{"id":3189,"date":"2020-08-19T09:50:56","date_gmt":"2020-08-19T07:50:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3189"},"modified":"2020-08-19T10:32:27","modified_gmt":"2020-08-19T08:32:27","slug":"predigt-zu-lk-18-9-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lk-18-9-14\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lk 18, 9-14"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Predigt zu Lk 18, 9-14 | verfasst von Pastor Bert Hitzegrad |<\/strong><\/h3>\n<p><em>\u201eGnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag steht bei Lukas im 18. Kapitel:<\/p>\n<p>Der Pharis\u00e4er und der Z\u00f6llner<\/p>\n<p><strong>9<\/strong>&nbsp;Er sagte aber zu einigen, die \u00fcberzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: <strong>10<\/strong>&nbsp;Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner.<strong>11<\/strong>&nbsp;Der Pharis\u00e4er stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Z\u00f6llner. <strong>12<\/strong>&nbsp;Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. <strong>13<\/strong>&nbsp;Der Z\u00f6llner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach:&nbsp;<strong>Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!<\/strong> <strong>14<\/strong>&nbsp;Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn&nbsp;<strong>wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werde.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnd Gott segne dieses, sein Wort an uns und lass es auch durch uns zu einem Segen werden. Amen!\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wir sind schnell bei der Hand, wenn wir urteilen, beurteilen, verurteilen. Und meistens beginnt die Bewertung schon einem Vorurteil: Frauen k\u00f6nnen nicht einparken und M\u00e4nner h\u00f6ren nicht zu. Italiener essen nur Spagetti und vor den Polen sind die Autos nicht sicher. Asylbewerber sind meistens Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge und Firmenmanager bereichern sich an ihren Boni-Zahlungen. Wir wissen meistens, wer richtig handelt und wer nicht, was gut ist und was schlecht. Auch bei der heutigen Beispielgeschichte, die Jesus erz\u00e4hlt. Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner \u2013 schon bei der \u00dcberschrift wissen wir Bescheid und das Urteil ist klar und die Sympathien zugunsten des Z\u00f6llners ungleich verteilt. Gef\u00fchlt 100 Mal wurden uns die beiden Zeitgenossen aus dem biblischen Alltag vorgef\u00fchrt. Und sp\u00e4testens seid dem Kindergottesdienst wissen wir: der Pharis\u00e4er ist ein verlogener, \u00fcberheblicher Mensch. Der Z\u00f6llner dagegen verdient all unseren christlichen Respekt, weil er voller Reue und Demut vor Gott tritt. Wie ein Bettler ruft er aus der Tiefe und findet Geh\u00f6r. Der Pharis\u00e4er dagegen, der nur Verachtung f\u00fcr den Mann vom Zoll hat, erh\u00e4lt diese mit voller Breitseite zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ist das gerecht? Entspricht das den beiden Menschentypen. Will Jesus uns auf diese Spur des Vorurteils, ja des Verurteilens f\u00fchren?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde die beiden gern fragen, wie es ihnen mit unserer Bewertung ihres Glaubenslebens geht. Ich w\u00fcrde sie gern nach ihrer Motivation und den Gr\u00fcnden f\u00fcr den Weg in den Tempel befragen. Und ob die Begegnung sie ver\u00e4ndert hat \u2013 die Begegnung mit dem anderen \u2013 und die Begegnung mit Gott.<\/p>\n<p>Sie sind Zeitgenossen einer fernen Welt.&nbsp; Anonym, ohne Namen und n\u00e4here Beschreibung ihrer Lebensumst\u00e4nde kommen sie daher. Vielleicht gelingt es uns, dass wir uns ihnen n\u00e4hern. Geben wir ihnen Namen, Jakobus und Elias, verleihen wir ihnen unsere Stimme und h\u00f6ren wir ihre Geschichten (Personen aus der Gemeinde k\u00f6nnten die Sprecherrollen \u00fcbernehmen.):<\/p>\n<p>Jakobus: \u201eDanke, dass ich zu Wort kommen darf. Endlich darf ich mich verteidigen, meine Beweggr\u00fcnde nennen. Viel zu lange musste ich schweigen. Das Vorurteil gegen\u00fcber uns, den Pharis\u00e4ern, lastet schwer auf uns. Wer nennt uns noch fromm und rechtschaffen? Wer heute einen \u201ePharis\u00e4er\u201c trinkt,&nbsp; denkt an Scheinheiligkeit und Heuchelei! Au\u00dfen hui \u2013 so wie der Kaffee serviert wird. Und innen pfui, dem Alkohol und doch der Lebensfreude huldigend.<\/p>\n<p>Das ist ein schiefes Bild von uns und verunglimpft unsere ganze Zunft. Hochanst\u00e4ndige, fromme Menschen sind wir, Bauern, Kaufleute, Handwerker. Aber nicht unsere Berufe bestimmen unser Leben, sondern unsere Berufung. Gott hat uns die Regeln und Gebote f\u00fcr unser Leben gegeben. Wir fasten regelm\u00e4\u00dfig, geben den Zehnten und sind fast t\u00e4glich im Tempel zu finden, denn wir suchen die Gemeinschaft mit Gott. Was soll daran verkehrt sein? Warum werden wir daf\u00fcr gescholten? Wir sind t\u00fcchtige, aufrechte Leute, wir zahlen unsere Steuern p\u00fcnktlich, wir leben nicht auf Kosten anderer. Solche wie wir werden von einer Gesellschaft gebraucht. Wir schauen nicht auf unseren Vorteil wie der da \u2013 der Z\u00f6llner. Womit hat er sich sein gro\u00dfes Haus verdient und den Park darum, der Schatten gibt, soll ich es Ihnen sagen? Aber Sie wissen es doch l\u00e4ngst \u2013 und trotzdem findet er so viel Achtung bei Ihnen \u2013 Achtung und Erbarmen bei Jesus, bei Gott?<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich v\u00f6llig missverstanden und falsch beurteilt. Wer kann uns&nbsp; Pharis\u00e4er rehabilitieren, wer hat den Mut, f\u00fcr uns zu sprechen?\u201c<\/p>\n<p>Anders ergeht es dem Z\u00f6llner \u2013 er ist der unangefochtene Sympathietr\u00e4ger dieser Geschichte. Wie geht er mit dieser Welle des Wohlwollens um? Elias hat das Wort:<\/p>\n<p>\u201eIch muss gestehen: So viel Zuneigung und freundliches Entgegenkommen habe ich selten erlebt. Ich gestehe nat\u00fcrlich: das liegt an mir und meinem Job. Meine Eltern h\u00e4tten gern gesehen, dass ich einen ehrlichen und anst\u00e4ndigen Beruf erlernt h\u00e4tte \u2013 Zimmermann, jemand der sich mit Holz und Statik auskennt, das h\u00e4tten sie sich gew\u00fcnscht. Aber die Zimmerleute, die ich kenne, sind arme, kleine Schlucker und das Einkommen reicht gerade um auszukommen. Ich wollte mehr. Und ich bekam mehr. Ein Freund sprach mich an, dass die R\u00f6mer Mitarbeiter aus unserem Volk suchen, die die Steuern eintreiben \u2013 Z\u00f6llner! Aber kein Vergleich zu den Beamten, die Sie heute kennen \u2013 loyal gegen\u00fcber dem Staat und handelnd nach Recht und Gesetz. Wir sind unsere eigenen Herren, wir machen unsere eigenen Gesetze. Die R\u00f6mer weisen uns Zollbezirke zu. Mir geh\u00f6rte z.B. das Damaskustor in Jerusalem. Wer dort ein- und ausging, musste bezahlen. Das war lukrativ, denn viele str\u00f6mten zum Basar. Die R\u00f6mer hatten einen festen Pachtzins, den ich bezahlen musste. Aber die Tarife f\u00fcr den Eintritt durch das Tor habe ich gemacht. Und nat\u00fcrlich habe ich drauf geachtet, dass da gen\u00fcgend f\u00fcr mich heraussprang. Gefiel mir die Nase eines H\u00e4ndlers nicht, habe ich gleich doppelt so viel genommen. Ihr w\u00fcrdet sagen: eine echte \u201eAbzocke\u201c. Ja, wirklich: ein lukrativer Job, mein Freund hatte recht. Inzwischen habe ich ein ansehnliches Haus gebaut f\u00fcr meine Familie, ein Park ist rundherum mit B\u00e4umen, die viel Schatten spenden. Aber nicht nur der Weg vorbei an meinem Zollhaus hat seinen Preis, auch mein Leben als Z\u00f6llner. Als Kollaborateur mit den R\u00f6mern werde ich \u00fcberall geschnitten und gemieden. Ich bezahle zwar auch meine Tempelsteuer, aber ich geh\u00f6re nicht zu den Kreisen der Frommen und Rechtgl\u00e4ubigen. Ja, sie sprechen mir sogar meinen Glauben ab. Ich k\u00f6nnte mein Leben genie\u00dfen, aber diese Isolation, die offene und versteckte Ablehnung sind hart. \u201eMobbing\u201c w\u00fcrdet Ihr dazu sagen. Dass ich Fehler mache, wei\u00df ich nat\u00fcrlich, dass ich oft zu viel an Steuern eintreibe \u2013 dazu ist die Versuchung zu gro\u00df. Ich wei\u00df, dass ich ein S\u00fcnder bin. Gott wei\u00df es, ich will mich \u00e4ndern. Danke, dass Ihr auf meiner Seite seid. Danke, dass ihr mich nicht verurteilt, sondern mir eine Chance gebt!\u201c<\/p>\n<p>Zwei Menschen, zwei Lebensentw\u00fcrfe, die unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnen. Und beide sind im Tempel, beide sind in Gottes Haus. Der eine schaut auf sein Leben und erlebt es dankbar als gelungen und sinnvoll. Der andere steht f\u00fcr alle, die gescheitert sind in ihrem Leben. Der eine formuliert sch\u00f6ne Dankgebete, der andere schmei\u00dft Gott die Scherben vor die F\u00fc\u00dfe. Und Gott hat ein Ohr f\u00fcr den Schuft mit so viel Dreck am Stecken. Was sagten die, die dieses Gleichnis h\u00f6rten? Eine ganze Schar versammelte sich um Jesus, um ihn zu h\u00f6ren, vielleicht auch, um ihn zu pr\u00fcfen: Wie schl\u00e4gt die Waage aus, wer ist gut, wer ist gerecht vor Gott? &nbsp;Wem gelten seine Sympathien?<\/p>\n<p>\u201eJesus sprach zu einigen, die \u00fcberzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern \u2026\u201c\u2013 was sagten sie? Auch ihnen wollen wir eine Stimme geben:<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht auszuhalten mit diesem selbsternannten Meister! Er wirft alle unsere guten Regeln und Sitten \u00fcber Bord. Er l\u00e4stert Gott, der uns nach unseren Werken beurteilt. Wie kann er einem Z\u00f6llner bescheinigen, gerecht zu sein? Z\u00f6llner, Freunde der R\u00f6mer, Freunde der Heiden, der Unbeschnittenen, der Unreinen &#8230; Vor Gericht hat er nichts zu sagen, er hat alle seine Rechte verspielt. Aber vor Gott sei er gerechtfertigt? Er geh\u00f6rt zu den Ausgeschlossenen, den Gemiedenen. Wenn Gott gerecht ist, dann steht er auf unserer Seite, dann h\u00f6rt er unsere dankbaren Gebete. Unser tadelloser Lebenswandel ist wie ein Weihrauchopfer, das zu ihm aufsteigt. Wir prassen nicht, wir bringen unsere Opfer, und wir fasten und verzichten, wir nehmen nicht, wir geben reichlich, den Zehnten und wenn Not ist noch mehr. Warum erz\u00e4hlt dieser Jesus solche Geschichten. Sein Gott ist nicht unser Gott und seine Gerechtigkeit ist nicht unsere Gerechtigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Stimmt! Zumindest darin haben sie Recht, die Frommen und Gerechten und die, die andere verachten. Soweit haben sie die Geschichte verstanden, die Jesus erz\u00e4hlt, aber nicht das Neue, was mit Jesus in diese Welt gekommen ist. Sie m\u00f6chten in ihren eingefahrenen Gleisen und Denkweisen verharren und nicht den Hochmut ablegen, der Menschen verachtet, um sie neu mit Gottes Augen, mit seiner Liebe zu sehen. Und die ist offen f\u00fcr \u201edie anderen\u201c&nbsp; die \u201e\u00fcbrigen Menschen, R\u00e4uber, Ungerechte, Ehebrecher \u2026\u201c Der Arzt ist f\u00fcr die Kranken da. Die Freude ist gro\u00df \u00fcber einen der umkehrt, gr\u00f6\u00dfer als \u00fcber 99, die der Umkehr nicht bed\u00fcrfen \u2026.<\/p>\n<p>Wie haben die \u201eanderen Menschen\u201c diese Zuwendung Gottes erlebt?<\/p>\n<p>Der R\u00e4uber: \u201eJa, ich habe die letzten Momente seines Lebens erlebt. Ich bin einer der R\u00e4uber, ein \u00dcbelt\u00e4ter, der neben ihm am Kreuz hingerichtet wurde. Wir haben gelitten an diesem teuflischen Kreuz. Und die Schm\u00e4hungen der Umherstehenden haben uns getroffen wie die Hammerschl\u00e4ge der R\u00f6mer. Sogar mein Kumpane, der mit mir verurteilt wurde und der ebenso am Kreuz hingerichtet wurde, l\u00e4sterte noch in seiner heillosen Situation: \u201eBist Du&nbsp; nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!\u201c Ich habe ihn gleich zurecht gewiesen, denn ich habe gesp\u00fcrt, da ist jemand zu Unrecht verurteilt worden. Da ist jemand in die M\u00fchlen der vermeintlich Frommen und Tadellosen geraten, die seine Worte und Wahrheiten nicht ausstehen konnten. Er hat die Welt auf den Kopf gestellt: Gott am Kreuz, an der Seite der Verbrecher. Gott auf der Seite der Rechtlosen, der S\u00fcnder, der von allen Ausgeschlossenen. Dort am Kreuz habe ich es gesp\u00fcrt, dass er anders ist als die anderen. Und dann hat er mir Hoffnung gemacht in aller Hoffnungslosigkeit. Leben, auch wenn alles Leben vertan, verpfuscht, verloren war: \u201aWahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.\u2018 Ich bin ihm ewig dankbar!\u201c<\/p>\n<p>Ein Ungerechter &#8211; Petrus: \u201eDass man so tief sinken kann im Leben. Ich habe mich so gesch\u00e4mt. Ich dachte ich k\u00f6nnte ihm nie wieder in die Augen sehen \u2013 und ich dachte, ich w\u00fcrde ihm nie wieder in die Augen sehen k\u00f6nnen, weil er gefangen war, verurteilt wurde und \u2026 Ich habe ihn verleugnet nach Strich und Faden. Habe abgestritten, ihn zu kennen, ihn, der f\u00fcr mich wie ein Bruder war, ein Lehrer, Rabbi, Meister. Wie konnte ich nur? Ich wusste gar nicht wohin vor Scham. &nbsp;Und trotzdem hat er mir die Hand gereicht und mich wieder aufgerichtet wie damals, als ich fast m See ertrunken bin. Und trotzdem hat mir nicht die Schl\u00fcssel f\u00fcr das Himmelreich aus der Hand genommen. Ich war nicht \u201ePetrus der starke Fels\u201c, butterweich bin ich dahin geschmolzen als es Gegenwind gab. Aber er hat mich stark gemacht. Er steht zu mir. Manchmal frage ich mich: Warum?\u201c<\/p>\n<p>Eine Ehebrecherin: \u201eDass ich noch lebe, habe ich ihm zu verdanken. Dass mein Leben sich total ge\u00e4ndert, auch! Es war wie ein zweiter Geburtstag, der mir geschenkt wurde. Sie hatten die Steine schon in der Hand. Und nach unseren Geboten w\u00e4re alles recht und richtig gewesen. Ich hatte eine Aff\u00e4re. Als Frau war ich nat\u00fcrlich Schuld. Mein Liebhaber w\u00e4re unbehelligt davon gekommen. Aber nun hatten sie wieder eine, die sie als S\u00fcnderin beschimpfen konnten. Nun h\u00e4tten sie mit jedem Stein Gottes Willen getan, um die S\u00fcnde aus dieser Welt zu schaffen. Welch ein grausamer Gott, welch ein b\u00f6ses Spiel, denn sie alle hatten Dreck am Stecken und waren froh, einen S\u00fcndenbock zu haben. Wenn sie ihr Strafgericht vollendet h\u00e4tten, h\u00e4tte ich nichts mehr sagen k\u00f6nnen \u2026 Jesus hat gleich ihre Beweggr\u00fcnde durchschaut. Er hat mich gerettet. Er hat nicht gesagt: \u201aAlles ist gut in deinem Leben!\u2018 Das wusste ich. Er hat gesagt: \u201aAlles wird gut, wenn du dich \u00e4nderst \u2013 s\u00fcndige hinfort nicht mehr!\u2018 Dass er mir das Leben neu geschenkt hat \u2026.! Ich frage mich immer noch, was er mit dem Finger in den Sand gemalt hat \u2013 ein Herz?\u201c<\/p>\n<p>Unsere Herzen schlagen f\u00fcr die, deren Leben aus dem Ruder gelaufen sind. Unsere Sympathien gelten denjenigen, die am Ende sind, die bereuen, die dem Alten entkommen wollen: \u201eHerr, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c Vielleicht geh\u00f6rt der Pharis\u00e4er auch deshalb nicht zu unseren Lieblingen, weil wir selbst zu oft Pharis\u00e4er sind \u2013 erhaben \u00fcber die anderen, stolz auf unsere Leistungen, zufrieden mit unserem Seelenheil und gl\u00fccklich \u00fcber den Blick in die BILD-Zeitung: \u201eDen anderen geht es ja noch schlechter als mir. Und mein Lebenswandel ist doch um einiges besser als deren \u2026\u201c Der Z\u00f6llner in uns mag uns dann erinnern: Nicht ich halte mein Leben in der Hand, sondern Gott tut es. Nicht ich muss mich wieder aufrappeln, wenn ich gefallen bin. Er reicht mir seine Hand.<\/p>\n<p>Ob der Z\u00f6llner \u2013 wir nennen ihn Elias \u2013 sie ergriffen hat? Wie so oft in den Geschichten, die die Bibel erz\u00e4hlt, w\u00fcrden wir gerne wissen, wie es weitergeht. Was macht er aus seinem \u201egerechtfertigt Sein\u201c? Ist es eine Happy End-Geschichte oder greift der Z\u00f6llner-Alltag wieder nach seinem Leben?<\/p>\n<p>Einer seiner Kollegen, Levi, wird nach der Begegnung mit Jesus ein J\u00fcnger. Ein anderer, Zach\u00e4us, gibt die H\u00e4lfte seines Besitzes den Armen und denen, die er betrogen hat, gibt er es vierfach zur\u00fcck. Nur Vorsicht, dass er nicht meint, die Sympathien kaufen zu m\u00fcssen. Dann wird sogar aus dem Z\u00f6llner ein Pharis\u00e4er! Nein, es bleibt Gottes Barmherzigkeit, die uns gerecht macht und uns eine tiefe Zufriedenheit schenkt. Aber davon sollen auch andere etwas sp\u00fcren! Amen.<\/p>\n<p><em>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus zum ewigen Leben. Amen. <\/em><\/p>\n<p><em>Liedvorschlag: Der Gammler (<\/em><a href=\"http:\/\/www.alterlobpreis.de\/Man-sagt,-er-war-ein-Gammler\/\">http:\/\/www.alterlobpreis.de\/Man-sagt,-er-war-ein-Gammler\/<\/a>)<\/p>\n<p><em>______________________________________________________________________________<\/em><\/p>\n<p><em>Pastor Bert Hitzegrad<\/em><\/p>\n<p><em>Der Verfasser ist Pastor in einer l\u00e4ndlichen Region im Norden der Hannoverschen Landeskirche. Er betreut eine klein Dorfgemeinde (140 Mitglieder) und gemeinsam mit einem Kollegen die Kirchengemeinde Cadenberge-Wingst mit knapp 5000 Gemeindegliedern. Er ist z.Zt. Mentor f\u00fcr einen Vikar. Gemeinsam besch\u00e4ftigen sie sich mit homiletischen Ans\u00e4tzen (Lit.: L.Charbonnier\/K.Merzyn\/P.Meyer, Homiletik, G\u00f6ttingen 2012. ). Die vorliegende Predigt ist ein Versuch, das Konzept der \u201ePredigt bibliologisch gestalten\u201c nach Uta Pohl-Patalong (ebd., S 166) umzusetzen. Personen aus der Gemeinde k\u00f6nnen die verschiedenen Sprecherrollen \u00fcbernehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Kontakt: BHitzegrad@aol.com<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Lk 18, 9-14 | verfasst von Pastor Bert Hitzegrad | \u201eGnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.\u201c Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag steht bei Lukas im 18. 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