{"id":3029,"date":"2020-07-08T15:47:48","date_gmt":"2020-07-08T13:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3029"},"modified":"2020-07-08T15:47:48","modified_gmt":"2020-07-08T13:47:48","slug":"menschenfischerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/menschenfischerei\/","title":{"rendered":"Menschenfischerei?"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">5. So. n. Trinitatis | 12.7.2020 |\u00a0<\/span><span lang=\"DE\">Predigttext: Lk 5,1\u201311 |\u00a0<\/span><span lang=\"DE\">Pfr. Th.-M. Robscheit |<\/span><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Friede sei mit Euch von Gott unserem Vater, Jesus Christus unserm Bruder und dem heiligen Geist! Amen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Liebe Gemeinde, liebe Schwestern, liebe Br\u00fcder!<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Ich kann mich noch an einzelne Christenlehre-Stunden erinnern, die ich als Kind besucht habe. Josef &amp; seine Br\u00fcder war so eine Stunde. Herr Klaus hatte Pappfiguren, die auf magische Weise an einer gespannten Windel gehaftet haben. So bildlich hat er mit diesen Figuren erz\u00e4hlt, dass ich mich 45 Jahre sp\u00e4ter noch daran erinnern kann. Der Fischzug des Petrus war auch so eine einpr\u00e4gsame Christenlehre-Stunde: Wir haben Fische aus Papier ausgeschnitten. Unsere Namen darauf geschrieben, dann wurden die Fische auf ein gro\u00dfes blaues Blatt geklebt und nun der Clou: aus Strick haben wir dar\u00fcber ein Netz geklebt und fertig. Ich fand es als Zehnj\u00e4hriger klasse, in diesem Netz zu sein und zu Jesus zu geh\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Und jetzt? Liebe Gemeinde, ich komme gar nicht so weit, diese Frage wirklich zu stellen. Mir st\u00f6\u00dft der letzte Satz auf: \u201eDu wirst Menschen fangen!\u201c. Das h\u00f6rt sich nach Nepper-Schlepper- Bauernf\u00e4nger an, nach Manipulation und Gehirnw\u00e4sche. Menschenfischer! Mit Sicherheit w\u00fcrde ich meinen Beruf damit nicht beschreiben! Und in dem Moment, in dem ich nun \u00fcber die Menschenfischerei stolpere, gefallen mir auch die bunten Papierfische im Netz nicht mehr. Wollte Jesus eine coole Pointe loslassen und hat sich dabei verheddert? Das ganze Bild ist nicht stimmig! Die Fische im Netz d\u00fcrfen keineswegs auf eine begl\u00fcckende neue Erfahrung warten, sondern auf ihr Ende. Sie sind in die Falle gegangen, vielleicht hatten sie auch gar keine Chance dem Netz zu entgehen. Wie dem auch sei; ihr Schicksal ist besiegelt: sie werden get\u00f6tet und gegessen. \u201eDu sollst Menschenfischer werden!\u201c &#8211; so ein \u00e4rgerlicher Satz! Dar\u00fcber k\u00f6nnen wir uns nun so richtig aufregen und hyperventilieren.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00dcber diesem \u00c4rger verpassen wir die eigentliche Aussage der kurzen Begebenheit; wie so oft, wenn wir uns an einer Sache hochziehen. Denken Sie an dutzende Beispiele \u00fcbereifrig-politisch korrekter Sprache. Da wird dann im vermeintlichen Sinne einer Rassismus-Aufarbeitung kulturgeschichtlich gegl\u00e4ttet und verf\u00e4lscht. Beim Gendern von Sprache geht es meistens nicht um Geschlechtergerechtigkeit, sondern um Ideologie. Wir alle kennen Beispiele, in denen \u00fcber das Ziel hinausgeschossen &amp; damit dann das berechtigte Anliegen unfreiwillig l\u00e4cherlich gemacht wird. \u00dcber die ehernen Ziele, die einst hinter dem Ansinnen standen, wird gar nicht mehr reflektiert. Vergessen im Klein-Klein einer verhunzten Sprache. So kann es uns auch bei unserem Text gehen! Die Aufforderung, nein eigentlich ist es nur eine Feststellung, dass Petrus von jetzt an Menschen fangen wird, ist nur ein kleines Steinchen in einem gro\u00dfen Geschichten-Mosaik:<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Petrus und seine Leute sind nach der Nachtschicht sicherlich todm\u00fcde und frustriert, weil die M\u00fche vergeblich war. Trotzdem rudern sie Jesus ein St\u00fcck aufs Wasser, damit er gut predigen kann. Sie sind neugierig. Petrus f\u00e4hrt dann auch entgegen seiner Erfahrung nochmal los und wirft das Netz aus erfolgreich. Unglaublich erfolgreich. Vielleicht ist die Erz\u00e4hlung von den ersten Christen weitererz\u00e4hlt und schlie\u00dflich aufgeschrieben worden, weil sie so wunderbar die rasche Ausbreitung der Christlichen Botschaft illustriert. Mehr und mehr, so viele, dass die R\u00e4ume platzen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Es ist eine Geschichte von Neugier und Vertrauen. Eine Geschichte, in der ein Mensch das Wagnis eingeht, hinter die Erfahrungen seines Lebens zu schauen und alles in Frage zu stellen. Es ist die Geschichte von unglaublicher Kraft, die aus dem Vertrauen des Petrus erw\u00e4chst, erst auf dem Wasser und schlie\u00dflich als J\u00fcnger Jesu. Es ist eine kindgerechte Mutmach-Geschichte &amp; deswegen auch f\u00fcr Erwachsene verst\u00e4ndlich.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Die Geschichte vom Fischzug des Petrus. Und ja: Sie hat ein sprachliches Geschm\u00e4ckle; aber ich werde nicht der Versuchung nachgeben und den Text weichsp\u00fclen, denn vielleicht sind es ja gerade die anst\u00f6\u00dfigen Bilder, die uns reifen lassen. Vom Kind, das fr\u00f6hlich bunte Fische ausschneidet zum Mann, der auch im \u00c4rger mit seinem Gott ringt und doch dankbar vertraut.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Und der Friede Gottes der gr\u00f6\u00dfer ist als unsere enge menschliche Vorstellungskraft, der bewahre Eure Herzen und Sinne und Jesus Christus. Amen.<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Pfr. Th.-M. Robscheit<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">Apolda<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"Standard\"><span lang=\"DE\">thm@robscheit.de<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. So. n. Trinitatis | 12.7.2020 |\u00a0Predigttext: Lk 5,1\u201311 |\u00a0Pfr. Th.-M. Robscheit | &nbsp; Friede sei mit Euch von Gott unserem Vater, Jesus Christus unserm Bruder und dem heiligen Geist! Amen. Liebe Gemeinde, liebe Schwestern, liebe Br\u00fcder! \u00a0 Ich kann mich noch an einzelne Christenlehre-Stunden erinnern, die ich als Kind besucht habe. 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