{"id":3551,"date":"2020-10-21T08:33:59","date_gmt":"2020-10-21T06:33:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3551"},"modified":"2020-10-21T09:36:48","modified_gmt":"2020-10-21T07:36:48","slug":"gehorsam-kann-man-erzwingen-liebe-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/gehorsam-kann-man-erzwingen-liebe-nicht\/","title":{"rendered":"Gehorsam kann man erzwingen \u2013 Liebe nicht"},"content":{"rendered":"<h3>20. Sonntag nach Trinitatis | Matth\u00e4us 21,28-44 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Preben Kr\u00e6n Christensen |<\/h3>\n<p>Wir sind von Gott geschaffen in seinem Bilde \u2013 seit unserem Dasein im Mutterleib. Auch wenn wir an dieser wunderbaren Sch\u00f6pfung teilhaben, vollzieht sich zugleich ein Vergehen. Sch\u00f6pfung und Vergehen geschehen gleichzeitig. Wenn das gute Leben mit der Freude und der Liebe aufh\u00f6rt. Wenn Leben vom Tod eingeholt wird, Freude sich in Trauer verwandelt, wenn die Liebe verschwindet \u2013 wenn wir von dem verlassen werden, den wir lieben.<\/p>\n<p>Das Heil Gottes kann nur frei empfangen werden. Das ist die Grundlage des Christentums. Wir k\u00f6nnen die Liebe Gottes nicht als Lohn f\u00fcr gute Werke oder irgendetwas sonst erwerben. Wir k\u00f6nnen sie nur als Geschenk empfangen. Und Gott kann auch nicht unsere Liebe kaufen, weder durch Bestechung noch durch Wunder oder moralisierende Drohungen. Man kann sich Gehorsam erkaufen oder erzwingen, aber nicht Liebe. Und eben Gehorsam war das, was in den Mauern existierte.<\/p>\n<p>Jeder, der liebt, wei\u00df, dass es mehr als weh tun kann zu lieben. Man denke an Liebe, die nicht erwidert wird: Wenn die Kinder sich pl\u00f6tzlich entziehen und die Eltern nicht mehr sehen wollen. Wenn Freunde verschwinden, und man wei\u00df nicht warum, wo es doch so sch\u00f6n war. Das ist ja nicht sch\u00f6n, der zu sein, der immer gibt, weder in den menschlichen Beziehungen noch an der Bar, und nie etwas daf\u00fcr bekommt.<\/p>\n<p>Es ist nicht gut, nicht anerkannt zu werden!<\/p>\n<p>In dem Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern schickt der Hausherr seine Leute aus, um die Ertr\u00e4ge einzuholen, die ihm die P\u00e4chter schuldig sind &#8211; nur um dann zu erleben, dass seine Knechte einer nach dem anderen erschlagen werden. Dann denkt er, er muss seinen Sohn schicken, dem k\u00f6nnen sie doch nichts antun. Der Sohn wird ausgesandt, aber auch er wird umgebracht.<\/p>\n<p>Das ist ganz und gar verkehrt, denn so war das ja nicht gedacht! Es h\u00e4tte so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen und so einfach, aber der gro\u00dfz\u00fcgige Gott wird zur\u00fcckgewiesen. Und dann liegt man ja bekanntlich so wie man sich bettet. Es ist offenbar der Mensch selbst, der herrscht und sich selbst das Leid zuf\u00fcgt, das dies mit sich bringt. Damit hat Gott nichts zu tun. Das war weder sein Gedanke noch sein Plan, dass es so enden sollte. Er kam ihnen damals entgegen, und er kommt uns entgegen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen ganz dahin, wo Gott alles in allen ist, damit das Leiden aufh\u00f6rt. Aber bis dahin ist es so, dass Liebe und Leiden oft zusammengeh\u00f6ren, weil der, der hinreichend liebt, auf Gnade und Ungnade dem ausgeliefert ist, den er bzw. sie liebt. Und weil er bzw. sie f\u00fcr die Liebe mit keinem anderen Mittel k\u00e4mpfen kann als dem, dass man nicht aufh\u00f6rt zu lieben, auch wenn es wehtut.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr Gott. Aber im Gegensatz zu unserer Welt steht seine Liebe fest. Sind wir untreu, so bleibt er dennoch treu. Gott l\u00e4sst uns nicht einfach unseren eigenen Weg gehen. Er will uns, und er will unsere Liebe. Er sucht nicht Gehorsam. Und die einzige Weise, dies zu erreichen ist dies, dass er nicht aufh\u00f6rt, uns zu lieben, auch wenn wir ihn zur\u00fcckweisen. Deshalb muss Gott den Preis des Kreuzes bezahlen, wenn wir ihn abweisen und tun, was wir selbst wollen, und nicht das, was er will. So opfert Gott sich!<\/p>\n<p>Als der K\u00fcnstler Robert Jacobsen in unserer Kirche in Hjerting bei Esbjerg den Altar ausschm\u00fccken sollte, sagte er: \u201eWir gehen aus von Christus\u201c! Das ist klar und eindeutig evangelisch geredet und meint dies: Wir gehen aus von Christus, das gilt f\u00fcr jeden Mensch en und zu jeder Zeit. Gott setzt noch immer sein Leben ein, f\u00fcr uns, bis unser Zorn verflogen ist und Gott alles in allen wird.<\/p>\n<p>Das ist Treue. Eine Treue, die nur Gott umfassen und festhalten kann. Vielleicht findet sie dann einen Spalt bei dem starrsinnigen und selbstbezogenen Menschen, wo das Licht hineinfinden kann. Das gelingt, wie wir heute h\u00f6ren, keineswegs immer, denn wenn das der Fall w\u00e4re, g\u00e4be es keine b\u00f6sen Weing\u00e4rtner. Und die gab es ja. Wie gesagt, deshalb wurde es auch Karfreitag.<\/p>\n<p>Das ist die frohe Botschaft dieses Tages, dass Gott in den Weinberg einmarschierte. Er ging hinein, auch wenn er wusste, dass da das B\u00f6se regierte. Und er tat es, um bei uns zu sein, mit uns alle Tage, die guten und die b\u00f6sen Tage \u2013 dass er f\u00fcr uns glauben will und f\u00fcr uns hoffen will. Und das tut er, indem er noch immer den Zaun niederrei\u00dft, den wir zwischen ihm und uns errichtet haben. Amen.<\/p>\n<p>Propst Preben Kr\u00e6n Christensen<br \/>\nDK-6710 Esbjerg V<\/p>\n<p>E-Mail: pkch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. Sonntag nach Trinitatis | Matth\u00e4us 21,28-44 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Preben Kr\u00e6n Christensen | Wir sind von Gott geschaffen in seinem Bilde \u2013 seit unserem Dasein im Mutterleib. Auch wenn wir an dieser wunderbaren Sch\u00f6pfung teilhaben, vollzieht sich zugleich ein Vergehen. Sch\u00f6pfung und Vergehen geschehen gleichzeitig. 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