{"id":2913,"date":"2020-06-16T10:52:16","date_gmt":"2020-06-16T08:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2913"},"modified":"2020-06-16T10:53:21","modified_gmt":"2020-06-16T08:53:21","slug":"zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie-jesus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie-jesus\/","title":{"rendered":"Zu Risiken und Nebenwirkungen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Jesus |Predigt zu Mt 11,25-30 | verfasst von Suse G\u00fcnther |<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p>Mt 11,25-30<\/p>\n<p>Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:<\/p>\n<p>Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unm\u00fcndigen offenbart. Ja, Vater, denn so hat es Dir wohlgefallen.<\/p>\n<p>Alles ist mir \u00fcbergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater, und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbart.<\/p>\n<p>Kommt her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig, so werdet ihr Ruhe finden f\u00fcr eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.<\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>In Corona Zeiten hat es sich in unserer Familie ganz fest eingeb\u00fcrgert, abends die Nachrichten anzusehen. Um nicht zu sp\u00e4t zu kommen, wurde schon einige Minuten fr\u00fcher eingeschaltet. Und damit flimmerte die unvermeidliche Werbung ins Wohnzimmer, die, das konnte ich nun \u00fcber Wochen beobachten, sich zu diesem Zeitpunkt nur an eine Zielgruppe richtet, die Altersgruppe 50+, zu der auch ich geh\u00f6re. Man h\u00e4tte sein ganzes Gehalt ausgeben k\u00f6nnen f\u00fcr Mittel, die einem Vitalit\u00e4t und Ruhe verschaffen, wenn man dem allen geglaubt h\u00e4tte. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich angesprochen von beidem, vom Wunsch nach Vitalit\u00e4t und vom Wunsch nach Ruhe. Ich konnte den Menschen auf dem Bildschirm nachf\u00fchlen, wie gl\u00fccklich sie \u00fcber durchgeschlafene N\u00e4chte und mehr Leistungsf\u00e4higkeit waren, wenn es dazu ein Zaubermittel g\u00e4be, dann w\u00e4re auch ich nicht abgeneigt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig aber wurden in mir Zweifel wach. Zweifel an einer L\u00f6sung f\u00fcr meine Probleme, die mir sagt: Du musst nur das und das von au\u00dfen aufnehmen, dann wird alles gut.<\/p>\n<p>Ich musste an viele der Menschen denken, denen ich im Krankenhaus und in der Beratung begegne und die genau das von mir wollen: Eine kurze Antwort auf die Frage: Was soll ich tun, was soll ich einnehmen, damit sich mein Problem l\u00f6st.<\/p>\n<p>F\u00fcr Medikamente, die sicherlich gut sind, kurzfristig Linderung zu verschaffen, sind allerdings die Mediziner zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Ich selbst gehe mit den Menschen einen anderen Weg, der oft sehr lang ist: Den Weg sehr genau nachzusehen, wo die Probleme ihren Ursprung haben, wie ein neuer Anfang geschafft werden kann, was der Mensch dabei auch an sich selbst \u00e4ndern kann, um einen neuen Blick auf die Welt zu bekommen und anderen neu zu begegnen.<\/p>\n<p>Ruhe finden auf lange Sicht ist mit Medikamenten schwierig, wenn weiter im Inneren ein Sturm tobt.<\/p>\n<p>Um diesem Sturm zu begegnen ist vieles wichtig. Zum einen sehr genau hinzusehen, wo dieser Sturm herkommt.<\/p>\n<p>Zum anderen aber auch zu sehen, wie man diesem Sturm begegnen kann. Welche Kr\u00e4fte man selbst mobilisieren kann.<\/p>\n<p>Jesus beh\u00e4lt im Sturm die Ruhe, als seine J\u00fcnger (Mk 4, 35-41) zu verzweifeln suchen. Er fordert seine Freunde auf, die Ruhe zu bewahren, auch wenn die Wellen hochschlagen. Dass das nicht einfach ist, wei\u00df er.<\/p>\n<p>Im heutigen Predigttext bietet er deshalb an: Kommt zu mir, hier findet Ihr Ruhe f\u00fcr Eure Seelen.<\/p>\n<p>Auch Jesus besitzt diese Ruhe offensichtlich nicht aus sich selbst heraus. Er wei\u00df, wie es ist, auf dieser Welt zu leben. Mit welchen \u00c4ngsten und Sorgen wir da konfrontiert werden. Jesus kann so ruhig leben und das an andere weitergeben, weil er selbst die Quelle kennt, aus der er Kraft sch\u00f6pft. Seine Kraft kommt aus seinem Zusammenleben mit seinem Vater, mit Gott. \u201eAlles ist mir \u00fcbergeben von meinem Vater und niemand kennt den Sohn als nur der Vater. Und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.\u201c<\/p>\n<p>Eine ganz \u00e4hnliche Stelle finden wir im Johannesevangelium (Kapitel 17): Auch hier wendet sich Jesus im Gebet an Gott.<sup>+ <\/sup><\/p>\n<p>Schon vorher (Joh 14,11 u.a.) betont er, dass er mit seinem Vater eng verbunden ist, in ihm ist. Als es dann in Kapitel 17 ans Abschiednehmen geht, gibt er den Menschen diese Kraftquelle mit auf den Weg: \u201eIhr bleibt mit mir verbunden. So wie ich mit Gott verbunden bin.\u201c<\/p>\n<p>Ja, viele Probleme k\u00f6nnen Menschen in ihrem Leben l\u00f6sen, wenn sie eine solche stabile Beziehung zu Eltern oder anderen wegweisenden Menschen in ihrem Leben gehabt haben.\u00a0 Viele Probleme entstehen ja erst dadurch, dass es eine solche stabile Beziehung nicht gegeben hat. Jesus bietet sich an, wenn er sagt: \u201eKommt zu mir. Tretet mit mir in Verbindung, in Beziehung. Auf mich k\u00f6nnt Ihr Euch verlassen. Denn auch ich habe eine solche zuverl\u00e4ssige Verbindung. Ich wei\u00df, zu wem ich gehen kann, wenn es schwer wird im Leben: Zu meinem Vater, zu Gott. Ich biete Euch an, \u00fcber diese Br\u00fccke zu gehen, mit mir verbunden zu bleiben und auf diese Weise auch mit Gott. So findet Ihr Ruhe.\u201c<\/p>\n<p>Manchen Menschen f\u00e4llt es schwer, eine solche Br\u00fccke zu betreten. Gerade dann, wenn sie nicht lernen konnten, zu vertrauen. Aber da hat dann Jesus selbst die Ruhe weg: Er l\u00e4sst uns Zeit. Er bietet sich an, er dr\u00e4ngt sich nicht auf. Die Br\u00fccke steht, \u00fcber alle Zeiten hinweg. \u201eEs ist nie zu sp\u00e4t, eine gl\u00fcckliche Kindheit zu haben\u201c \u2013 dieser Spruch, der so hemds\u00e4rmelig daherkommt, hat doch eine tiefe Weisheit in sich. Wer eine st\u00e4rkende Beziehung zu Eltern in seinem Leben vermisst, der kann trotzdem R\u00fcckendeckung bekommen. Jesus ist in Verbindung mit uns. Und er ist in Verbindung mit Gott. Hier finden wir den Vater, die Mutter, den Freund, die Freundin, die uns im Leben etwas zutrauen. Und hier k\u00f6nnen wir selbst zu Freunden und Freundinnen, zu guten Eltern werden.<\/p>\n<p>Das ist das, was ich Menschen sagen kann, in deren Leben der Sturm tobt. Und denen Medikamente f\u00fcr Ruhe und Kraft wohl f\u00fcr den Moment helfen k\u00f6nnen mit dem Sturm zu leben. Nicht aber, den Sturm zu stillen.<\/p>\n<p>Ich kann sagen: \u201eBetretet die Br\u00fccke. Fangt an, zu vertrauen. Fangt an, Euch etwas zuzutrauen. Schritt f\u00fcr Schritt.\u201c<\/p>\n<p>Dass das nicht einfach ist und seine Zeit braucht, das erlebt jede*r, der sich auf diesen Weg macht. Von den J\u00fcnger*innen auf dem sturmumtosten Boot im Markusevangelium bis zu denen, die Jesus in die Welt hinaus sendet als seine Boten (davon berichtet das Markusevangelium kurz vor unseren heutigen Predigttext)Von den J\u00fcnger*innen, von denen Jesus im Johannesevangelium Abschied nimmt bis zu uns heute.<\/p>\n<p>Auch zur Zeit Jesu haben Jesu Freunde*innen diese Br\u00fccke n\u00f6tig gehabt. \u00a0Hart geht Jesus mit denen ins Gericht, die sich nur um sich selbst drehen und sich nicht zu einem neuen Anfang, zu einer Umkehr auf ihrem Weg bewegen lassen.<\/p>\n<p>Aber die Br\u00fccke steht, bis heute.<\/p>\n<p>\u201cKommt her\u201c sagt Jesus. \u201emacht Euch auf den Weg, gerade Ihr mit Problemen. Es ist nicht damit getan, sich nur immer selbst im Blick zu haben. Euer Herz wird weit, Euer Kopf wird frei, wenn Euer Blick sich zum Himmel weite:. Wenn Ihr erlebt, wie ihr Hilfe findet in Verbindung mit Gott und den Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Corona hat f\u00fcr viele eine ganz neue Sicht auf die Welt er\u00f6ffnet. Vielen hat diese Zeit ohne Termine, ohne Vereinssitzungen und Freizeitstress, ohne Elternabende und Staus eine ganz neue Ruhe gebracht. Viele haben diese Gelegenheit genutzt, ihr Leben ganz neu zu \u00fcberdenken. Viele haben sich f\u00fcreinander eingesetzt und einen Weg finden m\u00fcssen, mit ihren \u00c4ngsten umzugehen. Viele haben t\u00e4glich die Andachten gelesen, die unsere Kirchengemeinde t\u00e4glich ins Netz gestellt hat. Viele melden sich auch jetzt, wo das wieder m\u00f6glich ist, zu den Gottesdiensten an. \u201eGott ist mit mir durch diese Zeit gegangen und tut es noch\u201c \u2013 diesen Satz habe ich nicht nur einmal geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke steht, auch in dieser merkw\u00fcrdigen Zeit, in der wir anfangen aufzuatmen und dem Frieden doch nicht wirklich trauen: Gott, ich m\u00f6chte bei Dir sein und bleiben auch in den Zeiten, die jetzt kommen. In allen St\u00fcrmen, die mich \u00e4ngstigen. Bei den Unruhen durch Rassendiskriminierungen. In den Fl\u00fcchtlingslagern auf griechischen Inseln. Bei der Abholzung des brasilianischen Regenwaldes, bei der \u00d6lverschmutzung in Sibirien. In den Slums, in denen Menschen Corona hilflos ausgeliefert sind.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte bei Dir sein und bleiben und meinen Beitrag in der Welt leisten. Weil ich mit Dir verbunden bin und bei Dir Ruhe und Kraft finde. Immer wieder neu.<\/p>\n<p>Risiken und Nebenwirkungen? Fragen Sie Jesus. AMEN<\/p>\n<p>+es scheint tats\u00e4chlich, als h\u00e4tten Matth\u00e4us und Johannes dieselbe Quelle benutzt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Jesus |Predigt zu Mt 11,25-30 | verfasst von Suse G\u00fcnther | \u00a0 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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