{"id":3035,"date":"2020-07-14T22:48:42","date_gmt":"2020-07-14T20:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3035"},"modified":"2020-07-14T22:48:42","modified_gmt":"2020-07-14T20:48:42","slug":"unsere-sandburgen-und","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/unsere-sandburgen-und\/","title":{"rendered":"Unsere Sandburgen \u2013 und&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Unsere Sandburgen \u2013 und die Ewigkeit Gottes | 6.\u00a0Sonntag nach Trinitatis |\u00a0Matth\u00e4us 19,16-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>Eine Woche vor den Sommerferien hatte er zusammen mit seinem gro\u00dfen Bruder die Planzeichnung f\u00fcr eine Sandburg gemacht. Sobald die Ferien begannen, sollten sie ins Ferienhaus fahren und an den Strand gehen. Nach der Ankunft liefen sie an den Strand und fanden den perfekten Ort f\u00fcr die Sandburg. Sie machten sich sogleich an die Arbeit mit Schaufel und Spaten, Mauern und Hecken entstanden, T\u00fcrme und Dachreiter. Darum gruben sie einen Wallgraben aus, und sie fanden Treibholz, das f\u00fcr eine Zugbr\u00fccke verwandt wurde. Die anderen Strandg\u00e4ste machten einen gro\u00dfen Bogen um das Werk, denn sie konnten sehr wohl sehen, dass das eine gro\u00dfe Ingenieurkunst war, die da entstand. Eine \u00e4ltere Dame, die mit ihrem Hund unterwegs war, gab ihnen Geld f\u00fcr ein Eis, sie fand, dass sie eine tolle Sandburg geschaffen hatten, aber sagte auch, man solle aufpassen, dass man nicht dar\u00fcber stolpert.<\/p>\n<p>Diese Sandburg sollte ihnen stets als Kindheitserinnerung im Ged\u00e4chtnis bleiben. Die Mauern waren mit H\u00f6lzern und Steinen abgesichert, der gro\u00dfe Bruder sagte, sie w\u00e4re 1000 Kronen wert, garantiert. Am Abend dachten sie dar\u00fcber nach, was sie am n\u00e4chsten Tag tun sollten. Mehr T\u00fcrme und Dachreiter, mehr Soldaten und Geb\u00e4ude, die zu sichern waren, so dass kein Feind einbrechen konnte und nichts die Mauern untergraben k\u00f6nnte. Am Morgen liefen sie hinaus bei Sonnenaufgang., mit einer Schaufel in der Hand und mit tausend neuen Ideen. Da war nur noch ein kleines Loch im Sand \u00fcbrig. Als sie dastanden, kam die Dame mit dem Hund und bat sie darum, den Rest zuzuschaufeln. Als sie damit begannen, fanden sie Treibholz und einige von den Muschelschalen, die die Sandburg bedeckt hatten. Am Mittag hatten sie schon wieder eine neue Sandburg gebaut.<\/p>\n<p>Wie viele Sandburgen hat es nicht in der Welt gegeben? Selbst heute, in diesem Augenblick, werden Sandburgen in der ganzen Welt gebaut. Du hast vielleicht auch eine Sandburg in dir und hast wie die beiden Br\u00fcder deine Sandburgen auf den Strand gebaut. Die Kinder machen das immer wieder mit derselben Begeisterung. Jahr f\u00fcr Jahr bauen sie Sandburgen, w\u00e4hrend wir Erwachsene wissen, dass keine von Ihnen der Flut standh\u00e4lt. Ob der junge Mann im Evangelium auch Sandburgen gebaut hat, wissen wir nicht. Ich glaube, dass er das getan hat, denn auch er hat das Gef\u00fchl, dass die Dinge leicht verschwinden.<\/p>\n<p>Sandburgen sind ja nicht das einzige, was mit der Zeit verschwindet, die Liste ist lang. Vielleicht sind auch wir dabei zu verschwinden und nur ein Loch im Sand zu hinterlassen \u2013 oder vielleicht noch weniger. Das Billigste, was du kaufen kannst, ja der Euro in deiner Tasche ist mehr ewig als du. Selbst der Sand h\u00e4lt l\u00e4nger als du. Trotzdem sieht es f\u00fcr uns so aus, als w\u00fcrde alles andere verschwinden. Denn wir tragen auch jeder unsere Ewigkeit in uns \u2013 die Sandburg vom Sommer, wo wir uns dem Spiel hingaben und dem Traum davon, dass wir nun die ultimative Sandburg gebaut haben, die garantiert jedem Angriff widerstehen kann.<\/p>\n<p>Der junge Mann, dem wir im Evangelium begegnen, kann nicht mehr ganz jung sein, denn er hat das Gef\u00fchl, dass alles verschwindet. Deshalb fragt er Jesus, was er Gutes tun soll, um das ewige Leben zu erlangen. Ewiges Leben bedeutet, dass die Dinge Bestand haben, dass wir darauf morgen aufbauen k\u00f6nnen. Ewig, das bedeutet, dass wir uns nicht immer vor dem Unvorhersagbaren sch\u00fctzen m\u00fcssen. Das war der Traum des jungen Mannes. Sicherheit bekommen f\u00fcr ewiges Leben und nat\u00fcrlich den Preis kennen. Deshalb fragt er Jesus, der Zugang hat zum ewigen Gott, was er tun soll, um ewiges Leben zu erlangen. Denn w\u00e4hrend unser Leben wie Sandburgen am Strand zu verschwinden scheint, ist Gott ewig.<\/p>\n<p>Die Antwort an den jungen Mann ist, dass er die Gebote halten soll. Das tut er schon. Deshalb fragt er nun danach, was ihm noch fehlt. Ich glaube, dass er das tut, weil er nicht richtig merken kann, dass er das ewige Leben besitzt. Er hat nicht die Sicherheit, die f\u00fcr uns alles bedeuten w\u00fcrde, wenn wir sie h\u00e4tten. Jesus antwortet ihm, wenn er v\u00f6llig sicher sein will, dann soll er alles verkaufen, was er hat, und dann kommen und ihm folgen. Darin, kann sich jeder denken, ist nicht viel Garantie. Jesus ist weg in einem Jahr. Und nach ihm verschwinden allm\u00e4hlich auch die J\u00fcnger. Der junge Mann entscheidet sich daf\u00fcr fortzugehen und auf das zu vertrauen, was er hat und kann. Auf diese Weise wird er ein Kamel, das seine Sicherheit mit sich auf dem R\u00fccken durch das Leben tr\u00e4gt. Alles aufgeben und Jesus folgen w\u00fcrde trotz allem bedeuten, das Leben zu verlieren, das ein junger Mann gerne in alle Ewigkeit fortsetzen will. Das Unvollkommene ist tats\u00e4chlich f\u00fcr die meisten von uns das eigentliche Leben, da wo wir uns in unserem Haus oder einer guten Sandburg geborgen f\u00fchlen. Da besteht keine Sicherheit, dass es andauert, aber wir haben gelernt, dass wir nur \u00fcberleben, wenn wir uns bewegen. Deshalb gelang es Jesus nicht an diesem Tag, das ewige Leben und das Leben des jungen Mannes zusammenzubringen. Der junge Mann bleibt bei seinem Leben und seiner Sandburg, die meisten h\u00e4tten wohl auch nicht den Preis daf\u00fcr bezahlt, vollkommen zu sein und das, was das Leben ist, gegen ein Leben in der Nachfolge Jesu\u00a0 getauscht.<\/p>\n<p>Das ewige Leben l\u00e4sst sich nicht begreifen oder gedanklich fassen, weil wir Menschen eine Bewegung in Ver\u00e4nderung sind. Es ist nicht m\u00f6glich, das ewige Leben oder das Heil durch harte Arbeit zu erlangen, wie wir das aus unserem eigenen Leben kennen. Es ist in der Tat unm\u00f6glich, es zu erlangen, indem man nach ihm greift. Wir k\u00f6nnen es nicht begreifen, und vielleicht ist es eben deshalb nur m\u00f6glich f\u00fcr Gott.\u00a0 Das ist es jedenfalls, was Jesus seinen J\u00fcngern sagt, die am Verzweifeln sind: \u201e<em>F\u00fcr Menschen ist es unm\u00f6glich, aber f\u00fcr Gott ist alles m\u00f6glich\u201c<\/em>. Dieser Satz ersetzt die Verzweiflung durch eine Hoffnung auf die M\u00f6glichkeit, die wir Menschen nicht haben. Denn die M\u00f6glichkeit Gottes ist die Ewigkeit, wo alles fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00f6glich wird \u2013 auch dass sich das Leben des jungen Mannes und das ewige Leben zusammenfinden. Dieser Satz gibt auch den beiden Jungen eine Hoffnung, die dort stehen, wo vorher eine Sandburg war. F\u00fcr uns ist es unm\u00f6glich zu bewirken, dass etwas andauert, f\u00fcr Gott aber ist es m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Wir Menschen bewegen uns stets in der unvollkommenen Welt und errichten unsere Sandburgen. Die meisten von uns beginnen wie die Jungen wieder vor vorne, wenn die Flut kommt und alles verschwinden l\u00e4sst. Es verschwindet nicht ins Nichts, denn der Glaube glaubt nicht an ein Nichts, sondern daran, dass Gott ein Ziel und einen Sinn mit all dem hat. Die Antwort an den jungen Mann, die Jungen am Strand und uns heute in der Kirche ist die, dass Gott das Ewige ist unter uns, das garantiert, dass die Welt so ist, wie sie sein soll, auch wenn das Leben wie die Sandburg morgen weg\u00a0 ist. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<\/p>\n<p>DK-5000 Odense<\/p>\n<p>E-Mail: lrl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Sandburgen \u2013 und die Ewigkeit Gottes | 6.\u00a0Sonntag nach Trinitatis |\u00a0Matth\u00e4us 19,16-26 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Eine Woche vor den Sommerferien hatte er zusammen mit seinem gro\u00dfen Bruder die Planzeichnung f\u00fcr eine Sandburg gemacht. 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