{"id":3343,"date":"2020-09-08T16:08:05","date_gmt":"2020-09-08T14:08:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3343"},"modified":"2020-09-08T16:11:53","modified_gmt":"2020-09-08T14:11:53","slug":"auf-die-baeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/auf-die-baeume\/","title":{"rendered":"Auf die B\u00e4ume!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt zu Lukas 19:1-10 | verfasst von Ralf Reuter|&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die B\u00e4ume! Es wird wieder Zeit, Horizont zu gewinnen, Fr\u00fcchte zu ernten, aus der t\u00e4glichen Routine zu entfliehen. Zach\u00e4us macht das richtig. Er steigt auf einen Baum. Nur da wird Jesus ihn sehen und ansprechen. Ihn wieder zurechtbringen, sein Leben neu aufstellen. Zach\u00e4us ist uns in dieser wunderbaren Geschichte von Lukas in vielem Voraus. Wir k\u00f6nnen von ihm lernen. Auf die B\u00e4ume!<\/p>\n<p>Im Alter von 10 oder 11 Jahren bin ich oft auf einen hohen Baum gestiegen. Von dort hatte ich einen weiten Blick in die Landschaft. Im Herbst waren es mehr die Zwetschgen, Birnen, vor allem \u00c4pfel, die mich lockten. Auf die B\u00e4ume steigen war auch hilfreich, wenn man etwas ausgefressen hatte. Da war ich erst einmal sicher. Das Ansprechen geschah dann bald. Man wurde ins Haus gerufen und kam ver\u00e4ndert heraus.<\/p>\n<p>Ist es bei Zach\u00e4us tats\u00e4chlich ein Verstecken im Baum, so wie sich Adam im Paradies vor Gott versteckte? Oder eher ein Fliehen aus seinem bisherigen Leben, ein Aufsteigen zu Gott, um von ihm angesprochen zu werden? Von Jesus wird er geh\u00f6rt haben, sicherlich von seinen Heilungen. Wer auf einen Baum steigt, um Jesus sehen zu k\u00f6nnen, der tr\u00e4gt schon eine Sehnsucht im Herzen. Der sucht nach mehr und anderem.<\/p>\n<p>Lukas erkl\u00e4rt das Aufsteigen mit seinem kleinen Wuchs. Das macht es erst einmal schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Zudem ein Z\u00f6llner, der nicht sehr hoch im Ansehen stand. Dazu noch sein Reichtum. Vielleicht sagen einige: Wie Leute von Wirecard, die mehr in die Bilanz stellten, als sie durften. Oder Unternehmer, die in diesen Zeiten das Zehnfache f\u00fcr Masken und medizinische Ausstattung nehmen.<\/p>\n<p>Zu so einem geht Jesus ins Haus. Der Himmel kommt auf die Erde. Es ist eine g\u00f6ttliche Einkehr, wie sie st\u00e4rker nicht sein kann. Jesus schenkt ihm eine pers\u00f6nliche Begegnung in seiner so kostbaren Zeit. Dieser Mensch ist seiner wert. Der Heiland kehrt bei ihm ein, und Zach\u00e4us empf\u00e4ngt ihn mit Freuden. Da schimpfen die anderen, doch sie wissen noch nicht, wie die Geschichte ausgeht. Sonst k\u00e4men sie ins Nachdenken.<\/p>\n<p>Denn Zach\u00e4us kommt verwandelt heraus. Die H\u00e4lfte von seinem Besitz will er den Armen geben. Und wo er betrogen hat, es vierfach zur\u00fcckzahlen. Das klingt auf den ersten Blick mehr als es vielleicht ist. Die H\u00e4lfte des Reichtums abzugeben ist sicherlich sehr sinnvoll. Da reicht es heute schon, ehrlich Steuern zu zahlen und den Rest in die Kollekte zu werfen. Auch vierfach Unrecht zu vergelten ist ehrlich und angemessen.<\/p>\n<p>Ich glaube, dies ist eine Geschichte f\u00fcr uns. Lukas h\u00e4lt uns einen Spiegel vor, wir sind dieser Zach\u00e4us. Glauben wir denn wirklich, wir br\u00e4uchten diesen Jesus nicht ebenso? Sind wir immer sauber, verzichten auf Privilegien, schlagen Vorteile aus? Denken wir nur einen Moment lang weltweit. Als reiches europ\u00e4isches Land dominieren wir mit unserer Wirtschaftskraft, mit unserer Kultur, mit unserer Fitness.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde Jesus mit uns besprechen, zuhause an unserem K\u00fcchentisch? Das mag sich jeder und jede selbst beantworten. Und was w\u00e4ren die Folgen? Die H\u00e4lfte abgeben, nicht nur an Geld, sondern auch an Macht, an Einfluss, an Zeit? Vielleicht braucht auch die Natur etwas vom dem wieder, was wir ihr durch \u00dcbernutzung genommen haben. Unsere Erde w\u00fcrde aufatmen, wenn unser Fu\u00dfabdruck um das Vierfache zur\u00fcckginge.<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde auch unserem Haus Heil widerfahren, denn auch wir sind Abrahams Kinder. Pl\u00f6tzlich befinden wir uns in der Gemeinschaft der abrahamitischen Religionen. Mitten im Leben von Juden und Muslime, auch sie werden wie wir Christen zurechtgebracht werden m\u00fcssen. So wie uns diese Pandemie zurzeit weltweit einigt im Erleiden und uns Kraft geben kann f\u00fcr ein neues, elementareres Leben.<\/p>\n<p>Diese Sehnsucht nach einem solchen Leben tragen viele Menschen schon lange in sich. Manchmal kommen F\u00fchrungskr\u00e4fte zu mir, in der Seelsorge, im Coaching, um sich wieder neu aufstellen zu lassen. Sie fragen sich: Bin ich noch richtig? Was passt zu mir und zum Sinn des Lebens? Stimmen die Formen meiner Existenz oder bin ich aus den Fugen geraten? Das hat tats\u00e4chlich etwas von dieser Geschichte von Zach\u00e4us.<\/p>\n<p>Oft frage ich mich: Wer coacht mich eigentlich? Oder uns in der Kirche, wo doch all die Fragen der Ver\u00e4nderung ebenso anstehen? Oder in unserer Gesellschaft, in dieser Welt? Den Weg, den uns Lukas zeigt, geht \u00fcber das Himmlische und f\u00fchrt so zum Menschlichen. Es ist ein Weg, der mit dem Suchen beginnt, mit dem Besteigen der B\u00e4ume. Um Ausschau zu halten nach Gott, nach dem Sinn des Lebens.<\/p>\n<p>Die Kirche der Zukunft f\u00fchrt \u00fcber diesen Jesus von Nazareth, der da bei einem S\u00fcnder einkehrt und ihn wieder ins Lot bringt. Der das Geistliche und das Soziale miteinander verbindet. Er kann uns im Priestertum aller Glaubenden zu Menschen machen, die andere in den B\u00e4umen sehen und sie ansprechen. Die vierfache Zeit haben und bei ihnen einkehren. Die die H\u00e4lfte ihrer Woche ehrenamtlich arbeiten.<\/p>\n<p>Also: Nichts wie rauf auf die B\u00e4ume! Es ist Zeit, Horizont zu gewinnen, Fr\u00fcchte zu ernten, der \u00dcberheblichkeit zu entfliehen. Machen wir es wie Zach\u00e4us. Halten wir Ausschau, um von Gott angesprochen zu werden. Nutzen wir die vielf\u00e4ltigen geistlichen Formen und Formate. \u00dcber das Spirituelle, \u00fcber die Einkehr Gottes in unserem Herzen, l\u00e4uft alle Erneuerung des Lebens. Also: Auf die B\u00e4ume!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastor Ralf Reuter, G\u00f6ttingen, E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, und zugleich Pastor an der Friedenskirche G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Lukas 19:1-10 | verfasst von Ralf Reuter|&nbsp; &nbsp; Auf die B\u00e4ume! Es wird wieder Zeit, Horizont zu gewinnen, Fr\u00fcchte zu ernten, aus der t\u00e4glichen Routine zu entfliehen. Zach\u00e4us macht das richtig. Er steigt auf einen Baum. Nur da wird Jesus ihn sehen und ansprechen. Ihn wieder zurechtbringen, sein Leben neu aufstellen. Zach\u00e4us ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3345,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,512,1,157,114,522,349,3,109,182],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3343","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-14-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-19-chapter-19-lukas","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-ralf-reuter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3343"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3343\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3347,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3343\/revisions\/3347"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3343"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3343"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3343"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3343"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}