{"id":2850,"date":"2020-03-12T10:51:58","date_gmt":"2020-03-12T09:51:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2850"},"modified":"2023-03-15T13:29:52","modified_gmt":"2023-03-15T12:29:52","slug":"matthaeus-1-124","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1-124\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 1-1:24"},"content":{"rendered":"<h3>2. Advent, 04.12.2016<\/h3>\n<h3>Predigt zu Matth\u00e4us 1-1:24, verfasst von Suse Guenther<\/h3>\n<hr \/>\n<p>Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p><em>Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine J\u00fcnger traten zu ihm und zeigten ihm die Geb\u00e4ude des Tempels. Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.<\/em><\/p>\n<p><em>Und als er auf dem \u00d6lberg sa\u00df, traten seine J\u00fcnger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein f\u00fcr dein Kommen und f\u00fcr das Ende der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verf\u00fchre. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus. Und sie werden viele verf\u00fchren. Ihr werdet h\u00f6ren von Kriegen und Kriegsgeschrei, seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen, aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein K\u00f6nigreich gegen das andere. Und es werden Hungersn\u00f6te sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann werden sie euch der Bedr\u00e4ngnis preisgeben und euch t\u00f6ten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen V\u00f6lkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verf\u00fchren. Und weil die Ungerechtigkeit \u00fcberhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis f\u00fcr alle V\u00f6lker, und dann wird das Ende kommen.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Am vergangenen Sonntag, dem ersten Advent, habe ich mit dem Hintergedanken einen besinnlichen Abend zu erleben, ein Adventskonzert angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Besinnlich war dann nicht das Konzert als solches, das habe ich, zum ersten Mal in meinem Leben, mittendrin wieder verlassen. Zur Besinnung hat es mich trotzdem gebracht.<\/p>\n<p>Es machte mich nachdenklich, dass Dirigent und Veranstalter mit vollem Orchester keine Bem\u00fchung gescheut haben, nur ja jede Einkehr zu verhindern. Mit aller Kraft die Besinnlichkeit verscheuchen, das h\u00e4tte ich mir am Sylvestertag gefallen lassen, erschien mir aber am ersten Advent merkw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Als ich dann allerdings den heutigen Predigttext gelesen habe, in dem Matth\u00e4us Jesus \u00a0das Weltende mit gewaltigen Worten beschreiben l\u00e4sst, Krieg und Kriegsgeschrei ank\u00fcndigen l\u00e4sst, dann erschien mir die geh\u00f6rte Musik angemessen. Es ist wohl doch so, dass wir Menschen den Advent unserer jeweiligen Zeit und Stimmung anpassen.<\/p>\n<p>Wer, wie die ersten Christen, in der unmittelbaren Erwartung der Wiederkunft Christi lebt, der rechnet jeden Tag damit, dass alles zu Ende sein kann.<\/p>\n<p>Wer, wie die Menschen unserer Gegenwart, von allzu tr\u00fcben Gedanken ablenken will, dem wird eine l\u00e4rmend \u2013 fr\u00f6hliche Adventsmusik entgegenkommen.<\/p>\n<p>Auch in unsren Tagen gibt es wieder viele, die angesichts der weltweiten Schrecken das Weltende unmittelbar bevorstehen sehen. Und tats\u00e4chlich haben Menschen ja l\u00e4ngst Waffen erfunden, mit denen sie die Welt auf einen Schlag vernichten k\u00f6nnten. Seit \u00fcber einem Jahr sehen wir die entsetzlichen Bilder aus Syrien und verstehen nicht, warum weltweite Politik dem keinen Einhalt gebieten kann.<\/p>\n<p>Dies allerdings haben Menschen zu allen Zeiten erlebt. Und sicher auch immer wieder auf ein Weltende hingedeutet. Ob in den Pestepidemien des Mittelalters, in den Schrecken des 3o j\u00e4hrigen Krieges, der ganz Europa dem Erdboden gleich machte, ob in den Vertreibungen, die durch den zweiten Weltkrieg ausgel\u00f6st wurden: Wie sollte man da noch Hoffnung haben, dass es irgendwie weitergehen w\u00fcrde. Im Gegenteil: Die Hoffnung mag gerade darin bestanden haben, dass alles m\u00f6glichst schnell zu Ende sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nun ist aber unser heutiger Predigttext, der auf den ersten Blick wie eine Prophetie f\u00fcr die unmittelbare Zukunft wirkt, in Wirklichkeit ein R\u00fcckblick. Das Matth\u00e4usevangelium ist etwa 80 nach Christus aufgeschrieben. Matth\u00e4us bezieht sich, wenn er Jesus von den Schrecken des Krieges berichten l\u00e4sst, auf den j\u00fcdischen Krieg, der bereits 10 Jahre vorher stattgefunden hat und f\u00fcr die Christen absolut traumatisch gewesen ist. Denn im j\u00fcdischen Krieg, in dem auch Jerusalem und der Tempel v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurden, gerieten die Christen zwischen die Fronten: Es k\u00e4mpften R\u00f6mer gegen Juden. Und beiden Gruppierungen waren die Christen ein Dorn im Auge.<\/p>\n<p>Wenn sich die beiden Kriegsparteien in irgendetwas einig waren, dann darin, dass die Christen der erkl\u00e4rte gemeinsame Feind waren.<\/p>\n<p>All das, was Matth\u00e4us im Predigttext beschreibt, ist bereits geschehen. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben, ein Volk hat sich gegen das andere erhoben, die Christen sind get\u00f6tet worden, sie sind gehasst worden um\u00a0 ihres Bekenntnisses f\u00fcr Jesus Christi willen, es hat Hungersn\u00f6te und Erdbeben gegeben. Matth\u00e4us kann so eindringlich beschreiben, weil er es erlebt hat. Er ist Zeitzeuge. Er findet Trost darin f\u00fcr sich und seine Zeitgenossen, das er sich daran erinnert: Jesus wird wiederkommen. Wenn alle all das Schreckliche, das um uns herum passiert, uns alle ausl\u00f6scht, dann bedeutet das zugleich auch, dass wir wieder mit Jesus zusammen sein werden. Ja, alle die, die \u00a0grausam get\u00f6tet wurden, sind bereits mit Jesus zusammen.\u201c Darum haltet durch und lasst Euch nicht von falschen Propheten verf\u00fchren. Denn wer durchh\u00e4lt bis ans Ende, der wird selig werden.\u201c<\/p>\n<p>Es ist viel Zeit vergangen, seit Matth\u00e4us sein Evangelium aufgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Menschen haben gewartet. Haben Schreckliches ausgehalten. Sind get\u00f6tet worden. Als Paul Gerhardt die Worte geschrieben hat, die wir eben gesungen haben, dann wei\u00df er, wovon die Rede ist. ER hat es erlebt:<\/p>\n<p>\u201eDas schreib dir in dein Herze, du hoch betr\u00fcbtes Heer,<\/p>\n<p>bei denen Gram und Schmerze, sich h\u00e4uft je mehr und mehr.<\/p>\n<p>Seid unverzagt, ihr habet, die Hilfe vor der T\u00fcr,<\/p>\n<p>der eure Herzen labet und tr\u00f6stet steht allhier.\u201c<\/p>\n<p>Paul Gerhard hat dieses Lied mit all seinen eindr\u00fccklichen Strophen 1653 geschrieben. Auch dies also ein R\u00fcckblick. Der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg, in dem sich Gram und Schmerz geh\u00e4uft haben und die Menschen zum hochbetr\u00fcbten Heer gemacht wurden, war 1648 beendet. Immer noch lag Europa in Schutt und Asche. Aber die unmittelbaren Kriegshandlungen waren beendet. Das Weltende ist nicht eingetreten. Millionen wurden get\u00f6tet, Paul Gerhardt war nicht dabei, wohl aber seine gesamte Familie. Er kann r\u00fcckblickend schreiben, als Zeitzeuge:<\/p>\n<p>\u201eWas fragt ihr nach dem Schreien, der Feind und ihrer T\u00fcck?<\/p>\n<p>Der Herr wird sie zerstreuen, in einem Augenblick.<\/p>\n<p>Er kommt, er kommt der K\u00f6nig, dem wahrlich alle Feind, auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Menschen haben gewartet. Haben das unmittelbare Weltende erwartet. Viele sind dabei gestorben, dem Herrn entgegengegangen, auf den sie gewartet haben. Andere haben \u00fcberlebt. Haben es weiter mit dem Leben aufgenommen. Aufnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Advent \u00fcben wir uns jedes Jahr aufs Neue symbolisch\u00a0 ins Warten ein. Ins Warten trotz allem.<\/p>\n<p>Und wir \u00fcben uns ins Leben ein. Ins Leben trotz allem.<\/p>\n<p>Das eben w\u00e4re nicht in Jesu Sinn gewesen, dass wir nun mit dem Leben abschlie\u00dfen und uns an den Tisch setzen und warten, bis er uns holt.<\/p>\n<p>Auch hierzu hat Paul Gerhardt in seinem Lied etwas zu sagen:<\/p>\n<p>\u201eDas schreib dir in dein Herze, du hochbetr\u00fcbtes Heer, bei denen Gram und Schmerze, sich h\u00e4uft je mehr und mehr.<\/p>\n<p>Seid unverzagt, ihr habet, die Hilfe vor der T\u00fcr,<\/p>\n<p>der eure Herzen labet und tr\u00f6stet, steht allhier.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahrtausende hinweg haben wir es gelernt, dass das Weltende nicht so unmittelbar eingetreten ist, wie Matth\u00e4us es noch erwartet hat. Aber immer wieder haben Menschen aushalten m\u00fcssen, dass das, was ihr pers\u00f6nliches Leben ausmachte, zu Ende war.<\/p>\n<p>Und haben in diese Situation hinein die Botschaft erhalten: Seid unverzagt, Jesus, der euch helfen und tr\u00f6sten will, steht vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p>Habt keine Angst. Das Leben geht weiter. Hier auf Erden und sp\u00e4ter f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Dazu will Jesus helfen. Er will, dass wir leben. Und dabei k\u00f6nnen wir Menschen uns gegenseitig beistehen. Wir, die wir in H\u00e4usern leben und in Sicherheit, denen, die alles verloren haben und\u00a0 die nirgendwo mehr dazu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Auch wir sind Zeitzeugen. Zeugen f\u00fcr unsere Zeit. Was werden wir r\u00fcckblickend einmal denen sagen k\u00f6nnen, die nach uns kommen?<\/p>\n<p>Wie erlebe ich meine Zeit? Wie lebe ich in meiner Zeit? Wo finde ich in meiner Zeit Hilfe und Trost? Welche Hoffnung habe ich? Wie gebe ich diese Hoffnung weiter?<\/p>\n<p>Mag sein, dass so manchen genau das aufrichtet: Eine l\u00e4rmend-fr\u00f6hliche Adventsmusik.<\/p>\n<p>Mir wird im Warten des Advents und in meinem ganzen Leben\u00a0 eine Botschaft besonders wichtig, das ist die Hoffnung, die ich habe und die ich weitergeben m\u00f6chte: Maranatha: Unser Herr kommt.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<div id=\"fuss\"><strong>Pfarrerin Suse Guenther<\/strong><br \/>\n<strong>Zweibr\u00fccken<\/strong><br \/>\n<strong>E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:s.guenther@evkhzw.de\">s.guenther@evkhzw.de<\/a><\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Advent, 04.12.2016 Predigt zu Matth\u00e4us 1-1:24, verfasst von Suse Guenther Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine J\u00fcnger traten zu ihm und zeigten ihm die Geb\u00e4ude des Tempels. 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