{"id":3129,"date":"2020-08-05T16:11:06","date_gmt":"2020-08-05T14:11:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3129"},"modified":"2020-08-05T16:11:06","modified_gmt":"2020-08-05T14:11:06","slug":"resonanz-spueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/resonanz-spueren\/","title":{"rendered":"Resonanz sp\u00fcren"},"content":{"rendered":"<h3>9. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 09.08.2020 |\u00a0Predigt zu Jeremia 1, 4-12 | verfasst von Sabine Handrick |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Wort Gottes\u00a0erreichte mich:\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Schon bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt. <\/em><\/p>\n<p><em>Noch bevor du aus dem Mutterscho\u00df hervorkamst, habe ich dich\u00a0an mich gezogen. <\/em><\/p>\n<p><em>Zum Propheten f\u00fcr die\u00a0Nationen habe ich dich bestimmt.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ich sagte: Ach,\u00a0Gott, du\u00a0g\u00f6ttliche Macht! <\/em><\/p>\n<p><em>Ich kann doch nicht reden, ich bin noch so jung.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Gott\u00a0antwortete mir: Sag nicht, ich bin noch so jung. <\/em><\/p>\n<p><em>Denn wohin ich dich schicke, dorthin sollst du gehen, <\/em><\/p>\n<p><em>und was ich dir auftrage, das sollst du sagen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Habe keine Angst vor ihnen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten, so\u00a0Gottes\u00a0Spruch.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann streckte\u00a0Gott\u00a0die Hand aus, ber\u00fchrte meinen Mund und\u00a0Gott\u00a0sagte zu mir: <\/em><\/p>\n<p><em>Hiermit lege ich meine\u00a0Worte in deinen Mund.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Siehe, heute setze ich dich \u00fcber die\u00a0Nationen und \u00fcber die K\u00f6nigreiche ein, um auszurei\u00dfen und einzurei\u00dfen, um zugrunde zu richten und niederzurei\u00dfen, um aufzurichten und einzupflanzen.<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<p><em>Dann erreichte mich das\u00a0Wort Gottes: Was siehst du, Jeremia? <\/em><\/p>\n<p><em>Ich antwortete: Einen Mandelzweig\u00a0sehe ich.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Gott\u00a0erwiderte mir: Gut hast du beobachtet, denn ich wache \u00fcber meinem Wort, um es auszuf\u00fchren.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>\u00dcbersetzung: Bibel in gerechter Sprache<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Heute nehme ich Euch mit auf eine Spurensuche durch Wort und Zeit, Poesie und Klang. Beginnen m\u00f6chte ich die Predigt mit einer pers\u00f6nlichen Erinnerung. Sie geh\u00f6rt zu meinen ersten spirituellen Erfahrungen, auf die ich mich besinnen kann.<\/p>\n<p>Und wenn Ihr mir zuh\u00f6rt, m\u00f6gt Ihr Euch fragen: Kenne ich \u00c4hnliches? Wie war es bei mir? \u00dcberfiel mich irgendwann einmal dieses Gef\u00fchl des \u00dcberw\u00e4ltigt-Seins, ein Staunen, das sich mit Worten kaum ausdr\u00fccken l\u00e4sst?<\/p>\n<p>Ich war 4 bis 6 Jahre alt, \u00e4lter kaum, denn ich ging noch nicht zur Schule. Ich konnte nicht lesen, was auf den Zetteln stand, die die Anderen in den H\u00e4nden hielten. Ich sass auf einer Kirchenbank weit oben auf einer der Emporen in dieser riesigen Kirche. Der helle, schlichte Raum war erf\u00fcllt vom Chorgesang. Ich konnte alles gut sehen, die Orgel, die Lichter, den ganzen Chor. Die Knabenstimmen strahlten und liessen eine Musik erklingen, die meinen inneren Raum ganz weit machte.<\/p>\n<p>Ich genoss jede Minute und h\u00e4tte noch viel l\u00e4nger stillsitzen k\u00f6nnen als jene halbe Stunde, die die Kreuzchor-Vesper ungef\u00e4hr dauerte. Meine Eltern nahmen mich oft mit zu diesen musikalischen Andachten.<\/p>\n<p>In meiner Erinnerung sehe ich sie vor mir, die kleinen Solisten nur wenig \u00e4lter als ich. Ihr heller Sopran t\u00f6nte durch die ganze Kirche. Ob sie oder ich damals wirklich verstanden, wovon sie sangen, sei dahingestellt, aber dieser Musik konnte ich mich nicht entziehen. Ich sp\u00fcrte tief in mir, dass uns eine Wirklichkeit umgibt, die gr\u00f6sser ist als wir, und die unser Verstehen weit \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Jeremia Gott begegnet, ist er ein sehr junger Mann, fast noch ein Kind. Er kann kaum fassen, was ihm da widerf\u00e4hrt. Doch die Antwort, die er bekommt, ist eindeutig: <em>Sag nicht, ich bin noch so jung! <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Beginn des Jeremia-Buches in der hebr\u00e4ischen Bibel findet man die Erinnerung an diese Begegnung zwischen Gott und Jeremia. Jeremia wurde vor ungef\u00e4hr 2650 Jahren geboren (627-586). Er stammte aus einer Priesterfamilie. Seine Kindheit verbrachte er in der N\u00e4he von Jerusalem.<\/p>\n<p>Er hatte einen treuen Freund, der hiess Baruch und dieser schrieb viele Jahre sp\u00e4ter auf, was Jeremia einst erlebt hatte.<\/p>\n<p>Wie aber das Wort Gottes zu Jeremia geschah<sup>1 <\/sup>, ob er es h\u00f6rte oder innerlich sp\u00fcrte, ist schwer zu sagen. Aber dass da ein Gegen\u00fcber vernehmbar war, dieses ferne und doch nahe DU, das ihn ansprach, wird aus dem biblischen Text deutlich. \u00ab<em>Das Wort Gottes\u00a0erreichte mich.\u201c <\/em>\u00fcbersetzt die Bibel in gerechter Sprache.<\/p>\n<p>Meine Lieben, stellen wir uns diese Begegnung wie einen inneren Dialog vor:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Jeremia. Jeremia &#8211; Du geh\u00f6rst zu mir! <\/em><\/p>\n<p>Mhhh. Was war das? Wie bitte?<\/p>\n<p><em>Ja. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Ich kenne dich, schon lange. Im Mutterleib schon, bevor Du das Licht der Welt erblicktest, habe ich deine Einzigartigkeit gesehen. <\/em><em>Ich habe einen Plan f\u00fcr dich! \u2026. Ich werde dich zu meinem Propheten machen.<\/em><\/p>\n<p>O Gott &#8211; nein! Such dir einen anderen! Ich bin viel zu jung. Deine Macht \u2013 wie soll ich das aushalten?<\/p>\n<p><em>Hab keine Angst. Ich weiss, du kannst es. Durch dich werden Menschen aus aller Welt viel lernen.<\/em><\/p>\n<p>Ich weiss nicht. Wer soll auf mich h\u00f6ren? Mir zittern jetzt schon die Knie. Ich bin dem nicht gewachsen.<\/p>\n<p><em>Ich bin bei dir, f\u00fcrchte dich nicht. Ich werde dir beistehen und du wirst wissen, was du sagen sollst. Bald schon wirst du dich auf den Weg machen.<\/em><\/p>\n<p>Nein, nein, nein. Ich kann das nicht. Ich bin ein Nichts. Andere wissen viel mehr als ich. Ich kann nicht\u2026<\/p>\n<p><em>(Psst) Sp\u00fcrst du es\u2026? (ich ber\u00fchre deinen Mund) Ich werde dir meine Worte in den Mund legen. Mit meinem Geist wirst du sprechen. Du wirst schon sehen!<\/em><\/p>\n<p><em>Und wenn sie nicht auf dich h\u00f6ren, dann bekommen sie es mit mir zu tun! <\/em><\/p>\n<p><em>Dich aber werde ich retten. Vertrau mir.<\/em><\/p>\n<p>Danach bleibt die Stimme, die zu ihm sprach, still.<\/p>\n<p>Jeremia schweigt. Sein Herz brennt. Sein Mund f\u00fchlt sich taub an. Sein Kopf ist leer. Er verbirgt sein Gesicht in den H\u00e4nden und versucht, die unglaublichen Gedanken fortzuwischen. Als er die Augen \u00f6ffnet \u2013 sieht er einen bl\u00fchenden Mandelzweig vor sich.<\/p>\n<p><em>Siehst du?! \u2026Genau. Du siehst es!<\/em> \u2026<em> Ich werde daf\u00fcr sorgen, dass es geschieht, wozu ich dich sende\u2026 verlier nie die Hoffnung!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, an dieser Stelle blenden wir uns aus. Jeremia kann sich dem Auftrag nicht entziehen. Gott macht ihn zu seinem Propheten und zu seinem Sprachrohr. Ob der will oder nicht &#8211; von nun an, wird er Gottes Rufer sein, ein Berufener, der laut und vernehmlich Gottes Wort in die Welt tr\u00e4gt. Er wird seine Stimme erheben und ausrufen, damit alle h\u00f6ren und verstehen.<sup>2\u00a0 <\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch das Gegenteil passiert. Die Menschen sind blind f\u00fcr die Zeichen der Zeit und taub f\u00fcr die Machtworte Gottes. Jeremias Zeitgenossen kehren Gott den R\u00fccken.<sup>3<\/sup> Der Glauben, die einzigartige Beziehung zu Gott, verfl\u00fcchtigt sich.<\/p>\n<p>Jeremia mahnt: \u201eIhr k\u00f6nnt noch so viele Opfer im Tempel darbringen, wie ihr wollt. Das ist es nicht, worauf es ankommt.\u201c Doch er dringt nicht durch. Sie h\u00f6ren nicht auf ihn.<\/p>\n<p>Die Menschen sehen einfach nicht ein, warum sie irgendetwas \u00e4ndern sollten. Es geht ihnen doch super. Einigermassen friedliche Zeiten und reichliche Ernten bescheren ihnen ein gutes Leben. &#8211; Gekonnt blenden sie aus, dass ihr Wohlstand auf Kosten anderer geht und die perfekte Fassade br\u00fcchig wird.<\/p>\n<p>Soziales Unrecht schreit zum Himmel, doch niemand h\u00f6rt hin. Nur schulterzuckendes \u201eWas soll\u2018s?\u201c.<\/p>\n<p>Die Prognosen der Experten sind doch g\u00fcnstig.\u00a0 Niemand ahnt die aufziehende Gefahr.<\/p>\n<p>\u201eL\u00e4cherlich, was dieser Bursche vom Lande von sich gibt. Was will der Provinzler hier?\u201c, h\u00f6hnen sie.<\/p>\n<p>\u201eDer soll sich raushalten und den Mund halten.\u201c<\/p>\n<p>Jeremia ist kein beliebter Prediger. Zu sehr kratzen seine Worte an den selbstbezogenen Gewissheiten einer wohlversorgten Priesterschaft und r\u00fctteln an den Gewohnheiten der Leute.<\/p>\n<p>Auch wenn die Stimmung gegen ihn immer aggressiver wird, Jeremia kann nicht schweigen.<\/p>\n<p>Wenn er vom Wort Gottes ergriffen ist, muss er reden. Er versucht alles M\u00f6gliche, um den Menschen die Augen zu \u00f6ffnen. Zum Beispiel nimmt er einmal einen riesigen Tonkrug und zerschmettert ihn am Boden, um deutlich zu machen: Euer Leben wird zu Bruch gehen, wenn ihr weiter macht wie bisher. Ihr werdet vor einem Tr\u00fcmmerhaufen stehen!<\/p>\n<p>Es kostet ihn beinahe Kopf und Kragen. Eine aufgebrachte Menge will Jeremia umbringen. Er wird gefangen genommen und als er sogar dem K\u00f6nig r\u00e4t, sich der Grossmacht Babylon zu beugen, kommt dies Hochverrat gleich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, es g\u00e4be noch viel zu berichten \u00fcber die historische Situation, \u00fcber die Missst\u00e4nde in einer Gesellschaft, die Gemeinschaft und Solidarit\u00e4t \u00fcber Bord warf und dem Glauben an Gott nach und nach den R\u00fccken kehrte. Auch die politische Grosswetterlage w\u00e4re interessant, um zu sehen, wie ein kleines Land zwischen den Interessen der Grossm\u00e4chte zerrieben wurde. Im R\u00fcckblick ist deutlich, dass die sture Verweigerungshaltung den Niedergang des jud\u00e4ischen K\u00f6nigreiches beg\u00fcnstigte. Die Katastrophe kam. Nebukadnezars Truppen eroberten im Jahr 587 Jerusalem, zerst\u00f6rten den Tempel und zwangen die Mehrheit des Volkes ins Exil.<\/p>\n<p>Soweit die Geschichte &#8211; das mag als Einordnung gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Lieben, sind Euch beim Zuh\u00f6ren bisher aktuelle Parallelen durch den Sinn gegangen? \u2026<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir erkennen, was Gott uns sagen will? Was ist jetzt dran, hier und heute? &#8211;<\/p>\n<p>Das ist gerade auch in der gegenw\u00e4rtigen Krisenzeit nicht einfach zu entscheiden.<\/p>\n<p>Wie gewinnen wir Orientierung inmitten von Pandemie und Infodemie, im Gewirr von Meinungen und Prognosen, im Streit von Wissenschaftlern und Politikern, in den t\u00e4glichen Auseinandersetzungen um das richtige Handeln?<\/p>\n<p>Woher weiss ich, welcher Statistik ich glauben kann? &#8211; Ja, ja &#8211; der, die ich selber gef\u00e4lscht habe&#8230; aber im Ernst: Wem schenken wir Vertrauen? &#8211; Ich denke, dass es gegenw\u00e4rtig besonders wichtig ist, genau hinzuschauen und sich in kritischer Unterscheidung zu \u00fcben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stehen nicht auch heute prophetische Menschen auf?<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir den Weckruf der Mahnerinnen und Mahner, die unser schlafendes Bewusstsein wachr\u00fctteln? \u201eLeute, die Anzeiger des Klimawandels stehen auf kurz vor 12!<\/p>\n<p>\u00c4ndert Euer Verhalten, damit die Menschheit nicht in der Katastrophe landet!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeremia h\u00f6rte einst auch: <em>Siehe, heute setze ich dich \u2026 ein, um auszurei\u00dfen und einzurei\u00dfen, um zugrunde zu richten und niederzurei\u00dfen, um aufzurichten und einzupflanzen. <\/em>(Jer. 1,10)<\/p>\n<p>Seltsame T\u00e4tigkeiten. Er ist dazu bestimmt, das Unkraut in den K\u00f6pfen zu j\u00e4ten und die falschen Gedankengeb\u00e4udezum Einsturz zu bringen. Wenn man meint, man k\u00f6nne sich Gott verf\u00fcgbar machen und die Welt nach den eigenen W\u00fcnschen in den Griff kriegen, wird diese Art von Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung in sich zusammenfallen.<\/p>\n<p>Und doch gibt es Hoffnung. Gott pflanzt sie uns ins Herz und richtet uns auf: <em>Freunde, dass der Mandelzweig wieder bl\u00fcht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?<\/em> <sup>4<\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00d6ffnen wir die Sinne f\u00fcr die Zeichen Gottes.<\/p>\n<p>Heben wir unsere Herzen Gott entgegen.<\/p>\n<p>Lassen wir uns vom Wort Gottes ber\u00fchren.<\/p>\n<p>Auf welche Weise dies geschieht, ist h\u00f6chst individuell und immer wieder anders: Laut oder leise, kraftvoll oder schwebend. Gott sucht sich den Weg zu uns und will bei uns Geh\u00f6r finden.<\/p>\n<p>Verdr\u00e4ng nicht den Schmerz, der dir durch Mark und Bein geht, wenn du Unrecht sp\u00fcrst!<\/p>\n<p>Schweig nicht, wenn dich heiliger Zorn ergreift und sich Geh\u00f6r verschaffen will!<\/p>\n<p>Und wenn dich Leid \u00fcberf\u00e4llt und du dich am liebsten verkriechen m\u00f6chtest, weil du dich von Gott und der Welt verlassen w\u00e4hnst. Vertrau: Du bist nicht allein.<\/p>\n<p>Gott ist f\u00fcr uns da. Immer. Es gibt keinen Ort und keine Zeit, wo Gott nicht w\u00e4re.<sup>5<\/sup><\/p>\n<p>Es hat \u00fcberhaupt keinen Sinn, Gott den R\u00fccken zu kehren. Besser, den Kontakt zu halten, das Angesicht Gottes \u00fcber dir leuchten zu lassen! Gibt es etwas Gr\u00f6sseres als die Macht dessen, der Himmel und Erde gemacht hat und der dir mit Liebe begegnet? <sup>6<\/sup><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, neben den Propheten gibt es auch immer wieder begnadete K\u00fcnstler, die etwas in uns anstossen, was \u00fcber den Moment hinaus in uns nachwirkt.<\/p>\n<p>Rainer Maria Rilke nannte sein Gedicht \u201eLiebes-Lied\u201c. Man kann dabei nat\u00fcrlich an ein Paar denken, an menschliche Liebende.<\/p>\n<p>Bei mir erzeugt es allerdings mehr Resonanz, wenn ich an die Beziehung zwischen Mensch und Gott denke.<sup>7<\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie soll ich meine Seele halten, da\u00df<\/p>\n<p>sie nicht an deine r\u00fchrt? Wie soll ich sie<\/p>\n<p>hinheben \u00fcber dich zu andern Dingen?<br \/>\nAch gerne m\u00f6cht ich sie bei irgendwas<\/p>\n<p>Verlorenem im Dunkel unterbringen<br \/>\nan einer fremden stillen Stelle, die<\/p>\n<p>nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.<br \/>\nDoch alles, was uns anr\u00fchrt, dich und mich,<br \/>\nnimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,<br \/>\nder aus zwei Saiten\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0Stimme zieht.<br \/>\nAuf welches Instrument sind wir gespannt?<br \/>\nUnd welcher Geiger hat uns in der Hand?<br \/>\nO s\u00fc\u00dfes Lied.<\/p>\n<p>H\u00f6rt Ihr es, wie der innere Raum sich mit Liebe f\u00fcllt? Im Zusammenspiel von DU und ich entsteht Musik und es erklingt in uns das Geheimnis von Gottes Wahrheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeremia hatte den Mut, sich zum Instrument Gottes machen zu lassen. Trotz aller Bedenken vertraute er auf Gottes Wort. Seine Zeugnisse werden noch heute in aller Welt geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>So bewahrheitet sich auch, dass Gott Jeremia zum Lehrer nicht nur f\u00fcr sein Volk, sondern f\u00fcr die Nationen<sup>8<\/sup>bestimmte. Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontexte:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Rennert: JEREMIA SEIN<sup>9<\/sup><\/p>\n<p>Jeremia sein hei\u00dft: Unbarmherzig<br \/>\nUnd fr\u00fch gefordert zu werden. Hei\u00dft:<br \/>\nAuszuharren. Hei\u00dft: Dazubleiben. Hei\u00dft:<br \/>\nSich nicht einzuschmeicheln, weder<br \/>\nBeim Volk noch beim K\u00f6nig. Hei\u00dft:<br \/>\nJa zu sagen zum Joch<br \/>\nEigner und fremder Geschichte. Hei\u00dft:<br \/>\nGottes Vernunft als politisch<br \/>\nVern\u00fcnftig anzuerkennen und zu verteidigen.<br \/>\nHei\u00dft: Wider eigenes W\u00fcnschen<br \/>\nRecht behalten zu m\u00fcssen, seinen Staat<br \/>\nSich sinnlos auflehnen und<br \/>\nIn Dummheit versinken zu sehen. Hei\u00dft:<br \/>\nOhnm\u00e4chtig werden und noch im Alter<br \/>\nUnfreiwillig auf eine<br \/>\nUnerw\u00fcnschte Seite geraten. Hei\u00dft:<br \/>\nUnerkannt, anonym sterben.<\/p>\n<p>Franz Werfel, Jeremias &#8211; H\u00f6ret die Stimme, Roman, 1956, S. Fischer Verlag<\/p>\n<p>Online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/werfel\/jeremias\/titlepage.html\">https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/werfel\/jeremias\/titlepage.html<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lieder:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich steh vor dir mit leeren H\u00e4nden Herr, EG 382,1-3\/RG 213<\/p>\n<p>Lobe den Herren den m\u00e4chtigen K\u00f6nig der Ehren, EG 316,1-4\/RG 242<\/p>\n<p>Freunde, dass der Mandelzweig, EG 659,1-4<\/p>\n<p>Auf und macht die Herzen weit, EG 454,1-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> Jer. 1,4f.: \u00ab<em>SEINE Rede geschah zu mir, es sprach: Ehe ich dich bildete im Mutterleib, habe ich dich erkannt, ehe du aus dem Schosse fuhrst, habe ich dich geheiligt, als K\u00fcnder den Weltenst\u00e4mmen habe ich dich gegeben.<\/em>\u00bb Die Schrift, Verdeutscht von <em>Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig<\/em>, G\u00fctersloh 2007<\/p>\n<p><sup>2<\/sup> Zur Unterscheidung der biblischen Funktion des Propheten als Heraus-Sager und nicht Vorher-Sager vgl. <em>J\u00fcrgen Ebach<\/em>, Das Alte Testament als Klangraum des evangelischen Gottesdienstes, G\u00fctersloh, 2017, S. 258<\/p>\n<p><sup>3<\/sup> Jer.7, 24<\/p>\n<p><sup>4<\/sup> Freunde, dass der Mandelzweig, EG 659, Schalom Ben-Chorin nach Jer. 1,11.<\/p>\n<p><sup>5<\/sup> Psalm 139 \u2013 Wenn Psalm 139 anstelle des Wochenpsalms 63 im Gottesdienst gebetet wird, erm\u00f6glicht dies der Gemeinde, den Nachklang dieser Aussage in der Predigt zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><sup>6<\/sup> \u201e<em>Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Str\u00f6men der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allm\u00e4chtige kann, der dir mit Liebe begegnet.\u201c<\/em> EG 316,4\/ RG 242,4<\/p>\n<p><sup>7 <\/sup>Wem es technisch m\u00f6glich ist, folgende Aufnahme in der Predigt einzuspielen, dem empfehle ich die sehr \u00fcberzeugende Interpretation des Rilke-Gedichts von Ulrich M\u00fche: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=537Uv1P8YXs\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=537Uv1P8YXs<\/a><\/p>\n<p><sup>8<\/sup> Wie<em> J\u00fcrgen Ebach<\/em>, a.a.O. S. 268f, treffend beschreibt, sind wir diejenigen, die durch die hebr\u00e4ische Bibel mitlernen d\u00fcrfen und denen der Auftrag des Auferstandenen gilt: \u201e<em>Macht euch auf den Weg und lasst alle V\u00f6lker mitlernen<\/em>.\u201c Mt.28,19a<\/p>\n<p><sup>9 <\/sup>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.rennert.de\/public\/seite-29.htm\">http:\/\/www.rennert.de\/public\/seite-29.htm<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sabine Handrick<\/p>\n<p>D\u00fcdingen<\/p>\n<p><a href=\"mailto:pfarramt@refdue.ch\">pfarramt@refdue.ch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sabine Handrick ist Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeinde D\u00fcdingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis &#8211; 09.08.2020 |\u00a0Predigt zu Jeremia 1, 4-12 | verfasst von Sabine Handrick | &nbsp; Das Wort Gottes\u00a0erreichte mich:\u00a0 Schon bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt. Noch bevor du aus dem Mutterscho\u00df hervorkamst, habe ich dich\u00a0an mich gezogen. Zum Propheten f\u00fcr die\u00a0Nationen habe ich dich bestimmt.\u00a0 Ich sagte: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3130,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23,468,1,2,157,114,467,349,109,294],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3129","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jeremia","category-9-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-01-chapter-01-jeremia","category-kasus","category-predigten","category-sabine-handrick"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3129"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3132,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3129\/revisions\/3132"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3129"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3129"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3129"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3129"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}