{"id":2760,"date":"2020-05-19T17:48:30","date_gmt":"2020-05-19T15:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2760"},"modified":"2020-05-19T17:48:30","modified_gmt":"2020-05-19T15:48:30","slug":"warten-auf-die-herztransplantation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/warten-auf-die-herztransplantation\/","title":{"rendered":"Warten auf die Herztransplantation"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu <span lang=\"DE\">Jeremia 31,31-34 | verfasst von Rudolf\u00a0Rengstorf |<\/span><\/h3>\n<p><strong><em>Siehe, es kommt die Zeit, spricht der <\/em><em>Herr<\/em><em>, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem <\/em><em>Hause Juda einen neuen Bund schlie\u00dfen,<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren V\u00e4tern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus \u00c4gyptenland zu f\u00fchren, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schlie\u00dfen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: \u00bbErkenne den Herrn\u00ab, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Gro\u00df, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer S\u00fcnde nimmermehr gedenken. (Jeremia 31,31-34)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Ein neuer Bund wird da durch den Propheten Jeremia in Aussicht gestellt. Und wo immer vom neuen Bund die Rede ist, haben Christen bis in unsere Zeit fast reflexartig gedacht: Das sind wir doch. Da ist von uns die Rede. Diese Verhei\u00dfung ist bei uns in Erf\u00fcllung gegangen. Und das wird noch best\u00e4rkt, wenn ich daran erinnere, dass das lateinische Wort f\u00fcr Bund Testament hei\u00dft.<\/p>\n<p>Das Alte Testament &#8211; so das christliche Denkschema &#8211; ist der Bund Gottes mit Israel. Da geht es vor allem um Gebote und eine F\u00fclle von Gesetzen und um einen Gott, der streng und drohend dar\u00fcber wacht, dass die Menschen sich an seine Gesetze halten und der sie hart bestraft, wenn sie es nicht tun.<\/p>\n<p>Doch dann ist Jesus gekommen, hat gezeigt, wer Gott wirklich ist: ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit, der nicht f\u00fcr nur ein Volk da ist, der alle Menschen als T\u00f6chter und S\u00fchne betrachtet und keinen verloren geben will. Und damit, dass Gott alle Menschen mit seiner Liebe und Wertsch\u00e4tzung im Neuen Testament zusammenschlie\u00dft, ist der Bund mit Israel \u00fcberholt und veraltet. Vom alten Testament ist nur noch das brauchbar, was an Verhei\u00dfungen auf Jesus hindeutet: Nat\u00fcrlich die Sch\u00f6pfungsgeschichten, auch die V\u00e4tergeschichten von Abraham bis Josef, weil sie so viel Typisches f\u00fcr den Menschen aufweisen, die zehn Gebote nat\u00fcrlich, weil sie sich im Zusammenleben der Menschen bew\u00e4hrt haben und noch einige Psalmen, die zu unserem Glauben passen. Das ist es aber auch.<\/p>\n<p>Erst in unserer Zeit lernen wir, wie abwegig es ist, die an Israel gerichtete Bibel und die an Christen in aller Welt gerichtete Bibel im Kontrast von alt und neu zu sehen und stattdessen auf das zu achten, was beiden gemeinsam ist. Die gr\u00f6\u00dfte Gemeinsamkeit besteht ja darin, dass der Gott, mit dem Jesus sich verbunden wusste wie ein Sohn mit seinem Vater, dass dieser Gott der Gott der Juden ist und die Bibel der Juden auch die Bibel Jesu war. An keiner Stelle hat Jesus gesagt: Die Bibel der Juden ist veraltet, \u00fcberholt, f\u00fcr meine Gefolgsleute, f\u00fcr Christen, nicht mehr g\u00fcltig.<\/p>\n<p>Gewiss, Jesus hat bei der Einsetzung des Abendmahls vom neuen Bund gesprochen. Denn im Kreise der J\u00fcnger, die alle an ihm schuldig wurden, war ihm wichtig festzuhalten: Der Zugang zu Gott ist und bleibt offen f\u00fcr euch, Gottes Bund mit euch wird neu. Daf\u00fcr stehe ich ein bis aufs Blut mit Leib und Leben. Aber das geh\u00f6rt zu Gottes Bund mit Israel dazu, dass er S\u00fcnden vergibt und Neuanf\u00e4nge macht mit seinem Volk. Das durchzieht sein ganzes Bundesverhalten von Anfang an. Sein Bund kann gar nicht veralten, weil Gottes Treue nachhaltiger ist als der Ungehorsam seines Volkes. Seine Vergebung der S\u00fcnden setzt seinen Bund immer von neuem in Kraft. Und der Tod Jesu, sein Kreuz, ist das Siegel darauf. Das Siegel darauf, dass Gottes Bund mit seinem Volk und denen, die dank Jesus mit dazu geh\u00f6ren, ungek\u00fcndigt ist, weil durch Vergebung erneuert.<\/p>\n<p>Und doch l\u00e4sst Gott seinen Bund vom Propheten Jeremia in Frage stellen, weil dieser Bund einen elementaren Mangel aufweist. Wie gesagt: Der Mangel besteht nicht darin, dass zu wenig von Gottes Liebe zu erkennen ist. Ach was, der Bund Gottes mit Israel ist von Anfang an in r\u00fchrender Liebe begr\u00fcndet, und so ist im sogenannten Alten Testament hier bei Jeremia auch von ihm die Rede, wenn es hei\u00dft: &#8222;Der Bund, den ich mit euren V\u00e4tern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus \u00c4gyptenland zu f\u00fchren&#8220;. An g\u00f6ttlicher Liebe kein Mangel. Aber das Volk, das Gott an die Hand genommen hat und an die Hand nimmt, dieses Volk geht immer von neuem auf Abstand zu ihm und h\u00e4lt sich nicht an seinen Willen.<\/p>\n<p>Und dieser Wille Gottes &#8211; das ist der Grundton aller Gebote und Gesetze &#8211; weist die Menschen auf den, dem sie ihr Leben und die Welt im Ganzen zu verdanken haben, wie auf ihre Mitmenschen und besonders auf jene, die auf Hilfe, auf Entgegenkommen und Nachgehen angewiesen sind. Deshalb ist der Wille Gottes unbequem und oft auch nur schwer oder gar nicht mit dem Eigenwillen der Menschen in Einklang zu bringen. Da erscheinen Lehrer und Prediger des Willens Gottes dann schnell als rigoristische Spielverderber und man h\u00f6rt lieber auf diejenigen, die uns einen Gott verk\u00fcnden, der sich gro\u00dfherzig mit unseren Lebensgesetzen und unserem Eigenwillen arrangiert. Das mag auch alles sehr spirituell und fromm klingen &#8211; f\u00fcr den Gott Israels und den Vater Jesu Christi aber ist das unertr\u00e4glicher G\u00f6tzendienst. Diesen Mangel, dass sich die Menschen seinem Willen entziehen &#8211; mag er noch so viele liebevolle Neuanf\u00e4nge mit ihnen machen &#8211; diesen Mangel will er damit beheben, dass er ihnen seinen Willen direkt ins Herz schreibt und sie sich ganz von selbst danach richten.<\/p>\n<p>Zu diesem bundes- bzw. gottesgerechten Umbau des Menschen ist es bisher nicht gekommen &#8211; im Judentum nicht und auch nicht im Christentum. Nach wie vor sind wir darauf angewiesen, von anderen zu lernen, was Gott von uns will. Nach wie vor ben\u00f6tigen wir Kenner der Gebote Gottes und der Gebote Jesu, die uns davor bewahren, uns Gott nach unseren eigenen Bildern zu formen. Das ist gerade in unserer Zeit mit ihrem Hang zu Individualismus und einer alles nivellierenden Toleranz ja sehr popul\u00e4r, es mit dem Motto des alten Fritz zu halten: Jeder soll nach seiner eigenen Fasson selig werden. Nein, wir wollen keinem reinreden und niemanden bevormunden. Aber wir m\u00fcssen dabeibleiben: Der Gott der Juden und der Christen ist keiner, der sich mit allem und jedem abfindet. Sein Wille steht quer zu dem, was die Menschen im Blut haben. Er bindet sie an den unbequemen N\u00e4chsten und l\u00e4sst nicht zu, dass wir bei ihm am N\u00e4chsten vorbei religi\u00f6s zur Ruhe und zur Erbauung kommen. Wir m\u00fcssen dabeibleiben, dass der Gott der Juden und der Vater Jesu Christi bei den Opfern zu finden ist, bei den Verlierern und Versagern, bei denen, die keiner haben will und die in ihrem Jammer jede Andacht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und wenn ich sage: Wir m\u00fcssen dabeibleiben, meine ich zun\u00e4chst die daf\u00fcr Beauftragten und Freigestellten, also Pastorinnen und Pastoren. Aber sind \u00fcberhaupt nicht gefeit davor, uns um des lieben Friedens willen mit den Gegebenheiten dieser Welt und unserer Umgebung zu arrangieren. Deshalb sind wir st\u00e4ndig darauf angewiesen, von Gemeindegliedern kritisch gemessen zu werden an dem, was man vom Willen Gottes wissen kann.<\/p>\n<p>Noch warten wir auf den Neuen Bund, in dem die Menschen von Natur aus, von ihrem Herzen her im Einklang leben mit dem Willen Gottes. Noch warten wir auf die Zeit in der Kirchen und Pastoren\u00a0 \u00fcberfl\u00fcssig werden, weil die Menschheit zum eintr\u00e4chtigen Volk Gottes geworden ist. Der Anfang aber ist bereits gemacht, weil einer schon da war, der genauso gelebt hat &#8211; in v\u00f6lliger \u00dcbereinstimmung mit dem Willen Gottes. In ihm, in Jesus Christus ist der wirklich neue Bund zum Vorschein gekommen. Und wir bitten um den Geist, der unser Herz, solange er es nicht von Grund auf wandelt, ansprechbar macht daf\u00fcr und die Lust daran weckt, es Gott recht zu machen. Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jeremia 31,31-34 | verfasst von Rudolf\u00a0Rengstorf | Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schlie\u00dfen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren V\u00e4tern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2761,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,1,2,157,114,377,376,349,109,200],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2760","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jeremia","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-exaudi","category-kapitel-31-chapter-31","category-kasus","category-predigten","category-rudolf-rengstorf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2760"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2762,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions\/2762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2760"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2760"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2760"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2760"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}