{"id":3286,"date":"2018-04-15T08:00:41","date_gmt":"2018-04-15T06:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3286"},"modified":"2020-08-28T11:53:44","modified_gmt":"2020-08-28T09:53:44","slug":"allein-christus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/allein-christus\/","title":{"rendered":"Allein Christus"},"content":{"rendered":"<h3>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein Christus\u201c | in St. Laurenzen am 15. April 2018 | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. |<\/h3>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.<\/p>\n<p>Der Apostel schreibt:<\/p>\n<p>\u201eEiner n\u00e4mlich ist Gott, einer auch ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.\u201c (1Tim 2,5)<\/p>\n<p>Mit diesem Vers aus dem Neuen Testament begr\u00fcsse ich alle herzlich. Das Thema des heutigen Gottesdiensts ist damit angestimmt: \u201eAllein Christus\u201c, nach \u201eAllein die Gnade\u201c und \u201eAllein die Schrift\u201c der dritte Grundsatz der Reformation. (Am 1. Juli werde ich in dieser Kirche dann noch eine Predigt zu \u201eAllein der Glaube\u201c halten.)<\/p>\n<p>Doch lasst uns vorerst singen und beten und Worte aus der Bibel h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Lied 492,1\u20133 und 8: \u201eJesus Christus herrscht als K\u00f6nig.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns aufstehen und beten:<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, als deine Gemeinde stehen wir vor dir. Bei dir suchen wir Ruhe und Kraft. H\u00e4ufig sind wir mutlos, und manche f\u00fchlen sich \u00fcberlastet oder sonst gestresst. Sogar wenn man in einem Altersheim wohnt, hat man Pflichten. Und \u00fcberall gibt es zwischenmenschliche Probleme.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, wir m\u00f6chten glauben k\u00f6nnen, uns von dir tragen lassen. Wir bitten dich darum. Wir m\u00f6chten unseren Glauben aber auch verstehen k\u00f6nnen, damit wir nicht blind glauben m\u00fcssen und damit wir, was wir glauben, anderen weitergeben k\u00f6nnen. Gib uns deinen heiligen und guten Geist und damit dich selbst.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, stellvertretend stehen wir vor dir f\u00fcr viele andere. Lass auch sie deinen Geist erfahren und damit ebenfalls dich selbst. Steh auch ihnen bei.<\/p>\n<p>Besonders bitten wir dich f\u00fcr in Politik und Wirtschaft T\u00e4tige, f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrer, Studierende, Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fcler. Wir bitten dich f\u00fcr Angeh\u00f6rige der wissenschaftlichen \u2013 besonders der medizinischen \u2013, der k\u00fcnstlerischen und der sportlichen Berufe.<\/p>\n<p>Wir bitten dich f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt. Wir bitten dich darum, dass Notleidende Barmherzigkeit und Hilfe finden.<\/p>\n<p>In der Stille legen wir pers\u00f6nliche Gedanken vor dich hin.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, wir danken dir daf\u00fcr, dass du uns verstehst. Um alles bitten wir im Namen deines lieben Sohnes und unseres Bruders Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p>Lesung von Kol 1,12\u201323:<\/p>\n<p>\u201eVoll Freude sagt Dank dem Vater, der euch f\u00e4hig gemacht hat, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und uns versetzt ins Reich seines geliebten Sohnes, in dem wir die Erl\u00f6sung haben, die Vergebung der S\u00fcnden.<\/p>\n<p>Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,<\/p>\n<p>der Erstgeborene vor aller Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Denn in ihm wurde alles geschaffen<\/p>\n<p>im Himmel und auf Erden,<\/p>\n<p>das Sichtbare und das Unsichtbare,<\/p>\n<p>ob Throne oder Herrschaften,<\/p>\n<p>ob M\u00e4chte oder Gewalten;<\/p>\n<p>alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.<\/p>\n<p>Und er ist vor allem,<\/p>\n<p>und alles hat in ihm seinen Bestand.<\/p>\n<p>Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche.<\/p>\n<p>Er ist der Ursprung, der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es gefiel Gott, seine ganze F\u00fclle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn das All zu vers\u00f6hnen auf ihn hin, indem er Frieden schuf durch ihn, durch das Blut seines Kreuzes, f\u00fcr alle Wesen, ob auf Erden oder im Himmel. Auch euch, die ihr einst Fremde wart und Feinde, deren Sinn auf b\u00f6se Taten aus war, euch hat er jetzt mit sich vers\u00f6hnt in seinem sterblichen Leib durch seinen Tod, um euch heilig, makellos und unbescholten vor sich hinzustellen \u2013 wenn ihr nur dem Glauben treu bleibt, festen Grund habt, standhaft bleibt und euch nicht abbringen lasst von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr geh\u00f6rt habt. \u00dcberall auf der Welt, so weit der Himmel reicht, ist es verk\u00fcndigt worden.\u201c<\/p>\n<p>Lied 276,1\u20134: \u201eSuch, wer da will, ein ander Ziel.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eIch bin klein,<br \/>\nmein Herz ist rein,<br \/>\nsoll niemand drin wohnen<br \/>\nals Jesus allein.\u201c<\/p>\n<p>Ich denke, viele von Ihnen kennen dieses Kindergebet, und es mag durchaus sein, dass einige von Ihnen es vor Jahren selbst gebetet haben und deshalb nostalgische Gef\u00fchle dabei haben. Aber verzeihen Sie mir bitte: Trotzdem erlaube ich mir zu sagen, theologisch und wohl auch psychologisch sind diese Verse Unsinn. In einem Kinderherz hat hoffentlich doch wohl nicht nur Jesus, sondern noch viel anderes Platz, Mama und Papa, die Grosseltern und Geschwister und vielleicht auch der Teddyb\u00e4r und die abgegriffene und verwaschene Stoffpuppe, die mit Joggeli angesprochen und \u00fcberallhin mitgeschleppt wird.<\/p>\n<p>In meiner Predigt zum Grundsatz \u201eAllein die Gnade\u201c habe ich vor einigen Wochen von Katharina von Siena erz\u00e4hlt, dieser grossen christlichen Frau im Sp\u00e4tmittelalter. In ihrer Jugend litt sie, wenn ich so sagen darf, unter religi\u00f6sem \u00dcberschwang. Sie wollte nur zu Jesus geh\u00f6ren, nur mit ihm zusammensein. Doch in einer grossartigen Vision schickte sie dieser zu den Menschen. Lasst uns das Zitat aus meiner fr\u00fcheren Predigt nochmals h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eDu sollst nicht nur dir selber n\u00fctzlich sein, nein, auch den anderen, auch daf\u00fcr gebe ich dir ja meine Gnade. Ich will dich doch nicht von mir wegschicken; im Gegenteil, die Liebe f\u00fcr die Menschen wird dich noch fester an mich binden! Dies ist meine Absicht: du weisst, ich habe zwei Gebote der Liebe gegeben, ihr m\u00fcsst mich und eu\u00adren N\u00e4chsten lieben. [&#8230;] Ich will, dass du die Gerechtigkeit beider Gebote erf\u00fcllst. Du sollst nicht auf einem Fuss daherhinken, du sollst mit beiden F\u00fcssen ausschreiten.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Noch einmal:<\/p>\n<p>\u201eIch bin klein,<br \/>\nmein Herz ist rein,<br \/>\nsoll niemand drin wohnen<br \/>\nals Jesus allein.\u201c<\/p>\n<p>So geht es wirklich nicht! Jesus und unsere Mitmenschen sind keine Gegens\u00e4tze, die sich wechselseitig ausschliessen. Gerade wer Jesus liebt, wird sich von seinen N\u00e4chsten \u2013 und \u00fcberhaupt von der Welt \u2013 nicht trennen.<\/p>\n<p>Doch zum Grundsatz \u201eAllein Christus\u201c, auf Lateinisch \u201esolus Christus\u201c, dem dritten der vier Grunds\u00e4tze der Reformation, heute unser Thema: Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich kein Katholikenfresser bin. Im Gegenteil, ich habe eine grosse Hochachtung vor der r\u00f6misch-katholischen Kirche und kenne Katholiken, die bessere Christen sind als ich. Und doch k\u00f6nnen wir den Grundsatz \u201eAllein Christus\u201c nur richtig verstehen und einordnen, wenn wir uns klar machen: Er ist gegen gewisse Aspekte jedenfalls des vorreformatorischen \u2013 teilweise aber auch noch des heutigen Katholizismus \u2013 gerichtet. Es geht um die Marienverehrung und um die Heiligenverehrung allgemein, die gerade in den Jahren vor der Reformation, dann aber auch in den Jahren der Gegenreformation, eine wichtige Rolle spielten.<\/p>\n<p>Schauen wir uns nur die St. Galler Kirchengeschichte vor der Reformation an: Wie ernst nahm man in der Klosterkirche die Verehrung von Gallus und Otmar und von vielen anderen. Und noch handgreiflicher war der Marienkult. Abt Ulrich R\u00f6sch richtete in seinem M\u00fcnster einen Altar f\u00fcr \u201eUnsere Liebe Frau im Gatter\u201c ein. Wer diese besuchte, vor ihr betete, eine Kerze anz\u00fcndete oder Geld spendete, konnte sich Verdienste erwerben. Die Wallfahrt zu dieser \u201eUnseren Lieben Frau im Gatter\u201c war in den Jahren vor der Reformation \u00fcberaus erfolgreich. Tausende nahmen daran teil. \u201eUnsere Liebe Frau im Gatter\u201c hiess sie \u00fcbrigens, weil das Marienbild durch einen eisernen K\u00e4fig gesch\u00fctzt werden musste. Die begeisterten Pilgerinnen und Pilger h\u00e4tten das Marienbild sonst besch\u00e4digt, St\u00fccke davon abgebrochen, um sie nach Hause zu nehmen, um so etwas G\u00f6ttliches in der Hand zu haben.<\/p>\n<p>Anders sah es die Reformation. Einige von Ihnen wissen wohl, dass ich im letzten Herbst aus Anlass des Reformationsjubil\u00e4ums den bisher wenig bekannten reformierten St. Galler Katechismus von 1527 publizierte, nach meinem pers\u00f6nlichen Daf\u00fcrhalten ein bedeutender Text. Er l\u00e4sst uns den Glauben der fr\u00fchen Reformierten besser verstehen. Und hier lesen wir zu unserem Thema unter anderem das Folgende:<\/p>\n<p>\u201eWas gloubstu von der Junckfrow Maria?<\/p>\n<p>Antwurt. Das \/ das sy ist v\u00dferwelt von Gott \/ voll gnad \/ Gesegnet vnder den wyben: vnd gesegnet die frucht jrs lybs Jesus Christus. Vnd das sy rain vor der geburt \/ in der geburt \/ vnnd nach der geburt sye: ain demutige dienerin vnd selige junckfrow \/ vmb jres gloubens willen: ain tr\u00fcwe muoter vnsers Herren Jesu Christi. Vnd das sy besitz gewi\u00dflich das erb in den ewigen froeudenn. Vnd das sy zu allen disen dingen ist kommen \/ v\u00df der gnad Gottes in der gmainschafft des lydens vnnd sterbens jrs lieben suns vnsers Herren Jesu Christ. Jn jm vnd durch jn thett jr Gott grosse ding \/ darumb vns zu erkennen ist \/ vnnd von jr zu w\u00fcssen was Gott in jr vnd durch sy als ain auserkie\u00dft handgschirr \/ gew\u00fcrckt hab \/ darumb sol jr gedaechtnu\u00df mit lob vnd pry\u00df \/ vnd mit dancksagung zu Gott gehalten werden \/ wie aller anderen Seligen \/ zu denen wir billich als zu abwesenden fr\u00fcnden liebe tragend: dann sy f\u00fcrneme glieder des lybs Christi warend.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Es ist ein bemerkenswerter Abschnitt. Der St. Galler Katechismus spricht also mit grosser Ehrfurcht von Maria. Sogar ihre leibliche Aufnahme in den Himmel wird gelehrt! Und in der Geschichte ihres Sohnes spielt sie eine wichtige Rolle, die nicht wegzudiskutieren ist. Und etwas sp\u00e4ter wird von ihr gesagt, dass man sie und die \u00fcbrigen Heiligen geb\u00fchrend ehre, indem man ihr und ihnen nachfolge und ebenso gut handle, wie sie es getan h\u00e4tten, sie seien f\u00fcr uns Vorbild. W\u00f6rtlich:<\/p>\n<p>\u201eJn jrem tugentsamen laeben \/ darinnen sy Christo nachvolgten mit ainem laebendigen glouben \/ vnd mit wircklicher liebe \/ die vmb die hoffnung de\u00df ewigen laebens sich gearbeitet vnd duldet hand \/ bi\u00df in tod mit verachtung der welt vnnd jrer l\u00fcsten.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Das ist nicht nichts, sondern sogar viel! Nicht umsonst hat man im reformierten St. Gallen die Kirchennamen St. Laurenzen, St. Mangen, St. Katharinen, St. Leonhard und St. Jakob nicht abgeschafft, sondern beibehalten. Aber wir haben es geh\u00f6rt: Wir sollen von Maria wie von einer abwesenden Freundin denken \u2013 und von den Heiligen ebenfalls als von abwesenden Freunden. Das heisst, wir k\u00f6nnen uns ihrer liebevoll erinnern und sie als Vorbild nehmen. Aber nicht mehr! Da sie als abwesend gedacht werden, kann und soll man nicht Worte an sie richten. \u201eAllein Christus\u201c ist der Grundsatz.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Es g\u00e4be nat\u00fcrlich noch viel zu sagen, aber ich muss mich kurz fassen. An diesem Punkt besteht bis zum heutigen Tag ein Unterschied zwischen den evangelischen und der r\u00f6misch-katholischen Kirche (und auch den orthodoxen Kirchen). Besonders seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat man zwar in Rom mit viel religi\u00f6sem Wildwuchs aufger\u00e4umt. Und dasselbe Konzil betonte hoch offiziell, ein einziger sei unser Mittler: Jesus Christus, nur er schenke das Heil. Aber auch dieses Konzil sagte dann trotzdem \u00fcber die Jungfrau Maria:<\/p>\n<p>\u201eIndem sie Christus empfing, gebar und n\u00e4hrte, im Tempel dem Vater darstellte und mit ihrem am Kreuz sterbenden Sohn litt, hat sie beim Werk des Erl\u00f6sers in durchaus einzigartiger Weise in Gehorsam, Glaube, Hoffnung und brennender Liebe mitgewirkt zur Wiederherstellung des \u00fcbernat\u00fcrlichen Lebens der Seelen.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Maria ist also auch gem\u00e4ss dem Zweiten Vatikanischen Konzil als \u201eMitwirkerin\u201c an unserem Heil beteiligt! Es h\u00e4ngt dies damit zusammen, dass die r\u00f6misch-katholische Fr\u00f6mmigkeit und Theologie nicht so stark wie die evangelische zwischen dem G\u00f6ttlichen und den Menschlichen unterscheidet. Der Satz \u201eDas Wort wurde Fleisch\u201c wird so ausgelegt, dass die Welt seit und dank der Geburt Jesu Christi bis zu einem gewissen Grad bleibend verg\u00f6ttlicht worden ist. Etwa in der Eucharistie kann man das G\u00f6ttliche nach katholischer Auffassung geradezu leiblich anfassen. \u00c4hnlich steht es mit den Heiligenbildern. Und unter anderem zeigt sich dies auch in der besonderen Position des Papstes als des Stellvertreters Christi auf Erden.<\/p>\n<p>Ich denke, dass wir diesen Unterschied f\u00fcr heute einfach bis auf Weiteres stehen lassen m\u00fcssen \u2013 in der Hoffnung, dass die grossen christlichen Konfessionen sich dank dem \u00f6kumenischen Dialog mit der Zeit doch noch n\u00e4her kommen k\u00f6nnen. Im Moment sind wir an diesem Punkt leider in einer \u00f6kumenischen Sackgasse, obschon das Gemeinsame der Konfessionen zum Gl\u00fcck ja viel gr\u00f6sser als das Trennende ist. Versuchen wir uns an das Gemeinsame zu halten und dieses zu betonen und zu leben!<\/p>\n<p>Mein theologischer Lehrer Gerhard Ebeling schickte mir am 16. Dezember 1998 (er war damals 86 Jahre alt) eine Weihnachtskarte mit einer mittelalterlichen Buchminiatur. Auf dieser stand unter anderem:<\/p>\n<p>Lieber Herr Jehle! [&#8230;] T\u00f6richt w\u00e4re es [&#8230;], mit der \u00d6kumene erst da zu beginnen, wo wir v\u00f6llig einig sind. Es gilt einander zu verstehen und zu lieben \u2013 Christen und Nichtchristen \u2013, auch wenn man gestehen muss, nicht einverstanden zu sein.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Ist das nicht bedenkenswert?<\/p>\n<p>Am Schluss meiner Predigt m\u00f6chte ich aber noch etwas anderes aufgreifen: \u201eAllein Christus\u201c \u2013 bedeutet diese Formel, dass nur Angeh\u00f6rige des Christentums \u2013 bewusste Christinnen und Christen \u2013 selig werden k\u00f6nnen? Gelegentlich wird dies so ausgelegt. Solche Predigten habe ich schon geh\u00f6rt. Juden und Angeh\u00f6rige anderer Religionen w\u00e4ren in diesem Fall ausgeschlossen vom Heil. Liebe Gemeinde! Aus diesem Grund habe ich als Schriftlesung des heutigen Gottesdienstes den Christushymnus im ersten Kapitel des Kolosserbriefs gew\u00e4hlt. Christus \u00a0wird dort \u00fcberschw\u00e4nglich als der kosmische Christus angerufen. Auch dort, wo sein Name unbekannt ist, ist er in einer geheimnisvollen Weise wirksam und gegenw\u00e4rtig. H\u00f6ren wir noch einmal:<\/p>\n<p>\u201eDenn es gefiel Gott, seine ganze F\u00fclle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn das All zu vers\u00f6hnen auf ihn hin, indem er Frieden schuf durch ihn, durch das Blut seines Kreuzes, f\u00fcr alle Wesen, ob auf Erden oder im Himmel.\u201c<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zwar nicht die Allvers\u00f6hnung lehren (wie die grosse St. Gallerin Anna Schlatter vor zweihundert Jahren es tat). Das Recht dazu habe ich nicht. Ich denke aber, dass wir darauf hoffen d\u00fcrfen, dass Christus, von dem der Hymnus im Kolosserbrief singt, dass alles im Himmel und auf Erden durch ihn und auf ihn hin geschaffen worden sei, Mittel und Wege finden kann, auch Menschen zu erl\u00f6sen, die seinen Namen nicht kennen oder nur in einer verzerrten Form kennen lernen konnten. Lasst uns f\u00fcr alle Menschen \u2013 in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft \u2013 im Namen Jesu Christi beten! Das w\u00e4re f\u00fcr mich eine wichtige Schlussfolgerung aus dem reformatorischen Grundsatz \u201eAllein [Jesus] Christus\u201c. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel!<\/p>\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Lied 277,1\u20134: \u201eHalt im Ged\u00e4chtnis Jesum Christ.\u201c<\/p>\n<p>Mitteilungen<\/p>\n<p>Lied 554,6: \u201eDer du allein der Ewge heisst.\u201c<\/p>\n<p>Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p>erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n<p>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen<\/p>\n<p>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p>Gott segne euch und beh\u00fcte euch. Gott lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber euch und sei euch gn\u00e4dig. Gott wende euch sein Antlitz zu gebe euch und auch mir Frieden. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Grosse Frauen der Christenheit, S. 71 f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> St. Galler Katechismus, S. 66.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> A. a. O., S. 67.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweites_Vatikanisches_Konzil\">Zweites Vatikanisches Konzil<\/a>, Dogmatische Konstitution \u00fcber die Kirche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lumen_Gentium\">Lumen Gentium<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.uibk.ac.at\/theol\/leseraum\/texte\/238.html#83\">Art. 60 und 61<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/806C313B-57D6-4D87-BBAF-82494C43A8C8#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Gerhard Ebeling nach Frank Jehle: Von Johannes auf Patmos bis zu Karl Barth. Theologische Arbeiten aus zwei Jahrzehnten. Herausgegeben von Adrian Schenker und Marianne Jehle-Wildberger. Z\u00fcrich 2015, S. 284.<\/p>\n<p><em>Hinweis: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2021 erscheint unter dem Titel &#8222;Verk\u00fcndigung ist kein Monolog: Kunst- und Themapredigten f\u00fcr heute&#8220;\u00a0ein Predigtband mit Kunstpredigten von Frank Jehle beim TVZ.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein Christus\u201c | in St. Laurenzen am 15. April 2018 | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. | Musik Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. 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