{"id":2750,"date":"2020-05-17T17:32:42","date_gmt":"2020-05-17T15:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2750"},"modified":"2020-05-17T17:33:08","modified_gmt":"2020-05-17T15:33:08","slug":"von-der-herrlichkeit-auf-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/von-der-herrlichkeit-auf-erde\/","title":{"rendered":"Von der Herrlichkeit auf Erden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt zu Joh 17:20-26 | verfasst von Ralf Reuter<\/strong><\/p>\n<p>Im Anfang einer neuen Zeit begegnen wir uns heute. Wir, die wir hier als J\u00fcnger und Nachfolgende der zweiten Generation und aller folgenden Generationen versammelt sind. Er, der als lebendiges Angesicht Gottes \u00fcber die Erde in Galil\u00e4a ging, in dem die Menschen die Gnade und die Wahrheit Gottes erfahren haben, er wirkt jetzt \u00fcber der ganzen Welt. Und wir leben von dem, was er uns gegeben hat und weiterhin gibt. Zweitausend Jahre geht das schon so, und es ist doch immer wieder neu zu entdecken.<\/p>\n<p>Es ist, um in einem Beispiel zu reden, wie mit dem H\u00f6ren auf die Glocken. Ich habe sie in der Zeit der geschlossenen Kirchen neu entdeckt. Jeden Sonntag haben wir sie trotzdem gel\u00e4utet, von 9.50 Uhr bis 10 Uhr. Dann begann der Gottesdienst zuhause, den Text dazu hatten wir versandt und zugemailt. So wartete ich mit dem Text in der Hand und h\u00f6rte dem Gel\u00e4ut der Glocken zu. Erst die kleinste Glocke, mit dem hohen Ton, dann die zweite, vom Tagesgel\u00e4ut vertraute, und zuletzt die dritte Glocke, die den tiefen Klang anschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie 10 Minuten lang nur den Glocken zuh\u00f6ren? Ich habe das wieder gelernt in diesen Zeiten. Kein Handy, keine Zeitung, kein Kaffee, keine Gespr\u00e4che, einfach nur zuh\u00f6ren. Mir ist das auf Anhieb nicht gelungen. Zehn Minuten wollen trainiert werden. Nach 10 Wochen ohne Kirche kann ich es. Mit jedem weiteren Sonntag eine Minute mehr. Das H\u00f6ren des Rufes Gottes ist ja gleichzeitig auch ein inneres Horchen.&nbsp; Der \u00e4u\u00dfere Klang der Glocken f\u00fchrt innerlich zu einer Art L\u00e4uterung. Sie tut gut, sie wirkt sich wohltuend auf meine Mitmenschen aus.<\/p>\n<p>In dem Gebet zu Gott spricht Jesus davon, was er uns hinterlassen hat. Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, sagt er, und weiter, damit die Liebe in ihnen sei. Die Herrlichkeit gegeben, nehmen wir uns zehn Minuten, dem g\u00f6ttlichen Klang dieser Worte zu lauschen. Nie habe ich ein so spannendes Gebet vernommen. Wenn das stimmt, dann ist uns die volle Pr\u00e4senz Gottes gegeben. Dann ist das Leben hier auf Erden reich, so arm wir auch sein m\u00f6gen. Dann ist es mit der F\u00fclle Gottes gesegnet. Nicht erst nach den Erdentagen, schon hier und jetzt.<\/p>\n<p>Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hat, auf das sie eins seien, wie wir eins sind. Diese Worte des Gebetes erz\u00e4hlt uns das Johannesevangelium. Im 17. Kapitel, nach den Begegnungen und Worten Jesu, der als das lebendige Wort Gottes zur Welt kam. Als das Licht, als der gute Hirte, als das Brot des Lebens. \u00dcber ihn ist Gott zu erkennen, im Vertrauen auf ihn die Liebe Gottes zu erfahren. \u00dcber ihn kommt uns die Gnade und Wahrheit zu. Durch ihn wohnt die Liebe in unserem Herzen. Pl\u00f6tzlich geht der Himmel auf uns \u00fcber, sch\u00fcttet sich in unserem Herzen aus.<\/p>\n<p>Ich glaube, es braucht tats\u00e4chlich eine spirituelle Fitness, um dieses f\u00fcr sich zu realisieren. Es braucht die Konzentration auf den Glauben, auf diese g\u00f6ttliche Kraft, die dieser auffahrende Christus den Seinen hinterl\u00e4sst. Sie muss ja im Leben entdeckt werden. Mitten im L\u00e4rm der Zeit, in den t\u00e4glichen Anforderungen und Zumutungen. Vielleicht ist es so wie bei den Glocken, die sich \u00fcber der Welt ausbreiten mit ihrem Klang und zu einem neuen H\u00f6ren f\u00fchren. Nicht als Besitz, eher als Geschenk, als M\u00f6glichkeit. Als das Erkennen eines neuen Vertrauens, einer getragenen Existenz.<\/p>\n<p>In den Bedr\u00e4ngungen dieser Tage w\u00e4re es das erstmalige Beantragen von Hartz IV von Mitarbeitenden der Gastronomie oder von K\u00fcnstlern, die pl\u00f6tzlich kein Engagement mehr bekommen und ohne Einkommen dastehen. Hingehen und dies \u00fcbergangsweise in Anspruch nehmen. Nicht vom Selbstwertgef\u00fchl her einknicken, sondern das in der vollen Souver\u00e4nit\u00e4t des Menschseins machen. Dies kann wohl nur der Glaube bewirken. Der Glaube an diesen Jesus, der die ganze Liebe Gottes immer wieder in unser Herz aussch\u00fcttet. Mit dem wir durchs Kreuz gehen k\u00f6nnen und dabei zugleich schon von der Auferstehung her leben.<\/p>\n<p>Viele Beispiele k\u00f6nnen genannt werden. Die Unternehmen, die mit Kurzarbeit Entlassungen verhindern wollen, Unternehmer und Mitarbeiter, die k\u00e4mpfen. Gradwanderungen in der Liebe zu alten und sterbenden Menschen, sie doch vorsichtig weiter zu betreuen. Der ehrlichen Wissenschaft treu bleiben, in den \u00f6ffentlichen Anfeindungen, von Menschen, die Wahrheit und Kritik nicht ertragen. Oder ganz einfach wieder neu lernen, auch in der Krise ruhig zu bleiben. Die Realit\u00e4t aushalten und sich ihr stellen. Keine \u00dcberreaktionen, aber auch nicht im Schweigen versinken.<\/p>\n<p>Man kann sich auch erinnern an Martin Luther, der in der Nacht vor dem Auftritt vor dem Kaiser in Worms lange und tief betet wie einst Christus zu Gott. Wir denken auch an die Gebete von Dietrich Bonhoeffer in der Haft. Auch an sein von guten M\u00e4chten. Christus hat uns beten gelehrt, und nimmt uns darin mit zu Gott. Nie als Vertr\u00f6stung, immer als ganz realistische Lebensbew\u00e4ltigung. Nirgends als im Gebet kommt die Herrlichkeit Gottes so vollm\u00e4chtig zu uns auf Erden.<\/p>\n<p>Es macht Sinn, sich dem Wort Gottes auszusetzen. Mindestens am Sonntag, in der Kirche oder zuhause. Sich hier wieder neu zu \u00fcben und einzulesen in die g\u00f6ttlichen Geschichten und Worte des Evangeliums. Innere Einkehr zu halten, die einen wieder ins Lot bringt. Wieder neu zu lernen, sich nicht immer nur \u00fcber die eigenen Erfolge zu definieren, und auch nicht mehr \u00fcber Urlaubsreisen. Der verordnete Stillstand der letzten Tage hat auch viele Menschen entlarvt, die besessen waren von Steigerungsraten aller Art.<\/p>\n<p>Die Herrlichkeit des Glaubens lehrt neu, aus der g\u00f6ttlichen F\u00fclle zu leben, ohne die ganze weltliche F\u00fclle zu haben. Da spielt es keine Rolle, wer oder was wir gerade sind. Immer strahlt diese Herrlichkeit ins Leben und wirkt. Sie erst erm\u00f6glicht echte Erfolge. Wer etwas unbedingt erreichen will, erreicht es selten. Wer sich dagegen in eine Haltung des T\u00e4tigseins hineinziehen l\u00e4sst, dem gelingt es besser. Vor allem auch der Blick f\u00fcr die anderen. Die egoistische Perspektive weitet sich. Und neue Chancen tuen sich auf. Der Geist des Herrn wirkt.<\/p>\n<p>Das \u00f6ffnet auch einen neuen Blick auf die Sch\u00f6nheiten des Lebens. Es ist nicht nur die jetzt erbl\u00fchte Natur. Es ist nicht nur der wie nie wahrgenommene blaue Himmel \u00fcber uns. Es sind vor allem die Menschen jeglichen Alters, von kleinen Kindern bis hin zu Greisen, die uns in ihrer W\u00fcrde begegnen. Immer geh\u00f6rt zur Sch\u00f6nheit auch der Schmerz der Verg\u00e4nglichkeit der Erdentage, immer auch das Leiden der Kreaturen. Und doch, mit den Augen von Jesus sehen wir in ihnen das G\u00f6ttliche. &nbsp;Sehen, wie Gott sie liebt, wie Jesus sie anblickt. So kann es auch uns m\u00f6glich werden, zu lieben.<\/p>\n<p>Vielleicht passen dazu die Bilder vom geduldigen Reifen eines guten Weines. Von den zarten Knospen und Trieben, die es zu sch\u00fctzen gilt. Oder vom Stehen zu den Falten und Pr\u00e4gungen eines Baumes mit seinen Jahresringen und knorrigen \u00c4sten.&nbsp; Oder auch das Geborgensein in der Ewigkeit f\u00fcr all die, die vor der Zeit abberufen werden. Wir stehen jedenfalls miteinander im Licht der g\u00f6ttlichen Sonne und gehen immer dem Licht entgegen. So vieles Zeitbedingte unserer Tage wird davor relativ, verliert ihre Dominanz. Die Herrlichkeit zieht in uns ein. Es tut gut, macht den Kopf frei und den Horizont klar.<\/p>\n<p>Christi Himmelfahrt hat uns heute in den tiefen Klang des g\u00f6ttlichen Zwiegespr\u00e4chs hineingezogen und eine neue Zeit eingel\u00e4utet. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan, spricht Jesus \u00fcber uns, und werde ihn weiter kundtun. Er spricht \u00fcber unsere Zukunft. Damit die Liebe, mir der du, Gott, mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. So gehen wir weiter hinein in dieses besondere Jahr 2020. Es ist unser Jahr, unsere geschenkte Zeit. Wir entdecken die g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz in uns, und erz\u00e4hlen allen anderen von dieser Herrlichkeit auf Erden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Ralf Reuter, Pastor f\u00fcr Unternehmensleitungen und F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, und zugleich Pastor der Friedenskirche G\u00f6ttinen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Joh 17:20-26 | verfasst von Ralf Reuter Im Anfang einer neuen Zeit begegnen wir uns heute. Wir, die wir hier als J\u00fcnger und Nachfolgende der zweiten Generation und aller folgenden Generationen versammelt sind. 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