{"id":2863,"date":"2020-06-03T17:30:14","date_gmt":"2020-06-03T15:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2863"},"modified":"2020-06-03T17:30:14","modified_gmt":"2020-06-03T15:30:14","slug":"mir-ist-gegeben-alle-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/mir-ist-gegeben-alle-macht\/","title":{"rendered":"Mir ist gegeben alle Macht"},"content":{"rendered":"<h3>Matth\u00e4us 28,16-20 (d\u00e4nische Perokopenordnung) | verfasst\u00a0von Elof Westergaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p><em>Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden<\/em>, sagt Jesus, und er fordert seine J\u00fcnger auf, in die Welt hinauszugehen, zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und all das weiterzugeben, was er ihnen gesagt hat, als sie zusammen waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie befreiend, dass Jesus sagt: <em>Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden<\/em>. Die Macht geh\u00f6rt weder dir noch mir. Sie geh\u00f6rt dem gekreuzigten und auferstandenen Christus.<\/p>\n<p>Ich kann schon die Erleichterung auf den Schultern sp\u00fcren. Eine Last ist gleichsam von mir genommen. Das erinnert mich an Worte, die Jesus an anderer Stelle sagt, wo er seine Arme und H\u00e4nde ausbreitet und die Einladung ausspricht: <em>Kommt her zu mir alle ihr, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, ich will euch erquicken <\/em>(Matth. 11,28).<\/p>\n<p>Weder du oder ich sollen die Gesellschaft retten und die Kirche, den Himmel oder die Erde tragen.<\/p>\n<p>Die Leute k\u00f6nnen zu mir stehen, wie sie wollen. Ich muss mich nat\u00fcrlich verantworten f\u00fcr meine Arroganz und meine Fehler, aber ich bin nur ein Mensch und kann nicht selbst den Himmel am Leben und die R\u00e4der in Gang halten.<\/p>\n<p>Meine Aufgabe ist vielmehr einfach und klar: Taufe und lehre. Liebe Gott, und liebe deinen N\u00e4chsten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige von uns, die heute das Evangelium h\u00f6ren, werden vielleicht nur angefochten von Jesu Wort, sie denken: Wer ist er, der sich erlaubt zu sagen: Die Macht geh\u00f6rt mir.<\/p>\n<p>Wenn es sich um einen weltlichen Machthaber handeln w\u00fcrde, einen populistischen F\u00fchrer unserer Tage, w\u00e4re guter Grund zur Sorge und zur Mobilisierung aller unserer Kritik. Es ist aber der gekreuzigte und auferstandene Jesus, der sagt: Mir geh\u00f6rt die Macht.<\/p>\n<p>Deshalb besteht kein Grund zur Sorge.<\/p>\n<p>Die Demut ist in diesem Mann so tief verankert. Er scheut sich nicht, sich unter die Kranken und Ausgesto\u00dfenen zu begeben. Er isst gerne mit ihnen, und schlie\u00dflich wird er zusammen mit Verbrechern am Kreuz auf Golgatha hingerichtet. Die Male an Jesu F\u00fc\u00dfen und H\u00e4nden und das Kreuz als Symbol seines Lebens und Wirkens zeugen von einer Macht, die sich nicht aufbl\u00e4st, sondern gekennzeichnet ist durch N\u00e4he im Dunkel und Trost f\u00fcr Verlorene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann mich noch so verloren und isoliert f\u00fchlen in meiner eigenen Kammer, dennoch bin ich in der Macht Jesu und deshalb in meiner Finsternis und meiner Einsamkeit nicht allein. Er, der die Macht hat, war selbst in der Finsternis und allein in der Welt.<\/p>\n<p>Wenn Jesus sagt: <em>Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden<\/em>, bewirkt das deshalb in mir nicht nur Erleichterung, sondern auch Mut, in den Alltag hinauszugehen und der Zukunft entgegenzugehen. Gottes Segen, Barmherzigkeit und Gnade begegnen mir in ihm und \u00f6ffnen alle T\u00fcren.<\/p>\n<p>Welch ein Gl\u00fcck, dass er, der Gnade vor Recht ergehen lie\u00df, alle Macht im Himmel und auf Erden hat.<\/p>\n<p>Als sich das Christentum in der antiken Welt ausbreitete und schlie\u00dflich Reichsreligion wurde, bedeutete dies die Schlie\u00dfung aller Tempel anderer G\u00f6tter. Die griechisch-r\u00f6mischen G\u00f6tter verschwanden, aber die Verbindung zwischen Himmel und Erde, die sie repr\u00e4sentierten, wurde nicht unterbrochen.<a href=\"applewebdata:\/\/42C8006E-0750-4929-A358-26BBA6A46AC7#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der Himmel wurde nicht geschlossen. Im Gegenteil! Die Erde war noch immer offen f\u00fcr das Himmlische, und der Himmel noch immer offen f\u00fcr das Irdische.<\/p>\n<p>Jesus trat nun so eindeutig auf als die Br\u00fccke zwischen dem Paradies und den mehr armen Gegenden der Erde und als Leiter zwischen dem Reich Gottes und der Welt. Aber Jesu Angesicht und Leib, seine Worte, sein Leben und seine Taten, Tod und Auferstehung zeigen die Verbindung auf als etwas, das mehr ist und anders als eine Br\u00fccke und eine Leiter. Es handelt sich um eine Verbindung pers\u00f6nlicher Art.<\/p>\n<p>Die Krippe und der Stall in der Weihnacht, das Kreuz und das leere Grab am Ostermorgen stehen zusammen mit dem Wind und dem Feuer, die Gott zu Pfingsten sandte als Zeichen daf\u00fcr, dass Gott uns Menschen nahe sein will. Sie stehen als Zeichen in der Welt daf\u00fcr, dass gilt, was Jesus in den Abschiedsworten des heutigen Evangeliums sagt: <em>Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Kirche der Freigemeinde in Lemvig, in der ich als Kind getauft wurde, h\u00e4ngt auf der R\u00fcckwand ein Relief, das die letzten Zeiten darstellt, das Lebensdrama, die Wiederkunft Jesu.<\/p>\n<p>Der Menschensohn ist flankiert von einem Mann und einer Frau, Maria und Johannes bzw. Eva und Adam. Eine verzweifelte Schar von Menschen steht unter dem Menschensohn und hebt die H\u00e4nde zu ihm empor, w\u00e4hrend zwei Reihen von verkl\u00e4rten Gestalten an jeder Seite der beiden Hauptfiguren hervortreten.<\/p>\n<p>Unten am Relief standen urspr\u00fcnglich eben diese Worte: \u00a0<em>Mir ist gegeben alle Macht<\/em>. Die Worte sind nun verschwunden. Sie waren nicht eingemei\u00dfelt, sondern mit einem Stift aufgetragen. Sie warteten, wie dies der Bildhauer formulierte, auf die Hand, die sie einmei\u00dfeln sollte. So wie ich ihn verstehe, war dies sein Gedanke: Zwar hatten wir Weihnachten, Ostern und auch Pfingsten, aber die Erde ist noch immer gepr\u00e4gt von Krankheit und Tod, Wut und Hass, Verzweiflung und Trauer. Um so wichtiger ist es, dass wir diese Worte h\u00f6ren und sie auch gerne wieder einpr\u00e4gen in der Welt und in der Zeit, in der wir leben. Dazu helfe uns Gott! Im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bischof Elof Westergaard<\/p>\n<p>DK 6760 Ribe<\/p>\n<p>eve(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/42C8006E-0750-4929-A358-26BBA6A46AC7#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Peter Brown: The Rise of Western Christendom, Oxford 2013.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 28,16-20 (d\u00e4nische Perokopenordnung) | verfasst\u00a0von Elof Westergaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden, sagt Jesus, und er fordert seine J\u00fcnger auf, in die Welt hinauszugehen, zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und all das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2834,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,185,157,114,175,305,349,3,109,395],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-2863","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-deut","category-elof-westergaard","category-kapitel-28-chapter-28","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-trinitatis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2863"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2864,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2863\/revisions\/2864"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2863"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=2863"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=2863"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=2863"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=2863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}