{"id":3292,"date":"2018-01-28T08:00:56","date_gmt":"2018-01-28T07:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3292"},"modified":"2020-08-28T11:54:49","modified_gmt":"2020-08-28T09:54:49","slug":"allein-aus-gnade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/allein-aus-gnade\/","title":{"rendered":"Allein aus Gnade"},"content":{"rendered":"<h3>Gottesdienst in St. Laurenzen | am Sonntag, 28. Januar 2018 | \u201eAllein aus Gnade.\u201c | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. |<\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.<\/p>\n<p>Der Apostel spricht: \u201eAus Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.\u201c Amen<\/p>\n<p>Mit diesem Wort des Apostels Paulus begr\u00fcsse ich alle herzlich. Ich w\u00fcnsche uns einen sch\u00f6nen Sonntag und einen guten Gottesdienst. \u201eAus Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.\u201c Mit diesem Satz habe ich unser heutiges Thema bereits eingeleitet. Und zwar verh\u00e4lt es sich so: In meinem Kalender habe ich nachgeschaut: In der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2018 werde ich hier in St. Laurenzen viermal predigen. Viermal eine Predigt! Die Zahl vier hat mich dazu angeregt, die ber\u00fchmten Grunds\u00e4tze der Reformation als Thema zu nehmen: \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201eAllein Jesus Christus\u201c und \u201eAllein der Glaube\u201c. Und heute fange ich also mit \u201eAllein die Gnade\u201c an, \u201esola gratia\u201c auf Lateinisch.<\/p>\n<p>Doch lasst und vorerst singen und beten und auf Worte aus der Bibel h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Lied 557,1 und 4\u20136: \u201eAll Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und grosse Treu.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns aufstehen und beten.<\/p>\n<p>Wir beten mit Worten des M\u00f6nchs Serapion, der im 4. Jahrhundert als Einsiedler in der \u00e4gyptischen W\u00fcste lebte, sp\u00e4ter Bischof in Unter\u00e4gypten wurde.<\/p>\n<p>Vater Jesu Christi,<\/p>\n<p>Herrscher \u00fcber das All,<\/p>\n<p>Sch\u00f6pfer allen Lebens und aller Dinge,<\/p>\n<p>wir beten dich an.<\/p>\n<p>Nach dir strecken wir unsere H\u00e4nde aus,<\/p>\n<p>zu dir erheben wir unseren Geist und bitten dich:<\/p>\n<p>Erbarme dich unser, schenke uns Vergebung,<\/p>\n<p>sei uns gn\u00e4dig und f\u00fchre uns zur Umkehr.<\/p>\n<p>Lass uns wachsen in den Tugenden,<\/p>\n<p>im Glauben und in der Erkenntnis.<\/p>\n<p>Schau auf uns, Herr:<\/p>\n<p>Unsere Schwachheit tragen wir vor dich;<\/p>\n<p>sei uns gn\u00e4dig und erbarme dich unser aller,<\/p>\n<p>die wir in Gemeinschaft vor dir stehen.<\/p>\n<p>Erbarme dich unseres Volkes,<\/p>\n<p>segne es, mache es friedfertig,<\/p>\n<p>lass es leben in M\u00e4ssigung und Lauterkeit.<\/p>\n<p>Wir bitten ich: Sende deinen heiligen Geist,<\/p>\n<p>um unsern Verstand zu erleuchten;<\/p>\n<p>hilf uns, das Wort Gottes zu verstehen<\/p>\n<p>und es in Ehrfurcht und Klarheit auszulegen,<\/p>\n<p>damit es allen hier Versammelten zu gute komme.<\/p>\n<p>In der Stille legen wir unsere pers\u00f6nlichen Anliegen vor ich hin: &#8230;<\/p>\n<p>Vater Jesu Christi,<\/p>\n<p>Herrscher \u00fcber das All,<\/p>\n<p>Sch\u00f6pfer allen Lebens und aller Dinge,<\/p>\n<p>wir rufen dich an<\/p>\n<p>durch deinen Sohn Jesus Christus<\/p>\n<p>und in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist,<\/p>\n<p>durch den dir die Kraft und die Herrlichkeit geb\u00fchrt,<\/p>\n<p>jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Lesung von 1. Kor. 15,1\u201311:<\/p>\n<p><em>1 Ich tue euch, liebe Br\u00fcder und Schwestern, das Evangelium kund, das ich euch verk\u00fcndigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,<\/em><\/p>\n<p><em>2 durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr es genau so festhaltet, wie ich es euch verk\u00fcndigt habe &#8211; wenn nicht, w\u00e4rt ihr umsonst zum Glauben gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>3 Denn ich habe euch vor allen Dingen weitergegeben, was auch ich empfangen habe:<\/em><\/p>\n<p><em>dass Christus gestorben ist f\u00fcr unsere S\u00fcnden gem\u00e4ss den Schriften,<\/em><\/p>\n<p><em>4 dass er begraben wurde,<\/em><\/p>\n<p><em>dass er am dritten Tage auferweckt worden ist gem\u00e4ss den Schriften<\/em><\/p>\n<p><em>5 und dass er Kefas [d. h. Petrus] erschien und dann den Zw\u00f6lfen.<\/em><\/p>\n<p><em>6 Danach erschien er mehr als f\u00fcnfhundert Br\u00fcdern auf einmal, von denen die meisten noch leben, einige aber entschlafen sind.<\/em><\/p>\n<p><em>7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.<\/em><\/p>\n<p><em>8 Zuallerletzt aber ist er auch mir erschienen, mir, der Missgeburt.<\/em><\/p>\n<p><em>9 Ich bin n\u00e4mlich der geringste unter den Aposteln, der es nicht wert ist, Apostel genannt zu werden, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.<\/em><\/p>\n<p><em>10 Durch Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben; nein, mehr als sie alle habe ich gearbeitet, doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.<\/em><\/p>\n<p><em>11 Ob nun ich oder jene: So verk\u00fcndigen wir, und so seid ihr zum Glauben gekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>So weit unsere Lesung. Selig sind, die das Wort Gottes h\u00f6ren und bewahren. Amen.<\/em><\/p>\n<p>Lied 237,1\u20135: \u201eNun preiset alle Gottes Barmherzigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eAllein die Gnade\u201c, \u201esola gratia\u201c. \u201eDurch Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.\u201c Den Bibeltext, dem ich das Eingangswort entnommen habe, haben wir geh\u00f6rt. Bevor ich darauf eingehe, etwas anderes: In diesem Jahr feiert die ganze protestantische Welt zw\u00f6lf Monate lang das Reformationsjubil\u00e4um, daher Predigten \u00fcber die vier Grunds\u00e4tze: \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201eAllein Jesus Christus\u201c und \u201eAllein der Glaube\u201c. Ich halte es f\u00fcr richtig, dieses Jubil\u00e4um zu begehen. Es leitet uns dazu an, uns \u00fcber das Grunds\u00e4tzliche und Bleibende unseres Glaubens zu besinnen. Was ich gelegentlich \u00fcber das Reformationsjubil\u00e4um lese oder h\u00f6re, macht mir aber auch Stirnrunzeln. Manchmal \u2013 wenn gl\u00fccklicherweise auch nicht immer \u2013 schwingt protestantische Selbstgerechtigkeit mit. \u201eGott sei Dank, dass wir nicht katholisch sind!\u201c So geht es selbstverst\u00e4ndlich nicht. Es gibt genug beeindruckende Christinnen und Christen in der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Und in unserer eigenen gibt es ja auch deutliche und weniger deutliche Schwachstellen, \u00fcber ich heute allerdings schweigen will.<\/p>\n<p>Behaltenswertes habe ich in Predigten des jungen Karl Barth gefunden, der ab 1911 Pfarrer in Safenwil im Kanton Aargau war. Am Reformationssonntag 1911 \u2013 kaum war er als blutjunger Pfarrer (25j\u00e4hrig) eingesetzt worden \u2013, sagte er in seiner Predigt zum Reformationssonntag:<\/p>\n<p><em>\u201eNicht darauf k\u00f6nnen wir es bei dieser Ged\u00e4chtnisfeier abgesehen haben, in unseren Gedanken und Worten Krieg zu f\u00fchren gegen Andersdenkende, gegen unsere Mitchristen von der r\u00f6misch-katholischen Kirche.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Die Glocken in einem katholischen Nachbardorf seien \u201euns \u00fcbers Tal und die Grenze hin\u00fcber\u201c ein Zeichen daf\u00fcr, dass \u201eauch dort Gott gesucht und gefunden\u201c werde.<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Und in einer Predigt nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 lobte er den Aufruf von Papst Pius X. zum Gebet f\u00fcr den Weltfrieden als einen \u201eLichtblick\u201c, w\u00f6rtlich:<\/p>\n<p><em>\u201e[Es] war die Stimme eines Kindes im Gewitter, so macht- und erfolglos, und doch leider der einzige Lichtpunkt: doch eine Stimme wenigstens, die nicht die Stimme eines K\u00e4mpfers war, die von einem Standort \u00fcber den Parteien auf etwas H\u00f6heres <\/em>hinwies.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Dazu muss man wissen, dass besonders in Deutschland einige protestantische Kirchenf\u00fchrer \u2013 und in Frankreich der Erzbischof von Paris \u2013 sich f\u00fcr den Krieg ausgesprochen hatten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Thema \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201esola gratia\u201c. In meinen Predigten zu den drei anderen der vier Grunds\u00e4tze der Reformation \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201eAllein Jesus Christus\u201c und \u201eallein der Glaube\u201c werde ich teilweise etwas anderes sagen m\u00fcssen. Bei \u201eAllein die Gnade\u201c darf ich aber sagen, dass dieser Grundsatz genau genommen zwischen den Konfessionen nicht kontrovers ist. Auch die beiden bedeutendsten lateinisch schreibenden Theologen der r\u00f6misch-katholischen Kirche, Augustinus und Thomas von Aquin, haben das Gleiche gesagt. Und lassen Sie mich \u2013 es ist dies der Schwerpunkt der heutigen Predigt \u2013 von Katharina von Siena erz\u00e4hlen, einer der gr\u00f6ssten Frauen des Sp\u00e4tmittelalters. In Rom wurde sie heilig gesprochen, also offiziell anerkannt. Seit 1866 gilt sie innerhalb der katholischen Kirche als die Schutzpatronin Roms, seit 1933 als die Patronin von ganz Italien. Im Jahr 1971 hat Papst Paul VI. sie zusammen mit Therese von Avila sogar zur Kirchenlehrerin ernannt \u2013 ein Ehrentitel, der vorher ausschliesslich f\u00fcr M\u00e4nner verwendet worden war.<\/p>\n<p>Ich muss mich nat\u00fcrlich kurz fassen. Katharina lebte 1347\u20131380. Sie war Mitglied des dritten Ordens des heiligen Dominikus. Ber\u00fchmt ist sie unter anderem darum, weil sie es sogar wagte, P\u00e4pste zur Ordnung zu rufen. Dem damals in Avignon residierenden Papst schrieb sie:<\/p>\n<p><em>\u201eIch, an Eurer Stelle, bef\u00fcrchtete, dass das g\u00f6ttliche Gericht \u00fcber mich k\u00e4me. Und darum bitte ich Euch flehentlich im Namen Christi des Gekreuzigten, dem Willen Gottes gehorsam zu sein. Handelt so, dass ich nicht bei Christus dem Gekreuzigten Beschwerde gegen Euch einlegen muss.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Als sie pers\u00f6nlich vor diesem Papst stand, sagte sie:<\/p>\n<p><em>\u201eIch bekenne furchtlos, da es um die Ehre des allm\u00e4chtigen Gottes geht, dass die S\u00fcnden des P\u00e4pstlichen Hofes [von Avignon] bis nach Siena stinken, von wo ich herkomme, und mir noch dort mehr Ekel einjagen als den Leuten hier, die sich mit ihnen besudelt haben [&#8230;].\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a> \u201eEinen anderen Wunsch kenne ich in diesem Leben nicht, als die Ehre Gottes, Euren [des Papstes] Frieden und die Erneuerung der heiligen Kirche zu erleben.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Es war dies eine Art Reformation vor der Reformation. Doch zur\u00fcck zu \u201eallein die Gnade\u201c: Katharina, deren Lebensgeschichte ich jetzt nicht ausbreiten kann, wirkte auch als Krankenpflegerin und Seelsorgerin. Sie war vision\u00e4r veranlagt, und in einer Christusvision sagte ihr dieser, es sei falsch, sich ganz von der Welt zur\u00fcckzuziehen und nur dem Gebet zu leben.<\/p>\n<p><em>\u201eDu sollst nicht nur dir selber n\u00fctzlich sein, nein, auch den anderen, auch daf\u00fcr gebe ich dir ja meine Gnade. Ich will dich doch nicht von mir wegschicken; im Gegenteil, die Liebe f\u00fcr die Menschen wird dich noch fester an mich binden! Dies ist meine Absicht: du weisst, ich habe zwei Gebote der Liebe gegeben, ihr m\u00fcsst mich und eu\u00adren N\u00e4chsten lieben. [&#8230;] Ich will, dass du die Gerechtigkeit beider Gebote erf\u00fcllst. Du sollst nicht auf einem Fuss daherhinken, du sollst mit beiden F\u00fcssen ausschreiten.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ein rasanter Text! Als Seelsorgerin begleitete sie einen zum Tod verurteilten Verbrecher zum Schafott. Und nach dessen Hinrichtung sah sie in einer Vision Christus selbst, wie er den Verstorbenen bei sich aufnimmt:<\/p>\n<p><em>\u201eDarauf erschien der Gottmensch wie die helllichte Sonne. Er \u00f6ffnete seine [Seitenwunde] und nahm [das Blut des Hingerichteten] zu seinem Blut: den Funken, den er aus Gnade in seine Seele gegeben und dort verborgen hatte, nahm er in das Feuer der Gottesliebe auf. Und wie er dessen Blut und Verlangen aufnahm, so nahm er auch seine Seele und schloss sie in die offene Kammer seiner Seite, voll von Barmherzigkeit. So offenbarte er die Grundwahrheit: dass er ihn allein aus Gnade und Barmherzigkeit empfing und nicht ob irgendeines anderen Werkes. O, wie s\u00fcss und unaussprechlich war es, die G\u00fcte Gottes wahrzunehmen, die mit so grosser Zuneigung und Liebe der aus dem Leibe geschiedenen Seele harrte und das Auge der Barmherzigkeit ihr zuwandte [&#8230;].\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Die Stelle zeigt, dass man sich den Gegensatz zwischen Rom und den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen oft zu unvers\u00f6hnlich vorstellt. \u201eAllein aus Gnade\u201c ist nicht nur lutherisch (und reformiert), sondern auch, wenn man so sagen will, \u201egut katholisch\u201c.<\/p>\n<p>Martin Luther schrieb an einen seiner Mitbr\u00fcder:<\/p>\n<p><em>\u201e[&#8230;] lerne Christus kennen, und zwar den Gekreuzigten. Lerne, ihm zu lobsingen und \u2013 mitten aus der Verzweiflung \u00fcber Dich selbst heraus \u2013 zu ihm zu sprechen: \u201aDu, Herr Jesus, bist meine Gerechtigkeit, ich aber bin deine S\u00fcnde; du hast das Meine angenommen und mir das Deine geschenkt [&#8230;].\u2019\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Katharina sieht, wie der von ihr zur Hinrichtung Begleitete in die Seitenwunde Christi aufgenommen wird und braucht die von Luther oft gebrauchte Wendung \u201eallein aus Gnade\u201c. In einer andern Vision h\u00f6rte sie die \u201eewige Wahrheit\u201c (d. h. Gott) zu ihr sagen:<\/p>\n<p><em>\u201eBlicke auf jene, die \u00fcber die Br\u00fccke des gekreuzigten Christus gehen.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><strong>[9]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Diese<\/em> werden erl\u00f6st! Das Wesentliche des christlichen Glaubens \u2013 der gekreuzigte Christus selbst \u2013 ist bei Katharina und Luther derselbe.<\/p>\n<p>Zu einer weiteren \u2013 f\u00fcr heute letzten \u2013 Christusvision Katharinas: In ihren Anfangsjahren war sie noch eine Bef\u00fcrwortern des Kreuzzugsgedankens. Sie meinte, es sei n\u00f6tig, mit kriegerischen Mitteln das Heilige Grab in Jerusalem von den Ungl\u00e4ubigen zu befreien. In ihrer reifen Zeit sah sie dies neu und anders. In einer Vision erblickte sie, wie \u201edas christliche Volk und das ungl\u00e4ubige [gemeinsam] in die Seite des gekreuzigten Christus\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> eingingen. Ihr urspr\u00fcngliches Eintreten f\u00fcr einen Kreuzzug nahm sie mit dieser Vision zur\u00fcck. Ihr sehnlichster Wunsch war, dass sie \u201ein <em>jeder<\/em> vernunftbegabten Kreatur das Leben der Gnade\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> finde. Es sollte niemand verloren gehen, sondern alle die Erl\u00f6sung erlangen, die in Jesus Christus begr\u00fcndet ist. Katharina hat die sogenannte \u201eAllvers\u00f6hnung\u201c (d. h., alle Menschen werden erl\u00f6st) zwar nicht gelehrt, wohl aber darauf gehofft, weil sie zutiefst von der g\u00f6ttlichen Liebe und Barmherzigkeit gepr\u00e4gt war. Bildhaft formuliert: Sie hoffte und tr\u00e4umte davon, dass die \u201eH\u00f6lle\u201c leer sei.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! F\u00fcr heute komme ich zum Schluss meiner Predigt. \u201eAus Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.\u201c Mit diesem Satz des Apostels Paulus habe ich den Gottesdienst zum Thema \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201esola gratia\u201c angefangen, und in der Schriftlesung h\u00f6rten wir den biblischen Zusammenhang, aus dem er stammt, 1. Kor. 15, wo Paulus von seiner Bekehrung erz\u00e4hlt, aus einem Christenverfolger wurde ein Apostel Jesu Christi. Im Mittelpunkt der Predigt stand die katholische Heilige Katharina von Siena, an der wir uns das Wichtige bewusst machen k\u00f6nnen: Die Schnittmenge zwischen der r\u00f6misch-katholischen Kirche und den evangelischen Kirchen ist genau genommen viel gr\u00f6sser, als man h\u00e4ufig annimmt. Wir begehen das Reformationsjubil\u00e4um nur dann angemessen, wenn wir es nicht in einer antikatholischen Haltung feiern. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel!<\/p>\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Lied 704 (3x): \u201eO ma joie et mon esp\u00e9rance.\u201c<\/p>\n<p>Mitteilungen<\/p>\n<p>Lied 329: \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus.\u201c<\/p>\n<p>Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p>erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n<p>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen<\/p>\n<p>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p>Gott segne euch und beh\u00fcte euch. Gott lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber euch und sei euch gn\u00e4dig. Gott wende euch sein Antlitz zu gebe euch und auch mir Frieden. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Karl Barth: Predigten 1911. Z\u00fcrich, 2015, S. 361,<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Karl Barth: Predigten 1914. Z\u00fcrich, 1974, S. 436 f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Nach: Frank Jehle: Grosse Frauen der Christenheit. Freiburg (Schweiz), 1998, S. 58.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Nach: A. a. O., S. 71 f.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Nach: A. a. O., S. 69 f. (Hervorhebung von F. J.)<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Nach: Heinrich Fausel, D. Martin Luther. Leben und Werk 1483 bis 1521. M\u00fcnchen \/ Hamburg 1966. S.\u00a068.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Nach: A. a. O., S. 70.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Nach: A. a. O., S. 73.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/91DBB12E-A49A-4A6B-BFBB-F615CD83D763#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Hinweis: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2021 erscheint unter dem Titel &#8222;Verk\u00fcndigung ist kein Monolog: Kunst- und Themapredigten f\u00fcr heute&#8220;\u00a0ein Predigtband mit Kunstpredigten von Frank Jehle beim TVZ.<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottesdienst in St. Laurenzen | am Sonntag, 28. Januar 2018 | \u201eAllein aus Gnade.\u201c | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. | \u00a0 Musik Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. Der Apostel spricht: \u201eAus Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.\u201c Amen Mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2236,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,157,120,114,507,296,109,126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3292","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-frank-jehle","category-predigt-ohne-spez-bibelstelle","category-predigten","category-predigtreihen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3292"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3300,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3292\/revisions\/3300"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3292"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3292"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3292"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3292"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}