem auch sei, das alles bewirkt keinen Erfolg. Offenkundig sind es heutzutage bestimmte <strong><em>\u00e4u\u00dfere<\/em><\/strong> Zeichen, bestimmte optische und akustische Signale, die vielen ma\u00dfgeblich erscheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber dabei wei\u00df eigentlich <strong><em>jeder<\/em><\/strong>, dass diese bestimmten \u00e4u\u00dferen Signale, mit denen man Leute beeindrucken will, also dieses L\u00e4ssig- oder Cool-sein, \u00fcberhaupt nichts hilft, wenn es um die <strong><em>entscheidenden<\/em><\/strong>Fragen des Lebens geht. Wie ist das z.B. bei der freiwilligen Feuerwehr bei uns im Dorf? Etwa bei einem Feuerwehr-Einsatz cool an der Spritze zu stehen mit der Zigarette l\u00e4ssig im Mundwinkel? <strong><em>Nein<\/em><\/strong>, das <strong><em>macht<\/em><\/strong>doch <strong><em>keiner<\/em><\/strong>! Denn selbstverst\u00e4ndlich <strong><em>laufen<\/em><\/strong> und <strong><em>eilen<\/em><\/strong> alle, um die <strong><em>Spritze<\/em><\/strong> in Gang zu setzen und so den Brand <strong><em>schnell<\/em><\/strong> zu bek\u00e4mpfen. Allein <strong><em>darum<\/em><\/strong> muss es doch gehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wozu braucht man nun das Gebet? Was <strong><em>passiert<\/em><\/strong> da denn eigentlich? Ja, heute am Sonntag Rogate darf man doch fragen, wie das Gebet eigentlich <strong><em>funktioniert<\/em><\/strong>. Ist denn das Gebet so etwas wie der Direktzugang zur gro\u00dfen <strong><em>Wunscherf\u00fcllungsmaschine<\/em><\/strong>, online-Ferneinkauf, online-Erfolgsproduktion alles <strong><em>sofort<\/em><\/strong> und zum<strong><em>Nulltarif <\/em><\/strong>und ohne Transportkosten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder ist also ein Gebet so etwas, wie Angabe der <strong><em>eigenen Kontonummer <\/em><\/strong>oder der Geheimzahl bei einem Geldautomaten, damit einem dann die gew\u00fcnschte Anzahl von Geldscheinen direkt in den Scho\u00df f\u00e4llt. Ja, wenn Gebet genau <strong><em>so etwas<\/em><\/strong> bedeuten w\u00fcrde, dann w\u00e4re ein Pastor ja so eine Art <strong><em>Einkaufstrainer,<\/em><\/strong> bei dem man mit jeder Gebetsformulierung lernt, Zugang zu dieser prima Geldquelle zu gewinnen und <strong><em>ja nicht<\/em><\/strong> zu vergessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das stimmt nat\u00fcrlich <strong><em>alles gar nicht!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dennoch wissen wir genau, dass beim Gebet unsere W\u00fcnsche keineswegs zu kurz kommen. Denn nicht umsonst hei\u00dft ja die vierte Bitte des Vaterunsers \u201cUnser t\u00e4gliches Brot gib uns heute\u201d. Und das umschlie\u00dft ja nach der Erkl\u00e4rung unseres Vaters im Glauben, Martin Luther, Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof Acker, Vieh, Geld, Gut ein, eben alles was wir zur leiblichen Nahrung und Bewahrung unseres Lebens brauchen. Ja, bis hin zum guten Wetter, zum frommen Ehepartner, zu frommen Kindern zu guten Freunden oder getreuen Nachbarn \u2013 und Gesundheit nicht zu vergessen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also ganz selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfen wir das alles im Gebet vor Gottes <strong><em>Angesicht<\/em><\/strong> bringen, allerdings: weder<strong><em>leichtfertig<\/em><\/strong> noch in Panik oder mit Anklagen. Aber warum denn <strong><em>nicht<\/em><\/strong>? Denn es <strong><em>dr\u00e4ngt<\/em><\/strong> uns doch so?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch weil unser Vater im Himmel <strong><em>wei\u00df<\/em><\/strong>, was wir brauchen, noch <strong><em>bevor<\/em><\/strong> wir ihn darum bitten. Und damit kommen wir zu dem <strong><em>eigentlich<\/em><\/strong> Sensationellen an diesem Bibelwort und an diesem Gebet: Wir m\u00fcssen hier eben <strong><em>nicht<\/em><\/strong> eine f\u00fcr uns verantwortliche Instanz erst einmal mit achtfachen Formularsatz dar\u00fcber informieren, was uns eigentlich <strong><em>Not<\/em><\/strong> tut. Wir brauchen als Christen auch <strong><em>nicht<\/em><\/strong> zu klagen oder zu <strong><em>schreien<\/em><\/strong> bis zum Heiserwerden. Wir brauchen uns auch <strong><em>nicht<\/em><\/strong> selbst\u00a0 zu qu\u00e4len und zu martern, um durch unseren schlimmen Schmerz Gott zu erweichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sondern eben <strong><em>genauso<\/em><\/strong> wie ein liebevoller Vater oder eine liebevolle Mutter sehr genau <strong><em>sieht<\/em><\/strong>, was ihr kleines Kind gerade braucht an Essen, Kleidung oder Unterkunft, ja, genauso wei\u00df unser Gott, was wir <strong><em>wirklich<\/em><\/strong>brauchen, damit wir hier auf seiner Erde, damit wir in seinem Kosmos richtig leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dabei d\u00fcrfen wir \u00fcberraschenderweise unseren Gott, das m\u00e4chtigste Wesen \u00fcber alle Welt, im Gebet ganz <strong><em>vertraulich<\/em><\/strong> anreden. Also <strong><em>nicht<\/em><\/strong> mit Zittern und Zagen, wie man sich den Gro\u00dfen und M\u00e4chtigen dieser Erde respektvoll n\u00e4hern muss, durch drei bis vier Vorzimmer mit gestrengen Aufsichtspersonal hindurch, sondern wir d\u00fcrfen ganz vertraulich zu unserem Gott sagen: \u201c<strong><em>Vater unser im Himmel<\/em><\/strong>\u201d, was sich in unserer Zeit vielleicht auch anh\u00f6ren d\u00fcrfte wie <strong><em>\u201eMein Papa im Himmel\u201c! \u201eMeine Mami im Himmel! <\/em><\/strong>Und dann d\u00fcrfen wir uns auf seine G\u00fcte und F\u00fcrsorge verlassen und ihm die Ehre geben. Deshalb hei\u00dft es im Vaterunser ja auch weiter \u201cgeheiligt werde Dein Name\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei ist es \u00fcbrigens beim \u201cgeheiligt werde Dein Name\u201d <strong><em>ganz wichtig<\/em><\/strong>, dass es uns hier um die Heiligkeit, die Ehre <strong><em>Gottes, <\/em><\/strong>also die Anbetung <strong><em>Gottes<\/em><\/strong> geht. Nein, es soll und darf dabei nicht wie gegenw\u00e4rtig in vielen Shows und in vielen politischen Veranstaltungen eigentlich um <strong><em>Selbstanbetung<\/em><\/strong> gehen, also um: \u201cgeheiligt werde <strong><em>mein<\/em><\/strong> Name\u201d. Nein, denn das wissen wir doch genau: <strong><em>Selbstanbetung<\/em><\/strong> ist ein <strong><em>t\u00f6dliches Gift<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum? Weil doch Selbstanbetung letztlich zu <strong><em>Mord und Totschlag<\/em><\/strong> f\u00fchrt, weil dann ja jeder <strong><em>f\u00fcr sich <\/em><\/strong>oberste Anbetung und Befehlsgewalt in Anspruch nehmen will und es dann keine Grenzen und keinen Respekt vor dem Anderen mehr geben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch kann dann weder Schuld <strong><em>eingestanden<\/em><\/strong> werden, noch Schuld <strong><em>vergeben<\/em><\/strong> werden. Und in Versuchung wird man dann nicht erst gef\u00fchrt, sondern man steckt bereits <strong><em>mitten drin<\/em><\/strong>. Durch Selbstanbetung hat sich das B\u00f6se teuflisch in uns ausgebreitet und h\u00e4lt uns f\u00f6rmlich besetzt. Dagegen ist Gott die Ehre zu geben etwas, was wir als Menschen <strong><em>wirklich<\/em><\/strong> brauchen, damit wir <strong><em>pers\u00f6nlich<\/em><\/strong> und <strong><em>gemeinsam <\/em><\/strong>hier auf seiner Erde richtig leben k\u00f6nnen und nicht hemmungslos \u00fcbereinander herfallen. Im Gebet Gott die Ehre zu geben und ihn anzubeten, das ist darum also schlicht <strong><em>lebensnotwendig<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings, wer wei\u00df jetzt nicht um die tausend v\u00f6llig berechtigten <strong><em>Einw\u00e4nde<\/em><\/strong>. Denn wie etwa soll ich beten und Gott die Ehre geben, wenn ich immer nur <strong><em>zu kurz komme<\/em><\/strong>, wenn alle immer auf mich herabschauen und mich <strong><em>keiner leiden<\/em><\/strong> mag? Wie etwa soll ich beten und Gott die Ehre geben, wenn ich im Leben <strong><em>gescheitert<\/em><\/strong>bin, wenn ich keine Perspektive mehr habe, wenn ich um einen lieben Menschen trauere? Oder wie soll ich beten und Gott die Ehre geben, wenn mir die Krankheit den Leib zerfrisst?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedoch, k\u00f6nnte nicht die Welt &#8211; und vor allem <strong><em>meine<\/em><\/strong> Welt &#8211; ganz anders aussehen, wenn es mir \u00fcberhaupt nichts ausmachen w\u00fcrde, dass mich keiner leiden mag, weil ich mich ja <strong><em>im Gebet<\/em><\/strong> an den <strong><em>Vater im Himmel<\/em><\/strong>wenden kann und wenn ich dann deutlich versp\u00fcren kann, dass er, ja <strong><em>er<\/em><\/strong>, mich <strong><em>mag<\/em><\/strong> und <strong><em>h\u00e4lt<\/em><\/strong> und <strong><em>tr\u00e4gt<\/em><\/strong>! Und k\u00f6nnte nicht meine Welt ganz anders werden, wenn ich zwar nicht an der <strong><em>Spitze <\/em><\/strong>der sozialen Leiter stehe, aber ich mir im Gebet immer wieder sicher werden darf, dass mein himmlischer Vater mich pers\u00f6nlich <strong><em>kennt<\/em><\/strong>und <strong><em>liebt<\/em><\/strong>? Und was f\u00fcr Perspektiven k\u00f6nnten sich f\u00fcr mich trotz aller Krankheit und aller Leiden auftun, wenn ich mich im Gebet ganz deutlich von der Gewissheit getragen f\u00fchlte, dass sp\u00e4ter in Gottes ganz anderer Wirklichkeit alles wieder gut werden wird, dass alle <strong><em>Tr\u00e4nen getrocknet<\/em><\/strong> und alle <strong><em>Sehns\u00fcchte erf\u00fcllt<\/em><\/strong> werden? Ja, das alles soll nach Gottes Willen geschehen und das alles geschieht in seiner <strong><em>Kraft <\/em><\/strong>und zu seiner <strong><em>Herrlichkeit<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings, was ist, wenn wir nun so aufrichtig zu Gott gebetet haben \u2013 und es passiert einfach &#8211; <strong><em>nichts<\/em><\/strong>? Ja, wenn wir einfach <strong><em>nichts<\/em><\/strong> davon versp\u00fcren, wie Gott uns hilft und wie seine Kraft uns tr\u00e4gt? Was dann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df wirklich nicht, was Gott dann mit uns <strong><em>vorhat<\/em><\/strong>. Aber ich wei\u00df, dass ich nicht alles unbedingt <strong><em>merken<\/em><\/strong>muss, was mir an Gutem widerf\u00e4hrt. Merkt denn etwa das Kind, das sich im Schlaf blo\u00dfgestrampelt hat, wie die Mutter kommt, und es liebevoll wieder <strong><em>zudeckt<\/em><\/strong>? Zuerst sp\u00fcrt es doch gar nichts. Aber dann durchstr\u00f6mt es W\u00e4rme, dann tr\u00e4umt es sch\u00f6ne Dinge und am morgen steht es erfrischt auf mit neuer Kraft f\u00fcr den neuen, von Gott geschenkten Tag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor i. R. Prof. Dr. Andreas Pawlas<\/p>\n<p>Kl. Offenseth-Sparrieshoop<\/p>\n<p>Andreas.Pawlas@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gebet \u2013 selbstverst\u00e4ndlich und au\u00dferordentlich! | Predigt \u00fcber Mt 06, 5-13 | verfasst von\u00a0Andreas Pawlas | Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Stra\u00dfenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. 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