{"id":3288,"date":"2018-07-01T08:00:51","date_gmt":"2018-07-01T06:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3288"},"modified":"2020-08-28T11:53:08","modified_gmt":"2020-08-28T09:53:08","slug":"allein-der-glaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/allein-der-glaube\/","title":{"rendered":"Allein der Glaube"},"content":{"rendered":"<h3>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein der Glaube\u201c in St. Laurenzen | am 1. Juli 2018 | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. |<\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.<\/p>\n<p>\u201eGlaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!\u201c (Jes 7,9)<\/p>\n<p>\u201eDurch Stillesein und Hoffen w\u00fcrdet ihr stark sein.\u201c (Jes 30,15 Lutherbibel)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Zu diesem Gottesdienst mitten im Hochsommer begr\u00fcsse ich alle herzlich. Offenbar sind doch nicht alle in die Ferien in die Berge oder ans Meer gefahren. Der heute Gottesdienst ist der vierte und letzte in einer Reihe \u00fcber die vier Grunds\u00e4tze der Reformation: \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201eAllein Christus\u201c und heute nun eben \u201eAllein der Glaube\u201c.<\/p>\n<p>Doch lasst uns vorerst singen und beten und auf Worte aus der Bibel h\u00f6ren. Passend zu dieser Jahreszeit singen wir zuerst aus dem Sommergesang von Paul Gerhardt.<\/p>\n<p>Lied 537,1\u20133 und 8: \u201eGeh aus mein Herz, und suche Freud.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns aufstehen und beten:<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, als deine Gemeinde stehen wir vor dir \u2013 stellvertretend auch f\u00fcr viele andere, die heute abwesend sind, vielleicht in den Ferien, vielleicht aber auch beruflich t\u00e4tig oder sonst unterwegs.<\/p>\n<p>\u201eAllein der Glaube\u201c ist heute das Predigtthema. Gerne gestehen wir: Wir m\u00f6chten glauben k\u00f6nnen. Wir suchen und sehnen uns nach Halt im Leben. Wir m\u00f6chten nicht an der Oberfl\u00e4che kleben bleiben. Aber vieles hindert uns, zum Teil Nebens\u00e4chliches, das wir oft viel zu wichtig nehmen, zum Teil aber auch Ernsthaftes, es sei hausgemacht, oder es stosse uns von aussen zu.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, lass uns das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden. Mit dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr m\u00f6chten wir sagen:<\/p>\n<p>Gott, schenke mir Gelassenheit,<\/p>\n<p>das hinzunehmen, was ich nicht \u00e4ndern kann,<\/p>\n<p>Mut, das zu \u00e4ndern, was ich \u00e4ndern kann,<\/p>\n<p>und Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, noch einmal sagen wir: Wir m\u00f6chten glauben k\u00f6nnen, Vertrauen zu dir fassen, uns in dir und deiner Liebe bergen.<\/p>\n<p>Wir legen jetzt pers\u00f6nliche Gedanken vor dich hin.<\/p>\n<p>Grosser und guter Gott, wir danken dir daf\u00fcr, dass du f\u00fcr uns und f\u00fcr alle da bist. Amen.<\/p>\n<p>Als Schriftlesung h\u00f6ren wir Psalm 23, in dem, was die Bibel mit dem Wort \u201eGlaube\u201c nennt, in bleibender Art zusammengefasst ist:<\/p>\n<p>\u201e1 Ein Psalm Davids.<\/p>\n<p>Der HERR ist mein Hirt, mir mangelt nichts,<\/p>\n<p>2 er weidet mich auf gr\u00fcnen Auen.<\/p>\n<p>Zur Ruhe am Wasser f\u00fchrt er mich,<\/p>\n<p>3 neues Leben gibt er mir.<\/p>\n<p>Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit<\/p>\n<p>um seines Namens willen.<\/p>\n<p>4 Wandere ich auch im finstern Tal,<\/p>\n<p>f\u00fcrchte ich kein Unheil,<\/p>\n<p>denn du bist bei mir,<\/p>\n<p>dein Stecken und dein Stab,<\/p>\n<p>sie tr\u00f6sten mich.<\/p>\n<p>5 Du deckst mir den Tisch<\/p>\n<p>im Angesicht meiner Feinde.<\/p>\n<p>Du salbst mein Haupt mit \u00d6l,<\/p>\n<p>\u00fcbervoll ist mein Becher.<\/p>\n<p>6 G\u00fcte und Gnade werden mir folgen<\/p>\n<p>alle meine Tage,<\/p>\n<p>und ich werde zur\u00fcckkehren ins Haus des HERRN<\/p>\n<p>mein Leben lang.\u201c<\/p>\n<p>So weit Psalm 23. Selig sind, die Gottes Wort h\u00f6ren und bewahren. Amen.<\/p>\n<p>Lied 681,1\u20133 und 7: \u201eWer nur den lieben Gott l\u00e4sst walten.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Meine Predigt \u00fcber den vierten Grundsatz der Reformation und des Protestantismus \u201eAllein der Glaube\u201c beginne ich mit einem R\u00fcckblick auf den September des Jahres 1522. Damals erschien in Wittenberg die im deutschsprachigen Raum erfolgreichste und einflussreichste Buchpublikation jener Zeit: Martin Luthers \u00dcbersetzung des Neuen Testaments. Deutsche Bibel\u00fcbersetzungen gab es zwar schon im Mittelalter. Es war dies aber das erste Mal, dass jemand das Neue Testament nicht aus dem Lateinischen, sondern aus der griechischen Originalsprache ins Deutsche \u00fcbersetzte. Und Luther machte es erst noch gut! Wie er sp\u00e4ter selber sagte: Er hatte dem Volk aufs Maul geschaut. Sein Neues Testament sollte verst\u00e4ndlich und lesbar sein. Und das war es auch.<\/p>\n<p>In diesem Neuen Testament steht nat\u00fcrlich auch der R\u00f6merbrief des Apostels Paulus. Und hier wurde Vers 28 des dritten Kapitels von Luther folgendermassen \u00fcbersetzt:<\/p>\n<p>\u201eSo halten wir nun daf\u00fcr, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.\u201c (Lutherbibel von 1912)<\/p>\n<p>\u201eAllein durch den Glauben\u201c \u2013 Sie haben es geh\u00f6rt. Es ist dies eine Aussage, die bis zum heutigen Tag f\u00fcr den Protestantismus typisch geblieben ist. \u201eAllein durch den Glauben\u201c, das bedeutete und bedeutet bis heute in den Ohren vieler eine riesige Befreiung. Wenn ich gerettet werden beziehungsweise selig werden will \u2013 weltlicher formuliert: wenn es mit mir gut herauskommen soll, wenn mein Leben und Sterben gelingen soll \u2013, dann muss ich demnach nicht einen mehr oder weniger langen Pflichtenkatalog erf\u00fcllen: religi\u00f6s gesprochen, fasten, beichten, wallfahren, gute Werke tun usw.; ganz allgemein gesprochen, gr\u00f6ssere oder kleinere Leistungen erbringen, und dies oft verbunden mit der bangen Furcht, was immer ich auch tue, es sei immer noch nicht genug, ich k\u00f6nne den an mich gestellten Anforderungen trotz allem, was ich tue, nicht gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Es war besonders auch der junge Luther selbst, der jahrelang, obwohl er wegen seines frommen Lebenswandels ein viel bewunderter M\u00f6nch gewesen war, darunter gelitten hatte, dass es ihm nicht m\u00f6glich war, die von ihm selbst gesetzten Ideale zu erreichen.<\/p>\n<p>In einem seiner Lieder sagte Luther das Folgende dazu:<\/p>\n<p>\u201eDem Teufel ich gefangen lag;<\/p>\n<p>im Tod war ich verloren;<\/p>\n<p>mein S\u00fcnd mich qu\u00e4lte Nacht und Tag,<\/p>\n<p>darin ich war geboren.<\/p>\n<p>Ich fiel auch immer tiefer drein;<\/p>\n<p>es war nichts gut am Leben mein;<\/p>\n<p>die S\u00fcnd hatt\u2019 mich besessen.<\/p>\n<p>Mein guten Werk, die galten nicht,<\/p>\n<p>mit ihnen war\u2019s verdorben;<\/p>\n<p>der frei Will hasste Gotts Gericht,<\/p>\n<p>er war zum Gut\u2019n erstorben.<\/p>\n<p>Die Angst mich zu verzweifeln trieb,<\/p>\n<p>dass nichts denn Sterben bei mir blieb;<\/p>\n<p>zur H\u00f6lle musst ich sinken.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, Luther hat etwas dramatisiert! Die beiden Strophen t\u00f6nen niederschmetternd. Aber sein Lied ist noch nicht zu Ende! H\u00f6ren wir, wie es weitergeht:<\/p>\n<p>\u201eDa jammert\u2019 Gott in Ewigkeit<\/p>\n<p>mein Elend \u00fcbermassen;<\/p>\n<p>er dacht an sein Barmherzigkeit,<\/p>\n<p>er wollt mir helfen lassen.<\/p>\n<p>Er wandt zu mir das Vaterherz [&#8230;].\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Luther gibt dann eine ganze Nacherz\u00e4hlung des neutestamentlichen Heilsgeschehens: Gott schickt seinen Sohn Jesus Christus und mit ihm das Heil. Es geht wirklich nur darum, es im Glauben zu ergreifen. \u201eAllein aus Glauben!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Dank dieser Erinnerung an Luther k\u00f6nnen wir uns gut vorstellen, wie befreiend der Grundsatz \u201eAllein der Glaube\u201c auf viele wirkte. Aber es gab auch heftige Kritik! Zun\u00e4chst eine \u00e4usserliche: Der Ingolst\u00e4dter Professor Dr. Johannes Eck, der theologisch wichtigste, weil gescheiteste Gegner Luthers, machte darauf aufmerksam: Luther habe bei seiner Bibel\u00fcbersetzung den Text verbogen oder sogar gef\u00e4lscht, das Wort \u201eallein\u201c fehle in der griechischen Originalfassung, buchst\u00e4blich-w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt stehe dort bloss \u2013 wie in der heutigen Z\u00fcrcher Bibel:<\/p>\n<p>\u201eDenn wir halten fest: Gerecht wird ein Mensch durch den Glauben, unabh\u00e4ngig von den Taten, die das Gesetz fordert.\u201c<\/p>\n<p>Formaljuristisch betrachtet hatte Dr. Eck Recht. Aber auch r\u00f6misch-katholische Fachleute f\u00fcr das Neue Testament sagen heute \u2013 zum Beispiel der seinerzeit hoch angesehene M\u00fcnchener Professor Otto Kuss (1905\u20131991): Sachlich habe Luther den Text trotzdem richtig \u00fcbersetzt. Wenn der Apostel Paulus deutsch geschrieben h\u00e4tte, dann h\u00e4tte auch er \u201eallein durch den Glauben\u201c formuliert.<\/p>\n<p>Aber nicht mehr zum Formalen, sondern zum Inhaltlichen: Von vielen wird h\u00e4ufig eingewandt: Der Grundsatz \u201eAllein der Glaube\u201c sei zu billig, und er verleite die Menschen dazu, unverantwortlich und leichtfertig zu leben.<\/p>\n<p>Bereits in der Reformationszeit wurde beobachtet, dass dank des Grundsatzes \u201eAllein der Glaube\u201c manche Gemeindeglieder verantwortungslos und leichtfertig wurden. Der \u2013 wenn ich so sagen darf \u2013 Pegelstand der Sittlichkeit nahm bei manchen Protestanten ab. Wenn man ja eh in den Himmel komme, sagten viele, dann er\u00fcbrige sich eine ethisch hoch stehende Lebenshaltung.<\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert war es besonders Dietrich Bonhoeffer, der dem Protestantismus seiner Zeit vorwarf, den Grundsatz \u201eAllein der Glaube\u201c \u00fcberzubetonen beziehungsweise falsch zu verstehen. Aus diesem Grund diagnostizierte Bonhoeffer, dass man sich vielerorts in der lutherischen Kirche zu wenig engagiert gegen den Nationalsozialismus wehrte. In seinem Buch \u201eNachfolge\u201c von 1937 nannte er die \u201ebillige Gnade\u201c den \u201eTodfeind unserer Kirche\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Es sei ein verh\u00e4ngnisvolles Missverst\u00e4ndnis der Lehre Luthers, wenn man meine, mit dem Grundsatz \u201eAllein der Glaube\u201c habe der Reformator die Menschen vom \u201cGehorsam gegen das Gebot Jesu in der Welt\u201c dispensieren wollen, wie wenn seine reformatorische Entdeckung in der \u201eHeiligsprechung\u201c und \u201eRechtfertigung\u201c der Welt (und nicht der Glaubenden) bestanden h\u00e4tte.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Glaube und Gehorsam geh\u00f6rten f\u00fcr Bonhoeffer untrennbar zusammen. Ber\u00fchmt wurden seine zwei seither viel zitierten Thesen: \u201eNur der Gehorsame glaubt\u201c und \u201eNur der Glaubende ist gehorsam\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Nun, was sagen wir heute dazu? Im letzten Teil meiner Predigt kann ich nur kurz das Folgende ausf\u00fchren: \u201eAllein der Glaube\u201c \u2013 es kommt ganz darauf an, was mit dem Wort \u201eGlaube\u201c gemeint ist. In unserer Alltagssprache kommt es mit verschiedenen Bedeutungen vor: \u201eIch glaube, morgen gibt es Regenwetter.\u201c In diesem Fall meint die Vokabel \u201eglauben\u201c: \u201eEs kann so sein, aber ich bin nicht ganz sicher.\u201c Oder: \u201eIch glaube, dass die Erde eine Kugel ist.\u201c In diesem Fall ist mit \u201eglauben\u201c \u201ef\u00fcr-wahr-halten\u201c gemeint. Und dann versteht es sich wohl von selbst: Ein derartiger Glaube gen\u00fcgt sicher nicht, um gerettet oder selig zu werden.<\/p>\n<p>Wenn wir uns in der Bibel \u00fcber das Wort \u201eglauben\u201c informieren, stellen wir etwas v\u00f6llig anderes fest. Auf Hebr\u00e4isch heisst das Wort, das wir in der Regel mit \u201eglauben\u201c zu \u00fcbersetzen pflegen, \u201eh\u00e4\u00e4min\u201c. Wie alle religi\u00f6sen W\u00f6rter stammt es aus der Alltagssprache und ist zun\u00e4chst v\u00f6llig unreligi\u00f6s. Und hier bedeutet es ganz schlicht \u201estill sein\u201c oder \u201edie Ruhe bewahren\u201c. \u201eGlaube\u201c hat hier also nichts mit dem Verstand zu tun, sondern ist eine Lebenshaltung.<\/p>\n<p>Als Eingangsworte zu diesem Gottesdienst h\u00f6rten wir zwei Wortes des Propheten Jesaja: \u201eGlaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!\u201c \u201eDurch Stillesein und Hoffen w\u00fcrdet ihr stark sein.\u201c Es sind dies grosse und bleibende Verse aus dem Alten Testament. Noch einmal: \u201eGlaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!\u201c Der Prophet Jesaja wollte mit diesem Satz K\u00f6nig Achas in einer politisch \u00e4usserst schwierigen Situation Mut zusprechen. Es bestand die reale Gefahr, dass Jerusalem von einem feindlichen Heer belagert und am Ende eingenommen w\u00fcrde. \u201eGlaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!\u201c Gem\u00e4ss diesem Satz musste der K\u00f6nig nicht \u2013 im Sinne von f\u00fcr-wahr-halten \u2013 irgendetwas glauben. Sondern er wurde dazu aufgerufen, still zu bleiben und ruhig zu sein. Er sollte nicht die Nerven verlieren, sondern sich in seinem und im Gott seiner V\u00e4ter bergen.<\/p>\n<p>Ein Kommentator des Buches Jesaja hat es so umschrieben: Nicht das stehe zur Diskussion, ob Achas im intellektuellen Sinn an den Gott seiner V\u00e4ter glaube \u2013 der K\u00f6nig sei ja \u201egewiss nicht G\u00f6tzendiener oder Atheist gewesen\u201c, im intellektuellen Sinn eines F\u00fcr-wahr-Haltens habe er ohnehin an Gott geglaubt \u2013, sondern das \u201eGewicht des Aufrufs\u201c des Propheten Jesaja liege einzig und allein darauf, dass der K\u00f6nig sich in der bedrohlichen Situation als ein Mensch bew\u00e4hren solle, als ein Mensch, \u201eder Ruhe, Vertrauen, Zuversicht\u201c bewahre.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Glaube sei \u2013 diese Formulierung muss man sich gut merken \u2013 noch einmal: Glaube sei die \u201eHaltung zuversichtlichen Vertrauens, das im Wissen um Gott und seine Verheissung seinen Grund hat\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Denn der biblische Gott hat seit den Tagen Noahs und Abrahams immer neu Heil verheissen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Hier w\u00e4re nat\u00fcrlich noch viel zu sagen, und man m\u00fcsste dar\u00fcber diskutieren. Noch einmal zum Grundsatz der Reformation \u201eAllein der Glaube\u201c beziehungsweise \u201eallein durch den Glauben\u201c: Wenn Glaube im biblischen Sinn als eine Haltung des ganzen Menschen, nicht nur das Verstandes, sondern auch des Willens und des Gef\u00fchls zu verstehen ist, dann kann man den Satz des Apostels Paulus \u201eSo halten wir nun daf\u00fcr, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben\u201c unm\u00f6glich in einem ethisch leichtfertigen Sinn missverstehen und missbrauchen. Sondern, ein solcher Glaube hat unwillk\u00fcrlich Folgen f\u00fcr die Lebenspraxis. Wer im biblischen Sinn glaubt ist von Gott ergriffen und in Anspruch genommen. \u201eIn den Glauben ist das Tun zum vornherein integriert.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u201eGlauben meint: es wagen, seine Sache ganz auf Gott zu stellen, und dann zuversichtlich einer Wirklichkeit begegnen, die durchaus Anlass zum F\u00fcrchten geben k\u00f6nnte. Glaubenss\u00e4tze sind [&#8230;] nicht einfach ewige Wahrheiten, \u00fcber die man sich tiefsinnige Gedanken machen kann, sondern Wahrheiten, durch die der Mensch in konkreten Situationen zur Bew\u00e4hrung herausgefordert ist.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Die guten Werke sind nicht Bedingung f\u00fcr das Heil, wohl aber Folgen und Fr\u00fcchte des Heils, das uns in Jesus Christus in einer wunderbaren Weise er\u00f6ffnet und geschenkt wird. Und ein weiterer zentraler Aspekt: Besonders das Neue Testament betont, dass der Glaube in diesem, seinem urspr\u00fcnglichen hebr\u00e4ischen Sinn nicht ein Menschenwerk ist. Wie es im Galaterbrief des Apostels Paulus heisst: \u201eDer Glaube kam.\u201c (Gal 3,23) Eberhard J\u00fcngel in T\u00fcbingen, der m\u00f6glicherweise bedeutendste lebende evangelische Theologe, sagt, der Glaube d\u00fcrfe nicht \u201eals menschliches Verm\u00f6gen, sondern als ein zum Menschen kommendes Heilsereignis\u201c begriffen werden. Und ganz wichtig sei, dass der Mensch nicht mit dem Verstand glaube, sondern \u201emit dem Herzen\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Doch lasst uns zum Lutherlied zur\u00fcckkehren, aus dem wir heute schon zweimal zitierten:<\/p>\n<p>\u201eEr sprach zu seinem lieben Sohn:<\/p>\n<p>Die Zeit ist hie zu erbarmen.<\/p>\n<p>Fahr hin, meins Herzens werte Kron,<\/p>\n<p>und sei das Heil dem Armen<\/p>\n<p>und hilf ihm aus der S\u00fcnden Not;<\/p>\n<p>erw\u00fcrg f\u00fcr ihn den bittern Tod<\/p>\n<p>und lass ihn mit dir leben.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Damit k\u00e4men wir, wenn wir Zeit h\u00e4tten, zum Thema der fr\u00fcheren Predigten \u00fcber \u201eAllein die Gnade\u201c und \u201eAllein Christus\u201c zur\u00fcck. Doch lassen wir das!<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen und mir einen sch\u00f6nen Sonntag und eine gute neue Woche. Noch einmal mit dem zweiten der starken Worte des Propheten Jesaja: \u201eDurch Stillesein und Hoffen w\u00fcrdet ihr stark sein.\u201c (Jes 30,15 Lutherbibel von 1912) Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel!<\/p>\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Lied 273,1\u20135: Nun freut euch, lieben Christen gmein.\u201c<\/p>\n<p>Mitteilungen<\/p>\n<p>Lied 537,14: \u201eMach in mir deinem Geiste Raum.\u201c<\/p>\n<p>Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p>erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n<p>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen<\/p>\n<p>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p>Gott segne euch und beh\u00fcte euch. Gott lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber euch und sei euch gn\u00e4dig. Gott wende euch sein Antlitz zu gebe euch und auch mir Frieden. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Basel und Z\u00fcrich 1998, 273,2\u20133.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebenda, 4.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge. M\u00fcnchen <sup>7<\/sup>1961, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> A. a. O., S. 19f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> A. a. O., S. 35.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Hans Wildberger in: Theologisches Handw\u00f6rterbuch zum Alten Testament 1. M\u00fcnchen und Z\u00fcrich 1971, Sp. 190f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> A. a. O., Sp. 192.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hans Wildberger nach Frank Jehle: Hans Wildberger (1910\u20131986). Eine theologische Biographie. Z\u00fcrich 2015, S. 121.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><\/a>\u00a0[9] Hans Wildberger nach a. a. O., S. 163.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Eberhard J\u00fcngel in RGG, Band 3, T\u00fcbingen <sup>4<\/sup>2000, Sp. 954.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/61DD07F2-9BEB-4064-87F9-07257D2B854A#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Basel und Z\u00fcrich 1998, 273,5.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Hinweis: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2021 erscheint unter dem Titel &#8222;Verk\u00fcndigung ist kein Monolog: Kunst- und Themapredigten f\u00fcr heute&#8220;\u00a0ein Predigtband mit Kunstpredigten von Frank Jehle beim TVZ.<\/em><\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein der Glaube\u201c in St. Laurenzen | am 1. Juli 2018 | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. | \u00a0 Musik Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. \u201eGlaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!\u201c (Jes 7,9) \u201eDurch Stillesein und Hoffen w\u00fcrdet [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2226,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,157,120,114,507,296,109,126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3288","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-frank-jehle","category-predigt-ohne-spez-bibelstelle","category-predigten","category-predigtreihen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3288"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3288\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3297,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3288\/revisions\/3297"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3288"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3288"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3288"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3288"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}