{"id":2757,"date":"2020-05-17T17:44:49","date_gmt":"2020-05-17T15:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2757"},"modified":"2020-05-17T17:44:49","modified_gmt":"2020-05-17T15:44:49","slug":"die-letzten-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-letzten-worte\/","title":{"rendered":"Die letzten Worte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lukas 24,46-53 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Marianne Frank Larsen|<\/strong><\/p>\n<p>Der isl\u00e4ndische Schriftsteller Jon Kalman Stefansson schreibt in seinem Roman: \u201dHimmel und H\u00f6lle\u201c von einem Jungen, der keine Familie hat. Sein Vater ist von einem Fischkutter auf dem Meer vor Island ertrunken, seine Mutter und seine kleine Schwester sind an Krankheit gestorben, sein Bruder ist verschwunden. Er ist schrecklich allein in der Welt, und er besitzt nichts anderes als ein Paar Hosen, einen Wollpullover, drei kleine B\u00fccher und ein Paar schlechte Schuhe. Und dann wohlgemerkt die Briefe! Nach dem Tod des Vaters zerstreute sich die Familie n\u00e4mlich in alle Winde, aber die Mutter schrieb noch immer an ihren Jungen. Sie erz\u00e4hlte vom Vater und ihrem Leben und ihren Tr\u00e4umen, so dass der Junge ein Licht erhielt, an dem er sich durch ihre Worte w\u00e4rmen konnte. Kurz bevor sie starb, schrieb sie ihren letzten Brief. \u201eN\u00e4chsten Sommer haben wir uns ganz sicher gedacht, dass wir dich besuchen\u201c, schrieb sie, \u201edeine Schwester fragt jeden einzigen Morgen: Wann fahren wir los?\u201c Und dann die letzte Zeile: \u201eLebe! Deine Mutter, die dich liebt\u201c.<\/p>\n<p>Das sind die letzten Worte, die der Junge von seiner Mutter hat. Eine Aufgabe: \u201eLebe!\u201c. Du darfst nicht aufgeben, du darfst nicht den Mut verlieren, du sollst leben! Das bedeutet: Das Leben ist es wert, gelebt zu werden! Und dann eine Liebeserkl\u00e4rung: \u201eDeine Mutter, die dich liebt\u201c. Das sind phantastisch gute Worte, die man mitnehmen kann, wenn man seine Mutter nicht mehr bei sich hat. Dass man geliebt ist und dass man leben soll. Vor einigen Jahren erschien ein kleines Buch, das davon handelte, dem Tode nahe zu sein. Darin erz\u00e4hlen Menschen, die einen Verlust erlitten haben, von der letzten Zeit mit ihren Lieben. Mehrere von ihnen erw\u00e4hnen, wie sie warteten und darauf hofften, dass der, der im Sterben lag, die Mutter, der Vater oder der Geliebte, zuletzt etwas Gutes zu ihnen sagte. Einige waren tief entt\u00e4uscht, weil die guten Dinge nie zur Sprache kamen. Andere empfingen kr\u00e4ftige und dankbare Worte, die sie in dem Leben weitertrugen, das sie miteinander leben sollten. Offenbar tragen wir bis zuletzt Verantwortung f\u00fcr die Menschen, die wir verlassen m\u00fcssen, und wir haben Einfluss auf ihr Leben.<\/p>\n<p>Die letzten Worte, die die J\u00fcnger und wir anderen erhalten, ehe Jesus uns verl\u00e4sst und zum Himmel emporgehoben wird am Tag der Himmelfahrt Christi, sind gute Worte. Wie die Mutter in dem isl\u00e4ndischen Buch, die ihrem Jungen eine Aufgabe und eine Liebeserkl\u00e4rung mitgab, so gibt Jesus auch den J\u00fcngern und uns anderen eine Aufgabe und eine Liebeserkl\u00e4rung. Ihr sollt Zeugen sein, sagt er, und das ist die Aufgabe. Zeugen \u2013 das sind Leute, die erz\u00e4hlen, was sie gesehen und geh\u00f6rt haben. Und das, was die J\u00fcnger und wir anderen gesehen und geh\u00f6rt haben, ist dies, dass da einer war, der gelitten hat, wie wir leiden werden, so dass wir nie allein sind im Leiden. Aber er besiegte den Tod und stand auf vom Grabe am dritten Tag. Und nun ist er bei uns mit seinem strahlenden neuen Leben \u00fcberall, wo wir hinkommen. So wahrhaftig, wie der Himmel \u00fcberall ist, wo wir hinkommen. Das ist die tolle und hoffnungsvolle Geschichte, die wir bezeugen sollen. Dann k\u00f6nnen wir in mehrerer Weise tun. Indem wir erz\u00e4hlen, was diese Geschichte f\u00fcr uns bedeutet, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet. Und indem wir so handeln, wie uns diese Geschichte inspiriert. Uns abwenden von Streit und Groll und Rache, umkehren zu Vergebung und Vers\u00f6hnung, so dass auch das Leben zwischen uns aus dem Grabe aufstehen kann. Das ist unsere Aufgabe.<\/p>\n<p>Aber wie der isl\u00e4ndische Junge bekommen wir nicht allein eine Aufgabe. Wir erhalten auch eine Liebeserkl\u00e4rung. Denn in dem Augenblick, wo sich Jesus von seinen J\u00fcngern und von uns anderen verabschiedet, segnet er uns. Und der Segen ist die m\u00e4chtigste Liebeserkl\u00e4rung, die man erhalten kann, denn Jesus vertraut darauf, dass Gott selbst das schenkt, was die Worte sagen, w\u00e4hrend sie gesagt werden. Darauf vertrauen auch wir. Dass die Worte wirken. Dass Gott wirklich unseren Ausgang und Eingang beh\u00fctet, wie wir das bei der Taufe h\u00f6ren. Dass Gott wirklich seinen Kindern Glaube, Hoffnung und Liebe schenkt, wie wir das bei der Konfirmation h\u00f6ren. Dass Gott wirklich den Liebenden seine Gnade schenkt, wie wir das bei einer Trauung h\u00f6ren. Dass Gott wirklich sein Antlitz erhebt und es leuchten l\u00e4sst und uns Frieden gibt, wie wir das in jedem Gottesdienst h\u00f6ren. Das sind die Worte, die wir mit uns nehmen, wenn wir uns trennen und aus der Kirche gehen. Ihr sollt Zeugen sein \u2013 von der Liebe, die stets aus dem Grabe aufersteht. Und wenn ihr hinausgeht unter den Himmel, geht ihr als geliebte und gesegnete Menschen im Lichte vom milden Angesicht Gottes. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Marianne Frank Larsen<\/p>\n<p>DK 8000 Aarhus C<\/p>\n<p>mfl(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas 24,46-53 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Marianne Frank Larsen| Der isl\u00e4ndische Schriftsteller Jon Kalman Stefansson schreibt in seinem Roman: \u201dHimmel und H\u00f6lle\u201c von einem Jungen, der keine Familie hat. Sein Vater ist von einem Fischkutter auf dem Meer vor Island ertrunken, seine Mutter und seine kleine Schwester sind an Krankheit gestorben, sein Bruder ist verschwunden. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2748,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,375,185,157,114,319,349,161,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-himmelfahrt","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-24-chapter-24","category-kasus","category-marianne-frank-larsen","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2757"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2758,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2757\/revisions\/2758"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2757"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2757"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2757"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2757"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}