{"id":3441,"date":"2020-09-23T01:06:47","date_gmt":"2020-09-22T23:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3441"},"modified":"2020-09-23T01:06:47","modified_gmt":"2020-09-22T23:06:47","slug":"predigt-zu-2-timotheus-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-2-timotheus-17\/","title":{"rendered":"Predigt zu 2. Timotheus 1,7"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu 2. Timotheus 1,7 | verfasst von Th.-M. Robscheit |<\/h3>\n<p>\u201eDenn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, w\u00e4hrend ich diese Gedanken niederschreibe, greift hier die Furcht, zumindest aber Unsicherheit, um sich. Apolda wurde durch eine Gruppe \u00e4lterer und kranker Menschen, die zu einer Kur waren, zum Corona-Hotspot. Fast alle sind infiziert zur\u00fcck gekommen; bis das aber bekannt war, waren manche im Gottesdienst, haben Freunden oder Verwandten \u201eHallo\u201c gesagt und so das Virus weiter verbreitet. In der Kirchengemeinde waren das unruhige Tage. \u201eBin ich im Gottesdienst zu nah neben Frau XY gesessen?\u201c<\/p>\n<p>Die manchmal etwas bel\u00e4chelten, oft nervigen und unsere Gottesdienste einschr\u00e4nkenden Coronaregeln werden nun pl\u00f6tzlich in einem anderen Licht gesehen. Gut, dass wir in die gro\u00dfe Kirche ausgewichen sind, in der Abstandhalten kein wirkliches Problem ist. Gut, dass wir Regeln mit Augenma\u00df anwenden, auch wenn es (noch) keine weitergehende staatliche Einschr\u00e4nkungen gibt. Aber nat\u00fcrlich gab es auch Stimmen, die lieber wieder g\u00e4nzlich auf Gottesdienste verzichten wollen oder diese bis zur Unkenntlichkeit reduzieren m\u00f6chten. Unbestimmte \u00c4ngste und Sorgen treiben an: Was, wenn etwas passiert? Wie st\u00fcnden wir in der \u00d6ffentlichkeit da? M\u00fcssen wir Christen nicht Vorbild sein (gemeint ist dann: ein Infektionsrisiko durch unterlassene Begegnung vermeintlich auf Null zu reduzieren)? Das ist der Geist der Furcht. Gerne wird auf Paulus verwiesen (R\u00f6m 14; 1. Kor.8): Man m\u00fcsse auf die Schwachen R\u00fccksicht nehmen, ohne dass reflektiert wird, wer denn damals die &#8222;Schwachen&#8220; waren und wer es heute w\u00e4re. Paulus ging es mitnichten darum, Gesundheit zu schonen, sondern das Gewissen. W\u00e4re es dann nicht konsequent, die Schwachen heute bei denen zu verorten, f\u00fcr die ein rudiment\u00e4rer Gottesdienst kein &#8222;richtiger&#8220; Gottesdienst ist? Stattdessen werden ungefragt \u00e4ltere oder kranke Gemeindeglieder zu &#8222;Schwachen&#8220; abgestempelt. Liebe Gemeinde, Angst ist bekanntlich kein guter Ratgeber.<\/p>\n<p>\u201eDenn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.\u201c Kraft, Liebe und Besonnenheit sind die positiven Eigenschaften, die der Verfasser des Briefes Christen durch die Gabe des Geistes zuschreibt. Es ist hilfreich, gut und zielf\u00fchrend, besonnen zu handeln, mit Augenma\u00df. Wir Menschen haben es generell schwer, Risiken richtig abzusch\u00e4tzen. Gefahren, die wir gewohnt sind, relativieren wir, z.B. das Risiko im Stra\u00dfenverkehr zu verungl\u00fccken. Eher Unbekanntes (&amp; deswegen allein meistens schon selteneres) kann uns bis zur Hysterie verunsichern. K\u00f6nnen Sie sich noch daran erinnern, als das Tamagotchi auf den Markt kam? &#8222;Jetzt verlieren Kinder den Bezug zur Realit\u00e4t oder zu richtigen Tieren!&#8220; &#8211; ist nicht so gekommen!<\/p>\n<p>Nun hilft zweimal Durchatmen und eine Nacht dar\u00fcber schlafen alleine nicht, um auf das Coronavirus angemessen und besonnen zu reagieren. Denn nat\u00fcrlich gibt es im Gemeindekirchenrat, unter den Mitarbeitern und allen, die Entscheidungen mittragen m\u00fcssen, unterschiedliche Sichtweisen. Was ist denn der besonnene Umgang? Oft braucht man innere St\u00e4rke und Kraft, Ma\u00dfnahmen abzustimmen und umzusetzen. Schon allein deswegen, weil viel in Bewegung ist. Es sollte selbstverst\u00e4ndlich sein, dennoch will ich es aussprechen: Die Gestaltung unserer Gottesdienste &amp; unseres Gemeindelebens ist kein Raum f\u00fcr Machtspielchen! Gott hat uns den Geist der Macht, der Kraft gegeben, weil wir diesen Geist in turbulenten Zeiten unbedingt brauchen. Dazu aber auch, &amp; das ist bekanntlich die gr\u00f6\u00dfte Gabe, den Geist der Liebe. Mit ihm schauen wir auf unsere Schwestern und Br\u00fcder. Was ist jetzt f\u00fcr sie wichtig? Welche Risiken k\u00f6nnen wir mit Gottvertrauen eingehen und wo sollten wir \u00e4u\u00dferst behutsam sein? Und pl\u00f6tzlich werden Schubladen, auf denen &#8222;schwach&#8220; oder &#8222;stark&#8220; steht nebens\u00e4chlich, ja fast unkenntlich. Wir feiern Gottesdienst. Auch im Seniorenheim. Aber wir laden dort nur die Bewohner ein, alle anderen bitten wir in die gro\u00dfe Lutherkirche zu kommen. Wir beten und singen, doch halten wir Hygieneregeln ein. Wir k\u00f6nnen nicht jedes Risiko ausschlie\u00dfen, aber wir brauchen nicht leichtsinnig zu sein!<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der gr\u00f6\u00dfer ist als unsere menschliche Vorstellungskraft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfr. Th.-M. Robscheit aus Apolda (EKM)<\/p>\n<p>Bemerkung zum Kontext: In Apolda finden normalerweise 09:00 &amp; 10:30 \u00f6ffentliche Gottesdienste statt. Der erste in der (gro\u00dfen) Kapelle des Carolienenheimes (Seniorenheim), der zweite eigentlich in der Martinskirche, wegen der n\u00f6tigen Abst\u00e4nde jetzt aber in der wesentlich gr\u00f6\u00dferen Lutherkirche, die sonst f\u00fcr Gottesdienste nur an hohen Feiertagen genutzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu 2. Timotheus 1,7 | verfasst von Th.-M. 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