{"id":3474,"date":"2020-09-30T21:14:15","date_gmt":"2020-09-30T19:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3474"},"modified":"2020-09-30T21:16:15","modified_gmt":"2020-09-30T19:16:15","slug":"wider-die-selbstgerechte-religiositaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wider-die-selbstgerechte-religiositaet\/","title":{"rendered":"Wider die selbstgerechte Religiosit\u00e4t&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wider die selbstgerechte Religiosit\u00e4t, die Rituale ernster nimmt als das Leben | Markus 2,14-22 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |verfasst von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke|&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Mann fragte mich einmal nach einem Gottesdienst \u2013 und sich selbst, was wohl aus so einem wie Levi geworden ist.<\/p>\n<p>Was aus all den Menschen geworden ist, denen Jesus auf seinem Weg begegnet ist, die alles, was sie in der Hand hatten, liegen lie\u00dfen und ihm folgten.<\/p>\n<p>So wie Levi.<\/p>\n<p>Diese Frage betrifft ja unausweichlich uns selbst und die Art und Weise, in der wir unserem Glauben Form verleihen \u2013 oder besser unsere Taufe ein neues Leben sein lassen.<\/p>\n<p>Neu in welcher Hinsicht?<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen wir uns selbst fragen: Was ist es, was wir gerne in Bezug auf unser Leben als Freiheit erfahren m\u00f6chten? Freiheit von etwas, was vielleicht unser Leben bestimmt, von dem wir uns aber nicht leiten lassen wollen.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte es f\u00fcr das Leben von Levi bedeutet haben, dass er sein Haus f\u00fcr diese Mahlzeiten mit halb- und vollkriminellen Menschen zur Verf\u00fcgung gestellt hatte? Menschen am Rande der Gesellschaft, um nicht zu sagen au\u00dferhalb der guten Gesellschaft von b\u00fcrgerlichen Normen und dem religi\u00f6s vorgeschriebenen Lebensstil &#8211; das, was wir heute ein \u201aordentliches\u2018 Leben nennen w\u00fcrden.d<\/p>\n<p>Ist er vielleicht zu seinem Zollamt zur\u00fcckgekehrt und hat wieder Geld gez\u00e4hlt \u2013 die eingeforderten Steuern f\u00fcr die r\u00f6mischen Machthaber?<\/p>\n<p>Z\u00e4hlte das Geld nach seinem eigenen Ritual mit S\u00e4ulen von M\u00fcnzen je nach Gr\u00f6\u00dfe und Wert?<\/p>\n<p>Welch ein Anblick! Und er passte auf, dass sie nicht umfielen.<\/p>\n<p>Es trug bei zu einer Zufriedenheit, auch Tricks anzuwenden, ohne dass es jemand merkt \u2013 Geldw\u00e4sche, damit er auch etwas f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Daf\u00fcr waren die Z\u00f6llner ja ber\u00fcchtigt.<\/p>\n<p><em>Oder<\/em> \u2013 vielleicht hat die vielen Bonmots Jesu w\u00f6rtlich genommen \u2013 neuer Wein in neuen Leders\u00e4cken \u2013 diese radikale Botschaft. Hat er sich die zu Herzen genommen?<\/p>\n<p>Vielleicht hat ihn dies zu einem Fanatiker gemacht? Da ist eine gewisse starke Radikalit\u00e4t in den Worten Jesu, so wie er hier redet: \u201eDie Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken\u201c.<\/p>\n<p>\u201eFlickt man einen neuen Lappen auf ein altes Kleid? Nein, neue Lappen auf neue Leders\u00e4cke\u201c.<\/p>\n<p>Vorw\u00e4rts! En marche!<\/p>\n<p><em>Oder<\/em> &#8211; bedeutete die Begegnung dort am Zoll mit diesem leuchtenden Mensch Jesus, der pl\u00f6tzlich von einem Augenblick zum anderen dastand und ihn rief mit einer Stimme, die direkt ins Herz ging, dass er aus dem herausgerufen wurde, was das \u201aGrab des Unterganges\u2018 war f\u00fcr <em>ihn<\/em>, f\u00fcr Levi, heraus aus Sumpf und Schlamm \u2013 ihn herauszog aus der Leere \u2013 und einen neuen Weg wies?<\/p>\n<p>Einen <em>ganz<\/em> neuen Weg. Eine <em>ganz<\/em> neue Bewegung.<\/p>\n<p>Eine <em>ganz<\/em> neue Weise zu leben mit seinem Gott: Gott mit anderen teilen. Einfach so. Ohne andere zu verurteilen, sondern Gott mit anderen zu teilen. So wie Gott durch Jesus Christus das Seine ganz mit dem Menschen teilt.<\/p>\n<p>Und vielleicht hat ihn die Freue bei all diesen Mahlzeiten \u2013 mit dieser bunt gemischten Versammlung \u2013 gelehrt, dass es f\u00fcr uns alle darum geht, das Haus zu \u00f6ffnen, nicht nur f\u00fcr de besonders Erw\u00e4hlten, sondern f\u00fcr alle. Offen zu sein.<\/p>\n<p>Dass es darum geht, seinen Reichtum mit anderen zu teilen.<\/p>\n<p>Nicht als ein moralisch erhobener Zeigefinger, so wie wenn nach einem Gottesdienst gesammelt wird \u2013 sondern etwas, was sich von selbst ergibt, die Freude am Geben und Teilen mit anderen. Nicht um etwas wiederzubekommen, sondern weil \u2026<\/p>\n<p>Ja, &nbsp;nicht ein weil \u2013 sondern nur: weil man nicht anders kann?<\/p>\n<p>Und das k\u00f6nnen wir ja doch sehr wohl \u2013 es nicht tun.<\/p>\n<p>Und deshalb habe wir einige Gesetze und Regeln, die uns selbst und einander besch\u00fctzen vor Gier und Egoismus.<\/p>\n<p><em>Deshalb<\/em> haben wir Gesetze und Regeln. Das war die Botschaft Jesu in eine Zeit hinein, wo die Gesetze und Regeln religi\u00f6s begr\u00fcndet waren \u2013 als w\u00e4ren sie f\u00fcr Gott da.<\/p>\n<p>Sie sind ja f\u00fcr uns da. Um uns selbst vor Gier und Egoismus zu sch\u00fctzen, vor selbstgerechter Religiosit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger des Johannes fasten, deine J\u00fcnger nicht? Worauf soll das hinaus?<\/p>\n<p>Und Jesus antwortet: <em>Lasst sie fasten so viel sie wollen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das muss niemand \u2013 und schon gar nicht jetzt, wo wir zusammen sind, um zu feiern und fr\u00f6hlich zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber eines Tages kann es vielleicht gut f\u00fcr euch sein zu fasten \u2013 um eurer selbst willen, nicht f\u00fcr Gott.<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>Oder:<\/p>\n<p>Das Gesetz sagt, dass wir den Feiertag achten sollen, denn er ist heilig \u2013 und du l\u00e4ufst umher und heilst Kranke zur Kirchzeit?<\/p>\n<p><em>Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Haltet den Feiertag, wie ihr wollt. Das ist gut f\u00fcr Euch. Aber richtet nicht, damit ihr nicht selbst gerichtet werdet.<\/em><\/p>\n<p>Und die Liste ist lang.<\/p>\n<p>Denn Jesus entzog der selbstgerechten Religiosit\u00e4t den Boden, die ihre Rituale und Traditionen mehr ernst nimmt als das Wohl und Wehe des N\u00e4chsten und das Leben selbst.<\/p>\n<p>Und es endete mit einem Bruch.<\/p>\n<p>Vielleicht war Levi mit in der Bewegung, die mit dem Judentum brach und ihre eigenen Gemeinden gr\u00fcndete \u2013 mit Ihm im Zentrum, der mit dem Licht und dem Leben kommt als eine Stimme, die direkt zu Herzen geht \u2013 und uns herauszieht aus dem Grab des Unterganges und unseren Fu\u00df auf den Felsen setzt, so dass wie fest stehen \u2013 einen Grund erhalten \u2013 etwas, was h\u00e4lt und tr\u00e4gt in unserem Dasein \u2013 was auch geschieht.<\/p>\n<p>Und vielleicht wurde Levi auch das neue Lied in den Mund gelegt, ein Lobgesang an unseren Gott \u2013 der uns hilft, unser Herz zu stimmen und offen zu sein f\u00fcr die Liebe, die uns in unerkl\u00e4rlicher Weise uns selbst und was wir haben und unsere halbneurotischen Routinen und Rituale vergessen l\u00e4sst und uns frei macht.<\/p>\n<p>Und vielleicht \u2013 hoffentlich \u2013 bedeutet all dies hier, dass wir, jeder f\u00fcr sich, dazu befreit werden, unserem Glauben eine Form zu geben, die unserem Leben einen Sinn verleiht, jedem f\u00fcr sich, so wie es jetzt aussieht \u2013 ohne einander zu verurteilen \u2013 durch Gebet, durch Gesang, durch Anz\u00fcnden von Licht, vielleicht einen Spaziergang im Wald \u2013 all das, was wir auch tun, nicht f\u00fcr Gott, sondern f\u00fcr uns selbst. Damit uns Anlass gegeben wird, die Augen f\u00fcr all das zu \u00f6ffnen, wor\u00fcber man sich freuen kann, all das, was uns geschenkt wird, die Gnade! Ein sch\u00f6ner Morgen mit Tau auf den \u00c4pfeln im Gras. Ein Gottesdienst hier in einem ruhigen Villenviertel, der Raum gibt f\u00fcr eine Mahlzeit, eine Gemeinschaft, eine Taufe \u2013 f\u00fcr Glaube und Hoffnung. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p>DK-5230 Odense M<\/p>\n<p>Email: etg(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wider die selbstgerechte Religiosit\u00e4t, die Rituale ernster nimmt als das Leben | Markus 2,14-22 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |verfasst von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke|&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Ein Mann fragte mich einmal nach einem Gottesdienst \u2013 und sich selbst, was wohl aus so einem wie Levi geworden ist. 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