{"id":3003,"date":"2020-07-04T18:59:12","date_gmt":"2020-07-04T16:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3003"},"modified":"2020-07-04T18:59:12","modified_gmt":"2020-07-04T16:59:12","slug":"wenn-der-feind-der-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wenn-der-feind-der-ist\/","title":{"rendered":"Wenn der Feind der ist&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Wenn der Feind der ist, den ich liebe | 4. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 5.7.2020 |\u00a0Matth\u00e4us 5,43-48 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Anne-Marie Nybo Mehlsen | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es duftet fr\u00fchlingsgr\u00fcn durchs Land \u2013 auf dem Fu\u00dfballplatz! Gerade das ist einer der Orte, wo Feindesliebe unangebracht ist. Du sollst deinen Gegner im Fu\u00dfballkampf nicht lieben \u2013 solange der Kampf gespielt wird \u2013 innerhalb der Regeln \u2013 seid ihr Feinde! Aber eben nur nach den Regeln! Einem gefallenen Gegner soll man auch eine Hand reichen, und ein Gegenspieler, der umf\u00e4llt, hat Anspruch auf Hilfe. Die Liebe gilt also noch immer, auch ein Gegner ist ein N\u00e4chster. Also: Ich soll auch meinen Gegner lieben, meinen Feind, weil er oder sie ein N\u00e4chster ist.<\/p>\n<p>Einige nehmen das mit dem Gegner und dem Feindbild mit sich, wenn sie nach dem Kampf nach Hause gehen und nun einen Feind sehen in jedem, der nicht dazu geh\u00f6rt. Personen mit einem Fan-Halstuch oder einem T-Shirt, die signalisieren: Ich bin f\u00fcr die anderen, die verursachen sofort Spannungen.<\/p>\n<p>Seine Feindbilder pflegen, das ist fast ein Lieblingssport. H\u00f6rt nur die politischen Diskussionen, eine Diskussion unter Freunden, Partnern im Konflikt und auch in einer Familie.<\/p>\n<p>Es ist grundlegend in einem Konflikt, dass beide Seiten sich Feindbilder schaffen und blitzschnell einander Motive und Eigenschaften zuschreiben, f\u00fcr die es keinen Beleg gibt.<\/p>\n<p>Wenn du mit deinem Nachbarn Streit hast dar\u00fcber, wie die Hecke zu beschneiden ist, oder \u00fcber die Lautst\u00e4rke aus dem Zimmer des Sohnes bei offenem Fenster, dauert es nicht lange, und der Nachbar wird mit Attributen wie \u201esauer\u201c, \u201ebeleidigt\u201c oder \u201efies\u201c versehen, oder \u201eder ist hinter mir her\u201c, er \u201egeht mit auf die Nerven\u201c und ist \u201eempfindlich\u201c und \u201eirritabel\u201c. Auch wenn du deinen Nachbarn ansonsten als einen netten und umg\u00e4nglichen Nachbarn in jeder Hinsicht kennst.<\/p>\n<p>Der allt\u00e4gliche Feind ist jemand, der nicht dasselbe will wie du und ich. Ein Feind ist jemand, der mit dir und mir nicht einig ist und uns nicht Recht gibt. Feinde gibt es nicht nur auf dem Fu\u00dfballplatz, sondern auch unter Nachbarn, Kollegen und Mitmenschen, ja selbst unter Mitgliedern der Familie.<\/p>\n<p>Wir denken jeder f\u00fcr sich an eigene Konflikte, sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb der Familie und des Freundeskreises. Wir sollen uns vielleicht aussprechen? Zu einem Vers\u00f6hnungskaffee einladen \u2013 oder einem Mittagessen? Da ist vielleicht Bitterkeit und alter Groll, eine Portion Furcht und eine gute Portion verletzter Eitelkeit, die zu \u00fcberwinden sind. Warum aber nicht? Wenn das m\u00f6glich ist?<\/p>\n<p>Hoffentlich geht das bald vor\u00fcber, hoffentlich kriegen wir das hin. Ihr l\u00f6st das Problem, und ihr kommt dar\u00fcber hinweg, dass Gerechtigkeit nicht nur darin besteht, dass man Recht bekommt.<\/p>\n<p><em>Ihr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist: Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben und deinen Feind hassen. Ich Aber sag e euch: Liebt eure Feinde und betet f\u00fcr die, die euch verfolgen!<\/em><\/p>\n<p>Wenn wir weiter sehen als unsere eigene Nase, dann ist dies hier wirklich ernst. Die Rassenunruhen in den USA, Religionskriege und Verfolgungen, die endlose Diskriminierung auf Grund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Kultur und Geschlecht \u2013 das gibt es \u00fcberall. Mobbing unter Kindern und Erwachsenen zeigt, wie wir die pers\u00f6nliche Welt einteilen in \u201edie und wir\u201c, \u201edrau\u00dfen und drinnen\u201c, \u201efalsch und richtig\u201c.<\/p>\n<p>Wir sind auch schnell bei der Hand mit Beispielen, wie absurd Feindesliebe ist: Ein wirklicher Feind ist lebensgef\u00e4hrlich in seinem Hass und seiner Verfolgung! Hier gilt es, dass man wegkommt. Das ist eine \u00dcberforderung f\u00fcr den Gekr\u00e4nkten und Verletzten, dass er den lieben soll, der ihn misshandelt. Hier soll sich nicht das Opfer \u00e4ndern, sondern der T\u00e4ter, der die gemeinsame Menschlichkeit zwischen ihm und dem Opfer missachtet hat.<\/p>\n<p>Jesus trifft die Sache n\u00e4mlich auf den Punkt, wenn er die Forderung, f\u00fcr die Verfolger zu beten und den Feind zu lieben, mit der Vollkommenheit Gottes begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Vollkommen. Wer m\u00f6chte nicht gerne in diesen Zeiten vollkommen und perfekt sein, wo alles zur Schau gestellt wird, von Magenmuskeln bis zu Cupcakes. Perfekte Examen, perfektes Aussehen, perfekte Karriere, perfekte Interessen. Frage die jungen Leute, die sich dieser Tyrannei der Vollkommenheit nicht beugen wollen. Ist es nicht allein Sache Gottes, vollkommen zu sein? In der neuen d\u00e4nischen Bibel\u00fcbersetzung 2020 wird das Wort mit \u201evorbehaltlos\u201c \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Gott l\u00e4sst vorbehaltlos seine Sonne scheinen und den Regen fallen f\u00fcr Gute und B\u00f6se, Gerechte und Ungerechte, Richtige und Verkehrte. Die Sonne scheint und der Regen f\u00e4llt auch f\u00fcr meinen Feind. Gott schenkt Leben, uns wird Leben geschenkt \u2013 und es ist allen Menschen gemeinsam, dass das Leben, das uns gegeben wird, besch\u00fctzt wird \u2013 es ist verwundbar und verletzlich.<\/p>\n<p>Dein und mein Feind ist auch ein Mensch, nicht notwendigerweise ein Mensch, den wir verstehen k\u00f6nnen \u2013 denn wenn wir das k\u00f6nnen, ist die Vers\u00f6hnung nicht fern. Selbst in seiner Unverst\u00e4ndlichkeit und Unnahbarkeit ist auch der Feind ein Mensch. Auch der Feind ist ein N\u00e4chster, der geliebt werden soll. Wie du selbst.<\/p>\n<p>Jetzt wird es schwierig. In Wirklichkeit sind wir nicht immer so gut im Lieben. Hier meine ich <em>nicht<\/em> die Liebe, die wir unsererseits den anderen geben \u2013 das tun wir meistens.<\/p>\n<p>Ich frage: Wie gut sind wir darin, Liebe zu <em>empfange? <\/em>Hand aufs Herz!<\/p>\n<p>Vielleicht sitzt du und denkst: \u201eUnsinn!\u201c \u2013 und siehst sogleich den frohen Blick deines Enkelkindes vor dir. Das ist doch das Leichteste von allem?<\/p>\n<p>Ja \u2013 ist es das? Ein Geschenk annehmen, das mit gro\u00dfer Liebe gegeben ist, sich geliebt wissen, Vergebung empfangen, wenn man einen anderen tief verletzt hat und das auch wei\u00df? Ist das leicht?<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass es dem J\u00fcnger Petrus schwer fiel, seine F\u00fc\u00dfe von Jesus waschen zu lassen.<\/p>\n<p>In der Liebe verletzen wir einander tief \u2013 das ist unumg\u00e4nglich, Liebe macht verletzlich. Und in der Liebe <em>heilen wir vorbehaltlos <\/em>selbst die tiefasten Wunden. Wir finden gemeinsam den Weg zur Vers\u00f6hnung. Wir breiten Teppiche der Vergebung aus und wischen die Tr\u00e4nen des Geliebten ab \u2013 auch wenn das Herz in uns selbst zerbrochen ist. Wir reichen die Arme aus und tragen wieder. Wir vertrauen uns selbst ganz den H\u00e4nden an, die verloren hatten, weggeworfen, uns das Leben schwer gemacht hatten.<\/p>\n<p>So stark und \u00fcberschw\u00e4nglich, ungerecht und unvern\u00fcnftig kann unsere menschliche Liebe sein. Jesus stellt uns die vollkommene, vorbehaltlose Liebe Gottes vor Augen und steht selbst mit seinem Leben daf\u00fcr ein.<\/p>\n<p>Er, die immer wieder vergibt! Wieder und wieder! Er richtet uns auf und heilt die Wunden, sendet und wieder aus mit einer neuen Aufgabe. Gabe und Aufgabe, die sind dasselbe. Du sollst lieben!<\/p>\n<p>Und du sollst dich lieben lassen! Du sollst die vorbehaltlose Liebe annehmen, die auch deinem Feinde gilt. Auch wenn der Feind der ist, den du liebst. Auch wenn du selbst dein schlimmster Feind bist.<\/p>\n<p>Da sind Sonnenaufg\u00e4nge, Morgenlicht, Abendd\u00e4mmerung, milde Briese und Regenschauer, Wolkenformationen, Vogelgesang, Nachbarn \u2013 auch f\u00fcr uns. Ganz gleich ob wir das verdienen oder nicht. Vorbehaltlos f\u00fcr uns \u2013 und f\u00fcr die, die wir nicht m\u00f6gen und mit denen wir nicht klarkommen, und f\u00fcr die, deren kleinste Fehler uns t\u00f6dlich verwunden, weil wir ihnen alles anvertraut haben, ihnen unser Herz geschenkt und anvertraut haben.<\/p>\n<p>Das kostet uns auf lange Sicht das Leben \u2013 all diese Vorbehaltlosigkeit, all dieses Empfangen unverdienter Nachsicht, Langmut und Vergebung.<\/p>\n<p>Auch an dem Tag steht er da, Christus, streckt die Arme aus um zu tragen \u2013 zu ertragen, uns hineinzutragen in das lichte Haus der Verkl\u00e4rung hin zu ihm, der uns vorbehaltlos seine Kinder nennt.<\/p>\n<p><em>So seid ihr denn vorbehaltlos, wie unser himmlischer Vater vorbehaltlos ist! Amen. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/p>\n<p>DK-4100 Ringsted<\/p>\n<p>Email: amnm(a)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Feind der ist, den ich liebe | 4. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 5.7.2020 |\u00a0Matth\u00e4us 5,43-48 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Anne-Marie Nybo Mehlsen | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | &nbsp; Es duftet fr\u00fchlingsgr\u00fcn durchs Land \u2013 auf dem Fu\u00dfballplatz! Gerade das ist einer der Orte, wo Feindesliebe unangebracht ist. 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