{"id":2768,"date":"2020-05-20T09:12:17","date_gmt":"2020-05-20T07:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2768"},"modified":"2020-05-20T09:12:17","modified_gmt":"2020-05-20T07:12:17","slug":"youll-never-walk-alone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/youll-never-walk-alone\/","title":{"rendered":"You&#8217;ll Never Walk Alone"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Jeremia 31, 31-34 | verfasst von Eberhard Busch |<\/h3>\n<p>Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund machen; nicht, wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren V\u00e4tern machte, da ich sie bei der Hand nahm, dass ich sie aus \u00c4gypten f\u00fchrte, welchen Bund sie nicht gehalten haben, und ich sie zwingen musste, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Haus Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein. Und wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: \u201eErkenne den HERRn&#8220;, sondern sie werden mich alle kennen, beide, klein und gro\u00df, spricht der HERR. Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer S\u00fcnde nimmermehr gedenken.<\/p>\n<p>Das haben wir wohl gleich beim Verlesen dieses Textes vom Propheten Jeremia gemerkt: Darin wird ein Begriff betont, der uns aus anderen Zusammenh\u00e4ngen gel\u00e4ufig ist: der Begriff \u201eBund\u201c. Bei einer Hochzeit etwa wird zwischen zwei Partnern der Ehebund befestigt. Man nennt Deutschland auch die Bundesrepublik und die Tabelle der Fussballvereine Bundesliga. Die Schweizer Autos tragen am Nummernschild die Buchstaben CH, das hei\u00dft: Confoederatio Helvetica, auf deutsch: Schweizer Bund, und am Nationalfeiertag singt man von der \u201eEidgenossen Bruderbund&#8220;. Es gibt einen deutschen und einen Schweizer Gewerkschafts-Bund. Und wie hei\u00dft die Organisation f\u00fcr nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz? Sogar mit vier gro\u00dfen Buchstaben: BUND usw. Der Begriff bezeichnet einen Zusammenschluss von Menschengruppen unter einem Merkmal, das sie miteinander verbindet.<\/p>\n<p>In unserer Bibel wird auch betont von einem Bund geredet. Es geht hier um einen Bund h\u00f6chst besonderer Art, um die Verbindung des ewigen Gottes mit uns vielseitig bedrohten Lebewesen. Mit &#8222;Vater Abraham\u201c (wie Paulus ihn nennt) hat Gott vor Urzeiten einen \u201eewigen Bund\u201c geschlossen (Gen. 17,7), einen Beistandspakt sondergleichen Von da an geht es los. Ist es ein ewiger Bund, so hat er jederzeit eine weit ge\u00f6ffnete T\u00fcr. Paulus hat davon geredet und schrieb: \u201eIst Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott?&#8220; (R\u00f6m 3,29), und so ist er auch der Christen Gott. Wiederum: Ist es ein ewiger Bund, so wird in alle Zukunft kein anderer sein als der,\u00a0 zu dem Menschen von Ost und West, von Nord und S\u00fcd herbeikommen und \u201emit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch sitzen\u201c, wie Johannes Calvin, der Genfer Reformator, bemerkt hat.<\/p>\n<p>Allerdings redet nun der Prophet Jeremia von einem \u201e<em>neuen<\/em> Bund\u201c. Ja, hat jetzt dieser ewige Bund aufgeh\u00f6rt, ewig zu sein? Hat Gott davon Abstand genommen, seinem Volk treu zu sein? Und inwiefern ist dieser neue Bund neu? Hat er etwa den einen durch einen anderen Bund ersetzt? Ich denke, wir haben das so zu verstehen: Gott schlie\u00dft <em>keinen anderen<\/em>Bund mit seinem Volk, aber er schlie\u00dft ihn je nach dem <em>anders<\/em>. Ja, es gab noch eine ehemalige Zuwendung Gottes zu seinen Gesch\u00f6pfen. Jedoch lief sie ins Leere. Gott liebte seine Menschen, aber sie liebten alles andere mehr als ihn und sein Wort und sein Gebot. Gott redete mit ihnen, aber sie kuschelten lieber mit ihren selbstgemachten Phantasien und gaben <em>ihm<\/em> keine Antwort oder eine verkehrte. Gott kann zu derart treulosen Gestalten nur Nein sagen. Doch gibt Gott gibt nicht auf. Er bricht deshalb nicht ab, sie zu lieben. Er handelt nach dem denkw\u00fcrdigen Merkspruch: \u201eTreusein zeigt sich, wenn alles schief l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>Es ist doch geradewegs phantastisch, <em>wie<\/em> Gott dabei vorgeht. Eben wendet er sich noch ab von seinem Volk, weil bei ihm &#8222;alles schief l\u00e4uft&#8220;, weil es nicht sein Partner sein kann, so wie es sich benimmt. Und <em>noch<\/em> haben wir zu seufzen, mit den Worten von Gottfried Arnold: \u201eHerr, zermalme, brich, vernichte \/ alle Macht der Finsternis, \/ Lass uns wahre Freiheit finden.\u201c Und <em>schon<\/em> <em>jetzt<\/em> wendet Gott sich genau diesem Volk zu und behandelt es als seinen Partner. Er macht mit solchen gemeinsame Sache, zu denen er zu Recht Nein sagen muss. Er verb\u00fcndet sich sogar mit den traurigsten Gesellen und macht sie zu seinen Gef\u00e4hrten. Und sagt: \u201eIch will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer S\u00fcnde nimmermehr gedenken&#8220; (V34). Gott sei Dank! Er beseitigt nicht seine Treue zu seinem Bund, sondern die St\u00f6rung des Bundes durch unsre Untreue.<\/p>\n<p>Calvin schreibt dazu: \u201eWir sehen doch die Gl\u00e4ubigen h\u00e4ufig fallen, und nicht nur zehnmal im Leben, sondern alle Tage.\u201c Dennoch, \u201eGott wird niemals von ihnen weichen.\u201c \u201eSo oft uns in der Heiligen Schrift das Wort Bund begegnet, m\u00fcssen wir zugleich an das Wort Gnade denken.\u201c Jawohl, das ist der neue Bund: Ein <em>Gnaden<\/em>bund. Von Gott <em>allein<\/em> in die Wege geleitet, ohne Mitwirkung von uns. Sola gratia!, das hei\u00dft: aus Gnade allein. Auch wenn <em>wir<\/em> nicht zuverl\u00e4ssig sind, sind wir von ihm nicht verlassen. Das ist ewigg\u00fcltig: <em>Er<\/em> ist mit uns und bei uns und um uns. Das verspricht er uns, und von diesem Versprechen r\u00fcckt er nicht ab. Er h\u00e4lt Wort. Darum gilt das, was in einem alten und heute aufs neue aktuellen Musical gesungen wird: \u201eYou&#8217;ll Never Walk Alone\u201c &#8211; \u201eDu wirst nie allein unterwegs sein.&#8220;<\/p>\n<p>Gott liegt allerdings daran, dass seine Menschen, dass <em>wir<\/em> das begreifen, dass uns das ins Herz geschrieben ist. An seine Zusage d\u00fcrfen <em>wir<\/em> uns nun halten. Wie es Martin Luther so gut in einem seiner Lieder sagt: \u201eEr sprach zu mir: Halt dich an mich!\u201c So geschieht das, was er uns sagt: \u201eIch will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben. Und so sollen sie mein Volk sein.\u201c (V33) Gott verspricht das, weil zu einem richtigen Bund halt doch zwei geh\u00f6ren, und seien wir noch so verschieden von ihm. Seine Gnade ist kein Verh\u00e4ngnis. Er will freie Menschen haben, Menschen, die von sich aus ihm Antwort geben, Menschen, die gern singen: &#8222;Die Gedanken sind frei.&#8220; Diese Freiheit ist das Neue in dem neuen Bund.<\/p>\n<p>Aber was soll dann die Rede von einem Gesetz? Nun, Freiheit ist nicht Gesetzlosigkeit. Freiheit ist nicht r\u00fccksichtloser Egoismus, wie so manche heute meinen. Nein, rechte Freiheit lebt allein in einer klaren Verbindung, so sicher die nur klar ist, wenn wir in ihr frei atmen k\u00f6nnen. Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinen Aufzeichnungen: \u201e<em>Freiwillige<\/em><em>Abh\u00e4ngigkeit<\/em> ist der sch\u00f6nste Zustand \u2013 und wie w\u00e4re der m\u00f6glich ohne Liebe.\u201c Ja, die Liebe selbst ist \u201efreiwillige Abh\u00e4ngigkeit\u201c. Gibt uns Gott sein Gesetz, dann sind wir frei \u2013 frei in <em>Gemeinschaft,<\/em> mit ihm und in Gemeinschaft mit unseren Nachbarn, in R\u00fccksichtnahme auf unsere Mitmenschen, im Wissen, dass auch sie ihm geh\u00f6ren und dass wir darum mit ihnen zuammengeh\u00f6ren als seine Gesch\u00f6pfe, als seine Kinder, als sein Volk.<\/p>\n<p>Falsche Freiheit, in der wir gegeneinander boxen! Rechte Freiheit, in der wir miteinander auskommen! Derselbe, der uns sagt: Halt dich an mich, der spricht auch so, wie ein Schwabe bei seinem hohen Geburtstag seinen Dorfbewohnern den einen Satz zurief: \u201eHaltet au z&#8217;samme!\u201c Gott will sein Gesetz in unser Herz schreiben, damit wir begreifen: Er, der uns mit seiner starken Hand h\u00e4lt, Er h\u00e4lt uns damit die Andern nicht vom Hals, er legt sie uns nahe. So nahe, bis wir zusammen halten!<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen dann alle zu Wort kommen. Und daf\u00fcr tragen alle Verantwortung. Und wer zum Volk Gottes geh\u00f6rt, d\u00fcrfte seinen N\u00e4chsten behilflich sein, &#8211; damit es endlich dazu kommt, wie es der Prophet sagt: \u201eSie sollen mich <em>alle<\/em>kennen, beide, klein und gro\u00df.\u201c Alle! Eine jede und ein jeder. Weder sind die Alten altes Eisen, noch sind die Jungen unreifes Gem\u00fcse. Wie oft haben gerade <em>die<\/em> etwas zu sagen, die man im allgemeinen Gerede \u00fcbergangen hat, denen man das Wort abgeschnitten hat! Und dabei d\u00fcrfen wir uns selbstverst\u00e4ndlich einsetzen f\u00fcr ein Mitspracherecht auch in all jenen anderen B\u00fcnden, die am Anfang der Predigt genannt wurden. Einsatz f\u00fcr eine Demokratie in radikalster Bedeutung!<\/p>\n<p>Blicken wir jetzt nicht zum Fenster hinaus, blicken wir auf unsere Christengemeinden! Wird es auch nur in ihnen gelebt: &#8222;sie sollen mich alle erkennen\u201c? Lebt in ihnen etwa noch die alte Unterscheidung weiter zwischen Amtstr\u00e4gern und Laien, zwischen den Experten und denen, die den Mund halten sollen? Diese Unterscheidung ist nicht gerade biblisch. Es ist in Gottes Namen Zeit, dass hier so viele Laien, mit dem Philosophen Immanuel Kant zu reden: aus ihrer \u201eselbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u201c herauskommen. \u201eSelbstverschuldet\u201c, weil ihnen unser Gott doch ein Mundwerk verliehen hat und nicht den Mund verboten hat. Wobei es ja gewiss nicht verboten ist, aufeinander zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>In der Reformation redete man vom \u201eallgemeinen Priestertum der Gl\u00e4ubigen\u201c. Der Ausdruck besagt eben: In der Gemeinde unseres Gottes sind alle Mitglieder <em>m\u00fcndig<\/em>. Sind denn nicht <em>alle<\/em> f\u00e4hig und sind nicht <em>alle<\/em> aufgerufen, Rede und Antwort zu stehen? ein jeder und eine jede je mit ihren Gaben. Und \u201eauch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein\u201c (Jochen Klepper). Sei es denn so, wie es neulich zu sehen war, dass Menschen von Fenster zu Fenster, von Balkon zu Balkon einander mit einem Gesang gr\u00fc\u00dfen, der Quarant\u00e4ne zum Trotz, den Todkranken zum Trost!<\/p>\n<p>Der Basler Theologe Karl Barth schrieb am Abend seines Lebens: \u201eMich interessiert der Gott und der Welt gegen\u00fcber m\u00fcndig werden sollende Mensch: der m\u00fcndige Christ und die m\u00fcndige Christenheit, ihr Denken, Reden und Handeln in der Verantwortung vor Gott, in ihrer lebendigen Hoffnung auf ihn, in ihrem Dienst in der Welt, in ihrem freien Bekenntnis, in ihrem Beten ohne Unterlass\u201c. Wie sagt doch Jeremia? \u201eUnd es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern, noch eine Schwester die andre lehren und sagen: \u201aErkenne den HERRn\u2019, sondern sie werden mich <em>alle<\/em> kennen, beide, klein und gro\u00df, spricht der HERR.\u201c<\/p>\n<p>Eberhard Busch, Friedland<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jeremia 31, 31-34 | verfasst von Eberhard Busch | Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund machen; nicht, wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren V\u00e4tern machte, da ich sie bei der Hand nahm, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2761,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,1,2,157,114,322,377,376,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2768","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jeremia","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-eberhard-busch","category-exaudi","category-kapitel-31-chapter-31","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2768"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2769,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2768\/revisions\/2769"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2768"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2768"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2768"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2768"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}