{"id":3390,"date":"2020-09-17T10:51:42","date_gmt":"2020-09-17T08:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3390"},"modified":"2020-09-17T10:53:37","modified_gmt":"2020-09-17T08:53:37","slug":"gottes-liebeserklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/gottes-liebeserklaerung\/","title":{"rendered":"Gottes Liebeserkl\u00e4rung&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gottes Liebeserkl\u00e4rung an die Erde und das Leben |Predigt \u00fcber Genesis \/ 1. Mose 2,4b-9.15.18-24 | verfasst von Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann |<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><em>Vor der Predigt werden die Strohen 1-4 von \u201eLaudato si\u201c &#8211; EG 515 &#8211; gelesen (und gesummt) und von einem Bl\u00e4serquartett des Frankenberger Posaunenchores Goslar begleitet, w\u00e4hrend der Predigt die Strophen 5-6, nach der Predigt die Strophen 7-9<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Woher kommen wir? Wie ist unsere Welt entstanden? Wie hat alles angefangen? Was macht unser Leben aus? \u2013 Das fragten und fragen die Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Sie haben nach Antworten gesucht. Dabei haben sie das Wissen und die Erfahrungen, die sie gemacht haben, zusammengetragen. Und sie haben Geschichten erz\u00e4hlt. Sie haben gleichsam Bilder davon gemalt.<\/p>\n<p>Zwei der tiefsten und sch\u00f6nsten Erz\u00e4hlungen stehen am Anfang der Bibel, im 1. Buch Mose, in der Genesis: dem Buch vom Werden. Dabei geht es um viel mehr als darum, sich einen genauen Ablauf vorzustellen. Es geht vielmehr darum, sich vor Augen zu f\u00fchren, was alles da ist, was wir f\u00fcr unser Leben haben \u2013 und was das f\u00fcr uns bedeutet. Was wir auf unserer Erde vorfinden, ist ja nicht von uns geschaffen, es ist uns gegeben, es ist uns geschenkt. Das Lied \u201eLaudato si\u201c nach dem Sonnengesang des Franz von Assisi, dessen erste 4 Strophen wir gerade geh\u00f6rt (und den Corona-Bestim\u00admungen entsprechend gelesen und gesummt) haben, bringt das sehr sch\u00f6n zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hler in der Bibel sind davon \u00fcberzeugt: Es ist der gute Wille Gottes, dem wir das alles verdanken. Geradezu liebevoll wird das im 2. Kapitel des ersten Mosebuches geschildert. Im ersten Kapitel war von der Erschaffung der Welt in 6 Tagen die Rede. Mit den Tagen waren gro\u00dfe Zeitperioden gemeint. Von der zweiten Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung, die dann folgt, k\u00f6nnte man sagen: Es ist eine Liebesgeschichte f\u00fcr die Erde, f\u00fcr das Leben auf ihr, f\u00fcr die Pflanzen und Tiere und f\u00fcr den Menschen.<\/p>\n<p>Wir wollen diese Geschichte, die aus 4 Abschnitten besteht, Abschnitt f\u00fcr Abschnitt h\u00f6ren. Wir wollen uns jeweils fragen: Was sagt sie uns? Und: Was k\u00f6nnen wir aus ihr lernen? \u2013 \u00fcber die Erde, den Atem und das Leben (1), \u00fcber den Garten und die B\u00e4ume, \u00fcber das Bebauen und Bewahren (2), \u00fcber das Leben der Menschen mit den Tieren (3) und \u00fcber das Leben von Mann und Frau und ihre Liebe zueinander (4). \u2013 Zwischendurch h\u00f6ren und summen wir weitere Strophen aus dem Lied \u201eLaudato si\u201c.<\/p>\n<p><strong>Der erste Abschnitt: \u00fcber die Erde, das Wasser, den Atem und das Leben.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em><sup>4<\/sup><\/em><em>Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden.<\/em><\/p>\n<p><em>Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. <sup>5<\/sup>Und alle die Str\u00e4ucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; <sup>6<\/sup>aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tr\u00e4nkte das ganze Land. <sup>7<\/sup>Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns hinein versetzen in den Orient, in eine Zeit hunderte von Jahren vor Christus. Wir m\u00fcssen uns vorstellen, wie die Menschen dort und damals erfuhren, wo und wie Leben auf der Erde m\u00f6glich ist. Leben ist da m\u00f6glich, wo es Wasser gibt, wo es geregnet hat, wo Quellen sprudeln, wie in einer Oase, in der alles w\u00e4chst und gedeihen kann. Wasser, das ist das erste Gottesgeschenk, das Leben m\u00f6glich macht. Dass wir Wasser haben, das ist notwendig, das brauchen wir als Menschen \u2013 damals wie heute. Wie wenig selbstverst\u00e4ndlich das ist, das sp\u00fcren wir gegenw\u00e4rtig elementar. Es ist ein Zeichen der Klima-Krise, dass mehr und mehr Wasser fehlt \u2013 in ganzen D\u00fcrre-Perioden, besonders in L\u00e4ndern Afrikas. Und auf der anderen Seite vermehren sich katastrophale \u00dcberschwemmungen, wo Wasser die Erde wegschwemmt und unkontrolliert ganze Landstriche verw\u00fcstet. Wasser \u2013 ein Geschenk, das ganz neu unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit braucht, weil die Probleme, die wir damit haben, gro\u00dfenteils von Menschen gemacht sind. Schutz des Wassers und Schutz vor dem Wasser, besonders aber auch Sparsamkeit mit dem Wasser als Teil der guten Sch\u00f6pfung Gottes \u2013 das ist eine Uraufgabe f\u00fcr das Leben auf der Erde. Dazu sind wir heute ganz neu herausgefordert.<\/p>\n<p><em>\u201eDa machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Atem des Lebens ein\u201c<\/em>: Dies ist ein Bild daf\u00fcr, wie eng der Mensch mit der Erde verbunden ist, zu der er auch einmal wieder werden wird. Darin dr\u00fcckt sich die Erkenntnis aus, dass alles, was lebt und existiert, miteinander verbunden ist und wechselseitig voneinander abh\u00e4ngt. Und zum Erwachen des Lebens geh\u00f6rt ganz elementar das Atmen. So wird der Mensch ein lebendiges Wesen. Nie in meinem Leben habe ich so elementar gesp\u00fcrt, was Erwachen des Lebens ist, wie bei den Geburten unserer Kinder, bei denen ich dabei sein konnte. Als auf einmal das neue kleine Menschlein da war, sich seine Brust regte und f\u00fcllte und es den ersten Schrei ausstie\u00df, da hat mich das Wunder neuen Lebens geradezu \u00fcberw\u00e4ltigt. Unser ganzes Leben, von Anfang bis Ende, ist von dem Atem begleitet. Vielleicht nehmen wir das dankbar wahr, wenn wir jetzt einmal tief ein- und ausatmen.<\/p>\n<p>Das Leben braucht einen Raum, in dem es sich entfalten kann. Davon wird im n\u00e4chsten Abschnitt unseres Bibeltextes erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p><strong>Der zweite Abschnitt: \u00fcber den Garten und die B\u00e4ume, \u00fcber das Bebauen und Bewahren <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e<sup>8<\/sup>Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. <sup>9<\/sup>Und Gott der Herr lie\u00df aufwachsen aus der Erde allerlei B\u00e4ume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>15<\/sup><\/em><em>Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ein bl\u00fchender Garten: Was kann es Sch\u00f6neres geben als Umgebung f\u00fcr das Leben. Hier ist Gott selbst der G\u00e4rtner, der diesen Lebensraum schafft. Es ist ein Ort im Osten. Ihm wird der Name Eden gegeben, ein Wort, das die Vorstellung von \u201eWonne\u201c als Bedeutungselement haben kann. Vom Garten Eden sprechen wir, wenn wir das Paradies meinen, und damit verbindet sich Sch\u00f6nheit, F\u00fclle, heiles Leben. Sch\u00f6n sind dort die B\u00e4ume, verlockend anzusehen und gut zu essen. Aber dieser Garten ist kein Schlaraffenland, in dem man faul liegen und sich den fertigen Braten in den Mund fliegen lassen kann. Nein, er braucht die Arbeit und die Pflege. Und deshalb bekommt der Mensch den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren.<\/p>\n<p>Das ist eine ganze wichtige und zentrale Aussage in unserem Text. Sie richtet sich gegen jede Ausbeutung der Erde, dagegen, dass der Mensch sich zu einem Herrscher macht, der die Natur r\u00fccksichtslos ausnutzt. \u201eBebauen und Bewahren\u201c: Jeder und jede von uns kann sich daran beteiligen \u2013 wenn wir nicht achtlos umgehen mit der Natur, die uns geschenkt ist: wenn wir unsere G\u00e4rten pflegen, wenn wir hinausgehen in die W\u00e4lder, auf die Felder und Wiesen. Wir k\u00f6nnen uns freuen an ihrer Sch\u00f6nheit, k\u00f6nnen den Duft atmen, den sie ausstrahlen \u2013 und sind achtsam, dass wir die Natur nicht verschmutzen und verschandeln. Bebauen und bewahren: das gilt auch f\u00fcr die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, den Einsatz daf\u00fcr, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt, die gegenw\u00e4rtig so bedroht ist. Der Wald hier im Harz, von dem an vielen Stellen ganze Fl\u00e4chen abgestorben sind \u2013 Folge der zu trockenen Sommer und der Sch\u00e4dlinge wie des Borkenk\u00e4fers \u2013 ist eine dringende Mahnung. \u201eBebauen und Bewahren\u201c: Das ist nicht zuletzt auch eine politische Botschaft, die f\u00fcr unsere ganze Wirtschaft ein Auftrag ist ebenso wie f\u00fcr unseren Konsum. Achten wir wirklich darauf, wie durch unser Verhalten die Natur und das Leben bewahrt werden?<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die Gef\u00e4hrten und die Helfer des Menschen, um die es als N\u00e4chstes in unserem Bibeltext geht:<\/p>\n<p><strong>Der dritte Abschnitt: <\/strong><strong>das Leben der Menschen mit den Tieren<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em><sup>18<\/sup><\/em><em>Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. <sup>19<\/sup>Und Gott der Herr machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die V\u00f6gel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er s\u00e4he, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen w\u00fcrde, so sollte es hei\u00dfen. <sup>20<\/sup>Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was w\u00e4ren wir ohne all die Lebewesen, die unsere Erde bev\u00f6lkern? Sie werden in unserer Geschichte dem Menschen an die Seite gestellt, als eine Hilfe, die ihm entspricht. Als Teil der ganzen Lebenswelt werden hier die Tiere auf dem Felde und die V\u00f6gel unter dem Himmel genannt. Und nat\u00fcrlich geh\u00f6ren die Fische und die Reptilien, die W\u00fcrmer und die Echsen dazu. In wenigen Worten wird zum Ausdruck gebracht, dass sie Gef\u00e4hrten des Menschen sein sollen, dass er ihre Lebenswelt sch\u00fctzen soll, dass er Verantwortung f\u00fcr sie \u00fcbernehmen soll. Und wenn es hei\u00dft, dass der Mensch sie mit Namen nennt, dann bedeutet das, dass sie nicht namenlos sein sollen, dass sie eine Seele haben, dass sie nicht zum Objekt der Ausbeutung werden d\u00fcrfen. Als Albert Schweitzer, der Urwalddoktor in Lambarene in Afrika, im Jahr 1915 auf dem Ogowe-Fluss unterwegs war und neben sich auf einer Insel Nilpferde mit ihren Jungen wandern sah, \u00fcberw\u00e4ltigte ihn die Erkenntnis \u00abIch bin <em>Leben, das leben will<\/em><strong>, <\/strong>inmitten von <em>Leben, das leben will<\/em>\u201c, und er fand als Grundgebot aller Ethik, alles verantwortlichen Handelns die \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Seither ist klar, dass das Gebot, Leben zu bewahren, auch die Tierwelt umfassen muss.<\/p>\n<p>Wir wollen uns jetzt da hineindenken, indem wir die Strophe 5 und auch die Strophe 6 aus dem Lied \u201eLaudato si\u201c h\u00f6ren und mitsummen:<\/p>\n<p><em>5<\/em><em> Sei gepriesen, du l\u00e4sst die V\u00f6gel singen! Sei gepriesen, du l\u00e4sst die Fische spielen! Sei gepriesen f\u00fcr alle deine Tiere! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!<\/em><\/p>\n<p><em>6<\/em><em> Sei gepriesen, denn du, Herr, schufst den Menschen! Sei gepriesen, er ist dein Bild der Liebe! Sei gepriesen f\u00fcr jedes Volk der Erde! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!<\/em><\/p>\n<p>In dem 6. Vers, der ja wie das ganze Lied auf den Sonnengesang des Franz von Assisi zur\u00fcckgeht, wird das Sch\u00f6nste ausgesagt, was \u00fcber den Menschen gesagt werden kann: dass er n\u00e4mlich ein Bild der Liebe Gottes ist, und dieses Bild der Liebe ist in Menschen zu finden, die es in jedem Volk der Erde gibt. Da gibt es kein besseres und kein schlechteres Volk. Da liebt Gott nicht ein Volk mehr und ein Volk weniger.<\/p>\n<p>Wo aber f\u00e4ngt die Liebe an? Sie f\u00e4ngt an in der Beziehung von Mensch zu Mensch, zwischen Freundinnen und Freunden, und am direktesten in der liebenden Partnerschaft zweier Menschen. Damit sind wir bei dem letzten Abschnitt unseres Bibeltextes:<\/p>\n<p><strong>Der vierte Abschnitt: <\/strong>das Leben von Mann und Frau und ihre Liebe zueinander.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft dort: <em>f\u00fcr den Menschen wurde (noch) keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach. <\/em><\/p>\n<p><em><sup>21<\/sup><\/em><em>Da lie\u00df Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. <sup>22<\/sup>Und Gott der Herr baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. <sup>23<\/sup>Der freute sich und rief: Die ist nun wie ich; sie geh\u00f6rt zu mir, weil sie von mir genommen ist. <sup>24<\/sup>Darum verl\u00e4sst ein Mann seinen Vater und seine Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.<\/em><\/p>\n<p>Dass die Frau aus einer Rippe des Mannes gebildet wird, ist eine sehr urt\u00fcmliche Vorstellung, wie sie die Menschen haben konnten, die damals diese Geschichte erz\u00e4hlten. Gemeint aber ist damit, dass Mann und Frau ganz eng zusammen geh\u00f6ren, weil sie aus einer Wurzel stammen. Und im Ziel dieser Verse liegt es, die Freude \u00fcber das Zu-Zweit-Sein auszudr\u00fccken. Mann und Frau sind verbunden mit Leib und Seele und damit auch mit der ganzen Sch\u00f6nheit der k\u00f6rperlichen Liebe. Im Hebr\u00e4ischen ist von Mann und Frau hier mit den Worten \u201eAdam\u201c und \u201eAdamah\u201c die Rede, um die Verbundenheit und Gleichwertigkeit von Mann und Frau auszudr\u00fccken. Damit wird hervorgehoben, dass Partnerschaft und Liebe von Anfang an zur guten Sch\u00f6pfung Gottes geh\u00f6ren. Sie bilden den abschlie\u00dfenden H\u00f6hepunkt der Erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Wir wissen freilich auch, wie sehr Partnerschaft und Liebe der Pflege, der Fantasie, ja der Arbeit miteinander und f\u00fcreinander bed\u00fcrfen und wie sehr sie immer gef\u00e4hrdet sind. Dieses, dass der Mensch die guten Beziehungen aufs Spiel setzt, wenn er nur an sich denkt, wenn er andere Menschen nicht wertsch\u00e4tzt, ja sie verachtet und bek\u00e4mpft, das wissen auch die biblischen Erz\u00e4hler zur Gen\u00fcge. Darin sind sie ganz Realisten. Schon in den ersten Kapiteln der Bibel wird das schonungslos geschildert: mit dem Mord des Kain an seinem Bruder Abel, mit der Verderbtheit der Menschheit, die die Sintflut nach sich zieht, mit dem Hochmut, mit dem die Menschen sich \u00fcber Gott erheben wollen durch den Turmbau zu Babel. Und immer ist es Gott, der die Menschheit vor dem v\u00f6lligen Untergang bewahrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr unseren christlichen Glauben hat das Werk Gottes aber noch eine ganz besondere, einzigartige Fortsetzung. Franz von Assisi bringt das in dem letzten Teil seines Sonnengesangs zum Ausdruck. Im 7. und 8. Vers von \u201eLaudato si\u201c lesen wir:<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><em> Sei gepriesen, du selbst bist Mensch geworden! Sei gepriesen f\u00fcr Jesus, unsern Bruder! Sei gepriesen, wir tragen seinen Namen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!<\/em><\/li>\n<li><em> Sei gepriesen, er hat zu uns gesprochen! Sei gepriesen, er ist f\u00fcr uns gestorben! Sei gepriesen, er ist vom Tod erstanden! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Liebe Gottes, die wir in seiner Sch\u00f6pfung erkennen k\u00f6nnen und die uns trotz unserer Schwachheiten und Verfehlungen nicht verl\u00e4sst, ist in Jesus, in diesem einen Menschen, zu uns gekommen. Jesus ist \u201eunser Bruder\u201c im tiefsten Sinne des Wortes: an unserer Seite hat er gelebt, hat er Gottes Liebe gepredigt und vorgelebt, hat er aber auch gelitten, ist in die gr\u00f6\u00dfte Ausweglosigkeit des Kreuzestodes hineingegangen. Aber der Tod konnte ihn nicht halten: \u201eSei gepriesen, er ist vom Tod erstanden!\u201c Jesus bietet das Licht und das Leben, das die Sonne \u00fcberstrahlt und das in das Herz eines jeden Menschen dringen will.<\/p>\n<p>Woher kommen wir? Wie ist unsere Welt entstanden? Wie hat alles angefangen? Was macht unser Leben aus? Die Bibel gibt uns Bilder und zeigt uns Wege, wie wir diese unsere Welt mit Gottes Augen sehen k\u00f6nnen, wie wir verantwortlich in ihr leben k\u00f6nnen und wie wir in Jesus eine Hoffnung haben, die weit \u00fcber die Grenzen unseres Lebens hinaus reicht.<\/p>\n<p>Dazu h\u00f6ren, lesen (und summen) wir jetzt noch die Strophen 7-9 aus dem Lied \u201eLaudato si\u201c.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gebet f\u00fcr unsere Erde und seine Menschen&nbsp; <\/strong><\/p>\n<p><em>(angeregt von Papst Franziskus in der Enzyklika \u201eLaudato si\u201c \u2013 Mai 2015)<\/em><\/p>\n<p>Allm\u00e4chtiger Gott,<\/p>\n<p>der du in der Weite des Alls gegenw\u00e4rtig bist und im kleinsten deiner Gesch\u00f6pfe,<\/p>\n<p>der du alles, was existiert, mit deiner Z\u00e4rtlichkeit umschlie\u00dft,<\/p>\n<p>gie\u00dfe uns die Kraft deiner Liebe ein, damit wir das Leben und die Sch\u00f6nheit h\u00fcten.<\/p>\n<p>\u00dcberflute uns mit Frieden, damit wir als Br\u00fcder und Schwestern leben<\/p>\n<p>und niemandem schaden.<\/p>\n<p>Gott der Armen,<\/p>\n<p>hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde, die so wertvoll sind in deinen Augen,<\/p>\n<p>zu retten \u2013 und das gilt gegenw\u00e4rtig besonders f\u00fcr die, die in Kriegsgebieten leben m\u00fcssen,<\/p>\n<p>f\u00fcr die, die auf der Flucht sind und f\u00fcr alle, die von der Corona-Pandemie in ihrem Leben<\/p>\n<p>und in ihrer Existenz bedroht sind.<\/p>\n<p>R\u00fchre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen auf Kosten der Armen und der Erde.<\/p>\n<p>Lenke den Sinn der M\u00e4chtigen, die um ihres Machterhalts oder einer menschenverachtenden Ideologie willen Kriege f\u00fchren und das Sterben und die Flucht so vieler in Kauf nehmen.<\/p>\n<p>Nimm dich derer an, die in den Konflikten der Vergangenheit wie der Gegenwart ihr Leben lassen mussten &#8211; Du, der uns in Christus die Erl\u00f6sung und ein Leben bei Dir in Deiner Herrlichkeit und ohne Schmerz und Leid versprochen hast.<\/p>\n<p>Lehre uns,<\/p>\n<p>den Wert von allen Dingen zu entdecken und voll Bewunderung zu betrachten;<\/p>\n<p>zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind mit allen Gesch\u00f6pfen<\/p>\n<p>auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.<\/p>\n<p>Danke, dass du alle Tage bei uns bist. Ermutige uns in unserem Kampf f\u00fcr Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.<\/p>\n<p>Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann, Goslar, <a href=\"mailto:johannes@laehnemann.de\">johannes@laehnemann.de<\/a><\/p>\n<p>Johannes L\u00e4hnemann (geb. 1941) hatte von 1981-2007 den Lehrstuhl f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des Ev. Religionsunterrichts an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg inne. Er lebt im Ruhestand in Goslar. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Interreligi\u00f6ser Dialog, Interreligi\u00f6ses Lernen, Religionen und Friedenserziehung. Er ist Vorsitzender der N\u00fcrnberger Regionalgruppe der <em>Religionen f\u00fcr den Frieden<\/em>, Mitglied am Runden Tisch der Religionen in Deutschland und Mitglied der internationalen Kommission <em>Strenghtening Interreligious Education <\/em>der internationalen Bewegung <em>Religions for Peace <\/em>(RfP).<\/p>\n<p>Seine Autobiografie ist erschienen unter dem Titel \u201eLernen in der Begegnung. Ein Leben auf dem Weg zur Interreligiosit\u00e4t.\u201c G\u00f6ttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2017.<\/p>\n<p>Die Predigt wird in der ev.-luth. Pfarrkirche Kirche St. Peter und Paul auf dem Frankenberge Goslar gehalten \u2013 romanisch-gotische Kirche mit barockem Altar und barocker Kanzel.<\/p>\n<p>Liedempfehlungen: EG 504 (Himmel, Erde, Luft und Meer), 510 (Freuet euch der sch\u00f6nen Erde),<\/p>\n<p>515 (Laudato si \u2013 als Rahmen f\u00fcr die Predigt \u2013 s.&nbsp; die Anmerkung zu Beginn)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> A. Schweitzer: Die Ehrfurcht vor dem Leben \u2013 Grundtexte aus 5 Jahrzehnten. M\u00fcnchen 2017 (Becksche Reihe) S. 20.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottes Liebeserkl\u00e4rung an die Erde und das Leben |Predigt \u00fcber Genesis \/ 1. Mose 2,4b-9.15.18-24 | verfasst von Prof. em. 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