{"id":3187,"date":"2020-08-19T10:08:38","date_gmt":"2020-08-19T08:08:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3187"},"modified":"2020-08-19T10:31:50","modified_gmt":"2020-08-19T08:31:50","slug":"die-pharisaeerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-pharisaeerin\/","title":{"rendered":"Die Pharis\u00e4erin"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Predigt zu Lk 18,9-14 |&nbsp;verfasst von Manfred Gerke |<\/strong><\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde, am 12. Oktober 1872 wurde der \u201ePharis\u00e4er\u201c von dem Bauern Peter Georg Johannsen im Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand sozusagen aus einer gewissen seelischen Not heraus erfunden, und zwar, als das siebente Kind der Johannsens auf den Namen Helene Petria getauft wurde. Eine Kindtaufe ohne ein fr\u00f6hliches \u201eProst\u201c \u2013 undenkbar. Doch Pastor Georg Bleyer, Gast bei den Johannsens, hatte dem Alkohol einen gnadenlosen Kampf angesagt. So war die Taufgesellschaft dazu verurteilt, immer nur Kaffee zu trinken.<\/p>\n<p>Da hatte Bauer Johannsen auf einmal die rettende Idee: Einen ordentlichen Schuss Rum in eine angew\u00e4rmte Kaffeetasse geben, mit hei\u00dfem Kaffee auff\u00fcllen, zuckern und \u2013 damit dem Pastor nicht das Rum-Aroma in die Nase steigt \u2013 dem Ganzen eine dicke Sahnehaube aufsetzen. Aber, so ermahnte er die Mamsell, der Pastor kriegt nur Kaffee! Mit der zunehmenden Fr\u00f6hlichkeit wurde der jedoch immer misstrauischer. Ganz heimlich langte er nach der Tasse seines Nachbarn, nippte daran, nippte noch einmal und posaunte pl\u00f6tzlich los: \u201eNun wei\u00df ich aber Bescheid \u2013 ihr Pharis\u00e4er!\u201c So war nicht nur Helene Petria, sondern auch gleich das neue Getr\u00e4nk getauft.<\/p>\n<p>Mit Pharis\u00e4ern verbinden wir eine gewisse Scheinheiligkeit und Heuchelei. Au\u00dfen hui &#8211; und innen pfui. Au\u00dfen die Sahnehaube &#8211; und innen der hochprozentige Rum. Unser Bild vom Pharis\u00e4er ist vom Neuen Testament gepr\u00e4gt. H\u00f6ren wir das Gleichnis von Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner aus <strong>Lukas 18,9-14 <\/strong>(nach Luther):&nbsp;\u201eEr sagte aber zu einigen, die \u00fcberzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner. Der Pharis\u00e4er stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Z\u00f6llner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Z\u00f6llner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, zwei Menschen gehen hinauf zum Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner. Gr\u00f6\u00dfer kann der Gegensatz gar nicht sein! Und ich schaue in die Gesichter der Menschen, die Jesus zuh\u00f6ren, sehe, wie sie den Kopf sch\u00fctteln und vielleicht sogar auch sagen: Das kann doch gar nicht! Ein Pharis\u00e4er im Heiligtum. Okay. Aber ein Z\u00f6llner \u2013 niemals!<\/p>\n<p>Pharis\u00e4er waren damals eine ganze Reihe M\u00e4nner: Handwerker, Bauern, Kaufleute. Eine Laienbewegung. Aufrechte Menschen, t\u00fcchtig, ehrlich, rechtschaffen. Auf solche Leute ist Verlass. Die braucht eine Gesellschaft, wenn sie funktionieren soll. Die haben ihre Steuern p\u00fcnktlich bezahlt. Die haben gearbeitet. Die haben nicht auf Kosten anderer gelebt. Und sie waren fromme Menschen. Sie wollten Gott \u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten, lieben und vertrauen. Sie haben die Feiertage gehalten. Sie haben versucht, gottesf\u00fcrchtig zu leben. Sie haben ihren Glauben ernst genommen. Sie waren der festen \u00dcberzeugung, wenn alle Menschen auch nur einen Tag Gottes Gebote hielten, dann w\u00fcrde der Messias kommen. Und sie gingen mit gutem Beispiel voran.<\/p>\n<p>Ganz anders die Z\u00f6llner. Die waren verachtet und gehasst, weil sie mit dem Feind zusammenarbeiteten, den R\u00f6mern, die das Land besetzt hielten. Die Z\u00f6llner stellten sich in ihren Dienst, kassierten f\u00fcr sie Z\u00f6lle und wurden dabei reich. Denn zugleich betrogen sie ihre Landsleute, lebten auf deren Kosten. Mit einem Z\u00f6llner wollte niemand zu tun haben. Denen ging man aus dem Weg. Z\u00f6llner durften auch nicht in die Synagoge \u2013 und schon gar nicht in den Tempel. Denn diese gewissenlosen Ausbeuter waren gebrandmarkt als s\u00fcndig und gottlos. Schon deshalb klingt Jesu Geschichte ganz und gar unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Doch h\u00f6ren wir weiter zu. Da steht der Pharis\u00e4er \u2013 etwas f\u00fcr sich, ein bisschen Abstand zu den anderen, hebt seine Arme nach oben, streckt die offenen H\u00e4nde Gott entgegen, schaut zum Himmel und spricht laut, zumindest halblaut, dass es die n\u00e4chsten auch h\u00f6ren k\u00f6nnen: \u201eIch danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber, Betr\u00fcger, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.\u201c Ein Dankgebet! Ein aufrichtiges Dankgebet. Ich k\u00f6nnte andere Gebete aus jener Zeit vortragen, die ganz \u00e4hnlich klingen. Gebete in der Spur von Psalm 1: \u201eWohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen&#8230;\u201c Doch zugleich ein ganzes St\u00fcck dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Dass er lebt, dass er beten darf, glauben kann, f\u00fcr Gott leben \u2013 all das: ein Grund zu danken. Doch das Gebet bekommt eine Schieflage, als er anf\u00e4ngt, sich abzugrenzen von \u2013 w\u00f6rtlich \u2013 dem Rest der Menschen: R\u00e4uber, Betr\u00fcger, Ehebrecher und diesem Z\u00f6llner. Es bekommt eine noch gr\u00f6\u00dfere Schieflage, als er anf\u00e4ngt, seine eigenen Verdienste aufzuz\u00e4hlen: Er fastet zweimal die Woche, obwohl nur einmal im Jahr geboten war. Und er gibt den Zehnten von allem, was er erwirbt. Dabei waren Korn, Most und \u00d6l schon vom Hersteller verzehntet. Doch man konnte ja nie wissen. Also zahlt er noch einmal.<\/p>\n<p>Er meint es wirklich ernst mit seiner Fr\u00f6mmigkeit. Er meint es wirklich ernst mit Gott. Ich stelle mir vor, wie so mancher, der sein Gebet h\u00f6rt, anerkennend nickt, ihm mit Achtung und Ehrerbietung begegnet. Der Pharis\u00e4er \u2013 ein starker Mensch, einer, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn, wie ein Baum, gepflanzt an Wasserb\u00e4chen.<\/p>\n<p>Ganz anders der Z\u00f6llner. Ausf\u00fchrlich beschreibt ihn Jesus: Er steht ferne, in irgendeiner Ecke, m\u00f6chte nicht, dass man ihn sieht. Er traut sich nicht aufzuschauen, seine Augen zum Himmel zu heben. Er schl\u00e4gt sich an die Brust, Zeichen der Schuld und Reue. Und er spricht nur einen Satz: \u201eGott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c Dieselbe Anrede wie beim Pharis\u00e4er. Doch dann kommt kein Dank. Nur eine kurze Bitte: Sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig! Und ich sehe, wie die Zuh\u00f6rer Jesu grinsen. Das ist doch unm\u00f6glich. Das ist Feuer und Wasser. Das passt nicht zusammen.<\/p>\n<p>Der Z\u00f6llner \u2013 ein S\u00fcnder. Ja, das sieht er richtig. Das ist er. Der S\u00fcnder schlechthin. Doch Gnade, Gottes Gnade und er, der S\u00fcnder \u2013 nein, das passt nicht zusammen. Die Worte kann er sich sparen. Geh doch wieder zu Deiner Zollstation, arbeite f\u00fcr die R\u00f6mer, hau die Leute \u00fcbers Ohr und lass Gott in Ruhe, du Heuchler. \u2013 Doch Jesus spricht: \u201eIch sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.\u201c Und ich sehe die Gesichter der Menschen damals: erschrocken, betroffen, Unverst\u00e4ndnis zeigend, manche vielleicht sogar b\u00f6se oder w\u00fctend.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist das gar nicht aufregend. Wir kennen das Gleichnis. Frei nach Eugen Roth:<br \/>\nEin Mensch betrachtete sich n\u00e4her<br \/>\ndie Fabel von dem Pharis\u00e4er,<br \/>\nder Gott gedankt voll Heuchelei<br \/>\ndaf\u00fcr, dass er kein Z\u00f6llner sei.<br \/>\nGottlob! Rief er in eit\u2019lem Sinn,<br \/>\ndass ich kein Pharis\u00e4er bin!<\/p>\n<p>Doch ich frage Sie: Stimmt das? Sind wir wirklich keine Pharis\u00e4er? Jesus spricht zu einigen, die sich anma\u00dften, fromm zu sein und die anderen verachteten. Gut, das waren damals die Pharis\u00e4er und zur Zeit des Lukas Menschen in der Gemeinde. Und heute spricht Jesus zu uns. Wir ma\u00dfen uns doch auch an, fromm zu sein, Gott zu dienen, ihm zu vertrauen \u2013 sonst s\u00e4\u00dfen wir ja nicht hier. Sonst w\u00fcrden wir ja nicht das Abendmahl feiern. Und ist es nicht so, dass auch wir manchmal die anderen verachten, auf die herabschauen, die an Gott scheinbar vorbeileben, nicht in den Gottesdienst kommen, andere Wege gehen.<\/p>\n<p>Johannes Hansen erz\u00e4hlte von einer Evangelisation: \u201eIch hatte das zweifelhafte Gl\u00fcck, bei einer alten Dame untergebracht zu sein. Bei aller Liebe, die gl\u00e4ubige Schwester war ein Biest. Als ich einmal kurz mit ihr am Fenster stand und auf der Stra\u00dfe gegen\u00fcber eine ausgesprochen attraktiv und gut angezogene j\u00fcngere Dame zu erkennen war, knurrte sie vor sich hin, dass dieses Weltkind auch einst ins Gericht Gottes k\u00e4me. \u00dcberhaupt war sie gegen alles, was jungen Leuten und lebensfrohen Menschen Spa\u00df machen konnte.\u201c<\/p>\n<p>So schaut die \u201egl\u00e4ubige\u201c Frau im wahrsten Sinne des Wortes auf andere herab. Wie jene Mitpilgerin auf dem Jakobsweg in Nordspanien. Wir waren an jenem Morgen fr\u00fch losmarschiert. Unsere langen Schatten gingen vor uns her. Es war kalt, aber trocken. Wir kamen gut voran. Dann lag vor uns eine Strecke von zw\u00f6lf Kilometern. Flaches Land. Der Weg schnurgerade, soweit das Auge reichte. Kein Wald, kein Schutz. Und dann ein scharfer Wind schr\u00e4g von vorn. Es war schwierig, sich wohin zu setzen, um kurz Rast zu machen.<\/p>\n<p>Nach drei harten Stunden kamen wir ziemlich ersch\u00f6pft und verfroren in ein kleines Dorf, bewunderten die sch\u00f6ne alte Kirche, die gerade offenstand, setzten uns in die gegen\u00fcberliegende Bar und w\u00e4rmten uns bei einem Kaffee. Und \u00fcberlegten, wie es weitergehen sollte. Die n\u00e4chsten sechs Kilometer f\u00fchrten direkt an der Landstra\u00dfe entlang. Auf dem Asphalt laufen \u2013 keine sch\u00f6ne Aussicht. Viel Verkehr. Und der Wind hatte nicht nachgelassen, im Gegenteil. \u2013 Wir fragten den Wirt, ob es einen Bus g\u00e4be bis in den n\u00e4chsten Ort, unserem Etappenziel. Ja, erkl\u00e4rte er uns, in einer Stunde. Er zeigte uns den Weg zur Haltestelle. Und wir waren froh \u00fcber diese M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Da trat sie auf uns zu, eine Mitpilgerin. Irgendwie hatte sie unser Gespr\u00e4ch verfolgt \u2013 oder soll ich sagen: belauscht? Sie fragte uns, ob wir alles verstanden h\u00e4tten und nun Bescheid w\u00fcssten, scheinbar voller Interesse und Sorge. Doch dann wandte sie sich ab und rief laut durch die ganze Bar: \u201eDie beiden haben\u2019s verstanden. Sie fahren mit dem Bus.\u201c Und sie schwang ihren Rucksack auf den R\u00fccken und sagte: \u201eIch mache mich jetzt auf den Weg \u2013 zu Fu\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Da merkten wir: Sie hatte gar nicht aus Sorge oder Interesse nachgefragt. Sie brauchte uns, um uns schlecht und sich gut zu machen. Sie war die bessere Pilgerin, die nicht mit dem Bus fuhr, sondern alles zu Fu\u00df bew\u00e4ltigte. Am Abend beim Pilgergottesdienst sa\u00df sie in der ersten Reihe: die Augen geschlossen, in Andacht versunken, die H\u00e4nde ausgebreitet. So empfing sie als erste das Abendmahl. Ich habe was geleistet, ich bin w\u00fcrdig. Ich bin Gott recht.<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe mit einer Erz\u00e4hlung aus Flandern. Angefangen hat alles damit, dass sich immer mehr Menschen, nachdem sie im Himmel angelangt waren, bei Gott beklagt hatten, sie h\u00e4tten zu ihren Lebzeiten auf Erden keine Wohnung in den H\u00e4usern des himmlischen Vaters gefunden, obwohl sie sich danach gesehnt hatten. Und Gott beschloss, einen Engel auf die Erde zu schicken. Er sollte nachsehen, was dort vor sich ging.<\/p>\n<p>Auf der Erde angekommen, machte sich der Engel sofort an die Arbeit. Wo immer er Wohnungen des Vaters fand, klopfte er an die T\u00fcren und Fenster. Aber in den meisten H\u00e4usern r\u00fchrte sich nichts. Sie waren geschlossen, die Schl\u00fcssel ver\u00adschwunden, die Einwohner waren ausgezogen. Und \u00fcberall standen gro\u00dfe Plakate mit der Aufschrift \u201eUnbewohnbar\u201c. Nur in ganz wenigen H\u00e4usern traf der Engel jemand an. Eine erlesene Bewohnerschaft: einige Lehrer des Kirchenrechts, einige \u00e4ltere, regelm\u00e4\u00dfige Gottesdienstbesucher, einige Fromme, Pfarrer, katho\u00adlische und evangelische Honoratioren.<\/p>\n<p>Als der Engel die wenigen Bewohner, die in den irdischen Wohnungen des himmli\u00adschen Vaters zur\u00fcckgeblieben waren, nach den Gr\u00fcnden fragte, erkl\u00e4rten sie ihm, sie h\u00e4tten lang und breit und immer wieder die Gedanken und Absichten Gottes studiert und h\u00e4tten herausgefunden, dass nur sie und niemand sonst das Recht habe, in den Wohnungen Gottes zu wohnen. Deshalb h\u00e4tten sie den Unw\u00fcrdigen nach und nach die Aufenthaltserlaubnis entzogen und die H\u00e4user f\u00fcr unbewohnbar erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der Engel begriff und wurde sehr traurig. Er rief Gott an und berichtete ihm, was er gesehen und geh\u00f6rt hatte. Da gab ihm Gott folgende Anweisung: \u201eBestelle neue Schl\u00fcssel. \u00d6ffne in meinen Wohnungen alle T\u00fcren und Fenster. Mach die Schilder ab, l\u00f6sche das Wort \u201aUnbewohnbar\u2019 aus und schreib darauf, was ich dir jetzt diktiere.\u201c Und Gott diktierte dem Engel eine lange Liste.<\/p>\n<p>Sofort begann der Engel mit der Arbeit. Er bestellte neue Schl\u00fcssel. Er l\u00fcftete die Wohnungen, lie\u00df sie reinigen und, was n\u00f6tig, lie\u00df er reparieren. Er selbst kaufte Farbe und Pinsel und beschriftete die Schilder, wie es Gott ihm aufgetragen hatte. Dann brachte er die Schilder an den Wohnungen an. Statt des \u201eUnbewohnbar\u201c stand jetzt auf dem einen Schild \u201eJugendliche\u201c auf einem anderen \u201eAusl\u00e4nder\u201c, auf einem dritten \u201eGeschiedene und Wiederverhei\u00adratete\u201c, da \u201eBehinderte\u201c, dort \u201eAlleinerziehende\u201c, \u201eStrafentlassene\u201c, \u201eKonservative\u201c, \u201eAlkoholiker und Drogens\u00fcchtige\u201c, \u201eAlte Nazis\u201c, \u201eProstituierte\u201c, \u201eSchwache Sch\u00fc\u00adler\u201c, \u201eSenioren\u201c, \u201eLandstreicher\u201c, \u201eSozialisten\u201c, \u201eHomosexuelle\u201c und vieles mehr stand auf den Schildern.<\/p>\n<p>Die wenigen Leute, die noch in den Wohnungen des himmlischen Vaters wohnten, sch\u00fcttelten den Kopf, schimpften oder erkl\u00e4rten den Engel f\u00fcr verr\u00fcckt. Sie k\u00f6nnten nicht verstehen, was er da mache, und woher er \u00fcberhaupt das Recht dazu habe, fragten ihn einige. Der Engel antwortete: \u201eDer Allerh\u00f6chste hat es so befohlen. Es ist sein Wille!\u201c Sie k\u00f6nnten ja ruhig wohnen bleiben, wo sie wohnten. Aber sie m\u00fcssten verstehen lernen, dass auch all den andern ein Platz in den Wohnungen Gottes zustehe, weil es keinen gebe, den Gott nicht liebe und f\u00fcr den er nicht sorgen m\u00f6chte. Den Bewohnern fiel das schwer zu glauben.<\/p>\n<p>In den vorher ziemlich \u00f6den St\u00e4dten und D\u00f6rfern aber kehrte mit der Zeit wieder Leben ein, Freude, Lachen. Die Menschen lebten gl\u00fccklich dort. Und auch die alten Einwohner, die sich vom Engel hatten belehren lassen, fanden, es sei besser so &#8211; auch f\u00fcr sie, weil sie jetzt nicht mehr so allein w\u00e4ren, weil es bunter zuginge. Die aber immer noch meinten, nur sie h\u00e4tten ein Anrecht in Gottes Wohnungen zu leben, \u00e4rgerten sich, kapselten sich ab und hatten verdrie\u00dfliche Tage.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, heute steht Jesus vor uns und l\u00e4dt uns ein: \u201eDu solltest aber fr\u00f6hlich und guten Mutes sein; denn dieser, dein Bruder, war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.\u201c Freuen wir uns mit unserem Herrn, der die S\u00fcnder annimmt, auch dich und mich und in dessen Reich es fr\u00f6hlich zugeht, ein St\u00fcck Garten Eden, eine Insel Paradies. Amen.<\/p>\n<h3>Gebet<\/h3>\n<p>Danke, Herr, f\u00fcr Dein Wort. Danke, dass Du uns Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner vor Augen stellst. Vergib uns Pharis\u00e4ern. Vergib uns, dass wir oft von uns selbst \u00fcberzeugt sind, fromm und auf dem rechten Weg zu sein. Vergib uns, dass wir auf andere herabschauen, sie richten, sie verachten. Vergib uns, dass wir \u00fcber andere reden, um uns selbst wichtig und besser zu machen. Vergib uns, dass wir andere ausgegrenzt und abgesto\u00dfen haben.<br \/>\nSchenk uns die Einsicht des Z\u00f6llners. Lass uns begreifen, dass unsere H\u00e4nde leer sind. Wir und Du \u2013 das passt nicht zusammen. Und dass Du uns dennoch einl\u00e4dst, dass Du uns Brot und Wein reichst, ist Dein unbegreifliches Geschenk, Deine \u00fcberreiche Gnade.<br \/>\nDanke f\u00fcr Deine Liebe, Du gro\u00dfer Gott. Hilf uns, aus Deiner Liebe zu leben, sie weiterzureichen, offen zu sein f\u00fcr andere, so wie Du f\u00fcr uns offen bist. Dein Haus hat offene T\u00fcren, Dein Reich ist ein lebendiges Reich voller Vielfalt und Fr\u00f6hlichkeit. Schenk uns heute schon ein St\u00fcck Paradies, eine kleine Insel Garten Eden. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eingangsspruch:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/strong>Ps 51,3<\/p>\n<p><strong>Lieder:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/strong>353; 224; 225; (zum Ausgang:) 268,2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor i.R. Manfred Gerke,<br \/>\nImmanuel-Kant-Stra\u00dfe 5,<br \/>\n26789 Leer<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:manfred.gerke@ewe.net\">manfred.gerke@ewe.net<\/a><\/p>\n<p>Seit Juni 2017 bin ich Pastor i. R. und wohne in Leer. Von 1977 bis 2017 war ich aktiv in der Ev.-ref. Kirchengemeinde Stapelmoor, zun\u00e4chst als Vikar, dann als Pfarrer. Verschiedene Schwerpunkte kennzeichneten meinen Dienst: Zun\u00e4chst war ich im Synodalverband ehrenamtlich Jugendpfarrer, dann zehn Jahre verantwortlich f\u00fcr die Ausbildung und Begleitung von Lektoren und \u00c4ltestenpredigern in der Ev.-ref. Kirche und achtzehn Jahre Pr\u00e4ses in unserem Synodalverband. Im Auftrag der EKD habe ich in den Jahren 2017 bis 2019 f\u00fcnfzehn Monate in der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde auf den Balearen mitgearbeitet \u2013 und bin dort seit dem 1. August wieder f\u00fcr zwei Monate im Einsatz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Lk 18,9-14 |&nbsp;verfasst von Manfred Gerke | Liebe Gemeinde, am 12. Oktober 1872 wurde der \u201ePharis\u00e4er\u201c von dem Bauern Peter Georg Johannsen im Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand sozusagen aus einer gewissen seelischen Not heraus erfunden, und zwar, als das siebente Kind der Johannsens auf den Namen Helene Petria getauft wurde. 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