{"id":2833,"date":"2020-06-02T21:56:05","date_gmt":"2020-06-02T19:56:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2833"},"modified":"2020-06-02T21:56:05","modified_gmt":"2020-06-02T19:56:05","slug":"von-gott-beruehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/von-gott-beruehrt\/","title":{"rendered":"Von Gott ber\u00fchrt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt zu 4. Mose 6, 22-27 | verfasst von Pastorin Susanna Kschamer |<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>was darf in einem Gottesdienst auf gar keinen Fall fehlen? Was ist so wichtig, dass ein Gottesdienst keiner mehr ist, wenn es fehlt? Der Bezug auf die Bibel als Wort Gottes? Ein Gebet oder zumindest das Vaterunser? F\u00fcr mich geh\u00f6rt in jedem Fall der Segen dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch was ist Segen eigentlich? Das Gleiche wie Gl\u00fcck? In einem weit verbreiteten Geburtstagslied wird beides ja in einem Atemzug gesungen: \u201eViel Gl\u00fcck und viel Segen auf all deinen Wegen &#8230;\u201c Unter Gl\u00fcck versteht man ein Zusammentreffen g\u00fcnstiger Zuf\u00e4lle, egal, ob der Mensch das im Moment besonders n\u00f6tig braucht oder nicht. Egal auch, ob er es verdient hat. Eine junge Frau reagierte deswegen regelrecht beleidigt, als ihr jemand Gl\u00fcck f\u00fcr ein wichtiges Gespr\u00e4ch w\u00fcnschte. In ihren Ohren klang es so, als hielte man sie f\u00fcr inkompetent. Und die r\u00f6mische Gl\u00fccksg\u00f6ttin Fortuna gilt als launisch. Sollte man Segen da nicht besser vom profanen Gl\u00fcck unterscheiden? In frommen Kreisen war und ist diese Einstellung weit verbreitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schaut man in die Bibel, ist die Antwort gar nicht so einfach. Der Erzvater Jakob z.B. erf\u00e4hrt Segen in Form von vielen Ziegen. Mehrere Male werden von den Ziegen mit der Fellfarbe, die ihm geh\u00f6ren sollten, besonders viele geboren. Materialistischer ging es damals nicht. Segen passt hier gut damit zusammen, sich \u00fcber Gl\u00fcck und Erfolg zu freuen. Gl\u00fcck und Segen sollte man nicht gegeneinander ausspielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gl\u00fcck gilt im westlichen Kulturkreis als hoher, vielleicht sogar als der h\u00f6chste Wert. In den USA hat das Gl\u00fcck es sogar in die Verfassung geschafft. In den letzten Jahren ist viel \u00fcber das Gl\u00fcck geforscht worden. Unz\u00e4hlige Ratgeber sind zu diesem Thema erschienen und geben Tipps, was man daf\u00fcr tun kann, um gl\u00fccklich zu sein, wie man sich und sein Leben optimieren kann. Da ist mancher n\u00fctzliche Hinweis dabei. Vieles folgt aber auch der einfachen Formel \u201eJeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied.\u201c Und f\u00fchrt dann auch schnell zur Akzeptanz eines anderen Spruches: \u201eJeder ist sich selbst der N\u00e4chste\u201c. So schl\u00e4gt das Streben nach einem guten Leben dann zuweilen in ein \u201eGl\u00fccksdiktat\u201c um, es wird zum Zwang gl\u00fccklich sein zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Menschen, die das nicht k\u00f6nnen, werden so noch mehr belastet. Sie geraten aus dem Blick, das Leiden, das auch zu unserem menschlichen Leben geh\u00f6rt, verliert seine W\u00fcrde. Zu unserer Wirtschaftsordnung, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, passt diese Einstellung allerdings fantastisch. Aber ist das Segen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht hilft uns ein Blick in den Predigttext f\u00fcr das Trinitatisfest weiter:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Und der HERR redete mit Mose und sprach:<\/em><strong> 23 <\/strong><em>Sage Aaron und seinen S\u00f6hnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:<\/em><strong> 24 <\/strong><em>Der HERR segne dich und beh\u00fcte dich;<\/em><strong> 25 <\/strong><em>der HERR lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig;<\/em><strong> 26 <\/strong><em>der HERR hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden.<\/em><strong> 27 <\/strong><em>Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. <\/em><\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Mose 6, 22-27<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Seit Martin Luther ihn 1525 einf\u00fchrte, wird dieser Segen in der Evangelischen Kirche \u2013 wenn auch zuweilen in sprachlich leicht abgewandelter Form \u2013 am Ende des Gottesdienstes gesprochen. Hier begegnet er uns in seinem biblischen Zusammenhang. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Den einleitenden Worten des Predigtabschnittes k\u00f6nnen wir entnehmen, dass dies urspr\u00fcnglich gar kein christlicher Text ist. Er gilt zun\u00e4chst einmal den Israeliten. \u201eSo sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet.\u201c Auch heutzutage hat er in der j\u00fcdischen Fr\u00f6mmigkeit einen wichtigen Platz: So ist er Bestandteil des Hauptgebetes in j\u00fcdischen Gottesdiensten, des sogenannten 18 Bitten \u2013 Gebetes. Und bei der h\u00e4uslichen Sabbatfeier wird er vom Vater \u00fcber jedes Kind gesprochen.<\/em><\/p>\n<p><em>Vermittelt durch Jesus Christus, der ja Jude war, haben auch wir Menschen aus anderen V\u00f6lkern Zugang zu diesem Segen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Worte nach dem eigentlichen Segenstext weisen darauf hin, was Segen eigentlich ist: \u201eIhr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen\u201c. Der Segen bringt uns mit Gott in Ber\u00fchrung. Hier geschieht mehr als das H\u00f6ren von Worten. Deswegen ist das Segnen immer auch mit Gesten verbunden, die man sehen kann \u2013 das Erheben der H\u00e4nde geh\u00f6rt dazu. Und er ist oft auch mit dem Auflegen der H\u00e4nde verbunden. Wie wichtig Ber\u00fchrung ist, merken wir ja gerade in diesen Zeiten, in denen wir wegen der Coronapandemie weitgehend darauf verzichten m\u00fcssen. Was im Segen geschieht, geht \u00fcber H\u00f6ren, Sehen und F\u00fchlen hinaus. In seinem Namen ist Gott selbst gegenw\u00e4rtig und das auf eine vielf\u00e4ltige Weise. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nun versuche ich mich dem eigentlichen Segenstext zu n\u00e4hern. Ich bin da etwas scheu, weil im Segen soviel mehr geschieht, als in Worte zu fassen ist. Und ich versuche es trotzdem in der Hoffnung, durch das Nachdenken mehr davon wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Die Segensworte bestehen aus drei S\u00e4tzen. Dabei steigert sich die N\u00e4he von Vers zu Vers. Jeder dieser S\u00e4tze hat zwei Teile. Der erste spricht vom Handeln Gottes und der zweite von der Wirkung bei der oder dem Gesegneten: <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eDer HERR segne dich und beh\u00fcte dich\u201c: Aus dem Segen entsteht Schutz \u2013 vor dem, was uns bedroht und f\u00fcr das, was wir zum Leben brauchen. Dazu k\u00f6nnen dann auch Ziegen geh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p><em>Der HERR lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig: Gott nimmt uns wahr. Wenn wir haben, was wir zum nackten physischen \u00dcberleben brauchen, ist das Wahrgenommenwerden das gr\u00f6\u00dfte menschliche Bed\u00fcrfnis. In Gottes Licht und unter seiner Aufmerksamkeit d\u00fcrfen wir leben. Und wir d\u00fcrfen es so, wie wir sind, ohne dass wir etwas daf\u00fcr leisten m\u00fcssen, einfach aus Gnade. Wir m\u00fcssen auch nicht dankbar oder gl\u00fccklich sein. So kommt Gott uns noch einen Schritt n\u00e4her.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDer HERR hebe sein Angesicht \u00fcber dich und gebe dir Frieden\u201c: Schlie\u00dflich werden wir von Gott eingeh\u00fcllt \u2013 und kommen so in seinen Schalom, geh\u00f6ren zu seinem Frieden. Wir werden Bestandteil von seinem Reich, das zugleich nahe ist und noch aussteht. Wir kennen dieses Reich aus den Worten Jesu. <\/em><\/p>\n<p><em>Das gilt alles gilt unter guten und gl\u00fccklichen Lebensbedingungen, aber auch in schwierigen Zeiten, in denen das Gl\u00fcck, das wir uns w\u00fcnschen, unerreichbar zu sein scheint: \u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen\u201c dichtete Dietrich Bonhoeffer im Gef\u00e4ngnis. Segen geschieht, wo Gott uns ber\u00fchrt. <\/em><\/p>\n<p><em>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist, als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Diese Predigt wurde verfasst von Susanna Kschamer (Jahrgang 1964), seit 2013 Pastorin in der Kirchengemeinde Kosel. Die Kirchengemeinde liegt zwischen Eckernf\u00f6rde und Schleswig am Ostseefjord Schlei. Vorher war ich Pastorin in Kaltenkirchen und in Eutin und Vikarin in B\u00fcdelsdorf. Ich habe Theologie in G\u00f6ttingen und Medizin in G\u00f6ttingen und Kiel studiert. Ich habe f\u00fcnf erwachsene Kinder und vier Enkelkinder. Meine E-Mail \u2013 Adresse ist s.kschamer@kirche-kosel.de<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu 4. Mose 6, 22-27 | verfasst von Pastorin Susanna Kschamer | &nbsp; Die Gnade unseres Herren Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. &nbsp; Liebe Gemeinde, &nbsp; was darf in einem Gottesdienst auf gar keinen Fall fehlen? Was ist so wichtig, dass ein Gottesdienst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2834,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1,2,157,114,394,349,109,280,395],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2833","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-numeri","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-6-chapter-6","category-kasus","category-predigten","category-susanna-kschamer","category-trinitatis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2833","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2833"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2836,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2833\/revisions\/2836"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2833"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2833"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2833"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2833"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}