{"id":3093,"date":"2020-07-28T11:35:53","date_gmt":"2020-07-28T09:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3093"},"modified":"2020-07-28T11:35:53","modified_gmt":"2020-07-28T09:35:53","slug":"wolkenbruch-an-einem-sommertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wolkenbruch-an-einem-sommertag\/","title":{"rendered":"Wolkenbruch an einem Sommertag"},"content":{"rendered":"<h3>8. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 2.8.2020 |\u00a0Micha 3,5-7; 1. Joh. 4,1-6; Matth\u00e4us 7,33-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst\u00a0von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<h3><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Heute in den Gottesdienst zu gehen, das ist wie ein Wolkenbruch an einem sch\u00f6nen Sommertag.<\/p>\n<p>Die Worte prasseln auf uns nieder und reinigen die bedr\u00fcckte z\u00f6gerliche christliche Gemeinde \u2013 hier heute bei uns! Der Prophet Micha redet von den Berufspropheten ohne Visionen. Johannes warnt seine Gemeinde: <em>Glaubt nicht an alle, die in Namen des Heiligen Geistes reden, sondern untersucht sie, um zu sehen, ob sie von Gott kommen. <\/em>\u00a0Und schlie\u00dflich das m\u00fcndige Wort des Evangeliums: Worauf baust du deinen Glauben?<\/p>\n<p>So prasseln die Worte auf uns ein \u2013 wie ein Wolkenbruch!<\/p>\n<p>Und es ist schwer, heute Pastor zu sein, wo von den falschen Propheten die Rede ist, die weder Visionen noch Einsicht haben. Nicht weil der Pastor ein Prophet ist. Man kann ganz sprachlos werden aus Furcht, falsch zu klingen, voller Klischees zu sein. Und ich gebe zu: Auf dem Wege hierher sind mir die Worte durch den Wolkenbruch weggesp\u00fclt.<\/p>\n<p>Denn wir wissen alle, dass wir vor den falschen Propheten auf der Hut sein sollen. Alle die Ratgeber und Experten, hierunter die Pastoren, die uns erz\u00e4hlen, wie wir leben sollen, was wir tun m\u00fcssen, um uns vor den Wolkenbr\u00fcchen zu sch\u00fctzen: Ein Wassersicherungspfropfen im Abflussrohr. So k\u00f6nnen wir den Keller in unseren gro\u00dfen Villen bauen und dort wohnen \u2013 in einem schweren Duft von Sp\u00fclmitteln, der uns im guten Glauben l\u00e4sst. So als ob!<\/p>\n<p>Denn die Wolkenbr\u00fcche kommen. Und sie greifen in unser Leben ein. Vom Keller bis zum Dach. Wieviel Isolierung wir auch eingebaut haben. Auch wir werden von Unsicherheit \u00fcberw\u00e4ltigt. Denn was steht fest? Und wir suchen dann nach Wissen und Rat. Und fragen die Experten. Was sagt die Wissenschaft. Auf die sollten wir doch h\u00f6ren. Die Klugen, die Bescheid wissen. Was sollen wir tun?<\/p>\n<p>Aber diese Coronazeit lehrt uns, dass es nicht nur eine Wissenschaft gibt, sondern viele. Und dass es darauf ankommt, wen wir fragen. Mundschutz, Quarant\u00e4ne, gesunde Vernunft? Die Wissenschaften sind sich nicht einig. Und immer neues Wissen kommt zu uns. Und wir werden noch verwirrter. Und das, was wir f\u00fcr festes objektives Wissen hielten, wird fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Das ist, wie wenn man von Fels zu Fels springt in einem rauschenden Wasserfall. Wir suchen nach festem Grund. Und Ratgeber, Coaches, Mentoren haben einen gro\u00dfen Markt. So wie uns Kommunikationsberater, Meinungsmacher, Zeitungsautoren mit Analysen, Auslegungen und Visionen f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Auf diesen ganzen Strom von Worten und Ratschl\u00e4gen h\u00f6ren wir, um uns zu sichern. In der Hoffnung, kl\u00fcger zu werden, Fallgruben zu vermeiden \u2013 die glatten Felsen. Wir suchen nach Sicherheit. Versuchen uns zu sichern.<\/p>\n<p>Aber die Wolkenbr\u00fcche kommen. Krankheit, Ungl\u00fcck und Tod, vielleicht wirtschaftlicher Ruin. Und wir k\u00f6nnen uns nicht vorbereiten, uns nicht sichern. Aber wir k\u00f6nnen in die Kirche gehen!<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns zu Ihm bekennen, der heute auf dem Berg spricht, w\u00e4hrend die V\u00f6gel singen und der Himmel blau ist. Er redet wie ein Wolkenbruch \u2013 mit Autorit\u00e4t. Und der das Wort Fleisch werden l\u00e4sst \u2013 den Weg weist, indem er ihn selbst geht.<\/p>\n<p>Der die Armen im Geist gl\u00fccklich preist, weil ihnen das Himmelreich geh\u00f6rt. Der die Trauernden gl\u00fccklich preist, weil sie Trost finden. Der Hoffnung verk\u00fcndet, Glauben und Liebe: Liebe nicht nur die, die dich lieben. Liebe deine Feinde. Bete nicht nur f\u00fcr die, die f\u00fcr dich beten. Bete f\u00fcr die, die dir widerstehen. Alles, was ihr wollt, dass die Menschen euch tun, sollt ihr f\u00fcr sie tun.<\/p>\n<p>Und das Reich, das er da f\u00fcr uns verk\u00fcndet, ist nicht nur eine Vision. Das ist es auch. Aber es ist eine Wirklichkeit, die schon ist \u2013 durch ihn. Weil er das Wort war, in Fleisch und Blut, es inkarnierte, Wort und Tat in einem.<\/p>\n<p>Er starb daran.<\/p>\n<p>Denn wir m\u00f6gen es nicht, als falsche Propheten entlarvt zu werden. Er l\u00e4sst ja das Haus zusammenfallen, das wir selbst bauen &#8211; auf uns selbst und was an uns ist.<\/p>\n<p>Und sie w\u00e4lzten einen gro\u00dfen Stein vor sein Grab. Und am dritten Tag war der Stein weg, und das Grab war leer.<\/p>\n<p>Das Wort ist von den Toten auferstanden. Als Geist. Heiliger Geist. Der l\u00e4sst sich nicht niederhalten. Der ist in der Welt. Mitten unter uns. Und der ruft uns \u2013 und wir gehen in die Kirche, und wir danken und loben Gott, und wir bekennen: Jesus Christus ist Herr.<\/p>\n<p>Aber h\u00f6rt: <em>Viele werden an dem Tag zu mir sagen: Herr, Herr! Und ich werden ihnen sagen, wie es ist: Ich habe euch nie gekannt. Verschwindet. Denn ihr tut nicht, was Gott will.<\/em><\/p>\n<p>Nicht jeder, der sagt: Herr, Herr, und der auf all das Gute verweist, was wir f\u00fcr die Kirche getan haben, geh\u00f6rt in sein Haus.<\/p>\n<p>Das heutige Evangelium <em>ist<\/em> ein Wolkenbruch an einem ganz gew\u00f6hnlichen sch\u00f6nen Sommertag! Was sollen wir tun? Worauf sollen wir unser Leben bauen?<\/p>\n<p>Auf Ihm Nicht auf uns selbst, sondern auf ihn. Sondern auf ihn, der in die Welt gesandt ist, Gottes Wort, in Fleisch und Blut, um Mensch unter Menschen zu sein.<\/p>\n<p>Auf ihn sollen wir bauen, dem es in seinem Leben nicht wie wir darum ging, sich selbst zu erl\u00f6sen, sondern um uns alle zu erl\u00e4sen, die <em>glauben<\/em>, dass wir uns selbst und einander erl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Er sicherte sich nicht gegen die Wolkenbr\u00fcche und all das, was uns den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegrei\u00dft. Er stellte sich dort mitten hinein \u2013 als ein Fels unter allen uns ratlosen Menschen, wenn wir glauben, dass alles verloren ist, die Hoffnung verloren haben und alles vergebens ist. Er nahm den Kampf auf gegen die Chaosm\u00e4chte, gegen die Selbstgerechtigkeit der Menschen \u2013 und Priester, ihre Heuchelei und ihre Sucht zu verurteilen, und auch gegen unseren Selbsthass und unsere Selbstverachtung. Er trug unsere Schuld und nahm unsere Schande auf sich.<\/p>\n<p>Er rief zu den Chaosm\u00e4chten und befahl ihnen, sich zu beruhigen &#8211; mit Autorit\u00e4t. Und sie gehorchten ihm.<\/p>\n<p>Und die Menschen wunderten sich. Wie wir, wenn wir in den allerschlimmsten Krisen in unserem Leben gl\u00fccklicherweise erleben d\u00fcrfen, dass uns dort etwas tr\u00e4gt \u2013 etwas, was feststeht.<\/p>\n<p>Und erfahren, mit Leib und Seele, dass wir uns das nicht selbst verdanken. Das ist etwas, was sich zeigt. Etwas, was geschieht. Mit uns. F\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Das nennt man Gnade. Und diese Gnade ruft eine tiefe Dankbarkeit hervor.<\/p>\n<p>Und es w\u00e4re \u00fcberfl\u00fcssig zu sagen, dass wir daf\u00fcr leben und danach handeln sollen. Denn das versteht sich von selbst. Glaube und Tat sind untrennbare Gr\u00f6\u00dfen. Wir haben gar keine Wahl. Wir k\u00f6nnen nicht w\u00e4hlen, ob wir auf Sand oder auf Felsen bauen sollen. Das ergibt sich von selbst, wenn wir auf ihn h\u00f6ren. Und das h\u00f6ren was er sagt. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p>DK-5230 Odense M<\/p>\n<p>Email: etg(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 2.8.2020 |\u00a0Micha 3,5-7; 1. Joh. 4,1-6; Matth\u00e4us 7,33-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst\u00a0von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | \u00a0 Heute in den Gottesdienst zu gehen, das ist wie ein Wolkenbruch an einem sch\u00f6nen Sommertag. 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