{"id":3295,"date":"2018-02-25T08:00:50","date_gmt":"2018-02-25T07:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3295"},"modified":"2020-08-28T11:54:10","modified_gmt":"2020-08-28T09:54:10","slug":"allein-die-schrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/allein-die-schrift\/","title":{"rendered":"Allein die Schrift"},"content":{"rendered":"<h3>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201esola scriptura\u201c | in St. Laurenzen | am 25. Februar 2018 | Frank Jehle, Pfr. Dr. theol. |<\/h3>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.<\/p>\n<p>\u201eDein Wort ist eine Leuchte meinem Fuss und ein Licht auf meinem Pfad.\u201c (Ps 119,105) Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, mit diesem Vers aus Psalm 119 begr\u00fcsse ich alle herzlich. Vor einem Monat habe ich mit einer Predigtreihe \u00fcber die vier Grunds\u00e4tze der Reformation \u2013 \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201eAllein die Schrift\u201c, Allein Christus\u201c und \u201eAllein der Glaube\u201c \u2013 angefangen. Und mit dem eben zitierten Psalmvers habe ich es bereits anklingen lassen: Heute geht es um \u201eAllein die Schrift\u201c. Lasst uns vorerst aber singen und beten und auf einen Text aus der Bibel h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Lied 570,1 und 4\u20136: \u201eLobet den Herren alle, die ihn ehren.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns aufstehen und beten:<\/p>\n<p>Wir beten mit Worten, die Dietrich Bonhoeffer w\u00e4hrend seiner Gefangenschaft als Morgengebet f\u00fcr seine Mitgefangenen schrieb:<\/p>\n<p>Herr Gott, wir rufen zu dir in der Fr\u00fche des Tages. Hilf uns beten und unsere Gedanken sammeln zu dir; wir k\u00f6nnen es nicht aus eigener Kraft. In uns ist es finster, aber bei dir ist das Licht. Wir sind einsam, aber du verl\u00e4ssest uns nicht. Wir sind kleinm\u00fctig, aber bei dir ist die Hilfe. Wir sind unruhig, aber bei dir ist der Friede. Wir verstehen deine Wege nicht, aber du weisst den Weg f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Vater im Himmel, Lob und Dank sei dir f\u00fcr die Ruhe der Nacht, Lob und Dank sei dir f\u00fcr den neuen Tag. Lob und Dank sei dir f\u00fcr alle deine G\u00fcte und Treue in unserm vergangenen Leben. Du hast uns viel Gutes erwiesen, lass uns auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen. Du wirst uns nicht mehr auflegen, als wir tragen k\u00f6nnen. Du l\u00e4ssest deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.<\/p>\n<p>Herr Jesus Christus, du warst arm und elend, gefangen und verlassen. Du kennst alle Not der Menschen. Du bleibst bei uns, wenn kein Mensch uns beisteht. Du vergissest uns nicht und suchst uns. Du willst, dass wir dich erkennen und uns zu dir kehren. Herr, wir h\u00f6ren deinen Ruf; wir wollen ihm folgen; hilf uns. Lass uns so leben, wie wir es vor dir und den Menschen verantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Stille legen wir pers\u00f6nliche Gedanken vor dich hin.<\/p>\n<p>Herr, wir danken dir daf\u00fcr, dass du uns h\u00f6rst und erh\u00f6rst. Dein Name sei gelobt. Amen.<\/p>\n<p>Als Schriftlesung zum Thema \u201eAllein die Schrift\u201c h\u00f6ren wir Psalm 1. Ein Mann wird hier vorgestellt, der in der Bibel liest und \u00fcber das Gelesene nachdenkt.<\/p>\n<p>\u201eWohl dem,<\/p>\n<p>der nicht dem Rat der Frevler folgt<\/p>\n<p>und nicht auf den Weg der S\u00fcnder tritt,<\/p>\n<p>noch sitzt im Kreis der Sp\u00f6tter,<\/p>\n<p>sondern seine Lust hat an der Weisung des HERRN<\/p>\n<p>und sinnt \u00fcber seiner Weisung Tag und Nacht.<\/p>\n<p>Der ist wie ein Baum,<\/p>\n<p>an Wasserb\u00e4chen gepflanzt:<\/p>\n<p>Er bringt seine Frucht zu seiner Zeit,<\/p>\n<p>und seine Bl\u00e4tter welken nicht.<\/p>\n<p>Alles, was er tut, ger\u00e4t ihm wohl.<\/p>\n<p>Nicht so die Frevler;<\/p>\n<p>sie sind wie Spreu,<\/p>\n<p>die der Wind verweht.<\/p>\n<p>Darum werden die Frevler nicht bestehen im Gericht,<\/p>\n<p>noch die S\u00fcnder in der Gemeinde der Gerechten.<\/p>\n<p>Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten,<\/p>\n<p>der Weg der Frevler aber vergeht.\u201c<\/p>\n<p>So weit Psalm 1. Selig sind, die Gottes Wort h\u00f6ren und bewahren. Amen.<\/p>\n<p>Lied 71: \u201eLaudate omnes gentes.\u201c (3x)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Im Rahmen einer Reihe \u00fcber die vier Grunds\u00e4tze der Reformation \u201eAllein die Gnade\u201c, \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201eAllein Jesus Christus\u201c, \u201eAllein der Glaube\u201c habe ich vor einem Monate eine Predigt \u00fcber \u201eAllein die Gnade\u201c gehalten. F\u00fcr mich war es ein sch\u00f6nes und wichtiges Thema. \u201eAllein die \u201eGnade\u201c, ist das nicht eine bleibende Losung in einer Zeit, in der viele unter einem grossen Leistungsdruck stehen und sich oft \u00fcberfordert vorkommen? Und f\u00fcr viele \u00e4lter gewordene Menschen ist es ebenfalls schwer, erfahren zu m\u00fcssen, dass sie nicht mehr so leistungsf\u00e4hig sind wie fr\u00fcher. F\u00fcr Junge und Alte gilt: Gott bietet sich dir und mir gratis an! Von ihm d\u00fcrfen wir uns beschenken lassen. Seien wir daf\u00fcr dankbar!<\/p>\n<p>Meine heutige Predigt \u00fcber \u201eAllein die Schrift\u201c ist mir bei der Vorbereitung nicht so leicht gefallen. Ich weiss auch noch nicht, ob sie mir gelingt. \u201eAllein die Schrift.\u201c Gef\u00e4hrlich ist dieser Grundsatz, wenn er von Fundamentalisten missbraucht wird. Diese sagen, man m\u00fcsse alles, was in der Bibel steht, w\u00f6rtlich glauben.<\/p>\n<p>Fundamentalistische Haltungen scheinen mir \u00fcberhaupt ein grosses Problem in unserer Zeit zu sein. Ich denke an politischen Fundamentalismus, wenn Parteien mit dem Anspruch auftreten, hundertprozentig im Recht zu sein, und den andern absprechen, vielleicht doch auch etwas Richtiges zu sehen. Und dann im Bereich der Weltreligionen: \u00dcber den islamischen Fundamentalismus, den sogenannten Islamismus, muss ich kaum etwas sagen. Unsere Medien sind voll davon. Aber es gibt auch hinduistische Fundamentalisten, die in Indien Moscheen in Brand stecken. Und es gibt buddhistische Fundamentalisten, die in Burma die muslimische Minderheit bedr\u00e4ngen. Es gibt j\u00fcdische Fundamentalisten, zumeist aus Amerika stammende Siedler in Israel, die unrechtm\u00e4ssig Land besetzen und behaupten, Gott habe es ihnen versprochen und geschenkt, es stehe ja in der Bibel.<\/p>\n<p>Und zu den christlichen Fundamentalisten: Diese heute recht lautstarke Bewegung entstand am Ausgangs des 19. Jahrhunderts in Amerika. Es waren zumeist arme Einwanderer, die sich von der zunehmenden Industrialisierung an die Wand gedr\u00fcckt und \u00fcberfahren f\u00fchlten. Sie klammerten sich an die Religion ihrer Vorfahren. Gegen die Abstammungslehre der Darwinisten wollten sie festhalten, dass man die biblischen Sch\u00f6pfungstexte buchst\u00e4blich f\u00fcr wahr halten m\u00fcsse, der Mensch stamme nicht vom Affen, sondern von Adam und Eva ab. Heute wenden sich Fundamentalisten zum Beispiel oft gegen die Homosexuellen. Aus der Bibel wird dann zitiert: \u201eUnd wenn jemand mit einem Mann schl\u00e4ft, wie man mit einer Frau schl\u00e4ft, so haben beide einen Greuel ver\u00fcbt. Sie m\u00fcssen get\u00f6tet werden [&#8230;].\u201c (Lev 20,13) Ein schreckliches Zitat! Solche Fundamentalisten missverstehen die Bibel als ein starres Gesetzbuch.<\/p>\n<p>Doch liebe Gemeinde, kommen wir zur\u00fcck zum Grundsatz der Reformation \u201eAllein die Schrift\u201c, auf Lateinisch \u201esola scriptura\u201c! Die Reformatoren waren keine Fundamentalisten! F\u00fcr heute beschr\u00e4nke ich mich auf Zwingli, den Z\u00fcrcher Reformator. F\u00fcr Zwingli war die Bibel nicht ein Gesetzbuch, sondern im Gegenteil ein befreiendes Buch. Es ging ihm nicht um den Buchstaben, sondern um den Geist. Viele von Ihnen haben das Folgende wohl auch schon geh\u00f6rt: Seine erste reformatorische Schrift im engeren Sinn war die Brosch\u00fcre \u201eVon erkiesen und fryheit der spysen [von der freien Wahl der Speisen]\u201c. Mit Hilfe des Grundsatzes \u201eAllein die Schrift\u201c wandte Zwingli sich hier gegen den religi\u00f6sen Zwang. Der damaligen Kirche warf er vor, sie sei gewissermassen \u00fcberreguliert und b\u00fcrde den Menschen Pflichten auf, die nicht mit der Bibel begr\u00fcndet werden k\u00f6nnten. Ausgangspunkt waren die Fastenregeln, ein ausgekl\u00fcgeltes Regelwerk, das genau vorschrieb, was man an gewissen Tagen essen und nicht essen d\u00fcrfe. Zwingli sagte dagegen: Wenn man gelegentlich freiwillig faste und \u00fcberhaupt massvoll lebe, dann sei das gut. Nicht gutheissen k\u00f6nne er dagegen ein System, das verlange, an einem Tag zu fasten, wogegen man zu einer andern Jahreszeit \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen darf, eine solche Lebensart sei nicht biblisch beziehungsweise evangelisch.<\/p>\n<p>Und ein zweites Beispiel: Zwingli setzte sich in dieser seiner ersten reformatorischen Schrift mit dem Zwangsz\u00f6libat auseinander. Priestern der katholischen Kirche war es untersagt, eine Familie zu gr\u00fcnden, eine Regel, die \u00fcbrigens erst im Mittelalter fl\u00e4chendeckend eingef\u00fchrt worden war. (In den orthodoxen Kirchen des Ostens d\u00fcrfen Priester gem\u00e4ss den Regeln der ersten christlichen Jahrhunderte bis heute heiraten und Familienv\u00e4ter sein.) Aus eigener Erfahrung wusste Zwingli, wie schwer es vielen Priestern fiel, wirklich z\u00f6libat\u00e4r zu leben. In jungen Jahren hatte gelegentlich auch er selbst, obwohl er die Priesterweihe empfangen hatte, eine Prostituierte besucht.<\/p>\n<p>Dass jemand, der eine christliche Gemeinde leite, ehelos leben m\u00fcsse, davon finde er in der Bibel nichts. Ich m\u00f6chte das \u00fcbrigens unterstreichen: Die Bibel kennt zwar Beispiele von z\u00f6libat\u00e4r lebenden M\u00e4nnern, im Alten Testament den Propheten Jeremia, im Neuen Testament Jesus von Nazareth und den Apostel Paulus. Aber der Apostel Petrus war verheiratet und nahm seine Frau auf seinen Reisen mit. Jesus heilte sogar die Schwiegermutter von Petrus, als sie einmal Fieber hatte. \u201eAllein die Schrift.\u201c Indem Zwingli auf die Bibel zur\u00fcckgriff, erfuhr er diese nicht als Zwang, sondern vielmehr als befreiend. Er wusste sich von Gott berechtigt, Anna Reinhart, die Frau, die er liebte und die ihn, als er lebensbedrohlich an der Pest erkrankt gewesen war, liebevoll gepflegte hatte, offiziell zu heiraten. Gemeinsam hatten sie vier Kinder. Es war eine Liebesehe.<\/p>\n<p>Dass Zwingli kein Fundamentalist war, zeigt sich unter anderem auch darin, dass er den T\u00e4ufern widersprach. Sein ehemaliger enger Freund Konrad Grebel vertrat die Meinung, weil Jesus das letzte Abendmahl am Abend begangen habe, d\u00fcrfe man auch heute das Abendmahl nur in den Abendstunden feiern. Zwingli entgegnet ihm, wenn das wahr w\u00e4re, m\u00fcsste man auch die gleichen Kleider wie Jesus und seine J\u00fcnger tragen. Bei der Auslegung biblischer Texte komme es darauf an, die Zeitumst\u00e4nde zu beachten, die jeweilige Situation, in der ein Text geschrieben wurde. Das Gleiche vertrat er im Zusammenhang mit der Taufe. Weil im Neuen Testament nur von der Taufe Erwachsener die Rede ist, verwarfen Konrad Grebel und die andern T\u00e4ufer die S\u00e4uglingstaufe. Wissenschaftlich-theologisch gab Zwingli den T\u00e4ufern Recht. Im Neuen Testament gehe es wirklich um die Erwachsenentaufe. In der eigenen Gegenwart wollte Zwingli aber am Brauch der S\u00e4uglingstaufe festhalten. Es war ihm wichtig, zu bezeugen, dass auch die Kinder schon vom ersten Atemzug an \u2013 oder sogar noch vorher \u2013 unter der Liebe Gottes stehen, von dieser getragen werden und zur christlichen Gemeinde geh\u00f6ren. Nein, Zwingli war kein Fundamentalist \u2013 Luther und Calvin und die andern Reformatoren \u00fcbrigens ebenfalls nicht. Und doch war der Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c f\u00fcr sie alle wichtig.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Im 36. Kapitel des Buches Jeremia kann man nachlesen, wie das Buch Jeremia entstand: Der Prophet diktiert dem Schreiber Baruch Worte, die er von Gott empfangen hat. Baruch liest die kleine Schriftrolle im Tempel vor. Wichtige M\u00e4nner vom K\u00f6nigshof h\u00f6ren diese Lesung. \u201eDas muss der K\u00f6nig erfahren!\u201c Doch die Worte Gottes haben keine Wirkung vor der k\u00f6niglichen Majest\u00e4t. Sie werden im Gegenteil verh\u00f6hnt. Die kleine Schriftrolle wird mit einer zynischen Geste St\u00fcck um St\u00fcck verbrannt. Baruch und Jeremia sollen verhaftet werden, was allerdings misslingt. Aber dann kommt es zu einem zweiten Diktat. Und die neue Rolle, die nicht zerst\u00f6rt wurde, ist noch umfangreicher als die erste!<\/p>\n<p>Die Szene gibt uns einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Bibel. Im Lauf der Jahrhunderte kamen immer mehr derartige Schriftrollen zusammen. Besonders in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft und danach kam es im Judentum so zum Synagogengottesdienst, in dem regelm\u00e4ssig aus den \u00fcberlieferten Schriften vorgelesen wurde. Diese galten immer mehr als heilig. Und im jungen Christentum verlief die Geschichte \u00e4hnlich. Zuerst entstanden die Paulusbriefe, dann die vier Evangelien und so fort. Auch bei den Christen war das Vorlesen der \u00fcberlieferten Schriften ein wesentlicher Teil des Gottesdiensts. Und schon bald sch\u00e4lte sich heraus, welche Schriften f\u00fcr die ganze Kirche verbindlich bleiben sollten. Sie \u00fcberzeugten von innen heraus. Evangelien und auch Briefe, die zu fantastisch und deshalb wenig glaubw\u00fcrdig waren (die so genannten Apokryphen), wurden ausgeschaltet. Bereits am Ausgang des zweiten Jahrhunderts war das Neue Testament (wie vorher schon das Alte Testament) im Wesentlichen fertig. Nur Weniges kam sp\u00e4ter noch dazu, der Petrus-, der Jakobus- und der Hebr\u00e4erbrief \u2013 und in gewissen Ausgaben die Johannesoffenbarung.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte es so formulieren: Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften, die von innen heraus am meisten \u00fcberzeugten und als geistliche Nahrung erfahren wurden. Noch einmal: Man kann die Bibel nicht wie der Fundamentalismus als Gesetzbuch verwenden. Da die verschiedenen alten Handschriften in manchen Einzelheiten voneinander abweichen, gibt es auch nicht einen ein f\u00fcr allemal abgeschlossenen und definitiven Text, der nicht mehr revidiert werden darf. Nicht umsonst erscheinen aufgrund neuer Erkenntnisse der Bibelwissenschaften immer neue Ausgaben. Nur das Wesentliche steht seit der Antike fest. Und ich denke: Das gen\u00fcgt. Wer sich auf die Bibel im Ernst einl\u00e4sst, sich mit ihr auseinander setzt, sich Zeit f\u00fcr sie nimmt, geduldig ist, wird immer neu Entdeckungen in ihr machen und dankbar daf\u00fcr sein.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger man sich mit der Bibel besch\u00e4ftigt, desto mehr erscheint sie als eine riesige Landschaft mit H\u00fcgeln und Gebirgsketten, kleineren und gr\u00f6sseren T\u00e4lern, Ebenen, Seen und Meeren. Wenn man sie erforscht, nimmt man viele verschiedene Muster wahr. Man erkennt H\u00f6henz\u00fcge, die manchmal unterbrochen werden, dann aber pl\u00f6tzlich wieder weitergehen. Wenn man sie verfolgt, gelangt man zu immer neuen Aussichtspunkten. Man entdeckt neue Wege zu immer neuen Zielen, h\u00e4ufig \u00fcberraschend. Und vor allem ist wichtig: So vielf\u00e4ltig diese Landschaft ist, sosehr da manchmal auch ein Felsbrocken am Weg liegen kann, von dem man nicht genau weiss, woher er stammt, sosehr ist es eben doch nicht ein wirres Tr\u00fcmmerfeld, sondern eine einzige Landschaft. Die verschiedenen Teile f\u00fcgen sich zusammen und erg\u00e4nzen sich. Gewisse Gesteinsformationen treten immer neu auf. Die wichtigste dieser Gesteinsformationen ist die g\u00f6ttliche Liebe \u2013 und zwar auch im oftmals viel zu wenig beachteten und ernst genommen Alten Testament. Und auch das Gebot der N\u00e4chstenliebe ist eine derartige Gesteinsformation, die in der biblischen Landschaft immer von neuem an die Oberfl\u00e4che tritt, ebenfalls bereits im Alten Testament.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich meine Predigt \u00fcber den reformatorischen Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c mit einem Zwingliwort schliessen, das wir uns zu Herzen nehmen d\u00fcrfen:<\/p>\n<p>\u201eLeggend umb gotz willen die bible in die mitte! Darumb, fromme Christen, zur gschrift, zur gschrift! Die macht wys zur seligkeit und leret alles guots.\u201c Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel!<\/p>\n<p>Geheiligt werde dein Name.<\/p>\n<p>Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.<\/p>\n<p>Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>Und vergib uns unsere Schuld,<\/p>\n<p>wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung,<\/p>\n<p>sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft<\/p>\n<p>und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Lied 813: \u201eUbi caritas et amor.\u201c (4x) Das Lied mag uns auch an wichtige Gesteinsformationen in der Bibel erinnern.<\/p>\n<p>Mitteilungen<\/p>\n<p>Lied 342,1\u20132 und 6: \u201eAch bleib mit deiner Gnade.\u201c<\/p>\n<p>Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen<\/p>\n<p>erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n<p>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen<\/p>\n<p>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<p>Gott segne euch und beh\u00fcte euch. Gott lasse sein Angesicht leuchten \u00fcber euch und sei euch gn\u00e4dig. Gott wende euch sein Antlitz zu gebe euch und auch mir Frieden. Amen.<\/p>\n<p>Musik<\/p>\n<p><em>Hinweis: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2021 erscheint unter dem Titel &#8222;Verk\u00fcndigung ist kein Monolog: Kunst- und Themapredigten f\u00fcr heute&#8220;\u00a0ein Predigtband mit Kunstpredigten von Frank Jehle beim TVZ.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottesdienst zum Thema \u201eAllein die Schrift\u201c, \u201esola scriptura\u201c | in St. Laurenzen | am 25. Februar 2018 | Frank Jehle, Pfr. 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