{"id":3417,"date":"2020-09-20T16:48:00","date_gmt":"2020-09-20T14:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3417"},"modified":"2020-09-20T20:50:41","modified_gmt":"2020-09-20T18:50:41","slug":"erntezeit-es-wird-schon-wieder-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/erntezeit-es-wird-schon-wieder-gut\/","title":{"rendered":"Erntezeit \u2013 es wird schon &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Erntezeit &#8211; es wird schon wieder gut | 16. Sonntag nach Trinitatis | Johannes 11,19-45 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p>Es ist Herbst. Erntezeit. Wir beginnen all das aufzugreifen, was uns das Jahr gebracht hat und was wir als Ernte bezeichnen. Wir danken f\u00fcr das Jahr und was es gebracht hat.<\/p>\n<p>Eigentlich haben wir gerade ein besonders merkw\u00fcrdiges Jahr erlebt. Ein Jahr mit Krankheit und neuen Gewohnheiten. Das gesellschaftliche Leben ruhte, und viele von uns wurden isoliert in unseren Wohnungen und verfolgten \u00e4ngstlich die Nachrichten und Pressekonferenzen, um zu sehen, wo das alles hinf\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrde sich die Krankheit entwickeln? Wie wirkt sich Korona aus? Wie bekommen wir das alles wieder in den Griff? Kehren wir zur\u00fcck zu der Welt, die wir kennen und die uns Sinn verleiht?<\/p>\n<p>Viele Fragen und viel Unsicherheit. Wo soll das alles enden? Wir waren durchaus f\u00e4hig, einander Mut zu machen und uns an das zu halten, was uns etwas bedeutet. Gemeinschaft, Lieder und Worte der Hoffnung.<\/p>\n<p>Eines der Worte war der Satz, der immer wieder fiel: \u201eEs wird schon wieder gut werden\u201c. Es wird wieder gut werden. Das waren Worte, die nach Hoffnung klingen und Lust zum Leben. Neulich sah ich die Worte, gemalt von einem Kind auf einem farbigen Stein, der in einen Briefkasten geworfen war. Das sind gute Worte, die man mit sich tragen kann: Es wird schon wieder gut werden.<\/p>\n<p>Und es wird ja auch langsam wieder gut. Das gesellschaftliche Leben \u00f6ffnet sich, und wir versuchen zum normalen Leben zur\u00fcckzukehren. Hier und da gibt es R\u00fcckf\u00e4lle, aber im Gro\u00dfen und Ganzen ist es, als ginge alles trotz allem in die richtige Richtung. Trotz R\u00fcckschritten und neuen Ausbr\u00fcchen der Krankheit.<\/p>\n<p>Aber dabei wissen wir ja auch sehr wohl, dass es Menschen gibt, f\u00fcr die es nicht wieder gut wurde. Diejenigen, die der Krankheit erlegen sind und ihre Familien und Angeh\u00f6rigen. F\u00fcr sie wird es nicht wieder wie gewohnt, und f\u00fcr sie wird nicht alles wieder gut.<\/p>\n<p>Da sind die, die gestorben sind, und f\u00fcr die k\u00f6nnen wir nicht sagen, dass es wieder gut wird. Denn sie sind nicht mehr.<\/p>\n<p>So ist es, wenn man einen Menschen verliert, so wie auch Martha und Maria Lazarus verloren haben. Auch sie haben einen Mensch en verloren, den sie geliebt haben, und sie begegnen der Erfahrung des Todes. Die Erfahrung, dass der Tod das gr\u00f6\u00dfte Wort in dieser Welt ist.<\/p>\n<p>Und weder sie oder wir k\u00f6nnen ja nur sagen, es wird schon wieder gut. Denn die Dinge haben sich ver\u00e4ndert, und da ist jemand, der nun nicht mehr da ist. Lazarus liegt in seinem Grabe. Ja, sie sagen, dass er schon stinkt. K\u00f6nnen wir wirklich sagen, es wird wieder gut, wenn das der Fall ist? Bleibt da nicht nur Resignation, man gibt auf? Kann es wieder gut werden?<\/p>\n<p>Wohl k\u00f6nnen wir sagen, dass es wieder gut wird, wenn da eine Hoffnung ist, die \u00fcber die Grenzen des Lebens hinausreicht, denn sonst sind die Worte ja ein Hohn f\u00fcr die, die nun nicht mehr unter uns sind. Dann verh\u00f6hnen wir Lazarus, wenn wir an seinem Grab sagen, es wird wieder gut, w\u00e4hrend er nur darin liegen bleibt.<\/p>\n<p>Es muss eine Hoffnung geben, die \u00fcber die Grenze des Lebens hinausreicht. Es muss eine Hoffnung geben, dass alles neu wird. Trotz allem.<\/p>\n<p>Sonst w\u00e4ren es nur leere Worte. Ohne Bedeutung f\u00fcr die, die gefallen sind. Damit es wieder gut werden soll, muss das wiederaufgerichtet werden, was gefallen ist.<\/p>\n<p>Denn sonst bagatellisieren wir den Verlust. Dann ist der Gefallene nur ein Stein in einem Spiel, und so etwas ist kein Mensch.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Nur wenn Gott in seinem Reich den wiederaufrichtet, der gefallen ist, k\u00f6nnen wir im Ernst sagen, dass es wieder gut wird, sonst w\u00fcrden wir Leiden und Tod bagatellisieren.<\/p>\n<p>Nun aber werden die Worte zu gro\u00dfen Worten, Worten voller Hoffnung und Trost. Und Jesus schaut zum Himmel und zieht mit seinem Gebet eine Hoffnung des Ewigen in das Grab und ruft Lazarus heraus. Hier geschieht Auferstehung. Nur so kann es wieder gut werden. Wenn die Hoffnung davon handelt, dass Gefallene wiederaufgerichtet werden kann.<\/p>\n<p>Der Gefallene soll wiederaufgerichtet werden, erl\u00f6st werden, wieder gehen, wie es im Text der Bibel hei\u00dft. Der Gefallene soll befreit werden, von der macht des Todes und der Kraft des \u00dcbergriffs. Wenn es wieder gut werden soll, muss der Gefallene wiederaufgerichtet werden. Sonst w\u00e4ren das leere Worte und im schlimmsten Fall ein Hohn auf die, die nicht mehr sind. Das ist die Wiederaufrichtung, die nicht in unserer Macht steht. Gl\u00fccklicherweise, denn sonst w\u00fcrden wir zu einem Mittel im Leben der anderen. Es gibt eine Wiederaufrichtung, die sich unserem Einfluss entzieht und die bewirkt, dass wir in Wahrheit sagen k\u00f6nnen, es wird wieder gut, denn wir glauben an einen Gott, der alles neu macht. Das ist eine Wiederaufrichtung, die nicht in leeren Worten besteht, sondern Worten voller Gnade und Liebe.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen einander nicht bagatellisieren. Wir d\u00fcrfen einander nicht auswischen. Wir k\u00f6nnen nur sagen, dass es wieder gut wird, wenn das aufgerichtet wird, was gefallen ist, wenn Lazarus aus seinem Grabe gerufen wird, wenn da eine Hoffnung ist, die \u00fcber den Tod hinausreicht. Nur hier ist die Ernte eine Gabe und das Leben gr\u00f6\u00dfer als der Tod, wenn die Hoffnung in das Reich Gottes hineinreicht.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen an die Gnade glauben. Eine Gnade, die auf dem Gott beruht, der alles neu macht. Darauf kommt es an. Eine Gnade, sich auf dem Gott beruht, der im Ernst sagen kann, es wird wieder gut.<\/p>\n<p>Hier d\u00fcrfen wir nur danken. Danken f\u00fcr das Leben und die Ernte. Danken f\u00fcr die Hoffnung, die alle Grenzen sprengt. Danken f\u00fcr ihn, der alles neu macht. Das ist die Hoffnung. Die Hoffnung, in der wir alle leben. Amen.<\/p>\n<p>Propst Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p>DK 9800 Hj\u00f8rring<\/p>\n<p>Email: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erntezeit &#8211; es wird schon wieder gut | 16. Sonntag nach Trinitatis | Johannes 11,19-45 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Thomas Reinholdt Rasmussen | Es ist Herbst. Erntezeit. Wir beginnen all das aufzugreifen, was uns das Jahr gebracht hat und was wir als Ernte bezeichnen. Wir danken f\u00fcr das Jahr und was es gebracht hat. 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