{"id":3031,"date":"2020-07-08T15:50:27","date_gmt":"2020-07-08T13:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3031"},"modified":"2020-07-08T15:50:27","modified_gmt":"2020-07-08T13:50:27","slug":"geh-weg-von-mir-satan-du","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/geh-weg-von-mir-satan-du\/","title":{"rendered":"Geh weg von mir Satan! Du&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Geh weg von mir Satan! Du bist mir ein \u00c4rgernis | 5. So. n. Trinitatis &#8211; 12.7.2020 |\u00a0Matth\u00e4us 16,13-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Rasmus N\u00f8jgaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, wir alle kennen das, Macht \u00fcber einen anderen Menschen zu haben. Wenn wir wissen, dass unser Rat und unser Wissen daf\u00fcr entscheidend sind, wie sich ein anderer Mensch entscheidet, und wenn wir die M\u00f6glichkeit haben, einen anderen Menschen zu binden oder zu befreien, ein Kind zu befreien oder ihm Schuldgef\u00fchle zu geben, und wenn wir bewusst\u00a0 versuchen, Furcht zu wecken oder Seelenfrieden. Das klingt vielleicht nach gro\u00dfen und machtvollen Worten, dass wir stets \u00a0das Schicksal anderer Menschen in der Hand haben, aber das tun wir, wenn wir uns aneinander binden, Leben und Schicksal teilen, uns verletzbar machen \u2013 privat wie auch als B\u00fcrger der Gesellschaft. In mehr oder weniger gro\u00dfem Umfang sind wir von anderen abh\u00e4ngig, ob wir das wollen oder nicht.\u00a0 Und das ist so gesehen gut und positiv.\u00a0 Es ist selten gl\u00fccklich, sein Leben isoliert zu leben, monologisch und kontrolliert. Es verlangt aber Mut, Vertrauen, Hingabe, Demut, Aufmerksamkeit und Liebe zu zeigen.<\/p>\n<p>Ich denke, dass Liebe am besten zu verstehen ist als lebendiges Engagement f\u00fcr das Leben. Es ist wohl deshalb, dass Jesus Petrus zur\u00fcckweist, er lehnt das ab, was die Liebe in ihrer Entfaltung begrenzt, das B\u00f6se. Er lehnt nicht Petrus ab, sondern das B\u00f6se selbst, das in Petrus spricht. Paradoxerweise, dass Simon Petrus am liebsten haben will, dass Jesus am Leben bleibt und sich nicht in Gefahr begibt, indem er nach Jerusalem geht. Simon Petrus ruft Gott an, weil er nicht will, dass es zu dem kommt, was Jesus voraussagt. Simon Petrus will Jesus nur das Beste, und er hat gerade bekannt, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist. Der lebendige Gott und nicht ein verfolgter, gequ\u00e4lter, gekreuzigter und toter Sohn. Simon Petrus kann unm\u00f6glich dasselbe wissen, was wir wissen, dass Jesus voraussagt, was geschehen wird, und dass sein Tod und seine Auferstehung das Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Menschen vers\u00f6hnen wird, um die Liebe zwischen Menschen zu wecken. Simon Petrus versteht nicht, dass es der Plan Gottes ist, dass Jesus sterben wird und am dritten Tage wieder auferstehen wird. H\u00e4tte Simon Petrus das gewusst und verstanden, w\u00e4ren seine Worte sicher anders gefallen. Aber er versteht es nicht, er denkt und redet mit der Vernunft der Welt. Zugleich aber einer Vernunft, die der Vers\u00f6hnung und der Liebe widersteht, er steht in aller Unwissenheit um Dienste des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>In der Geschichte der Predigt ist Simion Petrus ein leichtes Opfer f\u00fcr Mobbing, der Auserw\u00e4hlte, auf dem alles aufgebaut werden soll, der aber nichts richtig macht und d\u00fcmmer zu sein scheint als die meisten. Aber ich denke nicht, dass es die Absicht von Matth\u00e4us war, ihn so herablassend darzustellen. Es muss etwas anderes dahinterstecken. Selbst habe ich immer Simon Petrus gemocht. Zwar ist er menschlich und der, der sp\u00e4ter seine eigene Haut rettet, indem er Jesus verleugnet. Aber zugleich ist es mutig. Er wagt es, Jesus den Sohn des lebendigen Gottes zu nennen, und als der erste unter den J\u00fcngern nennt er Jesus direkt den Messias, den Sohn Gottes. Simon Petrus ist mutig und selbstlos, als er nach dem Fischzug in Galil\u00e4a alles hinschmei\u00dft, was er in den H\u00e4nden hat, und Jesus als ein J\u00fcnger zu folgen. Man denke nur, sein ganzes bisheriges Leben \u00fcber Bord werfen, seine Arbeit und seine Familie verlassen, um blind einem Fremden zu folgen.<\/p>\n<p>Ich denke, dass Jesus Simon deshalb mit dem Namen Petrus ehrt, dem aram\u00e4ischen Kefas, das Fels bedeutet. Petrus ist der Fels, am dem Jesus seine Gemeinschaft bauen will. In der \u00dcbersetzung steht zwar \u201aKirche\u2018, aber das griechische Wort bedeutet eher \u201aGemeinschaft\u2018 oder \u201aGemeinde\u2018, und das Wort \u201aEkklesia\u2018 bedeutet denn auch an der einzigen anderen Stelle bei Matth\u00e4us (18,17) Gemeinde. Simon ist der Fels, auf dem Jesus seine Gemeinschaft bauen will. Weil er sich zu Jesus bekennt als dem lebendigen Sohn Gottes. Jesus schafft hier die bekennende Gemeinschaft, die wir dann Kirche genannt haben. Eine Kirche ist eine bekennende Gemeinschaft. Deshalb sollen wir uns in unseren Gemeinschaften versammeln, um zu singen, zu beten, lesen und predigen \u2013 als ein Bekenntnis zu Christus als dem lebendigen Sohn Gottes. \u00dcberall, wo man allein oder zusammen mit anderen sich zu dem lebendigen Sohn Gottes bekennt, geh\u00f6rt man k\u00fcnftig zur Gemeinschaft Christi. Das deutsche Wort \u201aGemeinde\u2018 bedeutet schlecht und recht Gemeinschaft und ist eine \u00dcbersetzung von \u201aEkklesia\u2018. F\u00fcr eine kirchliche Gemeinschaft wie die Volkskirche, die ihre Praxis auf\u00a0 den beiden Sakramenten Taufe und Abendmahl aufbaut, ist dieses Schriftwort ein Stein des Ansto\u00dfes, denn hier sind nicht Taufe oder Abendmahl als Sakramente entscheidend, sondern das Bekenntnis. Mit einem gewissen Recht kann man deshalb sagen, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln, so tun wir das, um uns so wie Simon Petrus zum lebendigen Gott zu bekennen. Es ist kein Zufall, dass die Taufe durch das apostolische Glaubensbekenntnis getragen ist und dass wir auf dieses dreigliedrige trinitarische Bekenntnis taufen. Wir bekennen unseren Glauben daran, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist, der in der Taufe handelt.<\/p>\n<p>Nach seinem Bekenntnis erh\u00e4lt Jesus den ehrenvollen Zunamen \u201aFels\u2018, und er erh\u00e4lt damit den Schl\u00fcssel zum Reich Gottes, bildlich gesprochen. Denn das Himmelreich ist bildlich zu verstehen so wie wir jeder f\u00fcr sich das k\u00f6nnen. Vielleicht ist es ein Bild f\u00fcr die Gemeinschaft mit dem Sohn des lebendigen Gottes. Christus, vielleicht ist er das ewige Leben. Das einzige, was da nicht steht, ist dass dies ein Nachleben sein soll, also ein Leben nach dem Tode. Auch wenn es oft so verstanden worden ist. Ich denke, es ist zu verstehen als Gemeinschaft mit dem Sohn des lebendigen Gottes. Simon Petrus hat die Macht erhalten zu binden und zu l\u00f6sen. Was er auf Erden bindet, soll im Himmel gebunden sein, und was er auf Erden l\u00f6st, soll im Himmel gel\u00f6st sein, also bei Gott. W\u00fcrde das Evangelium hier enden, w\u00e4ren wir der Vorstellung \u00fcberlassen, dass Simon hiermit die Autorit\u00e4t Gottes \u00fcbertragen wurde, wie ein Gott \u00fcber Leben und Tod zu verf\u00fcgen. Aber Jesus verweist nicht auf die Autorit\u00e4t von Simon Petrus, sondern auf sich selbst: \u201eWenn einer mir folgen will, soll er sich selbstverleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen und mir folgen\u201c. Nach dem Bekenntnis folgt die Verpflichtung. Pers\u00f6nlich gefordert, aber getragen von der Gemeinschaft mit Jesus.<\/p>\n<p>Zwischen Bekenntnis und Forderung steht die Entsagung. Das ist zweifellos ein Schl\u00fcssel daf\u00fcr, was man unter Bekenntnis und Forderung zu verstehen hat. In dem Augenblick, wo Petrus Gott darum anruft, dass es Jesus nicht so schlimm ergehen m\u00f6ge wie vorausgesagt, wendet sich Jesus an Petrus und sagt: \u201eGeh weg von mir Satan! Du bist mir ein \u00c4rgernis; denn du meinst nicht, was g\u00f6ttlich, sondern was menschlich ist\u201c. Jesus weist die Worte von Simon Petrus zur\u00fcck, die er gerade gesagt hat. Die w\u00fcrden den Glauben an Jesus als den auferstandenen Erl\u00f6ser zu Fall bringen. Er sieht vor er, dass sich Menschen stets unter dem Vorwand des Glaubens in sich selbst zur\u00fcckziehen und die Autorit\u00e4t der Gemeinschaft f\u00fcr eigene Ziele missbrauchen werden. Jesus nimmt nicht die Ehrenerkl\u00e4rung zur\u00fcck, die er Simon gerade erwiesen hat, aber er sieht, dass da immer auch eine andere Macht zugange ist. Unter der Decke sch\u00f6ner Rhetorik und guter Intentionen verbirgt sich das B\u00f6se. Das B\u00f6se, das uns davon \u00fcberzeugen will, dass wir das Recht haben zu weltlicher Macht, Reichtum und Privilegien, dass wir die Macht und die Autorit\u00e4t\u00a0 erhalten haben, dass wir das verdient haben und dem verpflichtet sind, dass sie bei uns in den besten H\u00e4nden sind. Der Fels Simon hat gerade die Schl\u00fcssel erhalten, und deshalb wird sogleich deutlich gemacht, worin der rechte Besitz und die wahre Autorit\u00e4t besteht. Die Ehre, die ihm zuteilwird, ist in Selbstverleugnung zu tragen, indem man das Kreuz Christi auf sich nimmt. Das Kreuz ist nicht anders zu verstehen als dass man die Macht und den Status aufgibt, die von dieser Welt sind, und sich der Nachfolge Jesu Christi widmet.<\/p>\n<p>Die Entsagung ist mit anderen Worten eine ewige Erinnerung daran, dass das B\u00f6se stets damit besch\u00e4ftigt ist und seinen Kopf vorsteckt, um dem Willen Gottes zu widerstehen. Gott wurde Mensch, um sich mit dem Menschen zu vers\u00f6hnen und um uns Vertrauen und Mut zu verleihen, f\u00fcr die Gemeinschaft zu arbeiten. Der lebendige Gott nimmt Anteil an unserem Leben und hat sich mit unserer Schwachheit vers\u00f6hnt. Aber Jesu Tod und Auferstehung sind nicht ein Akzept der Lage der Dinge, vielmehr sind sie ein Insistieren darauf, dass, sich zu dem Guten zu bekennen und das B\u00f6se niederzuhalten. Das ist zweifellos eine Anerkennung dessen, dass wir in dem Versuch, das Gute zu wollen, so wie Simon Petrus, das B\u00f6se tun k\u00f6nnen. Aber jeder, der sein Kreuz in Demut auf sich nimmt und in L\u00e4uterung seiner selbst, jeder, der seiner Fehlerhaftigkeit einsieht und sich in Gehorsam \u00fcbt, sieht Christus mit Vergebung und Willen zur Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Jesus redet Klartext. Erst h\u00f6rt und lobt er Simons Bekenntnis, aber dann entsagt er dem B\u00f6sen, das in Simon Petrus am Werk ist. Nicht Petrus entsagt dem B\u00f6sen, das tut Jesus selbst. Vielleicht k\u00f6nnen wir das nicht selbst. Und vielleicht erfordert das Bekenntnis und Gebet und eine Gewissheit, dass man Gott geh\u00f6rt, ein Glaube daran, dass Jesus auch dem B\u00f6sen in uns widerstehen will, wenn es sein Haupt erhebt. Vielleicht m\u00fcssen wir alle jeder f\u00fcr sich das Kreuz auf uns nehmen, dass Jesus unsere Herzen reinigt. Vielleicht ist das so radikal, dass wir niemals einen anderen Menschen verurteilen k\u00f6nnen, sondern uns jeder f\u00fcr sich damit begn\u00fcgen m\u00fcssen, Jesus als Richter in unserem eigenen Leben zu haben. Vielleicht ist es befreiend, sich zu dem Sohn des lebendigen Gottes zu bekennen und mit seiner Entsagung zu rechnen, wenn wir \u00fcber uns selbst hinaussehen m\u00fcssen. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p>DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p>Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geh weg von mir Satan! Du bist mir ein \u00c4rgernis | 5. So. n. Trinitatis &#8211; 12.7.2020 |\u00a0Matth\u00e4us 16,13-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Rasmus N\u00f8jgaard | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | &nbsp; Ich glaube, wir alle kennen das, Macht \u00fcber einen anderen Menschen zu haben. 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