{"id":2885,"date":"2020-06-09T16:21:29","date_gmt":"2020-06-09T14:21:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2885"},"modified":"2020-06-09T16:21:29","modified_gmt":"2020-06-09T14:21:29","slug":"reich-sein-bei-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reich-sein-bei-gott\/","title":{"rendered":"Reich sein bei Gott"},"content":{"rendered":"<h3>Lukas 12,13-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst\u00a0von Rasmus N\u00f8jgaard | \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>Es ist leicht f\u00fcr einen reichen und gl\u00fccklichen Menschen zu sagen, dass das Gl\u00fcck nicht vom Wohlstand abh\u00e4ngt, wenn man doch seinen Wohlstand nicht mit ins Grab nehmen kann und wir alle ja im Grabe gleich arm sind. Es verh\u00e4lt sich wirklich anders bei dem, der tats\u00e4chlich arm und leidend ist und dessen eigentliche Existenz bedroht ist. In Jesu Anweisung f\u00fcr seine J\u00fcnger geht es nicht um eine solche billige Moralisierung \u00fcber das Verderben des Geldes. Es geht auch nicht um eine Banalisierung von Leiden und Verzicht und eine romantische Idyllisierung von Armut. Es geht vielmehr um das Wesen Gottes. Der Bruder und der reiche Bauer sind ein Gegenbild zu der Barmherzigkeit, die Jesus erweist. Die beiden Geschichten sind die zweite Sammlung von Anweisungen Jesu f\u00fcr seine J\u00fcnger, und als Leser und Zuh\u00f6rer in unseren christlichen Gemeinden richten sie sich auch an uns. Halten wir deshalb sogleich fest, dass sich Jesus nicht besonders f\u00fcr Geld interessiert, w\u00e4hrend der Evangelist Lukas mehr als die \u00fcbrigen Evangelisten an diesem Thema interessiert zu sein scheint. \u00a0Ihn l\u00e4sst der Gedanke nicht los, dass es leichter ist f\u00fcr ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr zu kommen, als f\u00fcr einen Reichen, ins Himmelreich zu kommen.<\/p>\n<p>Lukas ist auf Abwegen. Die Erz\u00e4hlungen wollen stets das Verh\u00e4ltnis des Menschen zu Gott beschreiben und von da aus das Verh\u00e4ltnis zum N\u00e4chsten. Wenn Jesus Themen wie \u00d6konomie, Armut und Wohlstand aufgreift, so will er damit das Verh\u00e4ltnis zu Gott zu verdeutlichen. Die arme Witwe gibt alles, was sie hat, und sie gibt es damit ihrem Sch\u00f6pfer zur\u00fcck, w\u00e4hrend der reiche J\u00fcngling von Jesus aufgefordert wird, sein ganzes Verm\u00f6gen den Armen zu geben und damit dem Ruf Gottes zu folgen. Aber das kann er nicht, er will das f\u00fcr sich selbst behalten. Verdammnis und Heil handeln in diesen Geschichten stets davon, dass wir Gott alles schuldig sind und deshalb nie selbst \u00fcber das verf\u00fcgen, was wir haben. Was wir haben, geh\u00f6rt in diesem Sinne Gott, es sind seine Wirkmittel, und wir werden danach beurteilt, wie wir sie verwalten.<\/p>\n<p>So auch in diesen Erz\u00e4hlungen von dem Bruder, der Jesus bittet, das Erbe zischen den Br\u00fcdern zu teilen, und dem reichen Kornbauern, auf den das alte d\u00e4nische Sprichwort zutrifft: Wer f\u00fcr die Nacht aufbewahrt, tut das f\u00fcr die Katz.<\/p>\n<p>In der ersten Erz\u00e4hlung weigert sich Jesus, das Erbe zwischen den Br\u00fcdern zu teilen. Jesus f\u00fcgt hinzu, dass er zwischen ihnen nicht richten will. Die Erz\u00e4hlung von dem reichen Kornbauern soll erkl\u00e4ren warum. Sie kommt zu dem Schluss, dass es nicht um irdischen Reichtum und irdisches Ansehen geht, sondern um Reichtum bei Gott. Mit anderen Worten geht es hier nicht um eine irdische, sondern eine g\u00f6ttliche \u00d6konomie.<\/p>\n<p>In beiden Geschichten geht es um das rechte Verh\u00e4ltnis zu Gott. Jesus will nicht zwischen Menschen richten. Die Erz\u00e4hlung \u00fcber den reichen Bauern erkl\u00e4rt den Grund. Hier kommt Jesus zu dem Schluss, dass es nicht um irdischen Reichtum und irdisches Ansehen geht, sondern um Reichtum in Gott. Jesus lehnt die alttestamentliche Lebensregel ab, die da besagt: Esse und trinke und freue dich deines Lebens, denn die kennst nicht den morgigen Tag. Denn das rechte Gottesverh\u00e4ltnis ist keine Frage der Befriedigung eigener Bed\u00fcrfnisse, sondern es geh t darum sich f\u00fcr den anderen hinzugeben. Eine g\u00f6ttliche \u00d6konomie, die wohlgemerkt eine Lebensregel f\u00fcr die Menschen sein soll.<\/p>\n<p>In beiden Geschichten geht es um das rechte Verh\u00e4ltnis zu Gott. Jesus will nicht zwischen Menschen richten, das obliegt offenbar den Menschen selbst. Das entspricht der Wirklichkeit, die wir kennen, und erfordert ein Ideal dar\u00fcber, wie wir dann am besten urteilen sollen, zur Ehre Gottes. Stets in der schuldigen Gewissheit, dass wir die Reicht\u00fcmer der Welt nicht selbst besitzen und selbst die Wahrheit gepachtet haben \u2013 beides ist f\u00fcr uns verborgen, es geh\u00f6rt beides Gott, nicht uns, und die Wahrheit kennt Gott allein. Wir sind nur die Verwalter seines Reichtums.<\/p>\n<p>Das scheint ein roter Faden zu sein in Jesu Belehrung seiner J\u00fcnger, er mahnt zur Demut, und er hat vorher davor gewarnt, genauso heuchlerisch zu sein wie die Pharis\u00e4er, die glauben, die Wahrheit \u00fcber Gott aus dem Gesetz ableiten zu k\u00f6nnen. Lukas ist hier ganz auf der Linie von Paulus, wenn er am Gesetz als dem notwendigen Gericht \u00fcber die S\u00fcnde festh\u00e4lt. Das sollte zu Demut rufen, das Sch\u00f6pfungswerk Gottes zu verwalten.<\/p>\n<p>Der reiche Bauer verliert sein Leben in dem Augenblick, als er es gerade genie\u00dfen will. Das ist eine grausame Geschichte. Ich denke, sie ist damals wie heute genauso verbreitet und wohlbekannt. Man schuftet sein ganzes Leben, f\u00e4llt aber tot um, wo man gerade sein Otium genie\u00dfen will. Die Vorstellung von einem Otium, wo man sich aus dem \u00f6ffentlichen Leben zur\u00fcckzieht, um das Leben zu genie\u00dfen, ist ein wohlbekanntes griechisch-r\u00f6misches Ideal. Der reiche Mann verliert das Leben, und im Griechischen bekommen wir einen besseren Eindruck davon, was es hei\u00dft, das \u201aLeben\u2018 zu verlieren. Das griechische Wort <em>psyche<\/em>, kann \u201ageistiges Leben\u2018 oder sogar \u201adas gemeinsame Leben\u2018 bedeuten. <em>Leben<\/em> ist nicht nur eine F\u00e4higkeit zu atmen, sondern setzt voraus, dass man sich miteinander verbindet, eine gemeinsame Seele und Geistigkeit schafft, sich selbst und seine Talente dazu verwendet, eine physische und geistige Gemeinschaft zu schaffen. Vielleicht liegt in dem Bild vom Leben des Bauern, dass er in seinem ganzen Dasein gar nicht wirklich gelebt hat, er hart wie ein lebender Toter gelebt. Das wirft auch ein Licht auf andere neutestamentliche Bilder wie das von der Wiedergeburt zu einem neuen Leben in Jesus Christus in der christlichen Taufe. Ein Leben, das nicht allein dazu verwendet werden soll, reich zu werden und weltliches Ansehen zu gewinnen, sondern vor allem in Demut vor Gott zu leben und im Gehorsam gegen\u00fcber Jesus, der uns auffordert, freigiebig zu sein gegen\u00fcber der Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Das Evangelium besteht also aus zwei parallelen Texten, die jeweils ihre eigentliche Bedeutung ihrem Gegenst\u00fcck entnehmen. Der Bruder, der sofort sein Erbe ausbezahlt haben will, empf\u00e4ngt seine Bedeutung darin, dass die Gerechtigkeit Gottes als Barmherzigkeit charakterisiert werden kann und nicht aus dem Erbrecht der Br\u00fcder in \u00f6konomischer und erbrechtlicher Hinsicht. Der reiche Bauer meinte, seine Sicherheit sei \u00f6konomischer und weltlicher Art, wo sie in Wirklichkeit relationell war und auf seiner eigenen Barmherzigkeit und Freigiebigkeit gegen seine Mitmenschen beruhte.<\/p>\n<p>Was diese Belehrung etwas mit der Dreieinigkeit zu tun hat hier am ersten Sonntag nach Trinitatis, ist schwer zu sagen. Andererseits kommt hier vielleicht sehr gut zum Ausdruck, wie sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist in einer einfachen und praktischen Theologie entfalten kann. Als Menschen wissen wir, dass unsere Zeit endlich ist, popul\u00e4r gesagt haben wir unser Leben nur als eine Leihgabe. Letzten Endes m\u00fcssen wir es dem Gott zur\u00fcckgeben, der es anfangs geschaffen hat. Aber zwischen diesen beiden Punkten m\u00fcssen wir uns praktisch entfalten im Lichte des Lebens, das Gott uns offenbart hat. Allein durch den Sohn ehren wir den Vater. Die Liebe des Vaters zu seinem Sohn und die Liebe des Sohnes zum Menschen sind das Ideal, nach dem wir streben m\u00fcssen, wohl wissend, dass uns unsere Fehler bei diesem Versuch vergeben werden. Den Mut zu diesem Wagnis schenkt uns die Liebe des Vaters und des Sohnes. Dieser Mut zum Wagnis wird uns vom Heiligen Geist geschenkt, es ist der Mut, nicht nur f\u00fcr eigene Sicherheit zu leben, sondern das Eigene dazu zu gebrauchen, das Leben mit der gesamten Sch\u00f6pfung des Sohn es und des Vaters zu teilen.<\/p>\n<p>Diese g\u00f6ttliche Gabe, dass wir in der Taufe und der Gemeinschaft des Abendmahls an dem Geist teilhaben, den uns der Vater und der Sohn reichen in dem Wunsch, die Gemeinschaft mit uns zu teilen, dies ist das wahre Geheimnis des Glaubens. Ein Geheimnis, das wir nur h\u00f6ren k\u00f6nnen, wenn es uns erz\u00e4hlt wird, und das wir nur dem\u00fctig annehmen k\u00f6nnen, wenn es uns gereicht wird, und schlie\u00dflich nur entfalten k\u00f6nnen, indem wir es selbst weiterreichen, solange wir das k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p>DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p>Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas 12,13-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst\u00a0von Rasmus N\u00f8jgaard | \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Es ist leicht f\u00fcr einen reichen und gl\u00fccklichen Menschen zu sagen, dass das Gl\u00fcck nicht vom Wohlstand abh\u00e4ngt, wenn man doch seinen Wohlstand nicht mit ins Grab nehmen kann und wir alle ja im Grabe gleich arm sind. 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