{"id":3043,"date":"2020-07-14T22:57:37","date_gmt":"2020-07-14T20:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3043"},"modified":"2020-07-14T22:57:37","modified_gmt":"2020-07-14T20:57:37","slug":"liebe-ist-nicht-nur-ein-wort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/liebe-ist-nicht-nur-ein-wort\/","title":{"rendered":"Liebe ist nicht nur ein Wort"},"content":{"rendered":"<h3>6. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 19. Juli 2020 | 5. Mose 7, 6-12 | verfasst von Christine Hubka |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorbemerkung: Corona-bedingt ist in der evang. Kirche in \u00d6sterreich die Dauer der Gottesdienste auf 30 \u2013 40 Minuten beschr\u00e4nkt. Das wirkt sich auch auf die L\u00e4nge der Predigt aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erw\u00e4hlt zum Volk des Eigentums aus allen V\u00f6lkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erw\u00e4hlt, weil ihr gr\u00f6\u00dfer w\u00e4ret als alle V\u00f6lker \u2013 denn du bist das kleinste unter allen V\u00f6lkern \u2013, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren V\u00e4tern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgef\u00fchrt mit m\u00e4chtiger Hand und hat dich erl\u00f6st von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des K\u00f6nigs von \u00c4gypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied h\u00e4lt denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und s\u00e4umt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.<\/em><\/p>\n<p><em>Und wenn ihr diese Rechte h\u00f6rt und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen V\u00e4tern geschworen hat, \u2026<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie habt ihr das, was hier gesagt ist, geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Als Zusage, Freundliches Entgegenkommen, gar als Liebeserkl\u00e4rung?<\/p>\n<p>Oder ist da Drohung mit Vergeltung bei dir angekommen.<\/p>\n<p>Ich bitte um ein Zeichen bei der Abstimmung:<\/p>\n<ul>\n<li>Drohung mit Vergeltung: ????<\/li>\n<li>Liebeserkl\u00e4rung: ????<\/li>\n<li>Beides gleich stark: ???<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwei Versuchungen bringt dieser Abschnitt f\u00fcr die Bibelleserin, den Bibelleser:<\/p>\n<ol>\n<li>Den Text abzuk\u00fcrzen. Nur das zu lesen, was angenehm und nett ist. Und den Rest untern Tisch oder unter die Kanzel fallen zu lassen.<\/li>\n<li>Das Ganze zu lesen, mit der Bemerkung: Tja, so ist halt das Alte Testament. Da muss doch immer gleich vom T\u00f6ten und Vergelten die Rede sein.<\/li>\n<\/ol>\n<p>H\u00f6ren wir also auf die ganze Botschaft. Obwohl nicht wir, die christliche Gemeinde hier in Ottakring, sondern das Volk Israel die ersten Adressaten sind.<\/p>\n<p>Ich habe es noch im Ohr, wie in meiner Kindheit nur wenige Jahre nach dem Holocaust bestimmte Leute dem Volk der Juden Arroganz vorgeworfen haben.<\/p>\n<p>Das klang dann so \u00e4hnlich: \u201eSie glauben, dass sie was Besseres sind als alle anderen. Sie meinen ja, dass sie das erw\u00e4hlte Volk sind.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin sicher: Niemand von diesen Leuten hat sich je die M\u00fche gemacht, in der Bibel nachzuschlagen. Denn die Begr\u00fcndung, warum der biblische Gott gerade Israel erw\u00e4hlt hat, ist ja nicht sehr schmeichelhaft: Sie waren die Kleinsten, wohl auch die Schw\u00e4chsten von allen. Ich sehe keinen Grund, warum man sich deshalb besonders gut vorkommen sollte.<\/p>\n<p>Wir heute hier sind es nicht, die in diesem Sinn erw\u00e4hlt wurden.<\/p>\n<p>Aber wir haben hier ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die Liebe vor uns. \u00dcber die Liebe Gottes. Zugleich kann es f\u00fcr uns ein Lehrst\u00fcck werden \u00fcber unsere eigene F\u00e4higkeit zu lieben.<\/p>\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt gehe ich die Botschaft des Propheten durch:<\/p>\n<p>Das Volk ist das Kleinste von allen. Und das erregt die Liebe des biblischen Gottes. Ich trau mich zu sagen: Gott liebt die Kleinen und die Schwachen. Und Jesus hat das bei seinen allt\u00e4glichen Begegnungen gelebt. Denn: Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe das sind Worte UND Taten.<\/p>\n<p>Viele von uns wurden als Baby getauft. Da haben wir noch kein einziges Gebot gekannt. Nicht die zehn Gebote. Und auch nicht das, was Jesus geboten hat. Da waren wir klein, schwach und unendlich abh\u00e4ngig von anderen. Gott liebt zuerst. Gott liebt, auch wenn wir diese Liebe noch nicht erwidern k\u00f6nnen, und noch gar nichts von ihr wissen. Das ist f\u00fcr mich die Botschaft der S\u00e4uglingstaufe.<\/p>\n<p>Wir haben unter uns aber auch Menschen, die erst vor kurzem als Erwachsene getauft wurden. (Anmerkung: Es handelt sich um Asylberechtigte aus dem Iran und Afghanistan. Sie bilden inzwischen eine beachtliche Gruppe in der Gemeinde.) Auch eure Taufe ist ein Zeichen, dass Gott die Schwachen liebt. Denn eure Position hier in \u00d6sterreich war zur Zeit eurer Taufe unsicher. Ja, zum Teil sogar gef\u00e4hrdet. Eure Taufe war f\u00fcr uns, die wir mit dabei waren, ein Auftrag. Euch zu sch\u00fctzen und zu unterst\u00fctzen. So gut wir halt vermochten. Die Liebe Gottes wird erst sp\u00fcrbar, wenn Menschen, die von ihr ber\u00fchrt wurden, sie weitergeben.<\/p>\n<p>Aber ich sehe auch, dass in unserem Land die Starken viel \u201eangesehener\u201c sind. Im Mittelpunkt stehen gew\u00f6hnlich nicht die Schwachen. Die Kleinen. Sie sind im \u00f6ffentlichen Leben so gut wie unsichtbar.<\/p>\n<p>Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe das sind Worte und Taten. Dazu geh\u00f6rt auch, jemanden erst einmal \u00fcberhaupt zu sehen. Ihn oder sie wahrzunehmen. Jesus hat gezeigt, wie das geht.<\/p>\n<p>Liebe ist Selbstverpflichtung. Der Gott der Bibel hat sich aus freien St\u00fccken an sein Volk gebunden. Gott verpflichtet sich, treu zu sein. \u00a0Gott verpflichtet sich, das Volk in die Freiheit zu f\u00fchren. \u00a0Den Worten folgen Taten. Im Fall von Israel f\u00fchrt Gott sie in der Gestalt der Wolkens\u00e4ule und der Feuers\u00e4ule pers\u00f6nlich aus \u00c4gypten heraus. Er h\u00e4lt seine Hand \u00fcber die Wasser des Roten Meeres, damit sie durchgehen k\u00f6nnen. Das alles, ohne irgendeine Bedingung zu stellen.<\/p>\n<p>Aus Liebe dem anderen zur Freiheit verhelfen. Die Sehnsucht nach Freiheit unterst\u00fctzen. Den Weg in die Freiheit erm\u00f6glichen. Bedingungslos. Ich sehe, wie menschliche Liebe in Gefahr ist, den Geliebten, die Geliebte \u00e4ngstlich festzuhalten. Ihm oder ihr die Freiheit zu nehmen.<\/p>\n<p>Liebe wirkt viel weiter als nur zum geliebten Gegen\u00fcber. Bis ins tausendste Glied, also nicht nur die Kinder, sondern deren Kindeskinder und noch viel weiter wirkt sich die g\u00f6ttliche Liebe aus. Und mit der menschlichen ist es \u00e4hnlich. Das kann ein Segen sein, dort wo Liebe waltet und den Alltag durchdringt. Das kann \u00fcber Generationen zur Belastung werden, wenn diese Liebe fehlt.<\/p>\n<p>Da braucht niemand noch extra draufhauen. Da braucht niemand sich irgendwelche Vergeltungsaktionen ausdenken. So wie Liebe ein Selbstl\u00e4ufer ist, so ist es auch das Versagen in der Liebe. Die Folgen stellen sich zwangsl\u00e4ufig von selbst ein.<\/p>\n<p>Aber anders als bei gescheiterten menschlichen Liebesbeziehungen, ist in der Beziehung von Gott zu seinen Menschen dann das letzte Wort nie gesprochen: Immer und immer wieder, so erz\u00e4hlt das Alte Testament, hat Gott erneut seine Liebe angeboten und damit aufs Spiel gesetzt. Unverdrossen. Und im Wissen, wie schwach die F\u00e4higkeit von uns Menschen ist, treu zu sein und zu bleiben.<\/p>\n<p>Womit wir wieder am Anfang w\u00e4ren: Gott, der das Schwache liebt, wendet sich ihm in besonderer Weise zu.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Evangelium: Mt 28,16-20<\/p>\n<p>Liedvorschlag:<\/p>\n<p>EG 665: (nicht in allen Landesanh\u00e4ngen) Liebe ist nicht nur ein Wort https:\/\/www.tritonus.eu\/Chorsaetze\/Liebeistnicht.pdf<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EG 401 Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfrn. i. R. Dr. Christine Hubka;<\/p>\n<p>Derzeit evang. Gef\u00e4ngnisseelsorge Wien<\/p>\n<p>christine.hubka@gmx.at<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 19. Juli 2020 | 5. 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