{"id":3422,"date":"2011-01-06T21:12:10","date_gmt":"2011-01-06T20:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3422"},"modified":"2020-09-20T21:16:59","modified_gmt":"2020-09-20T19:16:59","slug":"predigt-zu-johannes-11415-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-johannes-11415-18\/","title":{"rendered":"Predigt zu Johannes 1:(14)15-18"},"content":{"rendered":"<h3>Epiphanias, 06.01.2011 | Predigt zu Johannes 1:(14)15-18 | verfasst von Friedrich Seven |<\/h3>\n<p><em>Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<br \/>\nJohannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.<br \/>\nUnd von seiner F\u00fclle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.<br \/>\nDenn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.<br \/>\nNiemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Scho\u00df ist, der hat ihn uns verk\u00fcndigt.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>heute Abend noch das Fest der Heiligen Drei K\u00f6nige, und dann sind wir mit Weihnachten durch!\u00a0\u00a0Endlich, m\u00f6chten viele sagen. Denn auch dieses Weihnachten hat wieder alles gebracht, was wir uns schon lange vorher davon versprechen mussten: \u00dcberf\u00fcllung in den Gesch\u00e4ften \u2013 aber keine F\u00fclle, Chaos auf Stra\u00dfen und Bahnh\u00f6fen \u2013 und damit banges Warten, ob der Besuch \u00fcberhaupt p\u00fcnktlich zu den Feiertagen eintreffen wird. Dazu Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe, mit denen man nicht mehr gerechnet hat und bei denen sich die Freude \u00fcber den, der uns doch ganz vergessen zu haben schien, mit der Frage mischt, ob man nun noch schnell seinen Gru\u00df erwidern m\u00fcsse.<br \/>\nDer Gabentisch ist schon abger\u00e4umt, und bevor der Weihnachtsbaum nadeln k\u00f6nnte, werfen wir ihn heute sp\u00e4t noch raus, damit wir die Abholung durch die Stadtreinigung nicht vers\u00e4umen.<br \/>\nAuch in den Kirchen scheinen wir mit dem heutigen Tag mit Weihnachten durch zu sein: Ab Sonntag feiern wir im Pfarrsaal. Dann ist wieder die Zeit der Winterkirche.<\/p>\n<p>Mit einem lebenslang geschulten Blick hatten wir seit dem Advent \u2013 und viele schon lange vorher \u2013 immerzu gepr\u00fcft, ob alles da war oder geschah, was zum Fest und seiner Vorbereitung dazugeh\u00f6rt: das Aussprechen oder Verschicken von Einladungen; Terminabsprachen, wer wann wo und mit wem dabei sein k\u00f6nnte; Eink\u00e4ufe und Beschaffungen. Dann geschm\u00fcckte Weihnachtsstuben, Lichterb\u00e4ume, sch\u00f6ne und weniger sch\u00f6ne Bescherungen. Gottesdienstbesuche in vollen und nicht mehr so vollen Kirchen, sowie Festmahle, Fernsehen oder ein Konzertbesuch.<br \/>\nNicht alles davon, aber immerhin das meiste, war auch an diesem Weihnachtsfest dabei, und schon seit dem Neujahrstag hat das Aufatmen beginnen k\u00f6nnen, denn \u201edie Karawane zieht weiter\u201c.<\/p>\n<p>Spricht uns da nicht unser heutiger Predigttext aus dem Herzen, trifft er es nicht genau, wenn er sagt:\u00a0<em>\u201eNiemand hat Gott je gesehen\u201c<\/em>?<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Die Geschichte, die wir gerade im Evangelium geh\u00f6rt haben, erz\u00e4hlt uns von einer Karawane, die nicht einfach weiterzieht. Jetzt, am Tag der Heiligen Drei K\u00f6nige, k\u00f6nnen wir dieser Karawane begegnen, und der Predigttext aus dem Johannesevangelium kann uns dazu anleiten.<\/p>\n<p>Auch die Weisen, von denen wir annehmen k\u00f6nnen, dass es drei waren, haben einen beschwerlichen Weg und Umweg hinter sich. Zun\u00e4chst haben sie nur einen Stern gesehen, aber weil ihre Augen geschult und ihr Wissen um Sterne und ihre Bedeutung gro\u00df war, haben sie aus dem, was sie sahen, den richtigen Schluss gezogen.\u00a0<em>\u201eWo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden!\u201c<\/em>, fragen sie, als sie meinen, schon am Ziel zu sein.<\/p>\n<p>Doch in der Hauptstadt treffen sie nur den alten K\u00f6nig, der sich brennend daf\u00fcr interessiert, wer ihm den Thron streitig machen k\u00f6nnte, den Weisen aber seine wahren Absichten verbirgt. Von seinen Schriftgelehrten h\u00f6rt er, dass Gottes Gnade wirklich werden wird in einem neuen K\u00f6nig, und er muss diese Gnade f\u00fcrchten, k\u00f6nnte ihn der Begnadete doch von seinem Thron st\u00fcrzen. Von der F\u00fclle der Gnade in Bethlehem m\u00f6chte er gerade nicht\u00a0<em>nehmen<\/em>, sondern sie vernichten.<\/p>\n<p>Die Weisen erkennen seine wahre Absicht nicht, als er sie bittet, bei ihm auf dem R\u00fcckweg wieder vorbeizukommen, um ihm zu sagen, wo das Kind zu finden ist. Sie machen sich auf den Weg, und der Stern f\u00fchrt sie zum Kind.<\/p>\n<p>Ihre \u00dcberraschung muss gro\u00df gewesen sein, als sie auf die Familie und das neugeborene Kind treffen, das ein K\u00f6nig sein soll. Da schimmert nichts durch vom Glanz, den man von einem K\u00f6nigskind schon jetzt erwarten d\u00fcrfte, und von der Macht, in die es doch nur hinein wachsen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Da liegt das Neugeborene \u2013 sie sehen ein gerade geborenes Kind, mehr sehen sie nicht. Aber sie ziehen nicht entt\u00e4uscht weiter, sind damit nicht fertig, nicht durch. Sie begreifen das Wunderbare, dass hier an diesem Ort Gott Mensch geworden ist.<\/p>\n<p>Zu sehen ist eben nicht mehr als dieses Kind, als dieses arme Fleisch und Blut, aber zu finden war \u2013 und ist \u2013 der Glaube daran, dass Gott dieses schwache, verletzliche Kind liebt und es seinen Sohn nennt. Ja, Gott l\u00e4sst sich dieses schwache, kleine Menschenkind nicht einfach nur gefallen in dem g\u00f6ttlichen Vorauswissen, daraus einen m\u00e4chtigen unverletzlichen, gottgleichen K\u00f6nig machen zu k\u00f6nnen, sieht also in diesem Kind nicht nur gerade mal einen Anfang, sondern der Anfang Gottes mit diesem Menschen liegt darin, dass er ihn in seiner Verletzlichkeit und Schw\u00e4che liebt. Die neue Botschaft besteht nicht darin, dass Gott angefangen h\u00e4tte mit seinem Werk, sondern dass Gott selbst hier angefangen hat, wie eben das Leben eines Menschen nur anfangen kann.<\/p>\n<p><em>\u201eNiemand hat Gott je gesehen!\u201c<\/em>\u00a0\u2013 Die Weisen sehen Gott, aber sie sehen nicht viel Herrliches und nichts, was ihnen g\u00f6ttlich vorkommen k\u00f6nnte. Doch sie erkennen in ihrem Glauben den Gott, dessen Macht so gro\u00df ist, dass er die Liebe zum Schwachen und Geringen stark machen kann.<br \/>\nDas macht auch sie stark und bereit, vor diesem Kind (und in dieser \u00e4rmlichen Umgebung und mit einer zuf\u00e4lligen Gesellschaft) auf die Knie zu fallen. Sie sind, als sie sich auf den R\u00fcckweg machen wollen, wei\u00df Gott, nicht fertig mit der Heiligen Nacht. Schon begegnet ihnen Gott im Traum, in einem Traum, den sie alle drei zu tr\u00e4umen scheinen, und sie folgen seiner neuen Wegweisung.<\/p>\n<p>Mit dieser Nacht sind sie auch am Tage ihres Aufbruchs nicht durch und werden es auch die weiteren N\u00e4chte und Tage ihres Lebens nicht sein. Denn sie haben Geschenke gebracht \u2013 und selber den Glauben geschenkt bekommen.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, vielleicht sind wir in der Meinung, nun mit Weihnachten endlich wieder durch zu sein, noch gar nicht an der Krippe angekommen. Es w\u00e4re nicht das erste Weihnachten, an dem wir uns bei allem Aufwand f\u00fcr die Feiertage selbst vergessen und uns am Heiligen Abend gefragt haben: \u201eWar\u2019s das schon wieder?\u201c<br \/>\nGelegentlich haben wir uns an den Adventstagen ja darauf besinnen wollen, von der Erl\u00f6sung diesmal zu Weihnachten nicht nur zu h\u00f6ren, sondern sie auch zu bemerken. Das Eingest\u00e4ndnis, dass es uns nicht so gut gelingt, wie wir und andere es gern h\u00e4tten, ist uns in solchen nachdenklichen Augenblicken nicht gerade leicht gefallen und hat die Sehnsucht nach der Heiligen Nacht noch verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Als dann die Botschaft wieder von der Kanzel zu h\u00f6ren war\u00a0<em>\u201eEuch ist heute der Heiland geboren\u201c<\/em>\u00a0und ich an der Krippe unter dem Weihnachtsbaum von der F\u00fclle des Herrn bald h\u00e4tte nehmen k\u00f6nnen, da m\u00fcssen wohl die Worte wieder durch mich hindurchgegangen sein, so dass ich einmal mehr mit leeren H\u00e4nden dastehe. Der Sog zum Fest ergreift mich immer, aber am Ende ist er so stark, dass ich mich und die anderen darin ganz vergesse.<\/p>\n<p>Mit den K\u00f6nigen anzukommen, das w\u00fcrde doch bedeuten, einmal dieses Weihnachten wirklich sein zu lassen und nicht schon an den folgenden Tag und bald schon wieder an das n\u00e4chste Weihnachten zu denken. Dieser Abend, Epiphanias, Fest der Erscheinung des Herrn, k\u00f6nnte mir endlich Weihnacht genug werden.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Pfarrer Dr. Friedrich Seven<br \/>\nScharzfeld<br \/>\nE-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:friedrichseven@t-online.de\">friedrichseven@t-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 06.01.2011 | Predigt zu Johannes 1:(14)15-18 | verfasst von Friedrich Seven | Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 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