{"id":3250,"date":"2016-12-18T10:58:00","date_gmt":"2016-12-18T09:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3250"},"modified":"2020-08-25T12:50:25","modified_gmt":"2020-08-25T10:50:25","slug":"predigt-zu-johannes-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-johannes-1\/","title":{"rendered":"Predigt zu Johannes 1"},"content":{"rendered":"<h3>4. Advent, 18.12.2016 |\u00a0Predigt zu Johannes 1 | verfasst von Christian Grund S\u00f8rensen |<\/h3>\n<p>\u201eIch bin einer, die Stimme eines Predigers in der W\u00fcste.\u201c<\/p>\n<p>Das sind die Worte Johannes des T\u00e4ufers \u00fcber sich selbst.<\/p>\n<p>Ich bin einer. Nicht ein Zuf\u00e4lliger. Nicht einer, der sich aus eigenem Antrieb hinstellt, als st\u00fcnde er auf einem Bierkaste, um Beifall einzuheimsen und likes und Fortschritt und Ratings.<\/p>\n<p>Ich bin einer. Wie ein Nachklang der urspr\u00fcnglichen Bedeutung des Wortes Gott, Jahwe, eine Bedeutung, die in sich das gro\u00dfe Mysterium enth\u00e4lt, dass der Name Gottes \u201eIch bin\u201c hei\u00dft. Ein R\u00e4tsel, das die grundlegende Aussage enth\u00e4lt, dass Gott ist und immer sein wird \u2013 und war, ehe etwas existierte \u2013 innerhalb wie au\u00dferhalb von Zeit und Raum.<\/p>\n<p>Und ist. In unseren Leben 2016 und 17 und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Ich bin einer. Ein Mensch. Durch und durch Fleisch und Blut. Sohn von Elisabeth und Zacharias. Zacharias, der stumm wurde durch die Erfahrung, dass selbst in einer Zeit vor der Fertilit\u00e4tsbehandlung kleine Wunder geschehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einer. Ein Mensch. Ein Individuum. Eine Person. Ein selbst\u00e4ndiger, herzerweichender, fehlbarer und vollendeter Mensch. Unter den von Frauen geborenen ist keiner gr\u00f6\u00dfer als Johannes, sagte Jesus. Aber sp\u00e4ter sagt Johannes: Er muss wachsen, aber ich muss abnehmen.<\/p>\n<p>Ich bin einer. Ein Mensch. Hier handelt es sich nicht um Gott. Und dennoch. H\u00f6ren wir nicht die Stimme Gottes durch Johannes? Vielleicht ist sein menschliches Gem\u00fct manchmal etwas versandet, wenn das gewichtige Scheltwort Otterngez\u00fccht im Spiel ist. Ist Johannes Feuer und Initiative von Gott oder von ihm selbst?<\/p>\n<p>Oder sind die harten Worte von Gott? Vielleicht haben wir sie n\u00f6tig?<\/p>\n<p>\u201eWie lieblich sind auf den Bergen die F\u00fc\u00dfe der Freudenboten\u201c, hei\u00dft es beim Propheten Jesaja. Ein Erlebnis, dass die gute Botschaft Gottes geh\u00f6rt wird, mit Freuden geh\u00f6rt wird. \u201edie da Frieden verk\u00fcndigen, Gutes predigen, Heil verk\u00fcndigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist K\u00f6nig\u201c.<\/p>\n<p>Das Leben ist nicht erbarmungslos zuf\u00e4llig, und wir sind nicht allein.<\/p>\n<p>Einer. Nur ein Mensch wie du und ich. Hier in der Kirche und vor der Kirche.<\/p>\n<p>Ich bin einer, der ruft.<\/p>\n<p>Johannes ruft, denn es ist wichtig. Wo sich Jesaja damit begn\u00fcgen konnte zu schreiben und zu reden, muss Johannes uns in die Ohren schreien. Denn\u00a0 \u201edie Axt liegt am Fu\u00dfe des Baumes\u201c.<\/p>\n<p>Der Ruf ist ein Laut, der notwendig ist, um durchzudringen und die Kakophonie und den L\u00e4rm des Daseins zu \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p>Schallwellen, stark genug, um die Normalit\u00e4t des Alltags zu sprengen und sich die Aufmerksamkeit zu erzwingen in der Welt, die heute von vielen Forschern ein Gesch\u00e4ft der Aufmerksamkeit genannt wird, denn alle wollen unsere Aufmerksamkeit \u2013 aber wir haben sie nur wenig.<\/p>\n<p>Sie waren wohl damals so wie wir. Voll von Freude und Trauer, Pl\u00e4nen und Sorgen, Projekten und Worten. Aber Johannes muss rufen. Anst\u00f6\u00dfig, um geh\u00f6rt zu werden.<\/p>\n<p>Denn \u201edas Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat\u2019s nicht begriffen\u201c, hei\u00dft es im ersten Kapitel des Evangeliums seines Namensvetters.<\/p>\n<p>Johannes der T\u00e4ufer ruft aus der Finsternis und in die Finsternis.<\/p>\n<p>\u201eDeine W\u00e4chter rufen mit lauter Stimme und r\u00fchmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der Herr nach Zion zur\u00fcckkehrt. Seid fr\u00f6hlich und r\u00fchmet miteinander, ihr Tr\u00fcmmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getr\u00f6stet und Jerusalem erl\u00f6st. Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller V\u00f6lker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes\u201c, schreibt Jesaja.<\/p>\n<p>Ich bin der, der in der W\u00fcste ruft.<\/p>\n<p>Ist das nicht ein merkw\u00fcrdiger Ort zum Rufen? H\u00e4tte Johannes nicht wie Jesus den Tempelvorhof in Jerusalem w\u00e4hlen sollen, das Boot des Petrus am See Genezareth oder Facebook?<\/p>\n<p>In der W\u00fcste rufen hei\u00dft ja seine Stimme vergeuden. Oder nicht? Denn wenn da nur einer in der Wildnis ist, der es h\u00f6rt, ist es dann vergeblich? Und ist ja jemand, der die W\u00fcste aufsucht, um zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p>Moses und die Israeliten waren 40 Jahre in der W\u00fcste, um zu lernen, wie man zuh\u00f6rt. Jesus war 40 Tage in der W\u00fcste,\u00a0 um seiner Berufung nachzukommen. Paulus war drei Jahre in der W\u00fcste, um einen Weg zu finden nach seiner Begegnung mit dem Auferstandenen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist die W\u00fcste eine Pause, das time out, das uns in unserer sp\u00e4tmodernen Wirklichkeit fehlt?<\/p>\n<p>Vielleicht ist die W\u00fcste in deinem und meinem Leben? Dort, wo wir nicht auf gr\u00fcnen Wiesen und an stillen Wassern liegen, wie es im Psalm 23 hei\u00dft. Dort, wo der Weg staubig ist und steinig und unwegsam und hoffnungslos. Und doch ist da vielleicht Hoffnung, denn da ist einer, der in der W\u00fcste ruft.<\/p>\n<p>Vielleicht ruft er nach dir in der W\u00fcste deines Lebens.<\/p>\n<p>In er Kirche rufen wir meist hinter Mauern. Wir predigen f\u00fcr die schon Bekehrten in komfortabler und stilvoller Umgebung.<\/p>\n<p>Haben wir in der Kirche vielleicht einen Johannes-Beruf? Nicht reden, fl\u00fcstern oder schweigen, sondern in die W\u00fcste der postchristlichen Welt hinein zu rufen, dass da Wasser ist und Leben?<\/p>\n<p>Die Quelle, aus der Wasser zum ewigen Leben springt. Jesus Christus.<\/p>\n<p>Ich bin einer, der in der W\u00fcste ruft.<\/p>\n<p>Denn die in der W\u00fcste waren nicht vergessen. Und manchmal m\u00fcssen wir hinaus in die W\u00fcste, um zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Heute z\u00fcnden wir das vierte Adventslicht an. F\u00fcr einen, der in der Wildnis ruft. F\u00fcr die willkommene und die unwillkommene Wahrheit.<\/p>\n<p>Da ist einer.<\/p>\n<p>Da ist einer der ruft.<\/p>\n<p>Da ist einer der in der W\u00fcste ruft.<\/p>\n<p>Da ist einer, der von Jesus Christus ruft. M\u00f6ge das auch hier geschehen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<div id=\"fuss\">Pastor, phd. Christian Grund S\u00f8rensen<br \/>\nAalborg<br \/>\nE-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:cgs@km.dk\">cgs@km.dk<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Advent, 18.12.2016 |\u00a0Predigt zu Johannes 1 | verfasst von Christian Grund S\u00f8rensen | \u201eIch bin einer, die Stimme eines Predigers in der W\u00fcste.\u201c Das sind die Worte Johannes des T\u00e4ufers \u00fcber sich selbst. Ich bin einer. Nicht ein Zuf\u00e4lliger. 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