{"id":2753,"date":"2020-05-16T17:33:14","date_gmt":"2020-05-16T15:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2753"},"modified":"2020-05-17T17:36:13","modified_gmt":"2020-05-17T15:36:13","slug":"bestaendig-im-wandel-geheimabkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/bestaendig-im-wandel-geheimabkommen\/","title":{"rendered":"Best\u00e4ndig im Wandel: Geheimabkommen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt zu Joh.17,20-26 |verfasst von Markus Kreis<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Joh.17,20<\/em><\/strong><em>\u00a0Jesus spricht: Ich bitte aber nicht allein f\u00fcr sie, sondern auch f\u00fcr die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, <strong>21<\/strong>\u00a0dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. <strong>22<\/strong>\u00a0Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, <strong>23<\/strong>\u00a0ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. <strong>24<\/strong>\u00a0Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegr\u00fcndet war. <strong>25<\/strong>\u00a0Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. <strong>26<\/strong>\u00a0Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.<\/em><\/p>\n<p>Best\u00e4ndig im Wandel. Seine Leute sollen alle eins sein. Das macht Jesus im stillen Kreis der J\u00fcnger mit Gottvater aus. Wie ein Geheimabkommen. Dabei ist es gar nicht geheim. Nachzulesen ist es in der Bibel. Und die ist das am weitesten verbreitete Buch der Welt. Der Text wird im Gottesdienst \u00f6ffentlich verhandelt \u2013 so wie hier und heute. Hunderte von Jahren schon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Geheimabkommen, dessen Text \u00f6ffentlich ist. So was ist nichts f\u00fcr Leute, die geheime Absprachen wittern, stets und \u00fcberall. Der Johannestext taugt nicht zur Verschw\u00f6rungstheorie. Er erscheint geheim, das ja. Das liegt aber daran, dass sich die Welt nicht so recht daf\u00fcr interessiert. Oder dass die Sprache des Textes so seltsam klingt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geschrieben hat den Text einer aus der Johannesgemeinde damals. Ein Ohrenzeuge. Und in was f\u00fcr einer Sprache! F\u00fcr einige vielleicht eine Art Geheimsprache. Kauderwelsch ist es nicht. Dazu steckt st\u00fcckweise zu viel Sinn drin. Aber gedreht und verschwiemelt klingt es. Schwer verst\u00e4ndlich. Nur f\u00fcr Leute vom Fach. Oder solche, die sich von Texten mit sieben Siegeln angezogen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andererseits kann man hier entgegen halten: Manchmal entsteht Bindung auch, ohne sich sprachlich zu verstehen. Exotik kann attraktiv wirken. \u201e<em>Je ne parle pas francais, aber bitte red\u00b4 weiter&#8230;\u201c <\/em>, so der Refrain eines Liebesliedes aus j\u00fcngerer Zeit.<\/p>\n<p>Ich muss hier mal f\u00fcr Verst\u00e4ndnis werben. Der Ohrenzeuge, der sich an das Wort Jesu erinnert. Der steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er will sagen, was ihn da gepackt hat. Er will etwas \u00fcber sein Erleben Jesu mitteilen. \u00dcber das gro\u00dfe Ganze. Wie sich das alles ausgeht. Aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudern. Wahrlich, wahrlich ich sage Euch: Das macht man nicht mal einfach so. Selbst als Jesu J\u00fcnger nicht<em>.<\/em><\/p>\n<p>Das Gute bei all dem ist: Der Text kommt trotzdem an. Knapp 2000 Jahre bereits. Die S\u00e4tze des Ohrenzeugen kommen r\u00fcber. Mal mehr, mal weniger. Das h\u00e4ngt von dem ab, was gerade <em>in<\/em> ist.<\/p>\n<p>Der Text steht und besteht jedenfalls. Abgesehen davon: Zeigt sich in vielen heutigen christlichen Texten nicht \u00c4hnliches? Zumindest f\u00fcr die Ohren der Welt? Andererseits: Werden gef\u00e4llige Texte der Sache \u00fcberhaupt gerecht? Hochglanzsprache dem Kreuz Jesu?<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das nun: Best\u00e4ndigkeit im Wandel? Klingt ein bisschen nach dem Satz: Stillstand ist R\u00fcckschritt. Gerne verbreitet in der Wirtschaft. Nur agile Unternehmen werden \u00fcberleben. Die den Wandel erkennen. Und sich selber wandeln, wenn es n\u00f6tig ist. Wenn die Welt sich wandelt, ist Stillstand R\u00fcckschritt.<\/p>\n<p>Was die Pandemie angeht, ist Stillstand jedenfalls ein Fortschritt und kein R\u00fcckschritt. Zumindest, wenn man als Mensch lebt und nicht als Coronavirus. Will sagen: Stillstand kann also gut sein und ist nicht von vorne herein schlecht. Genauso wie Wandel schlecht sein kann und nicht von vorne herein gut.<\/p>\n<p>Und was nun wann der Fall ist? Dar\u00fcber l\u00e4sst sich trefflich streiten! Was macht eine neue Nachfrage am Markt gut? Was macht eine neue Nachfrage am Markt schlecht? Was ein macht neues Angebot dort gut? Oder schlecht? Wie wird der Streit ausgehen? Mit einhelliger Meinung? Wenn ja, wird diese Meinung dem echten Leben lange standhalten?<\/p>\n<p>Jetzt wird es kompliziert. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Altes nicht automatisch gut ist. Wie es sich z.B. am Wort Altlasten zeigt. Was ist nun wann der Fall? Eine Meinung habe ich vielleicht. Aber eine Antwort? Und selbst wenn. Sehen wir nur die Mediziner zur Zeit an. Die Virologen, die Infektiologen, die Epidemiologen, die Hygieniker. Selbst deren Erkenntnisse stehen oder fallen mit dem Fortschritt des Wissens.<\/p>\n<p>In allem Wandel und Wechsel steht ein unumst\u00f6\u00dflich Gutes. Gott ist in Vater und Sohn nicht willk\u00fcrlich, sondern best\u00e4ndig. Beide sind sich einig. Jesus hat es mit Gottvater ausgehandelt. Genauer gesagt: Jesus bittet Gottvater. Und Bitten passt mit Aushandeln zusammen. Was dem Sohn eine Bitte ist, macht der Vater sich zum Befehl. So ist das mit der Liebe zwischen den beiden. So werden sie einander gerecht. So sind sie einander verbunden. Obgleich jeder seinen eigenen Kopf hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Sache, die auf Erden erstaunlich anmutet. Da ist das eher anders \u00b4rum gel\u00e4ufig. Der Vater befiehlt. Und der Sohn sagt: bitte nicht! Konflikte zwischen V\u00e4tern und S\u00f6hnen allerorten. Zwei Dickk\u00f6pfe, die aneinander krachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bibel zeigt: Im Himmel geht\u2019s anders herum zu als auf Erden. Zum Beispiel im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch in der Bergpredigt, wo Jesus vom Beten spricht. So eng sind Gottvater und Jesus. So lieb und gerecht zueinander. Der eine bittet, der andere horcht und gehorcht. Die zwei sind sich einig.<\/p>\n<p>Dazu kommt: Jesus ist auch mit seinen Leuten einig. Nicht nur mit denen, die ihm damals gerade zuh\u00f6rten. Seinen J\u00fcngern vor Ort. Sondern auch mit jenen, welche neu hinzukommen, wenn Jesus in die Himmel aufgefahren ist. Das gilt bis heute und weiterhin. Im Wechsel der Zeiten. Also in jeder Zukunft wird Jesus einig mit seinen Leuten. Das hei\u00dft f\u00fcr die Kirche Best\u00e4ndigkeit im Wandel.<\/p>\n<p>Das \u00f6ffentliche Geheimabkommen beinhaltet also, dass es stets Abk\u00f6mmlinge der J\u00fcnger geben wird. Gottvater und Jesus werden immer neue Leute finden, mit denen sie einig werden. Selbst wenn Jesus im Himmel weilt. Und so soll das passieren, sich ereignen: Allein dank der Texte Jesu. Die mit Augen und Ohren geh\u00f6rt und gelesen werden, mit Hand und Mund erz\u00e4hlt und geschrieben. Und alles mit Herz und Hirn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr seltsam. Ein echt geheimnisvolles Abkommen. Dass sich immer neue Leute einstellen, ihm zusprechen. \u00a0Durch blo\u00dfe Kommunikation. Wie in einem M\u00e4rchen, in dem ein Topf immer Brei liefert. Kaum zu glauben. Die Kirche leidet doch unter Bedeutungsverlust.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Wechsel ist im \u00f6ffentlichen Geheimabkommen eingepreist. Abkommen, das hei\u00dft ja auch: den rechten Weg verlieren. Verirren, sich irren. Da denkt der Gl\u00e4ubige gern an die Welt und ihre Abk\u00f6mmlinge. Die von Gott abgekommen sind. Und sich im Abseits Gottes unabk\u00f6mmlich f\u00fchlen. Von ihm nichts h\u00f6ren oder sehen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ja, das stimmt. Aber genauso stimmt: Abkommen, das kann Jesu Abk\u00f6mmlingen selbst passieren: Verirren, sich irren. Sogar so, ohne dass sie es merken. Im Geheimen eben. Sie sind mit Gottvater und Jesus uneins. Obwohl sie glauben: \u201eZwischen Gott und mich, da passt nichts dazwischen. So eng sind wir miteinander.\u201c So ein Irrtum. Wei\u00df der Kuckuck, woher so was kommt. Vielleicht durch ein geheimes Geheimabkommen einer dritten Partei?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie dem auch sei! Die geheime Abkunft der Leute Jesu wirkt dagegen. Ein Wunder g\u00f6ttlichen Schaffens und Redens! Abk\u00f6mmlinge finden sich immer wieder ein. Vielleicht erh\u00f6rt ein verirrter Schafbock doch seinen Irrtum. Und wandelt sich mit und in der Zeit. Wird vom abgekommenen Abk\u00f6mmling zu einem, der wieder folgt. In der richtigen Spur landet. Vielleicht h\u00f6ren und kommen einfach Neue im Wandel ihrer Zeit hinzu. Aus dem Abseits derer, die von Gott nichts h\u00f6ren und sehen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber sind sich Gottvater und Jesus einig geworden. Dar\u00fcber sind Jesus und die Johannesj\u00fcnger einig geworden. Dar\u00fcber werden sich Jesus und seine Leute zu jeder Zeit einig. Das \u00f6ffentliche Geheimabkommen gewinnt Zuspruch im Wandel der Zeiten. Es wird immer Abk\u00f6mmlinge geben, die sich bei ihm einfinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das gilt gerade dann, wenn es in der Welt anders aussieht. Denn einerseits kommen Jesu Leute von ihrem eigenen Abkommen und Irren wieder ab, ohne es zu merken. F\u00fchlen sich verirrt, obwohl sie l\u00e4ngst wieder dazu geh\u00f6ren. Andererseits wandeln sich Menschen. Auch die im Abseits. Die sich dort f\u00fcr unabk\u00f6mmlich halten. Und finden Jesu \u00f6ffentliches Geheimabkommen pl\u00f6tzlich ganz abk\u00f6mmlich. Will sagen: bedeutsam und der Folge wert. Und wechseln. Aus ihrem Abseits zu Jesu Leuten. Wunder des g\u00f6ttlichen Redens und Schaffens. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Joh.17,20-26 |verfasst von Markus Kreis Joh.17,20\u00a0Jesus spricht: Ich bitte aber nicht allein f\u00fcr sie, sondern auch f\u00fcr die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, 21\u00a0dass sie alle eins seien. 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