{"id":3185,"date":"2020-08-19T10:13:36","date_gmt":"2020-08-19T08:13:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3185"},"modified":"2020-08-19T10:30:54","modified_gmt":"2020-08-19T08:30:54","slug":"mut-zur-demut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/mut-zur-demut\/","title":{"rendered":"Mut zur Demut&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Mut zur Demut bzw.&nbsp;vom Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner sowie dem Gebet | Predigt zu&nbsp;Lukas 18, 9 \u2013 18 | verfasst von&nbsp;Berthold W. Haerter |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bibeltext nach der Z\u00fcrcher Bibel:<\/p>\n<p>Jesus erz\u00e4hlte aber einigen, die \u00fcberzeugt waren, gerecht zu sein, und die anderen verachteten, das folgende Gleichnis:<\/p>\n<p>Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine war ein Pharis\u00e4er und der andere ein Z\u00f6llner.<\/p>\n<p>Der Pharis\u00e4er stellte sich hin und betete, in sich gekehrt, so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, wie R\u00e4uber, Betr\u00fcger, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner.<\/p>\n<p>Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.<\/p>\n<p>Der Z\u00f6llner aber stand ganz abseits und wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und sagte: Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!<\/p>\n<p>Ich sage euch: Dieser ging befreit in sein Haus zur\u00fcck, jener nicht. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, wird erniedrigt werden; wer sich aber selbst erniedrigt, wird erh\u00f6ht werden. AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Max Frisch: \u201eBiedermann und die Brandstifter\u201c \u2013 von Demut keine Spur<\/li>\n<\/ol>\n<p>Max Frisch hat das Theaterst\u00fcck \u201eBiedermann und die Brandstifter\u201c geschrieben.<\/p>\n<p>Darin geht es um ein biederes, eine kleine Fabrik besitzendes Ehepaar, das Brandstiftern, trotz Vorwarnung, auf ihrem Dachboden Unterschlupf gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Das geschieht aus Angst und in der Meinung sich selbst so sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Brandstifter bereiten derweil auf dem Dachboden von Biedermanns einen grossen Stadtbrand vor.<\/p>\n<p>Biedermann will sie zu Freunden machen und die Brandstifter verhehlen nicht, dass sie alles in die Luft jagen wollen.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt gibt Biedermann noch die Z\u00fcndholzer.<\/p>\n<p>Das Haus brennt ab und durch Gasexplosionen die halbe Stadt mit. (Wie aktuell das sein kann, zeigt uns ja gerade die Explosionen Beirut.)<\/p>\n<p>Herr und Frau Biedermann meinen sich im Himmel wieder zu finden.<br \/>\nAber sie sind in der H\u00f6lle gelandet.<\/p>\n<p>Biedermann rechtfertigt sich dort:<\/p>\n<p><strong>\u201eIch bin schuldlos! \u2013 ich habe Vater und Mutter geehrt, &#8230; Ich habe mich an die Zehn Gebote gehalten, &#8230; <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe mir nie ein Bild von Gott gemacht, das schon gar nicht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe nicht gestohlen; wir hatten immer, was wir brauchten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe nicht get\u00f6tet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe am Sonntag nie gearbeitet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe nie das Haus meiner Nachbarn begehrt, oder wenn ich es begehrte dann habe ich es gekauft. &#8230;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe nie bemerkt, dass ich l\u00fcge.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich habe keinen Ehebruch begangen &#8230; verglichen mit andern!&nbsp; &#8230; <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich hatte einen einzigen Fehler auf Erden, ich war zu gutherzig&#8230;.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>(Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter, Frankfurt, Taschenbuch Suhrkamp,&nbsp; 1996, S. 74f)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mann ist von sich \u00ab\u00fcberzogen\u00bb (f\u00fcr Nicht-Helvetier: \u00fcberzeugt).<\/p>\n<p>Er radiert aus, was falsch in seinem Leben gelaufen sein k\u00f6nnte und legt die 10 Gebote zu seinen Gunsten aus.<\/p>\n<p>Das ist Selbst\u00fcberzogenheit und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, ja Hochmut.<\/p>\n<p>Wir nennen es allgemein auch pharis\u00e4erhaft, oder scheinheilig.<\/p>\n<p>Von Demut und Einsicht keine Spur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Beim Zahnarzt \u2013 Die erzwungene Demut<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Woche war ich beim Zahnarzt bzw. bei der Dentalhygienikerin.<\/p>\n<p>Beim nicht mehr Sitzen sondern liegen auf dem Zahnarztstuhl habe ich gedacht: Hier lerne ich etwas \u00fcber Demut.<\/p>\n<p>Ich akzeptiere die Situation.<\/p>\n<p>Ich ergebe mich in die Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Ich erniedrige mich, indem ich da liege und wenn die Dame fragt \u201eGahts?\u201c bringe ich mit offenem Mund noch ein \u201e\u00e4h\u00e4\u201c heraus.<br \/>\nDabei schmerzt das Kratzen und Schaben an den Z\u00e4hnen &#8211; und auch immer wieder mal das Zahnfleisch erreichend &#8211; ziemlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Eine Z\u00fcrcher Hebamme im Fl\u00fcchtlingslager \u2013 wahrer Mut zur Demut<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von wirklichem Mut zur Demut habe ich am Montag in der Z\u00fcrichsee-Zeitung gelesen.<\/p>\n<p>Da hilft eine Z\u00fcrcher Hebamme in einem v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Fl\u00fcchtlingscamp in Griechenland.<\/p>\n<p>F\u00fcr 6 Monate verliess die Frau ihre privilegierte Stellung im Spital Zollikerberg.<\/p>\n<p>Nun wirkt sie unter Lebensumst\u00e4nden, welche die Zeitung so betitelt: \u201eRatten beissen nachts die Babys.\u201c<\/p>\n<p>Und sie selbst sagt: \u201eIch habe damit gerechnet, dass es schlimm sein wird. Aber es ist noch viel schlimmer.\u201c (ZSZ 10.8.20, S. 15)<\/p>\n<p>Es geh\u00f6ren Mut und Selbst\u00fcberwindung dazu, sich freiwillig hautnah den Fl\u00fcchtlingsfrauen und -kindern mit ihren Schicksalen zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Das ist Demut, freiwillig sich zu denen zu begeben, die sich selbst nicht helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gott tat das Gleiche gegen\u00fcber uns Menschen, indem er Jesus als Mensch unter uns sandte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>Demut ist &#8230;<\/li>\n<\/ol>\n<p>Demut wird als Gesinnung eines oder einer Dienenden bezeichnet.<\/p>\n<p>Es ist eine innere Haltung, hat mit Empathie zu tun, indem ich auf den anderen eingehe, mitf\u00fchle, ihr oder ihm ein St\u00fcck von mir gebe, ihr oder ihm Platz in meinem Herzen gebe und sein Schicksal so teile.<\/p>\n<p>In der Filmserien Suits diskutieren die beiden brillanten Anwaltsangestellten die ganze Zeit, ob sie sich wirklich auf das Schicksal der Mandantinnen einlassen oder eher als \u201eFall\u201c betrachten.<\/p>\n<p>Sie gewinnen ihre Prozesse eigentlich nur, weil sie sich in die Situation der Leidenden begeben und so auch verstehen, was jeweils abgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Demut gegen\u00fcber anderen leben, heisst, ich f\u00fchle mich nicht als besser, intelligenter, h\u00f6herstehend \u2013 was sich \u00e4usserlich in Arroganz ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Sondern ich sehe jeden als Schwester und Bruder von mir an und das ist einfacher gesagt als umgesetzt.<br \/>\nEs ist eine st\u00e4ndige Herausforderung f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Biblisch gesprochen, setze ich mich eher ans untere Tischende zu den nicht so wichtigen G\u00e4sten als oben an die Ehrenpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Christlich w\u00e4re es, wir lebten kein oben und unten.<\/p>\n<p>Sondern wir alle sehen uns mit unseren Gaben als Gottes Gesch\u00f6pfe, in einer gemeinsamen Ehrfurcht gegen\u00fcber dem, der uns das Leben schenkte und leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am letzten Sonntag war ich in einer anderen Gemeinde zum Gottesdienst.<\/p>\n<p>Deutlich wurde durch die Pfarrerin den Musiker gedankt, die bezahlt werden und die nat\u00fcrlich auch beklatsch wurden.<\/p>\n<p>Nebenbei erw\u00e4hnte die Pfarrerin, dass es danach Kirchenkaffee g\u00e4be.<\/p>\n<p>Da waren \u00e4ltere Frauen und M\u00e4nner, die draussen mit Masken Kaffee ausschenkten.<\/p>\n<p>Ihnen wurde nicht gedankt.<\/p>\n<p>Demut ist wohl diese dienende freiwillige Haltung mit dem Wissen, dass man dabei auch \u00fcbersehen wird.<\/p>\n<p>Dies zeugt von einer grossen inneren St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Von wem kann ich diese erhalten, wenn nicht von dem, der mich uneingeschr\u00e4nkt liebt, von Gott?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>Demut gegen\u00fcber Gott<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">a.&nbsp;Ich \u2013 ein Pharis\u00e4er?<\/p>\n<p>Jesus stellt uns nach Lukas zwei ganz verschiedene Pers\u00f6nlichkeiten vor.<\/p>\n<p>Der eine, eine Art Biedermann nach Max Frisch.<\/p>\n<p>Er macht alles richtig und wirklich, er leistet sehr viel und ist sich dessen bewusst.<\/p>\n<p>Er hat sich Bildung angeeignet, kennt sich in allen religi\u00f6sen und gesellschaftlichen Regeln sehr gut und gibt viel mehr Spenden, als er m\u00fcsste und von den Steuern abziehen kann.<\/p>\n<p>Ist das nun schlecht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meiner ehemaligen Gemeinde mussten gerade wertvolle Fresken einer Kapelle renoviert werden.<\/p>\n<p>10 000 Franken kostete das.<\/p>\n<p>Jemand aus dem Ort spendete sie \u2013 wohlgemerkt, es ist eine Land- keine Z\u00fcrichseegemeinde.<br \/>\nDiese Person will aber anonym bleiben und genau das ist das Problem des Pharis\u00e4ers.<\/p>\n<p>Er findet sich selber toll.<\/p>\n<p>Es kommt irgendwie nicht vom Herzen, sondern er kommt sich besser vor.<\/p>\n<p>Wie ein nicht n\u00e4her zu nennender Pr\u00e4sident zurzeit vor seinen W\u00e4hlern st\u00e4ndig prahlt, so prahlt der Pharis\u00e4er vor Gott.<\/p>\n<p>Wir sagen zu beidem noch heute: Das ist pharis\u00e4erhaft \u2013 scheinheilig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber eines lehrt uns der Pharis\u00e4er in der Jesusgeschichte: Zu beten und zu danken.<\/p>\n<p>Ich habe von Samuel Koch schon erz\u00e4hlt, dem jungen Mann der bei \u201eWetten das?\u201c 2010 \u00fcber Autos sprang und so verungl\u00fcckte.<br \/>\nEr ist seit dem Tetraplegiker, also vom Hals abw\u00e4rts gel\u00e4hmt.<\/p>\n<p>Samuel Koch sagt von sich, er habe gelernt, jeden Tag eine Dankbarkeitsliste zu machen und diese vor Gott auszubreiten.<br \/>\nDas habe sein Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Beten wir so dankend zu Gott?<\/p>\n<p>Auch das ist Mut zu Demut, sich nicht selbst als Macher und K\u00f6nner zu sehen sondern Gott in seinem Leben dankend den Raum zu gew\u00e4hren, den er auch eigentlich im Leben eines jeden einnimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">b. Ich \u2013 ein Z\u00f6llner?<\/p>\n<p>Positiv bewertet Jesus aber das Gebet des Z\u00f6llners.<\/p>\n<p>Wahrlich hatte der Dreck am Stecken<\/p>\n<p>Er arbeitet mit der Bestatzungsmacht der R\u00f6mer zusammen.<\/p>\n<p>Er konnte die H\u00f6he der Z\u00f6lle so bestimmen, dass er einen guten Teil f\u00fcr sich einstecken konnte, wenn er wollte.<\/p>\n<p>Seine gesellschaftliche Anerkennung war gleich der eines IMs, eines Informellen Mitarbeiters der Staatsicherheit in der DDR.<\/p>\n<p>Wenn man von diesem IM erfuhr h\u00e4tte man am liebsten auf ihn gespuckt, und so behandelte man ihn auch.<\/p>\n<p>Aber stand der Mann oder die Frau unter Druck als die Staatsicherheit oder die R\u00f6mer sie oder ihn rekrutierten?<\/p>\n<p>Wir wissen es nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das an die Brust schlagen und vor Gott aussprechen: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c, zeigen uns, dass er sich in seiner Situation nicht wohl f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Kenne ich solche Situationen nicht auch?<\/p>\n<p>Wann stand ich unter Druck?<\/p>\n<p>Wann habe ich z.B. um nicht anzuecken, oder nicht aufzufallen, oder um meine Karriere und meinen Ruf nicht zu gef\u00e4hrden, geschwiegen, statt mich f\u00fcr einen Menschen oder eine Sache einzusetzen?<\/p>\n<p>Wo habe ich keinen Mut zur Demut gehabt, keine Zivilcourage gezeigt, auch m\u00f6gliche Nachteile in Kauf nehmend, um mich f\u00fcr Menschen einzusetzen, die ja vor Gott meine Schwestern und Br\u00fcder sind?<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit Menschen, die sich selbst in einem gewissen Moment nicht helfen k\u00f6nnen, das ist eine Form von Demut.<br \/>\nDas ist christliche N\u00e4chstenliebe im Sinne Jesu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li>Einsichtig sein vor Gott: Wer bin ich?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Schaue ich mir den Pharis\u00e4er und den Z\u00f6llner an, so steckt beides in mir.<\/p>\n<p>Beide haben nicht nur Negatives, sondern auch positive Eigenschaften.<\/p>\n<p>Beide stossen mich ab und ziehen mich gleichzeitig an.<\/p>\n<p>Und sie hinterfragen mich: Wer bin ich?<\/p>\n<p>Und wann bin ich wer?<\/p>\n<p>Etwas machen aber beide: Sie beten!<\/p>\n<p>Aber nur einer \u00f6ffnet sein Herz, sein Inneres vor Gott?<\/p>\n<p>Er hat erkannt wer er ist.<\/p>\n<p>Ein Mensch, der nie alles richtig macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind nicht mehr unsere Worte, aber sie betreffen mich, wenn der Z\u00f6llner aus Selbsterkenntnis und Selbstreflektion heraus vor Gott sagt:<\/p>\n<p>\u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Jesus sagt:<\/p>\n<p>Genau diesem Menschen \u00f6ffnet sich Gott.<\/p>\n<p>Der Evangelist schlussfolgert:<\/p>\n<p>Im ehrlichen offenen Gegen\u00fcber zu Gott, hilft uns Gott im Leben und im Sterben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li>Mut zur Demut<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mut zur Demut.<\/p>\n<p>In unserer Kirchenzeitung war ein Artikel von einem Automechaniker, der jeden Dienstagnachmittag seine Werkstatt schliesst, um mit dementen Menschen diesen Nachmittag zu verbringen. (reformiert. Nr. 15, 2020, Seite 12)<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite von Demut: Tatkr\u00e4ftiges Eintreten f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch das Gebet braucht Mut zur Demut.<br \/>\nDas ist die andere Seite.<\/p>\n<p>Im freiwilligen betenden Reflektieren erkenne ich, wer ich bin.<\/p>\n<p>Das ersch\u00fcttert und macht zugleich dankbar gegen\u00fcber Gott und den Menschen.<\/p>\n<p>Es gibt mir aber eine ungeh\u00f6rige Kraft und Mut.<\/p>\n<p>Ich wage dem zuzustimmen, was ein Theologe unserer Tage gerade geschrieben hat:<\/p>\n<p>\u201eOb ein Mensch, wirklich an Gott glaubt, erkennt man daran, ob er betet. Letztlich an nichts sonst.\u201c<\/p>\n<p>(Ralf Frisch nach reformiert. Nr. 15, 2020, S. 2)<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gebet:<\/p>\n<p>Unser Gott,<\/p>\n<p>wer bin ich?<\/p>\n<p>Vergleiche ich mich mit anderen um besser dazustehen?<\/p>\n<p>Habe ich Mut zur Demut?<\/p>\n<p>Bin ich f\u00fcr andere, schw\u00e4chere Menschen wie f\u00fcr unsere Mitwelt da?<\/p>\n<p>Lasse ich mich ber\u00fchren und reagiere ich dann auch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Habe ich auch den Mut zur Demut gegen\u00fcber Dir?<\/p>\n<p>Bete ich?<\/p>\n<p>Lass ich mich im Gebet hinterfragen, aufw\u00fchlen?<\/p>\n<p>Werde ich im Reflektieren dankbar f\u00fcr all das, was Du mir schenkst und erm\u00f6glichst?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Gott,<\/p>\n<p>so viele Fragen l\u00f6st ein kleiner Bibeltext aus.<br \/>\nEr erinnert mich aber auch an Menschen, die wirklich am Ende sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So beten wir f\u00fcr die Menschen in Honkong, die Demokratie und Freiheit m\u00f6chten, wie wir sie leben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr die Menschen in Beirut, die einfach ein Dach \u00fcber den Kopf und eine f\u00e4hige Regierung m\u00f6chten, wie wir es haben.<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr die Menschen in Weissrussland, die genug von Versprechungen und Diktatur haben, und sich Wohlstand und eine Zukunft, w\u00fcnschen, wie wir sie haben.<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr die Menschen in Pal\u00e4stina \u2013 Israel, die immer wieder zum Spielball der Weltpolitik werden, weil sie schwache Regierungen haben, wie wir Sie, Dir sei gedankt, nicht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr die Menschen, die sich in diesen schwierigen Zeiten f\u00fcr uns und andere einsetzen.<br \/>\nDanke Gott.<\/p>\n<p>Danke, Gott, dass wir Gottesdienst feiern konnten.<\/p>\n<p>Und danke, dass wir heute XX taufen durften.<br \/>\nSchenke Ihr und ihrer Familie einen gesegneten Tauftag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Gott, in der Stille kommen wir mit unseren Anliegen und Bitten zu Dir.<\/p>\n<p>(Stille)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>UNSER VATER IM HIMMEL &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berthold W. Haerter<\/p>\n<p>Geb. 1963<\/p>\n<p>Kindheit und Jugend in der DDR<\/p>\n<p>Seit 1990 in der Schweiz und Pfarrer der Ev.-Ref. Landeskirche Z\u00fcrich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mut zur Demut bzw.&nbsp;vom Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner sowie dem Gebet | Predigt zu&nbsp;Lukas 18, 9 \u2013 18 | verfasst von&nbsp;Berthold W. 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