{"id":3070,"date":"2020-07-22T19:14:18","date_gmt":"2020-07-22T17:14:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3070"},"modified":"2020-07-22T19:24:52","modified_gmt":"2020-07-22T17:24:52","slug":"geschwisterliebe-fremdenliebe-gottesliebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/geschwisterliebe-fremdenliebe-gottesliebe\/","title":{"rendered":"Geschwisterliebe \u2013 Fremdenliebe \u2013 Gottesliebe&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Geschwisterliebe \u2013 Fremdenliebe \u2013 Gottesliebe: alles eins. Und alles entscheidend. | 7. Sonntag nach Trinitatis \u2013 26. Juli 2020 |&nbsp;Predigt zu Hebr\u00e4er 13, 1-3 | verfasst von Pfrin Kira Busch-Wagner |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wochenspruch (Eph 2,19) hat uns willkommen gehei\u00dfen zum Auferstehungstag. Mit der Zusage, dass die Getauften um Christi willen bei Gott doch dazu geh\u00f6ren. Der Wochenspruch nimmt den vergangenen Sonntag nochmals auf, wo es darum ging, dass Christinnen und Christen Israels Erw\u00e4hlung mitgenie\u00dfen. An Israels Seite teilhaben k\u00f6nnen an den Bundesschl\u00fcssen Gottes mit seinem Volk. Dass sie nicht einfach nur zu Besuch sind beim biblischen Gott. Sondern Familienmitglieder. Als Leib Christi n\u00e4mlich.<\/p>\n<p>Der Predigtabschnitt f\u00fcr den Sonntag heute stellt dazu die andere Seite der Medaille. Die Erwartung und das Recht, dass wir nun unsererseits herausgefordert sind zu einem entsprechenden Verhalten in Gottes Haus und von dort her ausstrahlend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Schreiben \u201eAn die Hebr\u00e4er\u201c in Gestalt eines Briefes, bringt im letzten Kapitel, im 13., ganz entsprechend der \u00fcblichen praktischen Schlussbemerkungen eines Briefes klare Ansagen, zumal in einer wahrhaft literarischen und seelsorglichen Komposition.<\/p>\n<p><em>Geschwisterliche Liebe bleibe. Fremdenliebe sei nicht vergessen. <\/em><\/p>\n<p><em>Denkt an die Gefangenen \u2013 es k\u00f6nntet ihr selber sein. <\/em><\/p>\n<p><em>An die Misshandelten \u2013 wie w\u00fcrde euch die Misshandlung schmerzen. <\/em><\/p>\n<p><em>Was auch andere sagen: Ihr k\u00f6nnt Ehen schlie\u00dfen, Beziehungen eingehen, ihr tut das in Ehren. <\/em><\/p>\n<p><em>Eigentum ist nicht alles. <\/em><\/p>\n<p><em>Achtet, die euch Gottes Wort bringen. <\/em><\/p>\n<p><em>Lasst euch nicht irre machen. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So gebildet der Brief sich zeigt \u2013 die Ratschl\u00e4ge sind bodenst\u00e4ndig. Beziehen sich wie in den Briefen des Paulus genau auf das, was die Gemeinde erlebt. Dass sie infrage gestellt wird. Gemeindegliedern Gefangenschaft und Folter droht. Man aufeinander angewiesen ist. Daran h\u00e4ngt alles: Zuwendung nach innen \u2013 wie Geschwistern. Zuwendung nach au\u00dfen gegen\u00fcber Fremden \u2013 wie Engeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wem biblische Geschichten vertraut sind, seien es die Adressaten des Schreibens aus den Lesungen der Thora in der Synagoge, seien es Christinnen und Christen heute aus dem Kindergottesdienst, aus der Schule, ganz egal \u2013 wem biblische Geschichten vertraut sind, dem f\u00e4llt m\u00f6glicherweise jene Geschichte ein, in der Abraham drei M\u00e4nner beherbergt (Genesis 18). Sie bringen ihm die gro\u00dfe Verhei\u00dfung mit: er wird Vater werden. Vater eines Sohnes und damit Vater seines Volkes. Und wenn wir die Geschichte in der Bibel lesen, ist unklar: sind es drei M\u00e4nner? Sind es drei Engel, Boten Gottes? Oder vielleicht Gott selbst? Der orthodoxe Ikonenmaler Andrej Rubljow hat diese Unsch\u00e4rfe in der Geschichte interpretiert als Dreifaltigkeit Gottes und die Gastfreundschaft als Eucharistie, als Abendmahl. So konnte er alles zusammenhalten.<\/p>\n<p>Einige haben Engel beherbergt, und mit ihnen Gott selbst. Darin sind sich der Verfasser des Hebr\u00e4ertraktats und der orthodoxe Maler einig. Liebe nach innen, Liebe nach au\u00dfen \u2013 am Ende sind sie gar nicht mehr zu trennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann kommt das Schreiben auf die Gefangenen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend G\u00e4ste frei sind zu kommen und zu gehen, sind Gefangene ja zwangsweise dort, wo sie sind. Sie sind nicht zuhause, sondern festgehalten. Sie sind nicht willkommen, sondern wurden gefasst. Gefangenen wird mit Angst oder Groll begegnet, gar mit Hass.<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief denkt an beide Formen h\u00e4uslicher Gemeinschaft, an beide Formen des Zusammenlebens. Den Gefangenen gilt bis ins k\u00f6rperliche Mitempfinden seine Anteilnahme. Misshandlung in der Haft, Todes\u00e4ngste, Folter greifen auch den Leib an seiner Leser. Vielleicht kann man auch sagen: greifen an den Leib Christi. Schlie\u00dflich liegen f\u00fcr die Christen der fr\u00fchen Zeit Gaststatus und Haft oft gar nicht weit auseinander. So wird der Reisemissionar und V\u00f6lkerapostel Paulus, vielfach Gast in den j\u00fcdischen und christlichen Gemeinden, aufgenommen als Bote Gottes, als Schriftgelehrter, schlie\u00dflich zum Gefangenen der r\u00f6mischen Beh\u00f6rden. Und vermutlich ist auch Petrus, eben noch geehrter Sch\u00fcler Jesu der ersten Stunde, als M\u00e4rtyrer gestorben nach Gefangennahme und Haft und Folter.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass dem Evangelisten Matth\u00e4us das Angebot von Speis und Trank UND der Besuch bei Gefangenen entscheidend ist. Ja, am Ende scheidend \u2013 so im Gleichnis Kapitel 25 \u2013 wenn es um Wohl und Wehe im Weltgericht geht und der Richter fragt: Habt ihr mir zu essen und zu trinken gegeben? Und habt ihr mich im Gef\u00e4ngnis besucht?<\/p>\n<p>Ob der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefs wohl schon Gelegenheit gehabt hat, das Evangelium nach Matth\u00e4us zu lesen? Auf alle F\u00e4lle treibt es den Hebr\u00e4erbriefschreiber wie den Evangelisten um: Gottes Gegenwart begegnet, wo immer Menschen leben. Im eigenen Haus, unterwegs unter fremdem Dach oder gezwungenerma\u00dfen in Haft. Geschwisterliebe, Fremdenliebe, Gottesliebe flie\u00dfen ins eins. Und sind entscheidend. Scheidend, wenn es um Wohl und Wehe der Christenheit geht. Wenn es um Wohl und Wehe der Menschen geht, die Gott doch ein Anliegen sind.<\/p>\n<p>Im Matth\u00e4usevangelium, in der Bergpredigt (7,12), ruft Jesus auf zur Goldenen Regel in ihrer handelnden, aktiven Gestalt: \u201eAlles, was ihr wollt,&nbsp;das&nbsp;euch die&nbsp;Leute tun,&nbsp;das&nbsp;tut ihnen auch!\u201c Wer das beherzigt, ist bereit zum ersten Schritt. Nimmt es auf sich, etwas vorzulegen. Das Risiko der N\u00e4chstenliebe einzugehen. Unsere Hebr\u00e4erbriefstelle treibt die Goldene Regel noch ein wenig weiter, rei\u00dft \u00fcber ihr den Himmel auf: da sind schon die Engel zu sehen.<\/p>\n<p>Und wie bei Abraham steht hinter allem Gottes Erw\u00e4hlung. Wie bei Abraham liegt in einer solchen Begegnung Gottes gro\u00dfe Verhei\u00dfung. Sie gilt f\u00fcr diese und f\u00fcr die kommende Welt. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Hilfreich ist der Kommentar zur Stelle und die \u00dcbersetzung von Martin Karrer, Der Brief an die Hebr\u00e4er, Kapitel 5,11-13.25 aus der Reihe:&nbsp; \u00d6kumenischer Taschenbuch-Kommentar zum Neuen Testament 20\/2, G\u00fctersloh 2008.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p>Neben den Wochenliedern<\/p>\n<p>Mit dir, o Herr, die Grenzen \u00fcberschreiten \u2026 (z.B. in: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder 2018)<\/p>\n<p>Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut \u2026. EG 662<\/p>\n<p>So jemand spricht: Ich liebe Gott \u2026 EG 412<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcrbitten:<\/p>\n<p>f\u00fcr Gefangene<\/p>\n<p>f\u00fcr Verbrecher<\/p>\n<p>f\u00fcr Unschuldige in Haft<\/p>\n<p>f\u00fcr Gefangene aus politischen Gr\u00fcnden, ganz besonders SchriftstellerInnen und JournalistInnen<\/p>\n<p>f\u00fcr Menschen, die aus Glaubensgr\u00fcnden verfolgt werden<\/p>\n<p>f\u00fcr Folteropfer<\/p>\n<p>f\u00fcr Traumatisierte, f\u00fcr die auch unsere Rechts- und Asylverfahren oft allzu belastend sind.<\/p>\n<p>f\u00fcr die Menschen in den Todeszellen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Totengedenken<\/p>\n<p>f\u00fcr die, die in den letzten beiden Wochen hingerichtet wurden nach langer Haft in den USA und in anderen L\u00e4ndern,<\/p>\n<p>denen das Leben durch Menschenhand genommen wurde.<\/p>\n<p>Wo wir uns doch dran halten, dass Gott das Leben gibt und kein Mensch vom Tod zum Leben f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kira Busch-Wagner, Karlsruhe; Kira.Busch-Wagner@kbz.ekiba.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschwisterliebe \u2013 Fremdenliebe \u2013 Gottesliebe: alles eins. 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