{"id":3103,"date":"2020-07-28T11:48:41","date_gmt":"2020-07-28T09:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3103"},"modified":"2020-07-28T11:48:41","modified_gmt":"2020-07-28T09:48:41","slug":"die-heilung-eines-blindgeborenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-heilung-eines-blindgeborenen\/","title":{"rendered":"Die Heilung eines Blindgeborenen"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt am 2.8.2020 &#8211; 8. Sonntag nach Trinitatis | Predigt \u00fcber Johannes 9,1-7 |\u00a0verfasst von Dr. Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Heilung eines Blindgeborenen\u201c &#8211; der heutige Predigttext hat es in sich. Es geht nicht nur um ein unglaubliches Wunder. Es geht auch um unsere Hilflosigkeit vor solchen Schicksalen. Nicht zuletzt ber\u00fchren Heilungsgeschichten ja auch unsere eigene Angst vor Blindheit und Behinderung. [Hinweis: Der Autor dieser Predigt ist selber von Kindheit an im Sehen eingeschr\u00e4nkt.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Heilung eines Blindgeborenen (Joh. 9,1-7)<\/p>\n<p>1\u00a0Und Jesus ging vor\u00fcber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2\u00a0Und seine J\u00fcnger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat ges\u00fcndigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3\u00a0Jesus antwortete: Es hat weder dieser ges\u00fcndigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4\u00a0Wir m\u00fcssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5\u00a0Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6\u00a0Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7\u00a0und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah \u2013 das hei\u00dft \u00fcbersetzt: gesandt \u2013 und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorschau<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Diese biblische Geschichte l\u00e4sst uns zun\u00e4chst sp\u00fcren, was wir k\u00f6nnen und was nicht. Darum m\u00f6chte ich mit Ihnen erst einmal f\u00fcr den medizinischen Fortschritt dankbar sein. Dann werden wir verstehen, welch ein Schock die Geburt eines Blindgeborenen war und welch ein Wunder hier aus damaliger Sicht erz\u00e4hlt wird. Wir werden h\u00f6ren, wie beide Ereignisse nach Deutung schreien. Und vielleicht werden wir dann besser h\u00f6ren k\u00f6nnen, welch andere Reaktion auf Leid Jesus von uns will: Nicht Ursachenforschung oder Schuldzuweisung, sondern Zuwendung mit Blick auf die Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eKugelrund und sorgenvoll\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lassen Sie uns zun\u00e4chst auf eine schwangere Frau in Deutschland schauen. Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung wird ein Mutterpass ausgestellt (https:\/\/www.familienplanung.de\/index.php?id=299). In ihm werden die Ergebnisse aller Untersuchungen und Behandlungen eingetragen. Hier kann eine Schwangere selber sehen, welche Untersuchungen staatlich vorgesehen sind und welche nicht. Im dritten Monat k\u00f6nnte sie ein Ultraschallbild herumzeigen. Insgesamt drei Ultraschall-Untersuchungen geh\u00f6ren zur Routine: Im dritten, sechsten und achten Monat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht zur Routine geh\u00f6ren weitere Verfahren der Pr\u00e4nataldiagnostik. Diese neueren vorgeburtlichen Untersuchungen sind nicht ganz risikofrei, manchmal aber doch angeraten. Nicht immer tragen sie zur Beruhigung bei. Nehmen wir nur den Fall, dass eine Behinderung zu vermuten ist. Dann stehen \u00dcberlegungen an, die Nerven und N\u00e4chte kosten. Und vor allem: Es muss entschieden werden. Das Gute: In Deutschland haben wir zahlreiche Beratungsstellen. Sie sollen betroffenen Frauen und Paaren zur Seite stehen, auch wenn die Entscheidungen im stillen K\u00e4mmerlein fallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz aller Unw\u00e4gbarkeiten des Lebens erwarten wir in Deutschland, dass medizinisches Handeln gelingt. Vor einigen Wochen habe ich mir im Blick auf diese Predigt einen Artikel aus meiner Tageszeitung aufgehoben. Er war mir wegen folgender Frage und Antwort eines Mediziners auf der Geburtsstation aufgefallen: \u201e[Frage] Sie praktizieren Hochleistungsmedizin. Muss dann auch das Kind perfekt sein, dass da geboren wird? Darf da aus Elternsicht \u00fcberhaupt noch etwas schiefgehen? [Antwort] Die Sicht, dass das nicht sein darf, hat etwas zugenommen. Eltern haben sich perfekt vorbereitet, akribisch Vorsorge gemacht und fragen bei Komplikationen manchmal: Wer ist daran schuld? Wer hat etwas falsch gemacht? Wir haben durch das Internet viel Halb- oder sogar gef\u00e4hrliches Nicht-Wissen, das Eltern verunsichert. Leider erleben wir auch eine Abwertung von Experten, mehr als fr\u00fcher.\u201c [Manchmal weint auch der Arzt, in: N\u00fcrnberger Nachrichten 20. Juni 2020, S. 12.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ber\u00fchrt hat mich die \u00dcberschrift des Artikels: \u201eManchmal weint auch der Arzt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutungen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eKugelrund und sorgenvoll\u201c, so hat meine Tageszeitung in einem anderen Artikel das Befinden von Schwangeren beschrieben. [Kugelrund und sorgenvoll, in: N\u00fcrnberger Nachrichten 4. Juni 2020, S. 22.] In Deutschland wohlgemerkt. Denken wir uns nun alles weg, was in Deutschland f\u00fcr eine Schwangere getan werden kann. Gehen wir in die biblische Vergangenheit, die in vielen L\u00e4ndern der Welt noch Gegenwart ist. Schwangerschaft: \u00dcberstanden. Geburt: \u00dcberlebt. Ja, es ist ein Junge. Aber bald zeigt sich: Er sieht nichts. Sofort steht das weitere Schicksal vor Augen. Wie f\u00fcr uns heute kann Ungl\u00fcck auch f\u00fcr die Menschen der Jesus-Zeit nicht einfach Zufall sein. Im Bibeltext wird eine von vielen m\u00f6glichen Deutungen genannt: Blindheit sei eine Strafe Gottes. \u201eSeine J\u00fcnger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat ges\u00fcndigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?\u201c (Joh. 9,2)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich drehe die Antwortm\u00f6glichkeiten um. Zuerst also die Eltern. In der Jesus-Zeit dachte man nicht so individualistisch wie wir. Darum hie\u00df es auch bei S\u00fcnden: Mitgehangen &#8211; mitgefangen. Auch wir heutigen finden durchaus solche Antworten auf die Behinderung eines Babys. Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft. Inzest. An denen ist das Kind ja auch nicht schuld und muss trotzdem die Folgen tragen.<\/p>\n<p>Die andere Idee der J\u00fcnger ist schwerer nachzuvollziehen: Kann ein Kind schon vor der Geburt Gott erz\u00fcrnen? K\u00f6nnte man das etwa aus Psalm 58,4 herauslesen? \u201eDie Frevler sind abtr\u00fcnnig vom Mutterscho\u00df an, die L\u00fcgner gehen irre von Mutterleib an.\u201c Die wissenschaftlichen Bibelausleger sind sich nicht einig. Manche sagen: Ja, es gab die Vorstellung, dass ein Kind schon im (!) Mutterleib s\u00fcndigen konnte. Andere sagen: Nein, diese Vorstellung gab es, jedenfalls zur Jesus-Zeit, nicht. Doch h\u00e4tte die Vorstellung eine gewisse Plausibilit\u00e4t. Jede Schwangere, die die Bewegungen eines F\u00f6tus sp\u00fcrt, wird ein gewisses Eigenleben unterstellen. Und wenn wir unterstellen, dass ein Kind schon im Mutterleib sp\u00fcren kann, ob es willkommen ist oder nicht; wer wei\u00df, ob es nicht umgekehrt einen fr\u00fchen Bezug des Kindes zum Leben-sollen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Antwort jedenfalls ist definitiv unm\u00f6glich. Manche nehmen Johannes 9 als Beleg f\u00fcr die Reinkarnation, eine Vorstellung aus Hinduismus und Buddhismus. Ihr Modell klingt zun\u00e4chst ganz schl\u00fcssig. Sie behaupten: Eine Seele habe ein schwereres Schicksal bekommen oder gew\u00e4hlt, um schlechtes Karma aus einem fr\u00fcheren Leben abzuarbeiten. Und dann zeigen sie auf diese Bibelstelle und sagen, die Reinkarnation sei schon in der Bibel zu finden. Nur h\u00e4tte die Kirche den Gedanken unterdr\u00fcckt. Die Idee eines Kreislaufes der Geburten passt aber nicht mit dem Monotheismus des Judentums zusammen. Gott ist der Sch\u00f6pfer und der einzige Ewige. Alles andere hat einen Anfang und ein Ende; alles andere ist nicht ewig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Umstehende kann es etwas Entlastendes haben, Gr\u00fcnde zu finden, Schuld zuweisen zu k\u00f6nnen. Den direkt Betroffenen hilft es nat\u00fcrlich nicht. Jesus hat in unserem Predigttext noch eine andere Antwort: \u201eJesus antwortete: Es hat weder dieser ges\u00fcndigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.\u201c (Joh. 9,3)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wunder<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Jesus machte eine Heilpaste, und es wurde gut. (Joh. 9,6-7) So einfach steht das im Johannes-Evangelium. Aber so einfach ist es f\u00fcr uns nicht, weil wir naturwissenschaftlich gepr\u00e4gt sind. Wir sehen in Wundern nicht das Wunderbare, sondern zuerst die Durchbrechung der Naturgesetze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es wissenschaftliche Experten f\u00fcr die Erforschung der Bibel. Nach ihrer Auskunft kann als sicher gelten, dass Jesus Heilungswunder getan hat. Wunder aus der Perspektive seiner Zeitgenossen wohlgemerkt. Laut wissenschaftlicher Auskunft hat der Evangelist Johannes die Heilung eines Blindgeborenen in einer Sammlung von sieben besonders gro\u00dfen Wundern vorgefunden. F\u00fcr ihn waren die Wunder Jesu kein Problem. Auch von Kaisern und K\u00f6nigen seiner Zeit erwartete man Wunder bzw. erz\u00e4hlte man Wundergeschichten. Es h\u00e4tte die Zeitgenossen gewundert, wenn die Christen nichts Wunderbares von ihrem Jesus erz\u00e4hlt h\u00e4tten. Zugleich wusste der Evangelist, dass Wunder nicht einfach von sich aus die Bedeutung Jesu erkennbar machen. Sie waren Zeichen, die im Besonderen das wirklich Wichtige durchscheinen lassen, wie wenn der Blinde \u201ezu dem Teich Siloah &#8211; das hei\u00dft \u00fcbersetzt: gesandt\u201c gehen und sich waschen soll. (Joh. 9,7) Da erkennt der Gl\u00e4ubige den Gesandten Gottes am Werk, den Messias, den Christus. Andere erkennen das nicht. Sie sind blind f\u00fcr das Heil, das sich ereignet hat. Das kann man sehr gut an der Fortsetzung unseres Predigttextes im ganzen Kapitel Johannes 9 sehen. Was sind also die Wunder\u00fcberlieferungen der Bibel wert? Zeichen? Ja! Beweise? Eher nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kehren wir zum Wunderbaren der Jetzt-Zeit zur\u00fcck. Es ist schon angesprochen worden: F\u00fcr uns sind die F\u00e4higkeiten der \u00c4rzte so selbstverst\u00e4ndlich, dass Prozesse \u00fcber Kunstfehler gef\u00fchrt werden, wenn die Behandlung nicht funktioniert. W\u00e4hrend wir im Westen die medizinische Kunst eher entzaubern, erscheint sie in anderen L\u00e4ndern immer noch wunderbar. Manche \u00c4rzte und \u00c4rztinnen, Krankenschwestern und Pfleger erkennen ihre Profession auch als Aufgabe an der Dritten Welt. Sie spenden einen Teil ihres Einkommens und Urlaubs, um im Ausland zu helfen. Und so bringen sie in den armen Ecken der Welt Dinge in Ordnung, die bei uns selbstverst\u00e4ndlich sind, in diesen L\u00e4ndern aber nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal werden auch Blinde wieder sehend, &#8211; weil das eben in bestimmten F\u00e4llen mit medizinischem Wissen m\u00f6glich ist. Nur ein geringerer Teil der Blindheit ist angeboren oder genetisch vorprogrammiert. Grauer Star, Gr\u00fcner Star, Augenentz\u00fcndungen bedrohen erst im Laufe des Lebens das Sehen. Die H\u00e4lfte der 40 Mio. Blinden weltweit leidet unter einer Eintr\u00fcbung der Augenlinse, die operativ relativ leicht und preiswert zu beheben ist. F\u00fcr diese Blinden k\u00f6nnen \u201eWunder\u201c geschehen. F\u00fcr andere nicht. Immer wieder muss so ein tapferes \u00c4rzteteam einer hoffnungsvollen Person und Familie sagen: Nein, da k\u00f6nnen auch wir nichts tun. Und bitter ist es, wenn man dazu setzen m\u00fcsste: Wir k\u00f6nnen jetzt nichts mehr tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00c4nderung der Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und da kommt noch einmal der Satz Jesu zum Tragen: \u201eEs sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.\u201c (Joh. 9,3) Jesus wendet unseren Blick weg von der Ursachenforschung, hin zu dem, was man tun kann. Und das gilt auch dann noch, wenn man medizinisch nichts mehr tun kann oder das ehrenamtliche Medizinteam wieder abgereist ist. Hier sind dauerhafte Einrichtungen n\u00f6tig, die Blinden neue Perspektiven er\u00f6ffnen. Schulen und Berufsausbildungen f\u00fcr Kinder und Jugendliche, Werkst\u00e4tten f\u00fcr \u00e4ltere. Auch wenn sie nicht \u00fcberall helfen kann, ist dies ein traditionelles Arbeitsfeld der christlichen Blindenmission. Ich m\u00f6chte zwei Werke nennen, die Hildesheimer Blindenmission und die Christoffel-Blindenmission. Die eine ist \u00e4lter, die andere bekannter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst die \u00e4ltere von beiden. Die Hildesheimer Blindenmission wurde 1890 von Luise Cooper begr\u00fcndet. Sie war mit der Berliner Mission in Hongkong gewesen, musste aber nach zwei Jahren aus Krankheitsgr\u00fcnden nach Deutschland zur\u00fcck. Das Schicksal der blinden M\u00e4dchen, die sie in Hongkong gesehen hatte, lie\u00df sie nicht los. Ich zitiere aus der Darstellung im Internet: \u201eNach dem volkst\u00fcmlichen buddhistischen Verst\u00e4ndnis Chinas richtet sich die Qualit\u00e4t des gegenw\u00e4rtigen Lebens nach der mehr oder weniger gro\u00dfen Schuld des Vorlebens. Man glaubte an die st\u00e4ndige Wiedergeburt. Als M\u00e4dchen geboren zu werden, galt als Strafe f\u00fcr b\u00f6se Taten im Vorleben \u2013 waren sie dann auch noch blind oder behindert, so deutete das auf eine weitere, noch gr\u00f6\u00dfere Schuld hin. Das Schicksal blinder M\u00e4dchen war es, verachtet und versto\u00dfen oder vor den T\u00fcren buddhistischer Tempel abgelegt zu werden. [&#8230;] Als Christin konnte sie an diesem Leid nicht einfach vor\u00fcbergehen, ohne etwas zu tun. Sie war der \u00dcberzeugung, Gott habe sie berufen, diesen Kindern zu helfen. Gewiss w\u00fcrde er ihre Arbeit segnen, wenn sie nur anfinge. Und so begann sie zu schreiben, hielt Vortr\u00e4ge und gr\u00fcndete den Hildesheimer Missionshilfeverein.\u201c F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter war genug Geld zusammen, um jemanden nach Hongkong zu schicken. Die Johanniterschwester Martha Postler war dazu bereit. 1896 wurde sie in Hildesheim ausgesandt. Wenige Monate sp\u00e4ter zeigten ihre Briefe, dass sie sich in Hongkong eingelebt hatte und ihre Arbeit von der Bev\u00f6lkerung angenommen wurde. Die Briefe zeigen Martha Postler als Frau mit Tatkraft, Mut und Verstand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Hildesheimer Blindenmission ist immer noch in Ost- und S\u00fcdostasien t\u00e4tig, mit Schulen, Projekten und Bildungseinrichtungen f\u00fcr blinde Kinder und Jugendliche. Die Christoffel-Blindenmission ist sicher bekannter. Sie wirbt aktiver um Spenden und ist auch in viel mehr L\u00e4ndern aktiv. Die Christoffel-Blindenmission ist heute eine der zehn gr\u00f6\u00dften Hilfsorganisationen in Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ernst Jakob Christoffel war 1904 nach seiner theologischen Ausbildung in den Orient gegangen. Im Nordosten der T\u00fcrkei \u00fcbernahm er mit seiner Schwester Hedwig die Leitung zweier Waisenh\u00e4user. Dabei fiel ihm das Elend der Blinden auf. Christoffel beschrieb es so: \u201eDie materielle, moralische und religi\u00f6se Lage der Blinden ist furchtbar. Der gr\u00f6\u00dfte Prozentsatz bettelt. Blinde M\u00e4dchen und Frauen verfallen vielfach der Prostitution.\u201c Christoffel und seine Schwester beschlossen 1906, sich ganz in den Dienst dieser Behinderten zu stellen. Die Anf\u00e4nge waren schwierig. Der Erste Weltkrieg, der V\u00f6lkermord an den Armeniern, der Zerfall des Osmanischen Reichs bzw. die Gr\u00fcndung der T\u00fcrkei taten ihr weiteres. Als Christoffel nicht mehr in der T\u00fcrkei arbeiten konnte, ging er nach Persien, in den heutigen Iran. Hier kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. In der Nachkriegszeit war Christoffel einige Jahre in Deutschland, wo er ein Heim f\u00fcr Kriegsblinde einrichtete. Seine Mission lag aber im Nahen Osten. 1951 ging er wieder nach Persien, wo er 1955 starb. Seine Schule f\u00fcr blinde und andere schwerstbehinderte M\u00e4nner wurde 1979 nach der islamischen Revolution von den Beh\u00f6rden geschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schlussgedanke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich komme zum Schluss. \u201eDie Heilung eines Blindgeborenen\u201c r\u00fchrt an unserer Angst vor Blindheit und Behinderung, aber auch an unserer Hilflosigkeit, wenn es andere getroffen hat. Aber wie immer auch die Ursachen f\u00fcr fremdes Leid sind. Wir sollten als Christen eine besondere Perspektive auf das Ungl\u00fcck anderer Menschen einnehmen. Nicht die Distanzierung mithilfe von Erkl\u00e4rungen und Schuldzuweisungen. Jesus sucht Menschen mit offenen Augen und offenen Herzen, mit Tatkraft und Zuversicht, die im Blick auf die Zukunft dieser Menschen das christliche Zeugnis sehen. \u201eDie Werke Gottes sollen offenbar werden\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und derzeit als Religionslehrer am Melanchthon-Gymnasium N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am 2.8.2020 &#8211; 8. Sonntag nach Trinitatis | Predigt \u00fcber Johannes 9,1-7 |\u00a0verfasst von Dr. Hansj\u00f6rg Biener | &nbsp; \u201eDie Heilung eines Blindgeborenen\u201c &#8211; der heutige Predigttext hat es in sich. 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